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Die Expedition.
Äaiserworte.
Bei dem Prunkmahle, das die freie und Hansastadt Hamburg zu Ehren des Kaisers bei dessen Anwesenheit zur Feier der Eröffnung des Nordostsee-Kanals im festlich geschmückten Rathhause am Mittwoch Nachmittag veranstaltete, hat der Kaiser auf die vom Bürgermeister Dr. Lehmann an ihn gerichtete Ansprache folgendes erwidert:'
„Mein verehrter Bürgermeister!
Tief ergriffen bin ich von den soeben vernommenen Worten; tief ergriffen von allem, von dem Empfang, den mir Hamburg soeben bereitet hat, wie ich desgleichen selten wohl erlebt. Der Geist, der mir entgegenschlug, war kein gemachter, kein gewöhnlicher. Gleich einer Windsbraut schallte mir der Jubel der Stadt entgegen. Ich weiß wohl, daß ich mir nicht anmaßen darf, daß dieser Jubel meiner Person gegolten; vielmehr erkenne ich in demselben den Ausfluß des P u l s s ch l a g e s unseres g e s a m m t e n deutschen Volkes, welches stolz darauf ist, das neugeeinte deutsche Reich in
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Ane Scheidewege.
Erzählung von J. Jung. (Fortsetzung.)
„Hat der alte Graf, von dem du erzählst, denn seiner Tochter ihr Erbtheil vorenthalten?" warf Baron von Halden hastig ein. —
Das wohl nicht, aber der Professor hatte auch Standesbewußtsein und hat bei seinen Lebzeiten auf seines Schwiegervaters Zuschüsse verzichtet. Das kleine Darlehn, welches ich heute dem jungen Freunde überlassen, soll ihm augenblickliche Sorgen abnehmen, denn er verschmähte es, als Bittender vor seinem Onkel zu erscheinen. Wäre ein größerer Betrag erforverlich gewesen, so würde ich deine Güte in Anspruch genommen haben, lieber Viktor!" Baron von Halden schwieg. Da sein Kamerad wohl absichtlich die Namen der Personen verschwiegen hatte, fragte er nicht. War denn eine Frage überhaupt noch nothwendig? Die Mittheilungen des Freundes hatten ihn die Persönlichkeiten deutlich genug bezeichnet, für ihn gab es keinen Zweifel mehr. Er kannte den Grafen und die Professorsfamilie. Warum aber nannte der Freund die Namen nicht? Er war doch sonst mittheilsam. Hatte er ein Geheimniß? Auf diese Fragen fand er keine Antwort. Kühl wehte der Nachtwind, und die Sterne winkten freundlich hernieder auf die Frühlingswelt. Die beioen Wanderer schritten schweigend weiter. Die Stimme des ihm Unbekannten, deren Wohllaut noch in dem
seinen Fürsten und hohen Gästen vertreten zu sehen. Empfangen Sie dafür meinen herzlichsten Dank und seien Sie der Dolmetsch meines Dankes auch den Hamburgern gegenüber.
Solche Momente, wie wir sie heute erleben, rufen in uns die Erinnerung zurück und vor allem die Erinnerung in dankbarer Form. Wir müssen in Dank und Wehmuth gedenken des g r 0 ß e n K a i s e r s, der dahin gegangen, und seines herrlichen Sohnes, unter denen das Werk, auf das Sie soeben angespielt haben, erstanden ist. Uns allen ist noch gegenwärtig der Jubel bei dem letzten Besuche meines hochseligen Herrn Großvaters.
Wir vereinigen zwei Meere ; auf das Meer lenken sich unsere Gedanken, das Meer — das Sinnbild der Ewigkeit. Meere trennen nicht, Meere verbinden; die verbindenden Meere werden verbunden durch dieses neue Glied zum Segen und Frieden der Völker.
