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I-mierstag ötn 11 Zum

1895.

Amtliches.

Hersfeld, den 10. Juni 1895.

Nachstehend veröffentliche ich die Nachweisung über

die Ergebnisse der Frühjahrs - Körung der Zuchtbullen im Kreise.

Ich nehme hierbei Veranlassung, auf meine Ver­fügung vom 30. Oktober v. I. Nr. 5448, Kreisblatt Nr. 129, hinzuweisen und den Polizeibehörden sowie der Gendarmerie des Kreises die strenge Durchführung

Nachweisung über die Körung der Zuchtbullen im Frühjahr 1895.

der Polizei-Verordnung vom 17. Januar 1879 (Kreis­blatt Nr. 8) wiederholt zur Pflicht zu machen.

I. 3610. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Negierungs-Nath.

Gemeinde.

Anzahl der anzu- körenden Bullen.

Namen der Eigenthümer.

Datum der Körung.

Resultate der Körung.

Bemerkungen.

Alter und Race der Bullen.

Nähere Bezeich­nung der Bullen nach Farbe und Abzeichen.

Befund der Bullen.

A. Körungsbezirk Hersfeld.

j

Hersfeld

1

Oekonom Friedrich Friedrich

21/5

nicht erschienen.

2

Meckbach

1

Möller, Bürgermeister Heyer, Joh. Heinrich

1'/» Jahre, Simmenthaler

1 Jahr 2 Monate, Simmenthaler

gelbschäckig

gut

bei nächster Körung vorzusühren.

3

KalkobeS

1

//

hcllroth mit Blässe

noch zu schwach

4

Obergeis

1

Sandrock, Adam

2Va Jahre, Frankenrace

gelbroth

gut

5

6

ReiloS

WipperShain

1

1

Lehn, Georg Witwe Rößing, Konrad

| nicht erschienen.

7

Oberhaun

1

Weppler, Johannes

y

1 Jahr 2 Monate, Simmenth. Kreuzung

roth mit Blässe

jetzt noch zu jung

8

Mecklar

1

Baumhard, Johannes

1 Jahr 5 Monate, Simmenth. Kreuzung

roth mit weißem Kopf und

gut

Beinen

9

Unterhaun

1

Jacob, Wilhelm Witwe

1V2 Jahre, Simmenthaler

rothschäckig

gut

B. Körungsbezirk > lederanla.

1

ASbach

1

Bürgermeister Nuhn

24/5

2 Jahre, Simmenthaler Kreuzung

gelbschäckig

brauchbar

1

Derselbe

y

do.

rothschäckig

untauglich

2

Friclingen

1

Eschstruth, Karl

l*/2 Jahre, Simmenthaler Kreuzung

rothschäckig

brauchbar

3

GoßmannSrode

1

Gemeinde GoßmannSrode

2 Jahre, Simmenthaler Kreuzung

gelbschäckig

y

4

Kirchheim

1

Schlabach, Wilhelm, Oekonom

l4/, Jahre, Simmenthaler Kreuzung

gelb

V

5

McngShausen

1

Bürgermeister Wegfahrt

l1/, Jahre, Simmenthaler Kreuzung

gelbschäckig

y

6

Reckerode

1

Schüler, Peter

y

l1^ Jahre, Simmenthaler Kreuzung

rothschäckig

7

Stärktos

1

Fischer, George

l1/» Jahre, Simmenthaler Kreuzung

gelbschäckig

}um sofortigen Sprung noch zu jung; in

8

Kirchheim

1

Schlabach, Wilhelm

,,

IVs Jahr, Simmenthaler Kreuzung

gelb mit Blässe

srhr gut

'A Jahr sprungfähig.

9

Niederaula

1

Rohrbach, Johannes

n

l*/2 Jahre, Simmenthaler Kreuzung

gelbschäckig

brauchbar

C. Körungsbezirk Friedewald.

1

Friedewald

1

Hoßbach, Heinrich

4/6

I1 2 Jahre, Simmenthaler Kreuzung P/i Jahre, Simmenthaler Kreuzung

rothgelb mit weißem Kopf

gut

1

Derselbe

y

gelb mit weißem Kops

nicht vorgeführt.

2

LengerS

1

Therme, Heinrich

-

3

Hermannshof b.

1

Braun, Rudolph

y

2 Jahre, Simmenthaler Kreuzung

Gelbschack

gut

Friedewald

1

Derselbe

y

2 Jahre, Simmenthaler Kreuzung

y

1

Derselbe

y

l1/» Jahre, Simmenthaler Kreuzung

y

1

Derselbe

y

1'/» Jahre, Simmenthaler Kreuzung

y

D. Körungsbezirk Schenklengsfeld.

1

HillartShausen

1

Pfromm, Peter

1 28/5

11 /2 Jahce, Simmenthaler

Gelbschack

gut

wegen seiner Jugend erst im September

2

Landershausen

1

Reinhard, Aug.

20/4

P/2 Jahre, Simmenthaler

Rothschack

gut

3

Mohield

1

Jäger, Johannes III.

1 Jahr, Simmenthaler

Rothschack

gut

sprnngsähig.

