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HersWek NMlM

Gratisbeilagen:Illustrirtes Sonntagsblatt^^ n.Illustrirte landwirthschaftliche Verlage".

Nr. 70. AtOg Üen 18. Ki M.

Amtliches.

Des Königs Majestät haben durch Allerhöchste Ordre vom 17ten v. M. dem Verbände der oberbadischen Zucht- genossenschaften die Erlaubniß zu ertheilen geruht, zu der öffentlichen Ausspielung von Zuchtvieh, die bei Ge­legenheit des am 17. September d. I. in Radolfzell stattfindenden Zentralzuchtviehmarktes mit Genehmigung der Großherzoglich Badischen Regierung veranstaltet werden soll, auch im diesseitigen Staatsgebiete, und: zwar im Regierungsbezirke Sigmaringen, in der Rhein- ; Provinz und in den Provinzen Hessen-Nassau und Sach- : sen Loose zu vertreiben.

Die Polizeibehörden des Bezirks wollen den Ver- i trieb der Loose, deren nicht mehr als 30 000 zu 1 Mk. ! ausgegeben werden dürfen, nicht beanstanden.

Cassel am 10. Juni 1895.

Der Regierungs-Präsident. I. V.: v. Pawel.

Hersfeld, den 14. Juni 1895.

Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche mit der Erledigung meiner Verfügung vom 27. Mai ds. Js. | I. I. Nr. 3020, im Kreisblatt Nr. 63, betreffend die Er- j Hebung der katasteramtlichen Gebühren Seitens her Gemeinde-Gelderheber, noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 22. d. Mts. bei Meidung von 3 Mk. Strafe erinnert.

I. l. Nr. 3020. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Negierungs-Rath

Hersfeld, den 15. Juni 1895.

Die Herren Ortsvorstände erhalten in den nächsten Tagen die Rekrutirungsstammrollen von den Jahrgängen 1873, 1874 und 1875 zurück, um dieselben nebst den Anlagen in der Gemeinde-Repositur gemäß § 46 pos. 12 der W.-O. sorgfältigst aufzubewahren.

J. II. Nr. 1621. Der Königliche Laudrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Negierungs-Rath.

Nichtamtliches.

Der Nordostsee-Aanal.

Eröffnungsfeier den 21. Juni 1895.

Der letzte Spatenstich geschah, An einem Riesenwerke.

Zu Deutschlands Ehre steht es da, Zum Zeichen feiner Stärke!" Nordsee und Ostsee welche Schau! Von Brunsbüttel bis Holtenau Nun ineinander rauschen!

Der alte Kaiser Hat's geweiht, Der junge sieht's vollendet In dein Gedenkjahr großer Zeit Das N)erk, das Segen spendet;

Das uns den goldnen Frieden wahrt, Viel tausend Schiffen kürzt die Fahrt And Völkerkraft verbindet!

And sollte uns bedroh'n ein Feind, Die Ost- und Nordseeflotte, Allnun in kurzer Frist vereint, Blacht Feindestrutz zu Spotte! Zwiefache Kraft hat Doppelwucht Drum laßt froh an der Kieler Bucht Jum Fest die Flaggen wehen!

Dort unterm blauen Himmelszelt, In weiten FesteshaUen,

, Soll dann dem großen Herrn der Welt Zuerst das Lob erschallen.

Denn nur sein Segen giebt Gedeih'n So füget denn den letzten Stein In des Allmächt'gen Namen!

Und wenn hernach im stolzen Zug Die Schiffe der Nationen

Vorbeizieh'n mit geschmücktem Bug Und bunten Mastenkronen,

Ein Bild der Völker-Friedensfahrt Dann heil ihm, der den Frieden wahrt, heil Wilhelm, unserm Kaiser!

Sie krösfumBfeitr des MduftseeMmls.

Von unserem Berichterstatter.

I.

Am 3. Juni 1887 ist in Gegenwart des Kaisers Wilhelm L, des gerade in Kiel weilenden Prinzen Oskar von Schweden, der Prinzen Wilhelm, Heinrich und Friedrich Leopold der Grundstein zum gewaltigen Bau des Nordostsee-Kanals gelegt worden. Einer kaum acht­jährigen Bauzeit hat es bedurft, um das Werk zu vol­lenden.

