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Nr. U Iieiißiis Den 30. W ' M.
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Amtliches.
Hersfeld, am 26. April 1895.
Unter Hinweis auf den Erlaß des Herrn Ober- Präsidenten vom 28. Februar 1878 (cfr. die landraths- amtliche Verfügung vom 9. März 1878 Nr. 2443 im Kreisblatt Nr. 20) wonach die Abhaltung von Haus- c o l l e k t e n wegen Beschädigungen durch Hagel- schlag nicht genehmigt wird, veranlasse ich die Herren Ortsvorstände des Kreises, die Landmirthe in Ihren Gemeiudebezirkeu hierauf speziell aufmerksam zu machen, und dieselben bei jeder sich darbietenden Gelegenheit auf die Nothwendigkeit und Nützlichkeit der Versicherung ihrer Feldfrüchte gegen Hagelschaden binzuweisen. <
I. Nr. 2264. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleiuitz, . Geheimer Regierungs-Rath.
Hersfeld, den 24. April 1895. '
In Ausführung des Reichs - Jmpfgesetzes vom 8. April 1874 werden die Jmpfstationen bezw. Impf- und Ilachschau-Termine für den hiesigen Kreis für das Jahr 1895 wie folgt bestimmt:
1. Station Hersfeld
a) Erstimpfung der Kinder der Stadt Hersseld Freitag den 10. Mai Vormittags 9 Uhr.
Nachschau: Montag, den 20. Mai, Vormittags 9 Uhr.
b) Erstimpfung bezw. Wiederimpfung der Kinder und Schüler aus Kalkobes, Allmershausen mit Hühlgans, Heenes, Meisebach, Eichhof und fiskalische Ober- sörsterei Hersfeld und Wiederimpfung der Schüler der Stadt Hersfeld, Dienstag, den 14. Mai, Vormittags 9 Uhr.
(Unbefugter Nachdruck verboten.) Roze 1.
Eine Dorfgeschichte von 6. von der Decken.
(Fortsetzung.) Viertes Kapitel.
Die Erwartung der Leute, daß der neue Hainbauer bald kommen würde, erlitt eine Täuschung. Als die Ernte beginnen sollte, kam die Botschaft von ihm, die Schwägerin mochte nur anfangen lassen, er könnte jetzt dort nicht los, wo er wäre; und so hatte diese eines- theils widerwillig, anderntheils mit Lust au der ver- längerten Herrschaft die Schaar der Tagelöhner und Arbeiter entboten und ließ nun, um des guten Nachrufs willen, die Sonne ihrer Gnade noch einmal recht scheinen über Gerechte unb Ungerechte sonder Wahl.
Nezel behielt sie diesmal zu Hause, statt sie, wie sonst bei der Ernte, mit aus's Feld zu schicken.
, „Damit Du lernst, wie's gehaudhabt wird iu der Wirthschaft, wo Du bald wirst Bäuerin sein," erläuterte sie boshaft; im Grunde aber war's, um ohne Beschränken ihr Opfer quälen zu können. Es war doch anders gekommen, als sie gedacht; sie müßte jetzt rasch sein, wenn sie sich genug thun wollte, denn wer wußte, wie lange sie selber noch hier blieb unter den neuen Verhältnissen. So sparte sie nichts an Launen und Gehässigkeiten; nichts machte Nezel ihr recht, und alle Mühe wußte sie der Armen mit boshaften Nadelstichen zu lohnen.
Nachschau: Dienstag, den 21. Mai, Vormittags 9 Uhr.
2. Station S o r g a, umfassend die Ortschaften, Sorgn, Kathus, Petersberg, WilheimShof und Oberrode.
Impfung: Dienstag, den 14. Mai, Nachmittags 4 Uhr. Nachschau: Dienstag, den 21. Mai, Nachmittags 4 Uhr.
3. Station Friedlos, umfassend die Ortschaften Friedlos, NeiloS, Rohrbach,. Tann, Mecktar, Meckbach und fiskalische Oberförsterei Meckbach.
Impfung: Freitag, den 17. Mai, Nachmittags 4 Uhr. Nachschau: Freitag, den 24. Mai, Nachmittags 4 Uhr.
