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Gratisbeilagen:Illustrirtes Ssnntagsblatt" u.Allnstrirte landwirthschaftliche Reilage".

Nr. 29.S-mbenS Den 9. März 1895.

Amtliches.

Hersfeld, den 5. März 1895.

Auch in diesem Jahre können einige arme scrophu- löse Kinder aus dem hiesigen Kreise zu einer Badekur (von längstens 4 Wochen) in die Kinderheilanstalt zu Sooden a/W. auf Kreiskosten ausgenommen und ver­pflegt werden.

Die Herren Bürgermeister werden angewiesen, die Eltern oder Angehörigen der einer solchen Badekur be- dürftigen Kinder ihrer Gemeinden hierauf aufmerksam zu machen. Aufnahmefähig sind Knaben im Alter von 3 bis 12 und Mädchen im Alter von 3 bis 14 Jahren.

Anmeldungen sind möglichst bald und bis spätestens zum Ablauf dieses Monats dahier einzureichen.

I. I. 1038. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Nichtamtliches.

Kaiser Wilhelm I.

Zum 9. März.

Zum siebenten Male kehrt der Tag wieder, an welchem unser großer Kaiser Wilhelm I. sein ehrwürdiges Haupt zur Ruhe gelegt und für immer die Augen ge- schlossen hat, die so unablässig und segensreich über Preußen und Deutschland gewacht haben. Seit jener Stunde, da alle Völker des Erdballs sich in einer wahr­haften Welttrauer mit uns zusammenfanden, sind die Geschicke ernst über das Vaterland dahingerollt. In­mitten der Kämpfe des Tages ist unserem deutschen Volke der 9. März ein Tag der Einkehr und der Samm­lung. Wir hören im Geiste wieder die Glocken klagen, sehen die schwarzen Fahnen sich entfalten, und die Blicke haften wehmuthsvoll an dem verehrten Antlitz des todten Kaisers. Die Einheit der Trauer und der Erinnerung umfängt wieder die Herzen. Trotz aller Gegensätze, die der Tag bringt, finden wir uns zusammen in dem An­denken an des Reiches Gründer, döm siegreichen Feld­herrn, den für das Wohl aller, und gerade der Aermsten, besorgten Vater des Volkes.

Halten wir an der großen Errungenschaft fest, die

(Nachdruck verboten.)

Zischen Nilter null 6o|n.

Familienroman von P. Henke«. (Fortsetzung.)

Ich glaube, Gott im Himmel selbst hat mir diesen Gedanken eingegeben," begann sie wieder mit sanfter Entschlossenheit, während sie es nicht verhindern konnte, daß ein inneres Zittern ihre Stimme beschlich.Du hast Recht, zwischen uns Beiden kann es, wie die Ver­hältnisse liegen, niemals zu einem guten Ende führen, so will ich denn Deinen Vater heirathen, um Dich glücklich zu machen. Dann sollst Du alles haben, was Dein Herz begehrt" plötzlich brach ihre Stimme; vor Wehmut!) konnte sie nichts mehr weiter sprechen, sie schmiegte sich dichter an den jungen Mann und dieser schlang, während das Herz ihm zum Zerspringen klopfte, den einen Arm um sie. Er gab aber keine Antwort, denn er fürchtete, sonst den Entschluß des weinenden Mädchens wieder zum Wanken bringen zu können.

Jetzt, wo die Würfel bereits gefallen waren, pries er schon im Geiste seine Schlauheit. Was lag ihm an dem weinenden, härmenden Mädchen, das so arglos ihm vertraute!

Es muß sein," murmelte das junge Mädchen wieder, je mehr ich darüber nachdenke, desto klarer tritt mir der Weg der Pflicht vor die Augen. Nicht nur meiner Mutter und den Geschwistern bin ich eS schuldig, nein, auch Dir! Hienieden werde ich Deines Vaters Weib, aber wenn der Himmel uns gnädig ist, dann wird er

unser Vaterland durch /Einheit und Macht dem Helden­kaiser verdankt, und lassen wir uns durch die Er­scheinungen der kümmerlichen Gegenwart, durch den Lärm, den die Reichsfeinde und Revolutionäre machen und durch das internationale Geschrei politischer Schwärm» geister nicht den Blick auf Deutschlands Ziele und Deutschlands Größe trüben! Ein Nationaldenkmal dem Begründer des deutschen Reiches in seiner Hauptstadt zu errichten, haben die deutschen Fürsten und Stämme beschlossen, und aller Reichthum der deutschen Kunst wird aufgeboten, dieses Denkmal würdig zu gestalten. Außer diesem erheben sich noch Hunderte von Kaiser Wilhelms- Denkmalen in den deutschen Landen, in allen größeren Städten, an den Ufern des Rheines, auf dem Kyffhäuser und dem Hohenstaufen, in der von ihm zurückgewonnenen Reichs- und Grenzveste Metz. Aber das schönste Denk­mal wird das Denkmal der Liebe bleiben, das er selchst in Millionen Herzen sich aufgerichtet hat, ein Denkmal, welches sich forterben wird als ein heiliges Vermächtniß an sein Haus von Geschlecht zu Geschlecht. .

