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Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
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eröfeWer 8 reisblatt.
Gratisbeilagen: „Jllnstrirtes Sonntagsblatt^^ n. „Illustrirte landwirthschaftliche Veilage^^.
Nr. 61
SutimM Seil 1. Juni
1891
Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen „Jttustrirtes Sonntags- blatt" und „Jlluftrirte landwirthschaftliche Beilage" für den Monat Juni werden von allen Kaiserlichen Poftanftalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
M pfmgstbitte. tzL
O heisger Geist, der einst hernieder In flammen kam, im Lturmeswind, Dir tönen frohe bbngstfestlieder,
Wo Gläubige versammelt sind, Die Jesu Areuz und Auferstehen
And seines Sieges Himmelfahrt
In deinem Licht bestätigt sehen, Dem Glauben herrlich offenbart!
O Heil'ger Geist — im Kampf der Geister
Brichst du der Wahrheit neu die Bahn,
And wirst verklären uns den Kleister,
Wie du's zu aller ^eit gethan!
Du machest blinde Augen sehen,
Vertreibst der falschen Weisheit Schein —
And heute noch soll es geschehen:
Wer Jesum hat, soll selig sein!
Was Thristus uns als Schatz gegeben,
Des Vaters gnadenvolles Wort,
Du weckst es auf zu neuem Leben Wie unter Sturm und Brausen dort!
Du sprichst zu Seelen, welche dürsten:
Kommt, trinkt, denn alles ist bereit!
And für den Sieg des Friedefürsten
AI ach st du die Thore hoch und weit! S. St.
Amtliches.
Hersfeld, den 31. Mai 1895.
Die 32 Jahre alte Ehefrau des Johannes Frank zu Reckerode hat sich am 28. d. Mts. aus ihrer Wohnung in der Richtung nach dem Walde (Forstort Mönches) entfernt und ist seitdem nicht mehr gesehen. Dieselbe war vorher mehrere Wochen im hiesigen Landkrankenhause wegen Geistesstörung behandelt, und ist ihr vielleicht im Walde ein Unfall zugestoßen. Es wird ersucht, nach dem Verbleib der Verschwundenen zu forschen. Bekleidet war sie mit einem hellblauen Beiderwandrock und einer blauen Schürze; auch soll sie einen Tragkorb (Kötze) bei sich geführt haben.
Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Hersfeld, den 29. Mai 1895.
Die Herren OrtSvorstände des Kreises werden ersucht, die für die Staatskasse erhobenen Steuern, Renten rc. in dem jedesmaligen dritten Monat des Vierteljahrs (also Juni, September, Dezember und März) während der Dienststunden Vormittags von 8—1 Uhr durch deu Gemeinde-Erheber hierher abliefern zu lassen und zwar: 1. von den Ortschaften des Amtsge- richtsbezirks Hersfeld in der Zeit vom 5.'bis 9. 2. von den Ortschaften des Amtsgerichtsbezirks Niederaula vom 10. bis 15. 3. von den Ortschaften des Amtsgerichts- bezirks Schenklengsfeld vom 16. bis 20. und 4. von den Ortschaften des Amtsgerichtsbezirks Friedewald vom 20. bis 25.
Das letztere Datum gilt als spätester Ablieferungs- termin »»d darf keinesfalls überschritten werden. Ausdrücklich wird auf die Vorschrift im Artikel 16 der Anweisung vom 30. Januar d. J. aufmerksam gemacht, wonach jeder Ablieferung ein in doppelter Ausfertigung
auszustellender Lieferzettel (Muster D.) beizufüge» ist, ohne welchen diesseits keine Zahlung angenommen werden darf.
Königliche Kreiskasse. Schultheiß.
Nichtamtliches.
Pfingsten.
