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Nr. A. IomierslW den 11 März 1895.

Amtliches.

Hersfeld, den 7. März 1895.

Der seitherige Bürgermeister Ferdinand Nutzn zu Niederairla ist als solcher auf acht weitere Jahre gewählt, bestätigt und heute verpflichtet worden.

J. A. Nr. 714. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Nath.

Hersfeld, 7. März 1895.

Der seitherige Bürgermeister Ludwig Hahn zu Hillartshausen ist als solcher auf acht weitere Jahre gewählt, bestätigt und eidlich verpflichtet worden.

J. A. Nr. 632. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Negierungs-Rath.

Nichtamtliches.

Ier Stliitsriltli.

Der Staatsrath tritt gegenwärtig auf Befehl des Königs von Preußen zusammen. Fragen, welche unser Volk aufs tiefste bewegen und deren Austragung in der öffentlichen Meinung zu den heftigsten Kämpfen und be­denklichen Erscheinungen führen, werden in dieser Ver­sammlung auserlesener Sachverständiger eine gutachtliche Entscheidung finden. Diese Entscheidung wird jedenfalls mehr ins Gewicht fallen als diejenige der zufälligen Mehrheiten im deutschen Reichstage, die in der Regel nicht auf Grund hervorragender sachverständiger Kennt­nisse , sondern zum großen Theil unter politischen und parteitaktischen Gesichtspunkten erfolgt.

Weiln wir die Namen der Herren ansehen, die zu den bevorstehenden Staatsrathtzsitzungen einberufen sind, so bestärkt sich für uns die Zuversicht, daß ihre Bera­thungen ein für das Gemeinwohl erfreuliches Ergebniß haben werden. Aus allen Provinzen unseres Königreichs sehen wir Männer zugezogen, die in großen Kreisen der Bevölkerung sich eines weitgehenden Vertrauens erfreuen, die reiche praktische Kenntnisse, eine große Erfahrung und eine durchaus unabhängige Lebensstellung besitzen. Die meisten politischen Agitatoren sind mit Recht fern­gehalten.

zNacbdruck verboten.) " inil Zch.

Familienroman von P. HcnkeS. (Fortsetzung.)

Der Eintritt seines Sohnes unterbrach sein Selbst­gespräch. Der fast bekümmerte, weiche Ausdruck schwand aus seinen Zügen; seine Gestalt streckte sich und wurde straff. Er warf einen langen Blick auf den mit trotziger Miene neben der Thür stehen Gebliebenen.

Ich will Dich nur kurz davon in Kenntniß setzen, daß ich in einigen Wochen wieder heirathen werde," sagte er in kaltem, förmlichen Tone.Unser Verhältniß wird selbstverständlich nicht dadurch berührt, aber ich hoffe, daß Du mich, wo nun eine liebevolle Mutter für Dich ins Haus kommt, nicht dazu zwingst, fortan noch Dir nur mit Strenge begegnen zu müssen."

Max heuchelte Ueberraschung.Frau Julchen hat mir schon so was gesagt, doch ich kann es nicht glauben; Du bist doch immerhin schon alt, Vater."

Ein jäher Ruck ging durch des Fuhrherrn Gestalt und die Zornesader trat auf seiner Stirn drohend hervor; aber er bezwäng sich, fühlte er doch nur zu gut, daß die Rede seines Sohnes darauf gemünzt war, ihn zu verletzen und diese Freude wollte er dem schnöden Burschen doch nicht machen.

Ich bin jedenfalls noch nicht zu alt, um Dir einen sehr energischen Strich durch Deine Kalkulation zu machen," sagte er mit vieldeutiger Miene.

Keiner der Berufenen hat auch den geringsten Anlaß, seine Ueberzeugung zu verheimlichen; sie sind berufen, offen und ehrlich ihrer Meinung Ausdruck zu geben; unser Kaiser will ihre wahre Ueberzeugung aus ihrem eigenen Munde hören, und seine Persönlichkeit, sein ernstes Streben, sein Eifer, den Bedrängten zu helfen, soweit Hülfe möglich ist, bürgt dafür, daß nicht der Höf­lingston, sondern das Schwergewicht der besseren Gründe bei ihm den Ausschlag geben wird.