4. Station ObergeiS, umfassend die Ortschaften Obergeis, Untergeis, Äua, Gittersdorf, Biedebach und fiskalische Oberförsterei Neuenstein.
Impfung: Sonnabend, den 18. Mai, Nachmittags 4 Uhr. Nachschau: Sonnabend, den 25. Mai, Nachmittags 4 Uhr.
5. Station Schenktengsfeld, umfassend die Ortschaften Schenklengsfeld, Oberlengsfeld, Wehrshausen, Hilmes, Conrode, Lampertsfeld, Landershausen, Unterweisenborn, Wüstfeld, Malkomes, Schenksolz, Dünkelrode, Motzfeld und Hillartshausen.
Impfung: Donnerstag, den 30. Mai, Vormittags 8 Uhr. Nachschau: Donnerstag, den 6. Juni, Vormittags 8 Uhr.
6. Station Ransbach, umfassend die Ortschaften Ransbach und Ausbach. Impfung: Donnerstag, den 30. Mai, Mittags 12 Uhr. Nachschau: Donnerstag, den 6. Juni, Mittags 12 Uhr.
7. Station P h i l i p p s t h a l, umfassend die Ortschaften Philippsthal und Röhrigshof mit Nippe.
Impfung: Donnerstag, den 30. Mai, Nachmittags 2 Uhr. Nachschau: Donnerstag, den 6. Juni, Nachmittags 2 Uhr.
8. Station Asbach, umfassend die Ortschaften Asbach, Beiershausen, Kers- penhausen, Kohlhausen, fiskalische Oberförsterei Nieder- aula und Noßbach.
Impfung: Mittwoch, den 29. Mai, Nachmittags, 2 Uhr. Nachschau: Mittwoch, den 5. Juni, Nachmittags 2 Uhr.
9. Station Unterbaun, umfassend die Ortschaften Unterbaun, Oberhaun, Eitra, Sieglos, Notensee, Wippershain, Biengartes und fiskalische Oberförsterei Wippershain.
Impfung: Dienstag, den 28. Mai, Nachmittags 3 Uhr. Nachschau: Dienstag, den 4. Juni, Nachmittags 3 Uhr.
Eben hatte das Mädchen den Knaben, der in seinem Stuhle vor der Thür saß, tiefer in den Schatten gerückt und ihm sein umhergeworfenes Spielzeug wieder auf- gelesen, dann war sie in die Stube zurückgetreten und lehnte nur einen Augenblick, an Seele und Leib erschöpft, am Fenster, den Blick auf die sounendurchglühte Straße gerichtet.
Da hörte sie hinter sich ein häßliches Lachen.
„Schaust ja so sehnsüchtig aus! Mußt schon noch ein Riffel warten, bis er kommt. Thät'st derweil besser, Dich zu tummeln. Die künftige Hainbäuerin darf die Händ' nicht in den Schoß legen. Geh', richt' auf der Tenne die Tafel; 's Mittagläuten muß bald 'ran sein."
Nezel war bei den Worten der Bäuerin herum- gefahren und ihre Lippen hatten sich zu einer Erwiderung geöffnet, aber baun hatte sie die Hände ineinander gepreßt und war schweigend gegangen, das Geheißene zu verrichten.
Es war Sitte, zur Ernte die Tafel auf der Tenne zu rüsten, da sonst kein Raum die Leute bequem zu fassen vermochte. Diesmal sollte es besonders herrlich zugehen auf dem Hainbauernhofe. Schon das Zubrot bei den Zwischenmahlzeiten war noch einmal so reich bemessen wie sonst, und beim Mittag war der Tisch mit ungewöhnlich großen Fleischstücken besetzt und immer wieder wurden neu gefüllte Schüsseln mit Zugemüse aufgetragen. Dabei wurde das Bier vom Fasse so reichlich geschenkt, wie der Durst der ermüdeten Schnitter es nur immer begehren kannte. Da blieb es denn nicht
10. Station Niederaula, umfassend die Ortschaften Niederaula, Mengshausen, Solms, Niederjosia, Hattenbach, Kleba, Reimboldshausen, Kemmerode und Engelbach.
Impfung: Donnerstag, den 30. Mai, Vormittags 9 Uhr. Nachschau: Donnerstag, den 6. Juni, Vormittags 9 Uhr.