Der heilige Geist ist das Reich Gottes — so predigt uns das Pfingstfest; ohne die Ausgießung des heiligen Geistes giebt es kein wahres Christenthum. Erst als der Geist über die Jünger am Tage der Pfingsten ausgegossen ward, wurde die christliche Kirche geboren. Dieser Gottesgeist ward von nun an der mächtigste Lebenstrieb in der Welt und erneuete die Menschheit. Er ist auch für die Kirche der Gegenwart der große Erneuerer und Reformator geblieben, er hat die alternde Menschheit nicht verlassen, so schmerzlich auch die Zuckungen des Unglaubens und Aberglaubens, der Gotteslästerung und Religionslosigkeit m Volksleben und Eintel- leben sich fühlbar machen.
Wenn die unheimlichen Mochte des Abgrundes wen/' die Verheerungen, welche Glaubenslosigkeit und Zweifel in den Gemüthern anrichten, heutzutage immer weiter greifen, so haben wir dennoch die Gewißheit: sie regieren nicht. Es regiert über allen diesen Mächten die himmlische Geisteswelt, deren König Jesus Christus ist. Im Glaubenxan ihn erfährt ein Menschenherz die Kraft aus der Höhe, die belebende und erneuende Wirkung des heiligen Geistes. Ein jeder muß daher sein Pfingsten feiern durch Buße und Glauben, sonst bleibt er Fleisch und vernimmt nichts vom Geiste Gottes. Wer aber abgeschreckt vom Wirrwarr und der Enttäuschung der vergänglichen Dinge die Lebensquelle himmlischer Kraft aufsucht und sich im innersten Herzen zum Heilande wendet, der wird angethan mit Geist und Kraft, mit Frieden und Gerechtigkeit, mit einem inneren Leben und mit aller guten Frucht des Geistes.
Von dieser Umkehr der Einzelnen zum Geist der Pfingsten erwarten wir die Heilung der Zeit. So allein wird das Reich Gottes auch in unserem Volke kommen, nicht aber mit äußerlichen Geberden. Auf das Beffer- werden der Zustände hoffen alle, dafür begeistern sie sich, dazu vereinige« sie sich. Eine Art Reich Gottes, ein Paradies auf Erden ersehnt auch die Sozialdemokratie. Sie erwartet alles von der Aenderung der äußeren Grundlagen der Gesellschaft, von der Zertrümmerung des Eigenthums, vom prophezeiten Herden- und Gemeinschaftsleben, von der allgemeinen Gleichmacherei. Doch auch im Zukunftsstaat wird das Wohlergehen des Einzelnen und der Gesellschaft wesentlich abhängen von der inneren Beschaffenheit der Menschen, von dem Reich Gottes in uns, von der treuen Pflichterfüllung, von der Zufriedenheit, von der Liebe und nicht vom Hasse. Wie kann aber ohne Glauben an Gott, ohne das Gefühl für Verantwortung und ohne Beugung vor ihm eine solche Frucht im sündhaften Menschenherzen reifen?
Es war der Schade von Anfang an, daß die Menschen den bequemeren Weg vorzogen und von äußerlichen Dingen, nicht aber von der Bekehrung der Herzen ihr Heil erwarteten. Ein Gottesreich mit äußerlichen Geberden war die große Hoffnung des Judenthums: ein prächtiger Tempel, volkreiche Feste, ein Heer von Priestern, ein glänzendes Netz von Ceremonien, doch was nützte das alles! Von all dieser Herrlichkeit galt das Wort: „Andacht wölbt' einst diese Bogen, diese Kuppeln, hoch und her, doch der Geist ist ausgezogen, wohnet nicht im Tempel mehr!" Die ersten Christen erwarteten noch zu ihren Lebzeiten den Heiland leidlich wiederkommend vom Himmel; sie. warteten umsousi, daß ihrer Noth und Trübsal der Himmel sich sichtbar öffnen und das Reich Gottes mit äußerlichen Geberden kommen müsse. Das mittelalterliche Christenthum strebte nach der Allmacht des Papsttbums und der Kirche in der Meinung, dann sei das Reich Gottes da.
