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Die Expedition.

Amtliches

Hersfeld, den 20. März 1895.

Zur Vermeidung irrtümlicher Auffassung der Ziffer 17 der Anweisung zur Ausführung der Polizei-Verordnung vom 15. August 1894, die Untersuchung des Schweine- H fleisches auf Trichinen betreffend, ^vird hierdurch darauf aufmerksam gemacht, daß die Bestellung eines Fleisch- boten nur auf Antrag des zuständigen T r i ch i n e n b e s ch a u e r s , welcher den Fleischboten auch zu unterrichten und demselben, daß dies geschehen, | entsprechend zu bescheinigen hat, durch die Ortspolizei- 1 behörde erfolgen kann.

I. I. Nr. 1242. Der Königliche Landrath Freiherr von S ch l e i n i tz , Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 22. März 1895.

Bei dem am 13. d. Mts. dahier stattgefundenen KlassifikationS-Geschäfte ist der Apotheker Otto Richter von Niederaula auf erhobene begründete Reklamation

von der verstärkten Ersatz-Kommission gemäß § 6 des Gesetzes vom H. Februar 1888, betreffend Aenderungen der Wehrpflicht, hinter die letzte Jahresklasse der Land­wehr II- Aufgebots zurückgestellt worden, was hierdurch mit dem Bemerken veröffentlicht wird, daß diese Zurück­stellung nur bis zum nächsten Klassifikationstermine Gültigkeit behält.

Außerdem erlischt die gewährte Zurückstellung, sobald der Betreffende aus dem diesseitigen Aushebungsbezirke in einen anderen verzieht.

I. II. Nr. 888. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleiuitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Zugelaufen: ein kleiner grauer Hund. Meldung des EigenlhümerS bei dem Ortsvorstand zu Schenk- lengsfeld.

Wchtamiliches.

Der Kaiser im Staatsrath.

Die nunmehr beendigten Berathungen des StaatS- raths haben vom 12. bis zum 21. d. M. gewährt, sich also über einen Zeitraum von 10 Tagen erstreckt. Die Sitzungen nahmen ihren Anfang regelmäßig Vormittags 10 Uhr und dauerten bis gegen 6 Uhr, an einigen Tagen bis 7 Uhr Nachmittags. Aul 17. (Sonntag) und am 18. d. M. fielen die Sitzungen aus, um Raum zu lassen für die Berathungen einer Kommission, die mit Aufstellung eines Schlußantrages zu I, 1 der Vor­lage :Maßregeln zur Hebung der Getreidepreise" be­auftragt war. Seine Majestät der Kaiser hat nicht nur an allen Berathungen des Staatsraths von Anfang bis zum Schluß mit dem lebhaftesten Interesse theilgenommen, sondern sich auch persönlich der anstrengenden Aufgabe unterzogen, die Verhandlungen zu leiten.

Wie sehr dem Kaiser die wichtigen Fragen, die den Gegenstand der Berathung bildeten, am Herzen liegen, und mit welch' tiefem Verständniß er in dieselben einzu- dringen sich bemüht hat, war nicht nur aus gelegent­lichen Aeußerungen über geschäftliche Fragen, sondern auch ganz besonders aus Mittheilungen thatsächlichen Materials zu den einzelnen Verathungsgegenständen deutlich zu erkennen und hat die aufrichtige Bewunderung aller Theilnehmer an den Verhandlungen hervorgerufen.

Bei der langen Dauer und der anstrengenden Natur dieser Verhandlungen beweist die Uebernahme des Vor­sitzes durch Se. Majestät den Kaiser neben der Erle­digung der laufenden Regierungsgeschäfte ein Maß persönlicher Hingabe und aufopfernder Thätigkeit, das in den weitesten Kreisen des Landes das Gefühl dank­barer Anerkennung und stolze Befriedigung erwecken muß. Welches Land kann sich eines Herrschers rühmen, der seinen königlichen Beruf in solchem Sinne vorsteht! Durch die That hat es der Kaiser auch diesmal gezeigt, daß auch er sich die Worte seines königlichen Ahnherrn, Friedrichs des Großen, zu eigen gemacht hat, der König sei der erste Diener des Staates-

Politische Nachrichten.

Berlin, 26. März.

I Seine Majestät der Kaiser hat sich mit dem Kronprinzen heute Morgen 8 Uhr 20 Min. vom Lehrter Bahnhöfe aus zur Beglückwünschung deü Fürsten Bisinarck nach Friedrichsruh begeben. In der Begleitung des Monarchen befinden sich der Kriegsminister General Bronsart v. Schellendorff, der stellvertretende kommandirende Admir^ Knorr, die Chefs des Militair-, Marine- und Zivilkabinets, General v. Hahnke, Kontre- admiral v. Senden -Bibran und Wirklicher Geheimer Rath Dr. v. Lucanus, der Ober-Haus- und Hofmarschall Graf zu Eulenburg und das Allerhöchste Hauptquartier. Se. Majestät traf um 12 Uhr Mittags am Eisenbahn- Uebergange bei der Aumühle, westlich Friedrichsruh, ein, stieg daselbst zu Pferde und begab sich nach dem unge­fähr 500 Meter südlich Friedrichsruh gelegenen Kreu­zungspunkt der Chaussee Aumühl - Schwarzenbeck und Friedrichsruh (F.-H.) - Perleberg, woselbst unter dem Be­fehle des Kommandeurs des Kürassier-Regiments von Seydlitz (Magdeburgisches) Nr. 7, eine Schwadron dieses Regiments, deffen Chef Fürst v. Bismarck ist, mit dem Trompeterkorps und der Standarte, eine Kompagnie des 2. Hanseatischen Infanterie-Regiments Nr. 76 mit der Regimentsmusik, den Spielleuten und der Fahne des betreffenden Bataillons, eine Eskadron des Hannover- schen Husaren - Regiments Nr. 15 mit dem Trompeter­korps und der Standarte und einer Betterie zu sechs Geschützen des Holsteinischen Feld-Artillerie-Regiments Nr. 24 in etatsmäßiger Friedensstärke bereit standen.

