Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
Abonnementspreis vierteljährlich 1 Mark 40 Psg. exel. Postansschlag.
y •■■■■•- ..... — '• - - a^
Die Jnsertionsgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.
A--..... . ------
. k ■ - —---------==-------
Gratisbeilagen r „ZllnstriHtes Sonntagsblatt^^ u. „Illnstrirte landwirthschaftliche Veilage^^.
Nr. 46.
Si)iiii*iii hcn 26. W
1895.
Amtliches.
Angültigkeits-Grklarung.
Der auf den Namen des Christoph Wehner aus Kleinensee unterm 27. Dezember 1894 ertheilte Wandergewerbeschein Nr. 2502 für das Jahr 1895 zum Handel mit Holzrechen, welcher angeblich verloren ist, wird hierdurch mit dem Bemerken ungültig erklärt, daß dem 2c. Wehner ein Ersatz-Wandergewerbeschein ertheilt worden ist.
Cassel, den 6. April 1895.
Königliche Regierung, Abtheilung für directe Steuern, Domänen und Forsten.
Schmidt-Schwarzenberg.
Gesunden: ein Portemonnaie mit 1 Mk. 48 Pfg. Inhalt. Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Oberhaun.
Nichtamtliches.
Der <$♦ April.
„Der 18. April," sagte unser Kaiser in einer Ansprache an die Vertreter der Armee vor wenigen Jahren, „ist stets ein Tag des Gedenkens für uns gewesen. Am 18. April 1417 wurde Burggraf Friedrich der Erste mit der Mark Brandenburg belehnt; am 18. April 1864 führte Prinz Friedrich Karl die preußische und österreichische Armee nach langer Friedenszeit bei Düppel gegen einen tapfern Feind und gab den Truppen Gelegenheit, dem braven Gegner seine Verschanzungen zu entreißen."
Der Bedeutung des Düppeler Sturmes hat der noch lebende Dichter Theodor Fontäne in dem begeisterten Sänge, welchen er gleich nach dem Fall der Schanzen anstimmte, treffenden Ausdruck verliehen. Wie herrlich klingt es dort am Schluß im Jubeltone:
Von Schanze eins bis Schanze sechs
Ist alles deine, Wilhelmus Rex;
Von Schanze eins bis Schanze zehn,
König Wilhelm, deine Banner wehn.
Grüß euch, ihr Schanzen am Alsener Sund, Ihr machet das Herz uns wieder gesund!
Und durch die Lande drauß' und daheim
Fliegt wieder hin ein süßer Reim:
„Die Preußen sind die alten noch,
Du Tag von Düppel, lebe hoch!"
Stolz konnte König Wilhelm, als er sogleich zu seinen braven Truppen eilte, um ihnen auch persönlich seinen königlichen Dank auszusprechen, darauf hindeuten, daß sie durch, ihr Verhalten die Augen von ganz Enropa auf sich gezogen. Nicht vergeblich war die lange, ernste Friedensarbeit gewesen; das Instrument, das König Wilhelm sich selbst geschmiedet, es hatte nicht versagt, scharf und schneidig erwies sich's, als es gegen den Feind erprobt wurde. In Tapferkeit und Ausdauer hatten es die Söhne den Vätern gleich gethan, und auch an den rechten Führern, unter denen der „rothe Prinz", Prinz Friedrich Karl, die erste Stelle einnahm, hatte es nicht gefehlt. „Ja die Preußen waren die alten noch!"
Oft genug ist uns der Kampf um die Schanzen vor Augen geführt; aber gedenken wir immer wieder des ruhmvollen 18. April. War das ein Frühlingsmorgen! Von früh 4 Uhr begann der Donner aus allen Batterieen, die ihre Geschosse unaufhörlich gegen die Schanzen schleuderten. Still, dicht gedrängt liegen die Sturm- kolonnen in den vordersten Laufgräben. Einige Minuten vor zehn Uhr schweigt das Feuer. Wohl mancher betete noch mit nassem Auge ein stilles Gebet, nachdem der Geistliche zu Muth und Unverzagtheit im Vertrauen auf Gott ermähnt, den Segen Gottes über die Streiter gesprochen. Eins aber wissen und fühlen alle: „Unser müssen die Schanzen werden!" Jetzt ist es zehn Uhr.