In erster Reihe der dem Staatsrath gemachten Vor­schläge zur Hebung der Getreidepreise steht der bekannte Antrag Kanitz auf Verstaatlichung der Getreideeinfuhr. Ein zweiter Vorschlag will die Contingentirung der Ge­treideeinfuhr in der Weise, daß das Reich alljährlich auf Grund der zu erwartenden Ernte die Menge des einzu- führenden ausländischen Getreides bestimmt. Der Plan geht von der Annahme aus, daß, wenn Deutschland nicht über seinen Bedarf hinaus mit Getreide versehen sei, die Inlandspreise sich unabhängig von den Welt­marktspreisen gestalten würden. Das Organ des Bundes der Landwirthe hat diesen Plan rundweg abgewiesen.

Ein im Januar d. I. aufgetauchter dritter Vorschlag sucht den Zweck des Antrages Kanitz zu erreichen, ohne das Reich mit der Einfuhr zu besassen. Das im privaten Verkehr eingegangene Getreide soll, wenn es im Jnlande in den Verbrauch übergeht oder im Inlands weiter verkauft wird, einer Verbrauchs- bezw. Verkehrs­steuer unterliegen. Und zwar hätte diese Steuer um so höher zu sein, je niedriger der Getreidepreis wäre, und umgekehrt. Bei einem gesetzlich zu bestimmenden Höchst­preis käme die Steuer in Wegfall. Die Steuer hätte im übrigen so viel zu betragen, als die Abweichung des Höchstpreises von demjeweiligen natürlichen wirk­lichen Einkaufspreise" ausmacht. Der Urheber dieses Vorschlages glaubte einen Vorzug desselben vor dein nach dem Grafen Kanitz benannten u A. auch darin zu erblicken, daß ihmgar keine Bedenken betreffs der Handelsverträge" entgegenständen eine Auffassung, die mit guten Gründen bestritten wird.

Der Plan eines staatlichen Brotmonopols hat die Monopolisirung des gesummten Getreidehundels zur Vor­aussetzung, welche letztere auch selbständig vorgeschlagen worden ist. Das Brotmonopol wurde für Deutschland von Paul Dehn empfohlen. Herr Dehn stützte sich auf Schriften des österreichischen Mühlenbesitzers Till, dessen Vorschläge also lauten: Der Staat soll jedes Jahr nach der Ernte den Getreidepreis mit Rücksicht auf den Aus­

Und wie heißt denn meine zukünftige Stiefmutter?" frug Max, unter des Vaters Blicke doch die Augen niederschlagend.Man sagt so manches im Hause."

Der Name meiner zukünftigen Frau ist kein Ge­heimniß, sie ist die zweite Tochter des unglücklichen Wächters Schwark, an dessen gewaltsamen Tode Dir Schuld beigemessen wird."

Da ging ein Pfeifen über des Burschen Lippen. So die," versetzte er gedehnt.

So, die? Was soll das heißen?" sagte sein Vater, während er dicht an ihn herantrat und ihn drohend anschaute.

Max zuckte zusammen.O nichts, gar nichts," meinte er und bog tückisch den Kopf bei Seite, seinen Vater mit einem schielenden Blicke von der Seite be­trachtend. Dann, als er wahrnahm, daß der letztere sich wieder abmandte, setzte er rasch hinzu:Ich meine nur, die Schwest.er Deiner zukünftigen Frau und diese selbst sind unter den jungen Leuten verschrien, man sagt, sie seien etwas leicht"

Ein jäher Laut kam über des Fuhrherrn Lippen; dessen Faust zuckte herauf und mit einem jähen Satz war er bei seinem Sohne, diesen flammend anschauend.

Du, Du," stieß er in grollendem Tone hervor, hüte Deine Zunge!"

Aber zum ersten Male seit langer Zeit wagte Max dem dräuenden Blicke des Vaters mit trotzigem, gehässigen Ausdruck zu begegnen.Aber es ist doch wahr," ver­setzte er, tief dabei aufathmend.

fall der Ernte im Jnlande und auf die Gestehungskosten, aber ohne Rücksicht auf den Ernteausfall des Auslandes, bestimmen, von den Landwirthen das Getreide zu diesem Preise übernehmen, es in Accord vermahlen lassen, die Umwandlung des Getreides in Brot in allen Städten und Märkten besorgen und nebenbei den Mehlverkauf ausschließlich betreibe». Dabei soll der Brotpreis derart berechnet werden, daß dem Staate nur ein Reingewinn von einem Gulden für das Jahr und Kosten verbleibt. Reicht die inländische Ernte nicht aus, so kauft der Staat den weiteren Bedarf im Auslande. Die bis­herigen Bäcker werden ausreichend entschädigt. Diesen Plänen gab Herr Dehn das Geleite nach Deutschland mit folgenden Sätzen:Man entwickle aus dem Anträge Kanitz frischweg ein staatliches Getreide- und Brotmono­pol. Das sozialistische Gespenst kann uns nachgerade nicht mehr schrecken. Es ist immer besser, wir wachsen allmählich in den-Zukunftsstaat hinein, als daß er plötz­lich und umstürzend über uns kommt."

