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Amtliches.

Caffel, den 12. Juni 1895.

Es ist die Beobachtung gemacht morden, daß zer­legtes Rehwild in großen Mengen auf den Markt nach Caffel gebracht wird. Die Vermuthung liegt nahe, daß manche Ortspolizeibehörden bei Abgabe der Blankets zu den durch die Polizeiverordnung vom 24. Juni 1888 (A. Bl. S. 153) vorgeschriebenen Wildscheinen nicht mit der erforderlichen Vorsicht zu Werke gehen und die Blankets in beliebiger Anzahl abgeben. Dadurch wird der Verkauf unrechtmäßig erlegten Wildes erleichtert und die Kontrole darüber, ob während der Schonzeit auch Ricken zum Verkauf gebracht werden, unmöglich gemacht. Zur Verhütung dessen ersuche ich Euer Hoch- wohlgeboren ergebenst, die Polizeibehörden Ihres Kreises anzuweisen, daß sie Blankets zu Wildscheinen den im § 6, Absatz 2 der gedachten Polizei-Verordnung be­zeichneten Personen in beschränkter Zahl nur dann ver­abfolgen, wenn diese unbedingte Gewähr gegen einen Mißbrauch bieten, andernfalls die Scheine im jedes­maligen Bedarfsfall« selbst ausstellen, damit die Wirk­samkeit der erwähnten Polizei-Verordnung nicht ge­fährdet wird.

Der Regierungs-Präsident. I. V.: von Pawel. An die Herren Landräthe des Bezirks. I. A. II. Nr. 5338.

* * *

Hersfeld, den 18. Juni 1895.

Wird den Ortspolizeibehörden des Kreises zur strengen Nachachtung mitgetheilt.

I. 3713. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungö-Rath.

Hersfeld, den 17. Juni 1895.

Der Tuchfabrikant Alexander R e h n dahier ist auf erhobene begründete Reklamation gemäß § 6 des Ge­setzes vom 11. Februar 1888, betreffend Aenderungen der Wehrpflicht, hinter die letzte Jahresklaffe der Land­wehr II. Aufgebots zurückgestellt worden, was hierdurch mit dem Bemerken veröffentlicht wird, daß diese Zurück­stellung nur bis zum nächsten Klassificationslermin Gültigkeit behält.

Außerdem erlischt die gewährte Zurückstellung, sobald der Betreffende aus dem diesseitigen Aushebungsbezirke in einen anderen verzieht.

I. II. 1857. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Am Scheidewege.

Erzählung von J. Jung.

(Fortsetzung.)

Nun, Viktor, bist du nicht neugierig, Näheres zu erfahren? Doch nein, entschuldige meine voreilige Frage; zu diesen Menschen gehörst du nicht, wohl aber zu denen, die zu helfen bereit sind, wenn es gilt!" Viktor nickte. Der Redende fuhr fort:Diesmal werde ich jedoch der Hülfespendente sein, und ich freue mich auf­richtig, einmal eine gute That vollbringen zu können!"

In diesem Augenblicke klopfte es, und der Kellner trat ins Zimmer mit einem Briefe in der Hand.Herr von Braunfels?" fragte er.

Der Angeredete nahm das Couvert entgegen und prüfte die Ausschrift.

Der Herr wartet im Zimmer gegenüber," bemerkte der Kellner.

Gut, ich komme!" Der Kellner entfernte sich. Herr von Braunfels hatte das Couvert geöffnet und überflog den Inhalt der wenigen Zeilen.

Entschuldige mich einige Augenblicke, Viktor, der Erwartete ist noch gekommen, er war abgehalten, ich muß ihn sprechen!" Viktor von Halden war allein. Vor wenigen Stunden hatte er seinen alten Kameraden,

Nichtamtliches.

Von unserem Berichterstatter. II.

Deutschlands starke Wehr Wacht am deutschen Meer, Sei gegrüßt viel tausendmal, mein Kiel!