Auch die Christenheit der Gegenwart sucht noch so viel in äußerlichen Geberden ihr Heil: in todter Form oder in geistloser Aufklärung. Mit der Gewohnheit kommt das Reich Gottes ebensowenig wie mit dem Wissen und Verstände allein. Man kann sehr aufgeklärt und doch sehr selbstsüchtig und sinnlich sein. Der Geist ist es, der lebendig macht, das Fleiich ist kein nütze! Das ist aber der Geist heiligen Ernstes unh^ unerschütterlichen Glaubens, der Geist der Treue, der Kraft, der Liebe und der Zucht.. Mit den Schlagwörtern Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, mit der Guillotine und den Jakobinermützen kommt das Reich Gottes lange nicht: — es muß wieder Pfingsteu werden bei allen, die aus der Roth der Zeit sich heraussehnen nach einer besseren Zu- funft, in welcher Gott allein in frommen und aufrichtigen Herzen regiert und nicht die Tyrannei der Menschen. Ihr seid theuer erkauft, ruft uns das Pfingstfest zu, werdet nicht der Menschen Knechte!
Politische Nachrichten.
Berlin, 30. Mai.
Heute früh b^.ab sich Se. Majestät der Kaiser gegen 8 Uhr von der Wildparkstation nach Berlin, verließ auf Bahnhof Groß-Görschenstraße den Zug und stieg daselbst zu Pferde. Se. Majestät ritt mit dem Gefolge nach dem Tempelhofer Felde und hielt dort die Frühjahrsparade über das Gardekorps — mit Ausnahme der in Potsdam garnisonirenden Truppen desselben — ab. Nach der Parade fand im hiesigen königlichen Schlosse Frühstückstafel statt. Abends um 6 Uhr ist im Weißen Saale des königlichen Schlaffes Paradetafel, zu welcher gegen 350 Einladungen ergangen sind. Nach derselben gedenkt Se. Majestät nach dem Neuen Palais zurückzukehreu.
Der „Frankfurter Zeitung" ist aus Paris vom 27. d. M. eine Mittheilung über die Verhandlungen wegen Aufnahme der chinesischen K r i e g s a n l e i h e zugegangen, wonach es feststehen soll, daß für dieses An- lehen Frankreich, Deutschland und Rußland vollkommen Hand in Hand gehen und daß die Leitung des ganzen Geschäfts der Firma Rothschild mit ihren sämmtlichen Häusern übertragen werden wird.
Wir können, schreibt dje Nordd. Allg. Ztg.", dem gegenüber erklären, daß die Verhandlungen wegen der chinesischen Anleihe überhaupt noch nicht zum Abschluß gelangt sind. Schon jetzt aber darf mit Bestimmtheit angenommen werden, daß von einer leitenden Stellung der Firma Rothschild bei dem Unternehmen nicht die Rede sein kann, und daß die deutschen Märkte der Anleihe verschlossen bleiben müßten, wenn nicht der deutschen Finanzgruppe in allen Beziehungen die gleiche Stellung wie den Bankhäusern der übrigen betheiligten Länder eingeräumt werden sollte.
Mit Bezug auf § 130 des Strafgesetzbuches, welcher lautet: „Wer in einer den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise verschiedene Klaffen der Bevölkerung zu Gewaltthätigkeiten gegen einander öffewt lich an reizt, wird mit Geldstrafe bis zu 600 Mark oder mit Gefängniß bis zu zwei'Jahre» bestraft" hat das Reichsgericht durch Urtheil vom 7. Januar d. J. ausgesprochen, baß regelmäßig b i e Anreizung verschiedener Bevölkerungsklaffen zu Gewaltthätigkeiten st e t S auch eine G e fä h r b u n g des öffentlichen Friede» s in sich schließt, und daß eine Anreizung zu Gewaltthätigkeiten schon dann vorliegt, wenn sie eine z u Gewaltthätigkeiten geneigte Stimmung h e r v o r r u f t oder verstärkt, die/ unbestimmt wann und auf welchen Anlaß hin, früher oder später den öffentlichen Frieden unter den Bevölkerungsklaffen erschüttern kann.
Die den Provinzial-Schulkollegien mitgetheilten Vorschriften über Flaggenführung auf Staatsgebäuden hatten zu der Frage Veranlassung gegeben, an welchen Tagen auf den Gebäuden der höheren Lehr- a n st al t e n Flaggen zu hissen sind. Zur Her-