Ferner wird der Staatsrath sich zu befassen haben mit der Frage der Hebung des Zucker- und Spiritus­preises , des Silberpreises (Referenten Generalkonsul Rüssel und Graf Mirbach), mit der Verbilligung der landwirthschaftlichen Produktion, der Erleichterung des Absatzes ihrer Erzeugnisse (Referenten Frhr. v. Schor- lemer-Alst und Graf Kanitz), der Seßhaftmachung der ländlichen Arbeiter, endlich mit Maßnahmen auf dem Gebiete der Kreditorganisation (Referenten Frhr. von Huene und Landesdirektor Dr. Klein-Düsseldorf.

Aus dem Reichstag.

Berlin, 11, März. In der heutigen Sitzung des Reichstages wurden die an die Budgetkommission zurückverwies-ne Resolution von Podkielski auf Vergütung der von den Onartierwirthen während der Truppenübungen freiwillig verabsolgtm Verpflegung, sowie die Resolution Schädler betreffs Verabreichung warmer Abendkost an die Mannschaften angenommen; doch sollen die Mittel zur allgemeinen Einführung des warmen Abendbrots in den Etat erst eingestellt werden, sobald die Finanzlage des Reiches es gestattet. ES folgt die zweite Berathung des Etats der Post- und Telegraphenverwaltung. Auf Anregung deS Abg. LingenS i Ctr.) erklärt Staatssekretär von Stephan, daß er die Sonntagsruhe weiter ausdehnen wolle, sofern nicht wichtige Verkehrsivteressen entgegenstehen würden. Abg. Müllert, Sagan rfrs. VolkSP.) wünscht Ermäßigung der Fernsprechgebühren, Erhöhung der Gewichtsgrenze für einfache Briefe und zweckmäßige Aenderung deS ZeitungStariss. Staatssekretär v. Stephan führt aus, das Fernsprechwesen sei in Deutschland weit mehr auSgebildet, als in irgend einem anderen Lande. In Berlin allein gebe es mehr Fernsprechanschlüsse als in ganz Frankreich. Eine Ermäßigung der Gebühren könne nicht in Aussicht gestellt werden, ebensowenig eine

Da aber hatte ihn sein Vater schon vor der Brust gefaßt.Noch ein solch' loses, unehrerbietiges Wort über mein zukünftiges Weib und ich schlag' Dich gleich einem tollen Hunde nieder," sagte er, während maßlose Wuth seinen Körper durchschüttelte.

Feig und verzagt brach Max halb in sich zusammen. Ich hab' es ja garnicht böse gemeint," murmelte er mit aschfarbenem Gesicht, während seine Zähne hörbar aufeinander schlugen.

Das ist Dein Glück," rief der Fuhrherr, indem er den Sohn losließDaß ich mit Dir losen Buben über die Ehre meiner zukünftigen Frau stritte," setzte er hinzu.Marianne steht in jeder Beziehung zu hoch, als daß ich ihren Namen auch nur aus Deinem Munde hören möchte. Aber das merke Dir," fügte er in dro­hendem Tone hinzu, während er zugleich die eine Hand mahnend erhob,mein junges Weib steht an meiner Statt im Haus, ich werde es mir zur Ehre anremnen, ihr zu dienen und all' meinen Lebenszweck nur daran setzen, sie glücklich zu sehen. Weh' dem, der es wagt, ihr unehrerbietig zu nahen; wehe Dir, wenn sie sich über Dich beklagen müßte! ... Und nun geh'," setzte er hinzu, gebieterisch mit der Rechten nach der Thür weisend;marsch hinunter mit Dir an die Arbeit."

Gleich einem begossenen Pudel schlich sich Max zur Thür hinaus. Aber kaum war die letztere hinter ihm in'e Schloß gefallen, da reckte er sich auch schon gewaltig empor und ein böses unheimliches Lachen war es, das seine Lippen verzerrte. -Also doch, doch," murmelte