Zu Ehren des geeinigten Deutschlands!

Zu seinem fortschreitenden Wohle!

Zum Zeichen seiner Macht und Stärke!" sprach damals Kaiser Wilhelm L, der Begründer des deutschen Reiches, der so manchen guten Grund in seinem Heldenleben gelegt yac, uls er mit dem Stahl- Hammer mit kräftiger Hand drei Schläge auf den Grund­stein that.

Auf derselben Stelle an der Kieler Bucht in Holtenau wird der kaiserliche Enkel am 21. Juni den Schlußstein einfügen in Gegenwart der Vertreter aller seefahrenden Nationen, die Kriegsschiffe zu den Feierlichkeiten nach Kiel entsandt haben. Wenn etwas für die hohe Be­deutung des Nordostsee-Kanals spricht, so ist es diese weit über die Grenzen Deutschlands hinausreichende Theilnahme an dem vollendeten Werke. Der deutschen Nation hat dasselbe seit Jahrhunderten im Blute und im Sinn gelegen. Den letzten Anstoß dazu gab iu ge­sunden, praktischen Vorschlägen ein Hamburger Bürger. Die Feste, welche jetzt Hamburg zur Feier der Vollendung des Kanals als eine Vorfeier für die Kieler Eröffnungsfeier­lichkeiten begeht, sind neben der nationalen Freude an dem gelungenen Unternehmen zugleich ein Zoll der An­erkennung für den Sohn der Stadt, der mit Unermüd- lichkeit und Zähigkeit für das Projekt eintrat, das dem gesammten deutschen Handels- und Verkehrsleben, wie auch der deutschen Wehrkraft die größten Vortheile zu bringen bestimmt ist.

Der Hamburger Schiffsrheder Dahlström verfocht schon 1878 seinen Plan eines Kanals von Brunsbüttel über Rendsburg und Kiel. Die preußische Regierung ertheilte ihm die Erlaubniß zu Vorarbeiten. Dieselben wurden von Dahlström und dem Wasserbau-Inspektor Boden bis 1881 vollendet und dann der Regierung eingereicht; sie haben die Grundlage zu dem jetzt zur Ausführung gelangten Reichsprojekt des Nordostfee-Kanals gebildet. Vergebens hat Dahlström versucht, eine Aktiengesellschaft zur Durchführung seines Kanalprojektes zu stande zu bringen; so nähm denn die Regierung d>n Entwurf in die Hand. Eine besondere kaiserliche Kanal-Kommission, bestehend aus vier Mitgliedern unter dem Vorsitze des Geheimen Regierungs-Kaths Löwe wurde dem Reichsamt des Innern unterstellt mit dem Sitze in Kiel für die Ausarbeitung der Entwürfe und die Ausführung des Kanals. Zur Kommission gehörten außer dem Vorsitzenden der Geheime Baurath Fülscher als Mitdirigent, der Württembergische Baurath Koch als zweites technisches und der Regierungsrath Wennecker als rechtsverständiges Mitglied. Der Wirkliche Geheime Oberbaurath Bacnsch aus dem preußischen Ministerium der öffentlichen Ar­beiten, der schon die erste Vorlage bearbeitet, behielt im Nebenamts die technische Oberaufsicht bei Ausarbeitung der Entwürfe und Ausführung des Kanals. Im Ueb- rigen wurden die technischen Kräfte aus allen Theilen Deutschlands herangezogen. Das Werk, wie es nun vollendet dasteht, lobt den Meister. Es kann als eine mustergiltige technische Leistung bezeichnet werden, die wir getrost den besten Werken "des Auslandes auf diesem

Gebiete, dem Suez-Kanal, dem Manchestersee-Kanal u. A. ebenbürtig an die Seite stellen können. Was hier ge­schaffen ist, wird auch in späteren Zeiten Zeugniß ab­legen von deutscher Kraft und deutscher Tüchtigkeit.