(Nachdruck verboten.)

3ini|>n Vater niib Schi.

Familienroman von P. H e » k e s. (Fortsetzung.)

Stobbe ging. Der Fuhrherr starrte ihm nach, bis sich die Thür hinter dem alten Manne geschlossen hatte. Dann kam ein Aechzen, aus tiefster Brust haltlos her­vordringend, über seine Lippen und wie eine gefällte Eiche brach er in sich selbst zusammen. Er sank auf ein kleines Lederfopha nieder. Dort lag er lange Zeit bewegungslos mit weit aufgerissenen stieren Augen und halb geöffneten Lippen, über die keuchend der Athem drang ....

Sechszehntes Kapitel.

Unter gemitterschwangerem Schweigen war das Mittagessen vorübergegangen. Sonst pflegte der Fuhr- herr die Mahlzeit durch Scherze zu würzen, er war un­ermüdlich in seinem Bemühen, die immer so schweigsame, stille und in sich gekehrt auf ihren Teller niederblickende, junge Frau zu beleben, ihr ein Lächeln abzugewinnen. Heute dagegen schwieg auch er. Fast keine Speise be­rührte er; er konnte es offenbar nicht erwarten, bis die Mittagsmahlzeit vorüber war.

Dann, als das Mädchen sich mit dem Geschirr ent­fernt hatte, blieb er auf seinem Platz sitzen und trommelte leicht mit den Fingern der einen Hand auf der Tischfläche.

Marianne war aufgestanden, sie hatte den Schlüssel­bund ergriffen und war aus Büffet herangetreten, um

das Compot in diesem aufzuheben. Unablässig verfolgte sie der Fuhrherr mit seinen Blicken, während ein leises nervöses Zittern um seine Lippen spielte und ab und zu ein Schauer durch seine kräftige Gestalt glitt.

Schon zu wiederholten Malen hatte Marianne sich nach ihrem Gatten umgeblickt. Jetzt plötzlich, während ihr Gesicht einen bleichen, entschlossenen Ausdruck auf- wies, athmete sie tief auf und trat näher an den am Tische Sitzenden heran.

Walter, hast Du einen Augenblick Zeit? Ich habe etwas mit Dir zu besprechen!" versetzte sie.

Der Fuhrherr hob kurz den Kopf und sah seiner Frau scharf in das Gesicht. Aber obwohl er die Lippen öffnete, kam kein Laut über dieselben. Die Adern auf seiner Stirn schwollen an und er bedurfte offenbar seiner ganzen Willenskraft, um sich von der so kühl und hoch- aufgerichtet Stehenden nichts von dem Sturm anmerken zu lassen, der gewaltig und verheerend sein Inneres aufwühlte. Notgedrungen gelang es ihm denn auch, seinen Zügen den Anschein von Ruhe und Leidenschafts­losigkeit zu verleihen.

So rede!" sagte er kurz, während er den Blick von dem Angesicht der jungen Frau abwendete, gleichsam, als ob er deren Anblick nicht länger zu ertragen vermöchte.

So höre," sagte Marianne, von neuem tief auf­athmend und offenbar ihren gesummten Muth zusammen­raffendIch kann's nicht länger mit ansehen, wie Du mit Deinem eigenen Fleisch und Blut umgehst."

Mit wem?" frug der Fuhrherr und seine Stimme klang wie entferntes Donnergrollen.Ich denke, das

ist meine Sache und geht Dich nichts an!"

Es geht mich nichts an?" versetzte Marianne darauf, während sie noch einen Schritt näher an ihn herantrat.Nun, ich denke doch, ich bin vor Gott und der Welt Deine Frau!"

Wirklich? Bist Du es?" fragte der Fuhrherr mit großer Bitterkeit zurück, während er beide Hände in die Hosentaschen steckte und sich tief in den Sessel zurück- lehnte.Nun, das soll mich freuen, wenn Du die Wahr­heit gesprochen hast!"

Marianne fuhr leise zusammen; in einem solchen Tone hatte der Gatte noch niemals zu ihr gesprochen. Aber sie war selbst zu sehr von dem, was ihr Inneres bewegte, eingenommen, als daß sie die Andeutungen des vor innerem Sturm regungslos Dasitzenden verstanden hätte. ,

Ich bitte Dich nochmals, sei menschlicher gegen Deinen Sohn!" versetzte sie. .

Aber da war auch schon der Fuhrherr mit einem jähen Ruck von seinem Sessel in die Höhe gefahren. Nun stand er so dicht vor seinem Weibe, daß sein glühender Athem dessen Wangen streifte und es unwillkürlich be­treten einen Schritt zurückwich.

Was hast Du mit meinem Sohne zu schaffen? stammelte Eichmann, an allen Gliedern zitternd und beide Hände zu Fäusten ballend.

Vor Schreck und Betroffenheit wich Marianne das Blut aus dem Gesicht, aber es kehrte sofort wieder zurück und entschlossen schaute die junge Frau ihren Mann an. Sie mußte es durchsetzen, was sie sich vorgenommen