Die erzgepanzerte Macht, die versammelt ist auf dem Kieler Hafen, soll zu gleicher Zeit ein Sinnbild des Friedens sein, des Zusammenwirkens aller europäischen Kulturvölker zur Hochhaltung und Aufrechterhaltung der europäischen K u l t u r in i s s i 0 n.
Haben wir einen Blick geworfen auf das ewige Meer, so werfen wir einen Blick auf das Meer der Völker. Aller VölkerHerzen richten sich hierher mit fragendem Blick. Sie erheischen und wünschen den Frieden. Im Frieden nur kannWelt- Handel sich entwickeln, im Frieden nur kann er gedeihen, und den Frieden werden und wollen wir aufrecht erhalten.
Möge in diesem Frieden auch Hamburgs Handel blühen und gedeihen! Es soll ihm stets der Schutz des kaiserlichen Aars folgen, wohin er auch seine Bahnen über die Welt ziehen möge. Wir aber alle erheben jetzt unsere Gläser und trinken auf das Wohl unserer werthen Hansestadt Hamburg: sie lebe hoch! und noch- ! mals hoch! und zum dritten Male hoch!"
Klar und deutlich klangen diese markigen hochbedeut- samen Worte durch den gewaltigen Saal, zuweilen kraftvoll anschwellend, namentlich, als der Kaiser von dem Zusammenwirken aller europäischen Kulturvölker sprach und seine Friedensliebe betonte. Die Worte: „den Frieden werden und wollen wir aufrecht erhalten" machten auf die Vertreter der verschiedenen Nationen, die mit gespanntester Aufmerksamkeit den
Ohre des Baron klang, — jetzt war sie ihm bekannt. Die Stimme des Bruders erinnerte ihn an die Schwester, — an Elisabeth von Lenzen.
Das Ziel der nächtlichen Wanderung war erreicht.
Baron von Halden reichte dem Freunde die Hand und blickte ruhig in das treue Freundesauge. „Willkommen in meiner Heimath!"
V.
Es war an einem stillen Juninachmittag, und der Dust der Lindenblüthen erfüllte die Lust. Elisabeth von Lenzen schritt durch den rauschenden Wald, der von der Ostseite das Schloß Rodenburg umgab. Die dicht stehenden Buchen vereinigten in der Höhe ihre Kronen und wehrten den heißen Sonnenstrahlen den Durchweg, sodaß die Spaziergäugerin im Schatten wandelte. Jetzt bog der Weg links ab, er wurde schmaler und steiler/ Elisabeth mußte tief herabhängen- den Zweigen ausweichen. Ihr Fuß stieß einige Male an die Wurzeln alter Baumstämme, die den Waldpfad durchkreuzten. Niemand war da, der ihr den Arm hätte bieten können. Oft hatte in diesen Tagen ihr Onkel diesen Ritterdienst versehen, heute war sie allein. Elisabeth dachte an ihn mit dankerfülltem Herzen. Ein inniges Glücksgefühl durchzog ihre Seele, eine sonnige Freudigkeit lag auf dem schönen Gesichte. Das Alleinsein in dem leise rauschenden Walde schien sie zu befriedigen. — Auch ihre Mutter fühlte sich so sehr glücklich im Frieden der neugeschenkten Heimath. In den alten Augen strahlte es oft so freudig auf, es war der
kaiserlichen Worten lauschten, einen tiefen Eindruck.
Mögen sie auch jenseits der Vogesen, wo die Kriegshetzer nach wie vor eifrig an der Arbeit sind, dem deutschen Volke kriegerische Absichten unterzuschieben, einen Umschwung in der Stimmung herbeiführen. Deutschland hat jetzt durch den Mund seines Herrschers vor aller Welt in unzweideutiger Weise verkündet, daß es ihm heiliger Ernst ist, den Frieden als die Bedingung jedes Fortschritts und der Zivilisation zu behüten.
Politische Nachrichten.