Auch dem Muthigsten klopft das Herz — jetzt und „Nun, Kinder, in Gottes Namen!" rufen die Führer ihren Kolonnen zu; in vollem Lauf stürmen sechs dunkle Massen vorwärts mit lautem Hurra unter dem Schlagen des Tambours und den belebenden Klängen: „Ich bin ein Preuße" und des Düppeler Sturmmarsches.
Und „vorwärts" spielt die Musika,
Und „vorwärts" klingt der Preußen Hurra;
Sie fliegen über die Ebene hin,
Wer sich besänne, hätt's nicht Gewinn;
Sie springen, sie klettern, ihr Schritt wird Lauf — Feldwebel Probst, er ist hinauf!
Er steht der Erst' auf der Schanzenrück,
Eine Kugel bricht ihm den Arm in Stück':
Er nimmt die Fahn' in die linke Hand
Und stößt sie fest in Kies und Sand.
Da triffts ihn zum Zweiten, er wankt und fällt,
„Leb' wohl, o Braut, leb' wohl, o Welt!"
So stirbt Feldwebel Probst, seiner Kompagnie, der elften der 64er, voranstürmend, einen schönen Soldaten- todt beim Sturm auf Schanze 5.
Major von Beeren vom Regiment Königin Augusta, fällt, von einer Kugel getroffen, mit den Worten: „So sterb' ich denn für Schleswig-Holstein!" Der treffliche Offizier hatte schon 184» für des Landes Freiheit gefochten. Und so sinkt noch mancher in den Tod. Gedenken wir auch hier des braven Pioniers Klinke, der bei der Anzündung des an die Pallisaden gehängten Pulversacks furchtbar verbrannt und zugleich von mehreren Kugeln getroffen sein Leben bei Schanze 2 ließ. Durch die Sprengung war der folgenden Kolonne die Gasse geöffnet, und sie stürmte durch sie zum Siege. Und es sei vor allem auch hier wieder des heldenmüthigen Generals v. Raven gedacht, der, zum Tode verwundet, seinen Soldaten die Worte zurief: „Es ist Zeit, daß wieder einmal ein preußischer General für seinen König stirbt!" Ja schwere Opfer forderte der Sturm; aber sie waren nicht vergeblich; überall, auf allen Schanzen flatterte die schwarzweiße Fahne, und
Sieg donnert's. Weinend die Sieger stehen.
Da steigt es herauf aus dem Schlamm der Trancheen,*) Dreihundert sind es, dreihundert Mann, Wer anders als Piefke**) führt sie an?
Sie spielen und blasen, das ist eine Lust, Mitblasen die Herzen aus voller Brust; Clarinett und Trompete, Hoboe und Fagott, Sie spielen: Nun danket alle Gott.
Und das ganze Heer, es stimmt mit ein, Und drüber Lerchen und Sonnenschein. T.
Laufgräben.
**) Kapellmeister des Leib-Regts. Nr. 8, Komponist des Düppeler Sturmmarsches.
Politische Nachrichten.
Berlin, 18. April.
Heute früh machte Se. Majestät der Kaiser den ! gewohnten Spaziergang im Thiergarten, arbeitete, ins königliche Schloß zurückgekehrt, mit dem Chef des Mili- tairkabinets und empfing hierauf den Staatssekretair des Reichs - Marineamts zum Vortrage. Mittags gewährte Seine Majestät wiederum dem englischen Maler Cope eine Portraitsitzung und nahm gegen 1 Uhr die Meldung des zum Direktor des Bades Nenndorf ernannten Obersten a. D. v. Dresky entgegen.
Das Befinden Ihrer Majestät der Kaiserin hat sich erheblich gebessert, doch hütet Allerhöchstdieselbe aus SchonungSrücksichten vorläufig noch das Zimmer.
Der Reichstag wird an wichtigen Gesetzen nach den Ferien zunächst die Abänderung des Zolltarifs berathen. Alsdann dürfte die erste Berathung der Branntweinsteuervorlage stattfinden, ferner die erste Lesung des Gesetzentwurfs, betreffend die Bestrafung des Lklaven- raubs und Sklavenhandels, die erste Berathung des
Gesetzentwurfs über die Kaiserliche Schutztruppe für Südostafrika und Kamerun, die zweite Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend die privatrechtlichen Verhält- nisse der Binnenschiffahrt und Flößerei, sodann voraussichtlich die zweite Lesung der Umsturzvorlage, deren Kommissionsbeschluß alsbald nach den Ferien festgestellt werden dürfte.