4

Schenksolz

1

Koch, George

1/2 Jahre, Simmenthaler

Rothblässe

gut

nicht vorgeführt.

5

' WehrShausen

1

Fischer, Karl

'

6

RanSbach

1

Rüger, Johannes

28/5

2 Jahre, Simmenthaler

Gelbschack

gut

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Am Scheidewege.

Erzählung von I. Jun g. (Fortsetzung.)

Die Vorstellung folgte. Die Ähnlichkeit der Ge­schwister von Nodenburg fiel dem Baron sofort auf. Während jedoch der Gesichtsausdruck des Grafen seiner heiteren Lebensanschauung entsprach, redete der seiner Schwester von einer ernsten Führung. Ein Zug stiller Energie, mit weiblicher Ergebung hatte etwas Anzie­hendes, Beruhigendes. Sie mußte schon manches Herze­leid, manchen tiefen Hummer überwunden haben. Das große, dunkle Auge ruhte prüfend auf den jugendlichen Zügen des Baron.

"3$ treue mich herzlich, Ihre werthe Bekanntschaft zu machen^ Herr Baron. Ihre selige Mutter war mir eine treue Freundin bis zu ihrem Tode. Wegen der weiten Entfernung haben wir allerdings in den letzten Jahren nur brieflich mit einander verkehrt!"

Und Sie haben mich als Knaben nie gesehen, gnädige Frau?"

Nein, Herr Baron, diese Gelegenheit hat sich mir nie geboten. Nur einmal war ich auf wenige Wochen als Gast in der Rosenvilla. Sie waren damals auf dem Gymnasium in G."

Meine gute Mutter!" sagte leise der Baron und > schien mit seinen Gedanken in der Vergangenheit zu ! verweilen.Sie hat in ihren letzten Jahren viel leiden ' müssen," setzte er dann sinnend hinzu.

Der Abend ist wundervoll, ich denke, wir bringen die schönen Stunden im Freien zu," bemerkte der Graf, dem der ernste Ton der Unterhaltung nicht zu behagen schien.

Ueber das Gesicht des Baron glitt ein Lächeln.

Nach der Hitze des heutigen Tages wird die Kühle des Abends sehr willkommen sein. Ich freue mich auf die Heimreise in der mondhellen Mainacht! Graf von Nodenburg schaute verwundert den Sprechenden an.

Sie wollen heute noch zurück?" Der Baron nickte.

Die Miene des Grafen wurde ernst.

Aber, lieber Baron, warum denn?" Der Baron schwieg einen Augenblick. Was sollte er antworten? Hatte er wirklich Grund, die so oft genossene Gastfreund­schaft des Grafen zurückzuweisen? Baron von Halden befand sich in einer eigenartigen Stimmung.

Leider muß ich heute Abend noch zurück, lieber Freund; doch es ist ja noch so früh am Abend, ich werde erst in später Stunde an den Heimweg denken.

Der Sprechende hatte sich nach der Stelle gewandt, wo der Graf stand. Fragend blickte dieser den Freund an.

Nun?" Es war ein ernster Ton, in dem der Graf das Wort sprach.

Für heute müssen Sie mid) entschuldigen, mein Theurer; ich komme bald wieder!"

Gut, ich ertheile Ihnen für heute Dispens," er­widerte der Graf in milderem Tone und drückte die Hand seines Gastes.

Der eintretende Diener meldete, daß im Gartensalon

gedeckt sei. Der Hausherr bot seiner Schwester den Arm und ging voran.

Darf ich bitten?" Ein warmer Blick begleitete die Worte des Baron. Elisabeth von Lenzen legte mit leichtem Erröthen ihren Arm in den des Baron, und schweigend schritten beide nach dem Gartensalon. Ja, es war ein schöner Abend. Die letzten Sonnenstrahlen grüßten die fernen Bergeshöhen, ein erquickender Abend­wind zog durch den Schloßgarten. Die Unterhaltung war recht lebhaft. Graf von Nodenburg berichtete mit anschaulicher Frische von seiner letzten Erholungsreise. Er hatte offenbar ein Erzählertalent. Mit offenen Augen, mit prüfendem Blick betrachtete er Welt und Mensche».

Es war spät geworden, als der Baron aufbrach. Als er Frau von Lenzen die Hand zum Abschied reichte, sagte er mit Innigkeit:Obgleich wir uns heute zum erstenmale gesehen, gnädige Frau, sehe ich in Ihnen eine mir und meinem Hause nahe stehende Person. Die gemeinsame Erinnerung an die entschlafene Mutter und Freundin wird auch in Zukunft, so hoffe ich, ein dauerndes Band für uns bleiben. Sie müssen mir nächstens recht viel von der lieben Mutter erzählen!"

Die Angeredele nickte zustimmend:Sehr gern, Herr Baron, auf Wiedersehen!"

Nun, mein Lieber, Sie müssen mir nächstens die wahrscheinlich höchst wichtigen Gründe angeben, die Sie heute imch Hause treiben," sagte mit lächelnd erhobenem Finger der Graf. Dann schüttelte er die dargebotene Hand des Baron recht herzllich.

Soll geschehen, antwortete dieser warm und innig.