11. Station Frielingen, umfassend die Ortschaften Frielingen, Allendorf, Gersdorf, Heddersdorf und Willingshain.
Impfung: Freitag, den 31. Mai, Vormittags 11 Uhr. Nachschau: Freitag, den 7. Juni, Vormittags 11 Uhr.
12, Station K i ch h e i m , umfassend die Ortschaften Kirchheim, Reckerode, Gershausen, Goßmannsrode und Rotterterode.
Impfung: Freitag, den 31. Mai, Nachmittags 2 Uhr. Nachschau: Freitag, bett 7. Juni, Nachmittags 2 Uhr.
13. Station F r i e d e w a l d , umfassend die Ortschaften Friedewald, Lautenhausen, Gethsemane, Herfa, Unterneurode und fiskalische Oberförsterei Friedewald.
Impfung: Sonnabend, den 18. Mai, Vormittags 10 Uhr. Nachschau: Sonnabend, den 25. Mai, Vormittags 10 Uhr.
14. Station W i d dershausen, umfassend die Ortschaften Widdershausen, Kleinensee und Leimbach.
Impfung: Freitag, den 17. Mai, Vormittags 10 Uhr. Nachschau: Freitag, den 24. Mai, Vormittags 10 Uhr.
15. Station Heringen, umfassend die Ortschaften Heringen, Bengendorf, Lengers und fiskalische Oberförsterei Heringen.
Impfung: Freitag, den 17. Mai, Nachmittags 1 Uhr. Nachschau: Freitag, den 24. Mai, Nachmittags 1 Uhr.
16. Station Hei mbolds hausen, umfassend die Ortschaften Heimboldshausen, Wölfers- hausen, Harnrode und fiskalische Oberförsterei Heimboldshausen.
Impfung: Freitag, den 17. Mai, Nachmittags 4 Uhr. Nachschau: Freitag, den 24. Mai, Nachmittags 4 Uhr.
17. Station Holzheim, umfassend die Ortschaften Cruspis, Hilperhausen, Holzheim und StärkloS.
Impfung: Dienstag, den 28. Mai, Vormittags 9 Uhr. Nachschau: Dienstag, den 4. Juni, Vormittags 9 Uhr.
In der Stadt Hersfeld findet die Impfung und Nachschau im oberen Rathhaussaale statt; in den übrigen Jmpfstationen des Kreises werden hierzu die Schulräume benutzt.
aus, daß, entgegen den sonst schweigsamen Erntemahlen, hier Rede und Gegenrede bald lebhaft hin- und herging. Die Bäuerin selbst bemühte fich eifrig um die Essenden und nöthigte die Leute, zuzugreifen und es sich schmecken zu lassen. Ein alter Tagelöhner, der in den vielen Jahren, die er auf dem Hainbauernhofe Dienste 'gethan, solche Wunder noch nicht erlebt und schon zu blöde war, um hinter der That noch die Meinung zu sehen, sagte, wie die Bäuerin ihni noch zu einem neuen Stück Fleisch verhalf:
„Vergelt's Gott, Bäuerin, Ihr gebt's aber Heuer gar zu reichlich; man kann's ja nicht schaffen."
„'s ist 's letzte Mal, Gräbert," entgegnete sie mit einer etwas gewaltsamen Rührung im Tone, „und ich möcht', daß Ihr mich im guten Andenken sollt behalten."
„Werd'n wir schon, Bäuerin, werd'n wir schon, lallte der Greis unb machte sich mit großem Behagen daran, das Fleisch zu zerlegen, das er eben kaum mehr bewältigen zu können gemeint hatte.
Trotz der allgemeinen Redelust fand sich fein zu- stimmendes Wort zu der Versicherung des Alten, und ein rascher, böser Blick Frau Christinens schoß über die Tafel hin. Da sah sie, wie unten am Tisch Rezel, die stumm ab- und zugiug, die leeren Bierkrüge $u füllen, eben ein schäumendes Maaß vor einen der Mäher niederstellte und wie der Mann dem Mädchen dankte.
„Ihr fleißigt Euch zu sehr, Jungfer, und vergeht darüber Euch selbst," sagte er freundlich.
„Ei laßt nur," versetzte die Bäuerin schnell , „sie