Dieses Denkmal in den Herzen wird die lebenden wie die kommenden Generationen immer von neuem daran mahnen, das große Werk Kaiser Wilhelms, Deutsch­lands Einheit, treu zu bewahren, und wird für Jahr­hunderte den Nachruf erneuet, w.lchen Fürst Bismarck am 9. März 1888 in das Buch der Geschichte unaus­löschlich einschrieb:Die heldenmüthige Tapferkeit, das nationale hochgespannte Ehrgefühl und vor allen Dingen die treue, arbeitsame Pflichterfüllung im Dienste des Vaterlandes und die Liebe zum Vaterlande, die in unserm dahingeschiedenen Herrn verkörpert war, mögen sie ein unzerstörbares Erbtheil unserer Nation sein, welches der aus unserer Mitte geschiedene Kaiser uns hinterlassen hat!"

Aus dem Reichstag.

Berlin, 6. März. In der heutigen Sitzung des Reichstag« wurde die Berathung des Antrages der Abgg. Frhr. v. Hammerstein (kons.) und Frhr. v Manteufsel (kons.) auf Vorlegung eine« Gesetz, entwurf«, nach welchem Israel iten, die nicht RcichSangehörige sind, die Einwanderung über die Grenzen te« Reich« unter­sagt wird, fortgesetzt in Verbindung mit der ersten Berathung des von den Abgg. Liebermann v. Sonnenberg (dtschsoz. Resp.) und Ge­nossen eingebrachten Gesetzentwurss, betreffend die Einwanderung aus­ländischer Juden, und in Verbindung mit der Berathung des Antrages der Abgg. Hasse (natlib.) und Genossen wegen Abänderung deS Ge­setze« über den Erwerb und Verlust der deutschen ReichS-

es fügen, daß wir uns oben finden. Ach, Max," unterbrach sie sich, weh aufschluchzend und das Kinn auf die Brust herabsenkend,was für ein entsetzlich schweres Leben wird es geben! Ich darf gar nicht an die Zukunft denken. Es ist mir so öd' und leer zu Muthe. Ich habe Dich so unaussprechlich lieb-- und soll doch Deinem Vater angehören!" ....

In einem Zustande halber Betäubung kam Marianne von dieser Zusammenkunft nach Hause.

Als sie in die Wohnstube eintrat, traf sie den Ge- sürchteten bereits bei ihrer Mutter an; auch Onkel Riedel war zugegen und trat nun mit mißmuthigem Gesichts­ausdruck auf sie zu.

Na, wo steckst Du denn," meinte er, während er mit der einen Achsel nach dem bei ihrem Eintritt vom Stuhle aufgestandenen Fuhrherrn deutete,Du hast doch gewußt, daß Mutter Besuch heute Abend hat!"

Laßl's nur gut sein, lieber Riedel," unterbrach ihn Eichmann, der sich inzwischen Marianne genähert hatte, so schlimm dürft Ihr mir nicht mit dem lieben Mädchen umspringen!"

Na, ich meine es ja nur gut," sagte der Andere entschuldigend,es ist aber doch zum Fuchtigwerden mit dem Frauenzimmer!"

Indessen Marianne gab ihm gar keine Antwort; sie hatte mit fast irrem Ausdrucke einen Blick durch das Zimmer gesandt, dann war derselbe auf dem, eine leichte Erregung nicht fern halten könnenden Angesicht des Fuhrherrn haften geblieben. Nun starrte sie diesen mit anscheinend völliger Theilnahmlosigkeit an.