Der Kanal, der Schleswig-Holstein von der Elbe über Rendsburg zur Ostsee durchzieht, ist 98,65 Kilo­meter lang; er nimmt an der Unterelbe seinen Ausgang bei Brunsbüttel, wendet sich dann, den in sumpfiger Moorgegend gelegenen Kuden-See durchschneidend, im großen und ganzen dem Lause des Flüßchen Holsten-Au folgend, an Burg vorüber nach Grünenthal (30 Kilo­meter), wo eine Hochbrücke die Eisenbahn Neumünster- Heide und die ihr benachbarte Fahrstraße über den Kanal führt. Bis Rendsburg durchzieht der Kanal fast ausschließlich eine einförmige, nur selten von melan­cholischen Tannengebüschen unterbrochene Moorgegend. Hinter Rendsburg geht er in die Eider über. Das Land- schastsbild nimmt nun einen heiteren, anmuthigen Charakter an; lachende Wiesen, liebliche Thäler, gut bestandene Buchenwälder, Kornfelder, blaue Binnenseen alles vereinigt sich hier zu einem freundlichen Ge- sammtbilde. Den Audorfer See, die Borgstedter Enge, den Schirnauer See durchschneidend, mündet der Kanal, an Levensau, wo sich die zweite Hochbrücke befindet, vorübergehend, u. utc Westseite des Kieler Hafens bei Holtenau.

Die Fahrt durch den Kanal unter Lootsenkontrolle, welche auch die Zollaufsicht bewirkt, darf nicht 5,3 Knoten Geschwindigkeit überschreiten, so daß mit geringen Aufent­halten bei Schleusen und Brücken eine Durchgangs­zeit von 13 Stunden zu rechnen ist. Die Breiten- und Tiefenverhältnisse wurden bestimmt durch die Anforoe- rungen unserer Marine. Bei 22 Meter Sohlenbreite und 8,5 Meter Mindesttiefe hat der Kanal, der unter Wasser fehr flache Böschungen erhalten hat, 64 Meter Wasserspiegelbreite. Trotz dieser stattlichen Maße nimmt einer unserer Panzerkolosse den ganzen Kanal für sich in Anspruch, und alle begegnenden Schiffe müssen in Ausweichestellen, deren sechs in etwa je 12 Kilometer Abstand angeordnet sind, auf die Seite treten, um die Kriegsschiffe passieren zu lassen. Dagegen können zwei Handelsschiffe bis zu 12 Meter Breite bequem überall an einander vorbeifahren.

Der ungeheure Nutzen des Kanals liegt auf der Hand. Er verkürzt die Verbindung unserer deutschen Meere um Hunderte von Seemeilen Der Weg von der Themsemündung bis zur Ostsee wird um 200 See­meilen, der Weg von der Weser- und Elbemündung so­gar um 380 Seemeilen abgekürzt. So werden nicht nur Tage an Zeit gewonnen und bedeutende Kosten gespart, sondern auch die vielen und großen Gefahren, welche den Schiffen bei der Umsegelung von Skagen an der schlimmen dänischen Küste drohen, vermieden iverden. Durchschnittlich forderten diese Küsten jährlich 200 Schiffe als Opfer, ja bisweilen die doppelte Zahl, Millionen an Nationalvermögen und viele Hunderte von Menschen­leben gingen damit verloren. Die Wrackkarte jener Gewässer ist dunkel angekreuzt. Nicht umsonst sagt ein niederdeutsches Sprichwort:Dat Kattegat matt dem Schippa den Hals natt." Dazu kommt, daß Jahr­hunderte hindurch, bis in die neuere Zeit herein, Däne­mark mit Beharrlichkeit den Handelsschiffen fremder Völker eine drückende Last durch den Suudzoll auslegte. Kein Wunder daher, daß sich denkende Männer schon längst mit dem Plane getragen haben, diesen Fahrlich- keiten und diesem Unfuge durch Anlegung einer kurzen, sicheren und billigen Querverbindung zwischen den beiden Meeren ein Ende zu machen. Gescheben konnte das freilich nur, wenn Schleswig-Holstein zu dem auf seine einstige Seemacht sich wieder besinnenden Deutschland voll und ganz zurückkam.

Wie mithin der neue Wasserweg nicht allein in erster Reihe der deutschen, sondern auch der Handels-Schiff- fahrt aller anderen Nationen in hohem Maße Nutzen bringen wird, so besitzt er auch für unsere Kriegsmarine und somit für unsere Vertheidigungsfähigkeit znr See die größte Wichtigkeit. Er setzt uns in den Stand,