Wem von den Tausenden, die heute in Kiel sich zu- sammenfinden, hätte dieser Gruß nicht in der Seele ge­klungen. Wo deutsche Herzen schlagen vom Fels zum Meer, vom Riemen bis Metz, und an Hollands Grenze bn, sind auch heute mit Stolz und Freude die Augen auf die Kieler Föhrde gerichtet und seh.n die Schiffe aller seefahrenden Nationen Europas und der Verei­nigten Staaten von Nordamerika ihre Flaggen entfalten, I um das größte Werk des Friedens am Ausgange des Jahrhunderts und die deutsche Macht und Kraft zu : ehren, welcher es durchzuführen gelungen ist.

Welcher Deutsche möchte nicht das Schauspiel mit- ; erleben, wie von 79 der größten Panzerschiffe da- , runter 26 deutschen und 53 au launischen die Kaiser­flagge salutirt wird, die weithin sichtbar von der stolzen Hohenzollern" herabweht, und der Kanonendonner dumpf über das Meer hallt und über die alten Buchen : von Düsternbrook und wie in den gewaltigen Gruß der Geschütze sich das Hurrahrufen von Zehntausenden froh bewegten und patriotisch begeisterten Menschen mischt!

Was du früher nur im Traum mocht'st schauen,

Eine Flotte, deutschen Meeres Hort,

Heute wird sie wahr, und anvertrauen Kommt das Vaterland sie deinem Port!

Und vom Bernsteinstrand

Zum Lothringerland

Von der Königsau zum Fluß des Twiel

Sieht mit stolzem Sinn

Jeder Deutsche hin

Auf den Festfchmuck deiner Rhede, Kiel!

Der Donnersalut der Geschütze gilt der Kaiserflagge mit der Jahreszahl 1870! Wie haben die Komödianten des Patriotismus in Paris es sich zum Gesetz gemacht, die Jahreszahl 1870 aus der Geschichte zu löschen. Wie haben sie noch jüngst getobt, als ihr bester Panzer Hoche" für den voraussichtlichen Besuch des deutschen Kaisers an Bord diese Kaiserstandarte mit dieser Zahl hat mitnehmen müssen. Ohne die Siege von 1870, ohne die Schaffung des deutschen Reiches wäre die

den Oberstlieutenant von Braunfels, im städtischen Theater zu L. getroffen. Nach langer Trennung hatten sich die Freunde wiedergesehen. Baron von Halden ge­dachte der vergangenen Zeit. Er ist mir stets ein treuer Genosse gewesen, geprüft und bewährt in schwerer Kriegszeit. Wie hat er mich gepflegt, bei mir gewacht in langen, dunkeln Stunden! Ein Bruder kann nicht treuer sorgen, nicht liebevoller bemüht sein, als er es gewesen ist. Treues Bruderherz, nie werde ich vergessen, was Du mir gewesen bist!"

Halblaut hatte Viktor von Haldeu diese Worte ge­sprochen. Er blickte nach der Thür, durch welche sein Kamerad verschwunden war.

Wie aufgeregt er diesen Abend war," fuhr er in seinem Selbstgespräche fort, ich kann mir sein Benehmen kaum erklären!" Baron von Halden stand auf und schritt durch das Zimmer. Er schien zu überlegen. Noch immer blieb es still da drüben im Zimmer. Die Unterredung mußte sehr leise geführt werden, kein Ton klang herüber. Dem Zurückgebliebenen begann die Ein- famfeit unbequem zu werden. Er horchte. Alles war still.

Was gilt's: um den jungen Mann zu retten, opfert er die letzten 100 Mark. Schade, daß der Kellner ihn abrief, ich würde sonst wohl Näheres erfahren haben! Soll ich ihn zurückrufen und ihm meine Mithulfe an­bieten?"

Inangriffnahme des Nord-Ostsee-Kanals unmöglich ge­wesen. Dieselbe Kraft deutscher Nation, welche damals auf den Schlachtfeldern in Frankreich blutige Lorbeeren erntete, hat hier nach des alten Heldenkaisers Worten bei der Grundsteinlegung des Kanals ein Friedenswerk geschaffen,so großartig, daß man es den hervor­ragendsten Unternehmungen der Neuzeit an die Seite stellen kann."

