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Gratisbeilagen:Illnstrirtes Sonntagsblatt^^ n.)llnstrirte landwirthschaftliche Beilage".

W.

SiaHii Heu 23. April

1895.

Amtliches.

Hersfeld, den 19. April 1895.

Diejenigen Herren Ortsvorstände des Kreises, welche mit der Erledigung der nachstehenden Verfügungen noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 25. -. Mts. bei Meid'ung von 3 Mk. Strafe erinnert: 1. Verfügung vom 17. März 1885 Nr. 3077, im Kreisblatt Nr. 34, betreffend die Revision der Ge­meindekassen.

2. Verfügung vom 23. März 1880 Nr. 3135, im Kreisblatt Nr. 24, betreffend die Instandsetzung der Fluthgräbeu, Ent- und Bewässerungsanlagen.

3. Verfügung vom 30. März 1895 I. I. Nr. 1445, im Kreisblatt Nr. 40, betreffend Räudefreiheit der Schafe.

Der Königliche Landrath Freiherr von Schlei n i tz ,

Geheimer Regiernngs-Rath.

Nichtamtliches.

Die Maifeier.

Als die Sozialdemokraten vor fünf Jahren beschloffen, den ersten Mai zum Weltfeiertage auszurufen, da glaubte man allgemein, daß damit eine Reihe von erbitterten Kämpfen eingeleitet werde, umso mehr, als von den Sozialdemokraten gleichzeitig derAchtstundentag" als das nächste zu ertrotzende Ziel hingestellt wurde.

Seit dieser ersten Maifeier sind nun fünf Jahre verstrichen, und noch immer wird der 1. Mai von den Sozialdemokraten dazu benutzt, den Haß zu schüren und dort, wo der Friede einziehen könnte, auf's Neue Unruhe zu stiften und Zwietracht zu säen. Allein die hohe Be­deutung, die man der Feier beilegte, ist zusammen­geschrumpft , diegroße" Idee, daß einmal im Jahre auf Befehl der sozialdemokratischen Führeralle Räder still stehen" sollen,wenn des Arbeiters starker Arm es will" hat sich Dank dem energischen Widerstände, den die bürgerliche Gesellschaft und die Behörden ihr entgegen- setzten, nicht verwirklicht. Die Maifeier des letzten Jahres hat lediglich dadurch einen ernsteren Charakter erhalten, daß sie den Ausgangspunkt des Berliner Bier- bopkotts bildete.

(Unbefugter Nachdruck verboten.) ReZet.

Eine Dorfgeschichte von E. von d e r Decken.

(Fortsetzung.)

Aber, Nezel, auch wenn ich nicht mehr bin > bleibst bei beut Buben?"

Ja, red' doch nicht so! Heut' schon zum zweiten Male sprichst von Dein' Sterben. Geh', das mag ich nicht hören."

Ich möcht' ja auch nicht fort. Ihr zwei braucht mich schon noch. Aber man kann doch nicht wissen und nicht wahr, Mäderl, auch wenn ich todt bin, gehst nicht von meinem Gustel?"

Der Knabe, der Nezels Aufmerksamkeit für sein Treiben zu vermissen begann, streckte mit bittenden Lauten die Hände nach ihr aus. Da warf diese in leidenschaftlichem Aufwallen die Arme um den Hals des Kindes und küßte ihm Wangen und Stirn.

Nein, nein, Gustel, ich geh' schon nicht von Dir; Du könnt'st mich nicht missen, und ich könnt's schon gar nicht. Wir zwei haben uns doch so nöthig, wie sonst nichts auf der Welt."

So versprichst mir, daß Du bei ihm bleiben willst?" Rezel sah den Bauern mit ihren wunderlich glän­zenden Augen fest in die seinen.

Ja, Pathe, ich versprechs."

Da wurde von innen ein Fenster aufgerissen.