Die von den preußischen und sächsischen Staatseisenbahnen seit einiger Zeit eingeführte Sonntags- ruh im Güterverkehr ist nach einer Konferenz von Vertretern der meistbetheiligten Bundesregierungen für alle deutschen Eisenbahnen angenommen und wird vom 1. Mai ab überall zur Durchführung gelangen.
Der Bund der Landwirthe beabsichtigt, dem Reichstage einen Gesetzentwurf vorzulegen, welcher die Vereinigung der Arbeiterversicherun g en, nämlich der Kranken-, Unfall- und Altersversicherung und eine Verminderung der Verwaltungskosten bezweckt.
Die Gerüchte von einer bevorstehenden Einführung eines neuen Gewehrmodells mit kleinerem Kaliber werden vom „Militairwochenblatt" für durchaus unbegründet erklärt.
Für st Bismarck empfing am 15. April etwa 70 Deutsch-Oesterreicher aus Steiermarck und am 16. etwa 4000 Vertreter der deutschen Jnnungsverbände.
Wie die „Nordd. Ä. Z." erfährt, ist der bisherige Gouverneur von Ostafrika, Freiherr v. S ch e l e, zum Flügeladjutanten Sr. M a j e st ä t des Kaisers ernannt worden.
Den „Berl. Pol. Nachr. zufolge hat das Staatsministerium feine Berathungen über den Gesetzentwurf, betreffend die Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbes, beendet. Die Vorlage dürfte binnem Kurzem dem Bundesrathe zugehen. Es verlautet, daß ein beträchtlicher Theil der von den Interessenten bei der Begutachtung des im Januar im „Reichs - Anzeiger" veröffentlichten ersten Entwurfs geäußerten Wünsche Berücksichtigung erfahren hat, demnach der Entwurf in einer gegenüber der früheren mehrfach abgeänderten Gestalt den gesetzgebenden Faktoren unterbreitet werden wird.
Nach einer amtlichen Meldung aus Dokohama ist der Friedensvertrag zwischen Japan und China nunmehr endgiltig unterzeichnet worden. Der chinesische Unterhändler Li-Hung-Tschang war durch eine kaiserliche Proklamation ermächtigt worden, die Friedensbedingungen gemäß dem von Japan gestellten Ultimatum anzuneh- men. Darnach zerfallen die Friedensbedingungen in drei Theile: die Kostenfrage, die politische Frage und die wirthschaftliche Frage. — Was die Kostenfrage betrifft, so verlangt Japan, daß China eine Kriegsentschädigung von 200 Millionen Tasls, etwa 1200 Millionen Mark, bezahlen soll. Die politische Frage erstreckt sich besonders auf die Gebietsabtretung, durch die das bisherige Gleichgewicht der Mächte in Ostasien bedeutend gestört wird. Denn Japan hat sich nicht nur darauf beschränkt, die Unabhängigkeit Koreas zu erlangen, sondern die Bedingungen enthalten auch noch die Abtretung der Insel Formosa,der Fischer-Inseln, von Por Arthur und der dahin- terliegenden Halbinsel Liau-Tong von Mngkow bis zu Anping am Ialafluffe. — Am einschneidendsten, und zwar nicht nur für die ostasiatischen Verhältnisse, sind die wirthschastlichen Friedensbedingungen. Anscheinend im Interesse der gesammten Kulturwelt diktiert, würden sie thatsächlich das gewaltige China in die Abhängigkeit von Japan bringen. Die Japaner fordern nämlich unter anderem die Eröffnung von fünf neuen Häfen, einschließlich Peking, für den internationalen Handel und Verkehr, dann die für den europäischen Handel geradezu verderbliche Bestimmung, daß den Japanern die Anlage von Baumwollfabriken und anderen industriellen Einrichtungen gestattet sein soll. Diese Vereinbarung zusammen mit der Bestimmung des Vertrags, daß die „Likin-Abgaben" zwei Prozent nicht übersteigen sollen, wodurch Japan für seine Einfuhr nach China künftig mit der Zahlung von 2 Prozent der Selbstkosten sämmtliche Jnlandabgaben begleichen kann, muß jede fremde Konkurrenz aus dem Felde schlagen. Bei der Billigkeit