In der von Kaiser Wilhelm I. gegengezeichneten Urkunde des Grundsteins wird es ausgesprochen:Die Herstellung einer unmittelbaren Verbindung der beiden deutschen Meere durch eine für den Verkehr der Kriegs­und Handels-Flotte ausreichende Wasserstraße ist seit langer Zeit das Ziel patriotischer Wünsche gewesen. So lange das Vaterland der Einigung entbehrte, lag dieses Ziel in unerreichbarer Ferne. Nachdem aber durch Gottes Fügung das deutsche Reich neu erstanden war, konnte der Plan zur Herstellung jener Verbindung in der uns seitdem beschieden gewesenen Zeit friedlicher Entwickelung festere Gestalt gewinnen. Durch das Reichs­gesetz vom 16. März 1886 ist die Verbindung beider Meere nunmehr sicher gestellt worden. Ein Bauwerk von gewaltiger Ausdehnung soll damit unternommen, ein bleibende« Denkm- .deutscher Einigkeit und Kraft geschaffen und in den. Dienst nicht nur der vaterländi­schen Schifffahrt und Wehrhaftigkeit, sondern auch des Weltverkehrs gestellt werden. Keine menschliche Voraus­sicht vermag die zukünftige Bedeutung dieses Baues in vollem Umfange zu ermessen, die Wirkungen ragen über das lebende Geschlecht und über das zu Rüste gehende Jahrhundert hinaus."

Wie oft hat seit den Tagen der Hansa das deutsche Volk versucht, die Nordsee mit dem baltischen Meere durch eine der Seeschifffahrt dienende Wafferstraße zu verbinden! Nicht weniger als 16 Pläne sind in den letzten zwei Jahrhunderten bekannt geworden, davon 9 für die Zeit von 1863 bis 1881. Selbst Wallenstein, derGeneral der ganzen kaiserlichen Schiffsarmada zu Meer wie auch des ozeanischen und baltischen Meeres General" saßte 1626 den Plan eines Meerkanals; er hatte bereits die Erdarbeiter aus allerlei Völkern nach Holstein zusammengezogen, als er von seinem Kommando entsetzt wurde und sein Plan damit gescheitert war. Den ersten praktischen Schritt in dieser Hinsicht zu thun, war dem Dänenkönig Christian VII. vorbehalten, der den Eiderkanal 1784 erbauen ließ und die Verbindung zwischen Nord- und Ostsee schuf. Aber die Wassertiefe des Kanals betrug nur 3,5 Meter, seine obere Breite im Durchschnitt nur 31 Meter, sodaß ihn nur die klein­sten Kanonenboote oder Torpedoboote benutzen konnten.

Gedacht gethan. Im nächsten Augenblick stand Viktor von Halden an der Thür des Zimmers, aus welchem flüsternde Stimmen an fein Ohr drangen. Er horchte.Nein, nicht horchen!"

Er klopfte leise an. Alles blieb still. Er klopfte abermals, vernehmbarer. Jetzt wurde die Thür geöffnet, und der blonde Kopf des Freundes sah heraus,

Du bist's?"

Der Angeredete erröthete und entgegnete verlegen: Entschuldige Albert, ich dachte, ich könnte . >"

Mir deine Hülfe anbieten, nicht so?" ergänzte lächelnd Herr von Braunfels.

Viktor nickte zustimmend und drückte warm die dar­gereichte Freundeshand.

Alles in Ordnung, lieber Viktor, nnllu Du ein» treten?"

Nein, nein, ich gehe zurück ins Gastzimmer und er­warte dich!"

Nach etlichen Minuten hörte Baron von Halden auf dem Hausflur eine wohlklingende Stimme:Besten Dank, Herr von Braunfels. In einigen Wochen werde ich in der Lage fein, Ihnen dankend alles zurück zu erstatten!"

War das eine Männerstimme?Wo habe ich diese Stimme gehört?" fragte nachsinnend Baron von