So bring' doch den Gustel jetztnein. Du weißt

In diesem Jahre indessen wird augenscheinlich von der Sozialdemokratie dahin gewirkt, daß am 1. Mai gefeiert werden müsse. So haben beispielsweise die Berliner Brauereiarbeiter vor einigen Tagen in einer öffentlichen Versammlung feierlich beschlossen, den 1. Mai durchabsolute Arbeitsruhe" zu feiern, weil die Brauereien durch den vorjährigen Vierboykott derartig geschwächt wären, daß sie nicht ein zweites Mal den Kampf gegen die sozialdemokratischen Machthaber auf- nehmen könnten. Es scheint übrigens, als wollten die Sozialdemokraten mit ihrerabsoluten Arbeitsruhe" dies­mal eine Demonstration gegen die Umsturzvorlage ins Werk setzen, während sie sich doch sagen sollten, daß ge­rade eine solche Demonstration als ein sehr starkes Beweismittel zu Gunsten der Vorlage auch bei solchen bürgerlichen Elementen wirken müsse, die im allgemeinen nicht geneigt sind, dem Staate neue Waffen gegen den sozialdemokratischen Uebermuth in die Hand zu geben.

Man sieht jedenfalls, das der Gedanke eines allge­meinen Feiertages, der die Arbeiterschaft verbinden soll, noch lebendig ist. Wenn auch die große Demonstration, wie sie ursprünglich geplant war, allmälich zu einer Art von harmlosem Protest umgeformt ist, so hebt die ge­meinsame Feier des 1. Mai doch das Standesbewußtsein bet, Arbeiter, sie verleiht ihnen das Machtgefühl der Geschlossenheit und verstärkt die siegesbewußte Hoffnung auf den Tag der Abrechnung. In dieser Bedeutung des Maifeiertages mögen die staatserhaltenden Elemente eine ernste Mahnung erblicken, auch ihrerseits es nicht an der nöthigen Einigkeit fehlen zu lassen.

Politische Nachrichten.

Se. Majestät der Kaiser, Allerhöchstwelcher am Freitag Nachmittag kurz nach 5*/4 Uhr mittelst Sonderzuges in Weimar anlangte, stattete daselbst Ihrer königl. Hoheit der Frau Großherzogin von Sachsen- Weimar einen Besuch ab, setzte gegen 8 Uhr Abends die Reise fort und traf in Eisenach gegen 9 Uhr 30 Minuten, in Wasungen gegen 10 Uhr 40 Minuten wohlbehalten ein. Am Sonnabend in aller Frühe begab .sich Se. Majestät von Wasungen zur Auerhahnbalze, er­legte zwei starke Auerhähue und traf um 5*/-2 Uhr aus dem Revier in Wasungen ein, von wo dann die Weiter­reise nach der Wartburg über Eisenach erfolgte.

doch, daß er den Husten hat. Soll er sich gerad' in der Abendluft noch verkühlen!" und klirrend schlug die Bäuerin das Fenster zu.

Rezel warf die Lippen auf.

In der Sonn' verkühlt er sich nicht, wann er's nicht auf den kalten Steinen gethan hat," sagte sie halb­laut, hob aber die schwerfällige Gestalt des Knaben mit kräftigen Armen auf und trug sie ins Hans.

Der Bauer folgte ihnen langsam.

Zweites Kapitel.

Die Heuernte war im Gange und die Sonne die eifrigste beim Werk. Nicht einen Augenblick vom Auf­gang bis zum Niedergang ruhte sie hinter einer Wolke aus, und die Luft lag sengend heiß auf Wiesen und Feldern.

Das giebt heuer bald Zunder statt Heu,"-riefen die Mäher einander zu und hielten mit ihrer Arbeit inne, um sich den Schweiß von der Stirn zu wischen.

Der Hainbauer saß daheim und stützte den Kopf in die Hand; nebenan auf dem Küchenherd rückte die Bäuerin lärmend die schweren Töpfe hin und her. Jetzt steckte sie ihr erhitztes Gesicht zur Thür hinein und sah nach der Uhr. Nur zwei Stunden noch bis Mittag! Was sollte bis dahin in Haus und Ställen nicht alles ge­schafft sein, und sie war allein dazu, die Mägde hatte sie mit in's Heu gehen heißen. Alle Hände waren bei der Abeit, nur ihr Mann saß hier und that mchts.

Gehst denn nicht hinaus und siehst nach den Mähern?" fragte sie gereizt.

Die Besserung in dem Befinden Ihrer Majestät der Kaiserin dauert an, doch wird Allerhöchstdieselbe aus Schonungsrücksichten die täglichen Spazierfahrten erst in den nächsten Tagen wieder aufnehmen.