und Staatsangehörigkeit. Abg. Hasse (natlib.) führt aus, e« liege in unserem Interesse, einerseits den Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit zu erschweren, andererseits aber auch die Frist zu verlängern, nach deren Ablauf die Deutschen im Auslande der Staats» angehörigkeit unter Umständen verlustig werden. Abg. R i ck e r t (freif. Ver ) will auf die Judenfrage im Allgemeinen nicht eingehen, weil es sich hier nur um ausländische Juden handle, widerspricht den Anträgen, die den Forderungen der Humanität und der Civilisation entgegenständen, und richtet an den StaatSminister v. Bötticher die Anfrage, wie er über daS Verhältniß der vorliegenden AtI-^E^- den internationalen Verträgen denke. Staat-minister v. Bötticher: Wenn die Antragsteller von vornherein den ausländischen Juden die Niederlassung in Deutschland untersagen wollten, so würden sie damit den bestehenden internationalen Verträgen widersprechen, denn diese gäben unter Wahrung der Gegenseitigkeit den Ausländern da« Recht, innerhalb des Reiches mit denselben Rechten wie die Inländer Ge­schäfte zu betreiben; durch dieses Recht werde allerdings daS polizei­liche Verhältniß nicht berührt, was durch den russischen Handelsvertrag zwcifsello» festgestellt fei; cS sei somit nicht verwehrt, Ausländer au« polizeilichen Gründen auSzuweisen. Wenn aber die Antragsteller die ausländischen Juden nur von dem Erwerb der deutschen Staatsange­hörigkeit ausschließen wollten, so würde die» den Verträgen nicht ent- gegenstehen. Abg. Lieber (Ctr.): Für den Antrag Hasse reiche die vorgetragene Begründung nicht aus. Die beiden anderen Anträge widersprächen den bestehenden Händel«, und Niederlassungsverträgen. Aber auch abgesehen davon sei er auch sachlich gegen die Anträge, weil er keinerlei Ausnahmegesetze wolle. Die jüdischen Mitbürger hätten allerdings vielfach zu Klagen Anlaß gegeben; insbesondere hätten sie sich während deS Kulturkampfes in unwürdigen Angriffen ergangen, und sie thäten dies bis zum heutigen Tage. Die Gerechtigkeit erfordere aber anznerkenne», daß die sieben nicht allein solche Angriffe machten. Abg. H e r m e s (freis. Volksp. i: In allen Ständen, in Älen Berus«- arten, in allen Bekenntnissen gebe eS schlechte Elemente, und eS sei daS größte Unrecht, gegen die Juden solche Vorwürfe zu erheben, wie es in dieser Debatte geschehen sei. Der Antisemitismus sei geradezu unsittlich. Die Befürworter der Anträge hätten nicht« al« die gewöhn­lichsten Schlagworte vorgebracht. Ein Redner habe sogar gesagt, wenn es so weiterginge, würden die Christen in Berlin nur noch geduldet sein. Die Berliner fürchteten sich aber vor der Verjudung nicht, sie sähen die Juben gern in Berlin, denn sie hielten sie für gleichberechtigte Menschen. Abg. Frhr. v. Langen (tonf.): Der Geist, der sich gegen die Juden geltend mache, sei der deutsche Geist, der nationale Geist, der alle« wegfegen werde, was sich ihm entgegenstelle. Die Juden seien ein andere« Volk, sie bildeten einen Staat im Staate, und dieser Staat stehe dem unseren feindlich gegenüber. Abg. S chm id t (steif. Ver.) beantragt, über den Antrag Liebermann von Sonnenberg zur Tagesordnung Überzugehen Der Antrag wird, nachdem sich der Abg. Richter (freif. Volksp.) dafür, der Abg. Förster (dtschsoz. Resp.) dagegen ausgesprochen hatte, angenommen. In der Fortsetzung der Debatte über die beiden anderen Anträge führt der Abg. A h l - warbt (6. k. F.) auS, er und seine Freunde bekämpften die Juden nicht wegen ihrer Religion, sondern wegen ihrer Rasse. Wenn gesagt worden sei, die Juden seiest auch Deutsche, so sei die« nicht wahr, die Juden seien eben nicht Deutsche. ES handle sich hier um Sein oder Nichtsein unseres Volkes. Abg. Richter (freif. VolkSP.) weist in einer Bemerkung zur Geschäftsordnung darauf hin, daß der Abg. Ahlwardt in seinen Ausführungen mit Beziehung auf die Juden

Herr Eichmann," begann sie endlich mit müder, schleppender Stimme,ist es ^wirklich Ihr Ernst, daß Sie mich heirathen wollen?"

Eichmann vermochte seine freudige Bewegung nicht zurückzuhalten.Ob es mein Ernst ist," versetzte er alsdann im Tone warmen Empfindens," liebes Mädchen, können Sie fragen? Sie müssen es doch schon lange wissen, wie es eigentlich um mich steht."

Marianne nickte dazu bloß mit dem Kopfe.Eins noch muß ich Sie fragen," begann sie von Neuem mit einer Stimme, die so fremd und wie aus einer andern Welt herüberklingend tönte, daß Eichmann einen be­stürzten Blick zuerst auf sie und dann auf die übrigen im Zimmer befindlichen Personen warf,wollen Sie es mir angeloben, daß Sie mich in allen Stücken so halten wollen,' wie es Ihrer Gattin vor Gott und der Welt von Rechtswegen zukommt?"

Kopfschüttelnd betrachtete Eichmann das Mädchen, dessen bloßer Anblick genügte, um sein Herz in freudige Aufwallung zu versetzen; dann umschlang er zaghaft mit dem einen'starken Arm die Hüfte der leise Erschauernden.

Haben Sie mich jemals in solch' wenig vortheil- hafter Weise kennen gelernt, Marianne, daß Sie solchen Zweifel in meine lauteren Absichten setzen können?" frug er im Tone sanften Vorwurfes, während Wehmuth aus seinem Stimmenklange mächtig hervorzitterte. Wenn Sie mein liebes, trautes Weib werden wollen, Marianne, dann will ich Sie hegen wie einen kostbaren Schatz, wie ein unverdientes Glück, das mir den lang entbehrten Sonnenschein ins Leben zurückzaubert, das