Ihre Majestät d i e K a i s e r i n hat sich am Mittwoch Nachmittag 2 Uhr mittels Sonderzuges nach Kiel begeben, wo Allerhöchstdieselbe zunächst im Königlichen Schlosse Wohnung nehmen wird. Im Gefolge Ihrer Majestät befinden sich die Oberhofmeisterin Gräfin v. Brockdorff, die Hofdame Fräulein v. Gersdorff, der Oberhofmeister Freiherr v. Mirbach und der Kammerherr von dem Knesebeck.
Die Festberichte über die Einweihung des Nordost- see-Kanals, jenes unvergleichlich großen nationalen Werkes, des Marksteins deutscher Kultur, beanspruchen nicht nur den größten ?HKl ue§ Raumes unserer deutschen Tagespreffe, sondern- haben dank dem Entgegenkommen, das die Vertreter der fremden Zeitungen bei den Feierlichkeiten gefunden haben, auch im Auslande vielfach die politischen Erörterungen in den Hintergrund gedrängt. Feierlich gestimmte Leitartikel, in denen in erster Linie die hohe kulturelle Bedeutung des Nordostsee- Kanals gewürdigt wird, haben das bedeutende Ereigniß eingeleitet. Die hauptsächlichen WienerBlätter, das „Fremdenblatt", „die Presse", das „Neue Wiener Tageblatt" und das „Wiener Extrablatt" bezeichnen in äußerst sympathischen Artikeln die Kieler Eröffnungsfeier als ein Friedens fest ersten Ranges. Auch in den Budapester Blättern findet die Feier in Kiel lebhaften Widerhall. Der „Pester Lloyd" schreibt: „Der Nordostsee-Kanal rückt die Bürger Deutschlands einander näher; er ist ein S t ü ck i n n e r e r E i n i g u n g und damit auch ein Stück innerer Friedens- arbeit, denn der Friede ruht am sorgsamsten gewahrt in dem starken Arm einer umsichtigen Macht. Wer aber sein eigenes Haus mit Palissaden umgiebt, thut das nicht zu dem Zwecke, in des Nachbars Haus einzu-
Widerschein des stillen, inneren Glücks.
Sie war in die ihr gebührenden Rechte als Grafentochter eingetreten und im Besitze eines bedeutenden Vermögens. Es war besonders der Gedanke an ihre Kinder, der ihr diesen Besitz werthvoll erscheinen ließ, sie selbst war unter bescheidenen Verhältnissen recht glücklich gewesen. —
Der schmale Waldweg endigte jetzt auf einer kleinen Anhöhe. Von hier aus war der Blick durch die Waldbäume nicht mehr gehemmt. Ein breites Wiesenthal, von einem kleinen Flusse und einem wohlgepflegten Wege durchzogen, lag vor ihr ausgebreitet.
Das herrliche Thal zu ihren Füßen gab ihren Gedanken eine andere Richtung. Die sommerliche Stille in der Natur wirkte wohlthuend auf ihr Gemüth. Hub weiter schweifte ihr Blick zum fernen Horizont, den blauschimmernde Berge umkränzten. Doch die Gedanken der Jungfrau eilten noch weiter. In den dunkeln Augen schimmerte ein eigenartig goldener Schein. Ihr inneres Auge ruhte auf der Vergangenheit; „Heimath, Kindheit, Jugendglück!" flüsterte sie. Was hatte diese Gedanken hervorgerufen? — Nach langer Trennung sollte sie ihren einzigen Bruder wiedersehen. Ein Brief, der diesen Morgen eingetroffen war, hatte seine baldige Ankunft angemeldet. Sie sah den Erwarteten im Geiste vor sich und mit seiner Person zugleich die Jugend und der Heimath Bild. Sie erblickte träumend die Stätte der Kindheit am geliebten Rhein. Sie hört die Wellen des Stromes rauschen, sie schaut die Berge im Abendglanz. An der Hand der Mutter wandert sie dahin