In Dresden verlautet, demDr. I." zufolge, daß S e. M a j e st ä t der Kaiser auch in diesem Jahre Se. Majestät den König vonSachsen zu dessen Geburtstag persönlich zu beglückwünschen und aus diesem Anlässe am 23. d. M. einige Stunden in Dresden bezw. in Villa Strehlen zu verweilen gedenke.

S. M. KreuzerA l e x a n d r i n e", der sich auf der Heimreise aus den chinesischen Gewässern, zur Zeit im Mittelmeer befindet, hat Ordre erhalten, sich unverzüg­lich nach Tanger zubegeben.

Die große Feier in Holtenau nach der Durch­fahrt des Kaisers und seiner Gäste durch den Nord- Ostsee-Kanal wird, wie jetzt bestimmt ist, am 21. Juni Vormittags 11 Uhr stattfinden; hierzu werden nur ge­ladene Gäste Zutritt haben. Daran schließt sich un­mittelbar die Flottenparade an. Das Festessen findet auf einem großen freien Platze an der Wiker Bucht statt, 1000 Einladungen sind dazu ergangen. Am 22. Juni wird der Kaiser mit der deutschen Flotte ein See­manöver abhalten, ^.oends soll ein Ball beim Prinzen Heinrich stattftnden.

Fürst Bismarck äußerte beim Empfange der Vertreter der deutschen Künstlerschaft aus München am 16. April, die Kunst sei für ihn eine wirksame Mit­arbeiterin gewesen in der deutschen Einigung. Kunst und Wissenschaft seien immer deutsch geblieben, soweit die deutsche Zunge klingt.

Ebenso wie ein Entwurf betreffend die Revision der bestehenden Unfallversicherungs-Gesetze ist vom Bundes­rathe in der letzten Zeit auch eine Novelle zum Jnvaliditäts-undAltersversicherungs- Gesetz bearbeitet worden. Beide Entwürfe werden aber erst in nächster Tagung dem Reichstage zugehen.

Die Feier der Grund steinlegung deSElbe - Trave-Kanals ist auf den 31. Mai angefetzt.

Die überseeische Auswanderung aus dem deutschen Reiche umfaßte nach amtlicher Zusammen­stellung im März d. I. nur 3036 Personen gegen 4009 im März 1894.

Der Graf zur Lippe-Biesterfeld hat nun auch an den Bundesrath eine Eingabe gerichtet, in welcher er seine Rechte auf die Thronfolge inLippe darlegt und

Mir ist nicht ganz recht aber vielleicht, daß 's draußen besser wird. Hierinnen ist's schwül."

Er nahm den großen Schutzhut vom Haken und ging. Der Weg war heiß; die Sonne stach gewaltig, doch kein wohlthätiger Schweißtropfen löste die Gluth, die dem Bauern hinter den Schläfen siedete.

Die Wiese lag vor ihm, das Rauschen der Sensen drang an sein Ohr - - aber jetzt schwoll es zu Sturmes­gebraus. Wie wurde ihm denn? War ein Wetter im Anzüge? Nicht doch. Die Sonne schien hell, und jetzt war er auf der Wiese bei seinen Leuten. Dort unter den Mägden erkannte er Nezels liebe Gestalt. Rezels? Ja freilich, und er belächelt die Irrung. Sie gleicht ihrer Mutter auf's Haar. Und wie behend sie das Heu lüpft; sie ist noch nicht müde, die andern sind's alle. Er will dem Benedikt sagen, sie sollen früher Mittag machen, die Gluth ist groß. Aber statt der Worte ringt sich ein dumpfer Schrei von seinen Lippen. Er sinkt nieder zum Schlaf so ist es gut.

Rezel hat am entferntesten Ende der Wiese gearbeitet nnd den halblauten Schrei des Bauern nicht hören können, aber sie hatte sein Umsinken gesehen und sofort war sie zur Stelle und kniete neben dem schwer Athmenden. Sie löste ihr Kopftuch, feuchtete es im Quell und kühlte dem Bauern die Stirn, während sie selbst sich als Schutz gegen die Sonnenstrahlen über ihn beugte.

Kein Laut kam über ihre Lippen, und kein Zucken bewegte ihr Gesicht, nur ihre Augen sahen in unendlicher Angst auf den ausgestreckt Liegenden. Der Großknecht