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Nr. 73.

IieistW Stil N. Km

1895.

BmmmK-FMmi.

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Hersselder Kreisblatt mit den GratisbeilagenJllustrirtes Sotttttags- blatt" undJllustrtrte laudwirthschaftliche Beilage".

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______Die Gxpeditisn.

Amtliches.

Hersseld, den 19. Juni 1895.

Der Herr Minister für Handel und Gewerbe hat im Anschluß an den im Kreisblatt Nr. 121 vom Jahre 1892 veröffentlichten Erlaß vom 30. August 1892 A 0097

betreffend die aichamtliche Behandlung der im landwirthschaftlichen Betriebe benutzten nachaichungs- pflichtigen Waagen bestimmt, daß Landwirthe, die ein Nebengewerbe in nicht ganz unbedeutendem Umfange betreiben, insoweit den maaß- und gewichtspolizeilichen Vorschriften in derselben Weise, wie andere Gewerbe­treibende zu unterwerfen sind. Dagegen ist von der Herbeiführung eines strafrechtlichen Verfahrens wegen Nebertretung dieser Vorschriften bei Landwirthen, die sich auf die Verwerthung der Erzeugnisse ihres landwirth­schaftlichen Betriebes beschränken, in Zukunft ganz abzu- sehen und die Beobachtung der fraglichen Vorschriften geeigneten Falls durch polizeiliche Verfügung herbeizu- führen. Zu solchem polizeilichen Eingreifen ist aber nur dann zu schreiten, wenn das öffentliche Interesse es er­fordert, eine Voraussetzung, die in der Regel nur vor­liegen wird, wenn ein ständiger Absatz landwirth- schaftlicher Erzeugnisse an das Publikum oder ein 'sehr bedeutender Absatz an Händler stattfindet. Von dieser Voraussetzung ist namentlich auch die Forde­rung an Landwirthe abhängig zu machen, bei den im § 68 Ziffer 1 der Aichordnung vom 16. Juli 1869 be­zeichneten Waagen die Wiederholung der Aichung in den vorgesehenen Fristen herbeizuführen.

J. I. Nr. 3685. ' Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 24. Juni 1895.

Zum diesjährigen Besuche der Schlachtfelder soll den Feldzugütheilnehmern von 1870/71 für die nach Metz, Straßburg, Weißenburg und Wörth abgehenden Eisen­bahnzüge eine Fahrpreisermäßigung zu Theil werden.

Die Herren Bürgermeister wollen dies in Ihren Ge­meinden sofort bekannt machen lasten, und die Zahl derjenigen Feldsoldaten, welche von dieser Vergünstigung Gebrauch machen wollen, mir bis spätestens zum 29. d. Mts. anzeigen.

1. 3916. Der Königliche Landrath

Freiherr von S ch l e i n i tz , Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 22. Juni 1895.

Diejenigen Herren Standesbeamten des Kreises, welche mit der Erledigung meiner Verfügung

vom 5. Juni d. Js., I. A. Nr. 1637 im Kreisblatt Nr. 66, betr. Anlegung von Familien-Stammbüchern, noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 28. d. Mts. erinnert.

J. A. Nr. 1637. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 19. Juni 1895.

Der Schreiner Adam S ch m i t t zu Obergeis ist als Bürgermeister der dasigen Gemeinde auf die Dauer von acht Jahren gewählt, bestätigt und heute eidlich ver­pflichtet worden.

I. A. Nr. 1735. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Gefunden: ein Taschenmesser. Meldung des Eigen- thümers bei dem Ortsvorstand zu Hilmes.

Nichtamtliches.

Sie ßlHiiinMeitr Ses Möchtt-wals.

Von unserem Berichterstatter.

VII.

Schlutzsteinlegung und Flottenrevue.

Kiel, 21. Juni.

Glück auf! Glück auf, Germania!

Das große Werk gelang!

Gieb Gott die Ehre, ihm den Ruhm, Stimm' an den Lobgesang!

Dort kommt der Schiffe stolze Schar,

Die Völkerflotte naht:

Concordia soll die Losung sein

Auf neuem Meerespfad!

Schön glänzt im gold'nen Morgenlicht

Die silberhelle Fluth

Doch auch im Sturm verzage nicht,

Dein Leuchtthurm leuchtet gut!

Schlag' an dein Schild Germania,

Wirf Kränze in die See,

Streu Rosen auf die neue Bahn,

Vergiß der Dornen Weh!

Ein Fest des Friedens schenkt dir Gott;

Sei treu dem Fürstenhaus

Der Wind sährt durch die Wimpel hin

Mit freudigem Gebraus!

Und all' die Wellen stimmen ein:

Dein Kaiser soll gesegnet sein!"

Ein Monarch im Greisenalter begann das Werk, ein Monarch in der Blüthe der Kraft hat es vollendet. Un­willkürlich stellt sie beide die Festfreude neben einander, den jungen, von Hurrahrufen umrauschten Kaiser und den 90jährigen Heldengreis, der es sich nicht nehmen ließ, ob es ihm auch die tödtliche Krankheit bringen sollte, an derselben Stelle den Grundstein zu diesem Meisterwerke des Bauingenieurwesens zu legen, an wel­cher sein Enkel heute den Schlußstein legt und zugleich die Grundsteinlegung für ein Standbild Kaiser Wil­helms I. an derselben Stelle vollzieht. .

Es giebt keine landschaftlich schönere Stelle für dieses Denkmal in Deutschlands Nordmarken. Hier war es, wo der erste Kaiser des neu erstandenen Reiches seine ruhmreichen Thaten durch dieses letzte seiner Werke krönte, hier sahen wir ihn damals bei der Grundstein­legung zwar recht gebeugt sein Auftreten erinnerte mehr denn je an menschliche Schwäche, aber welche Souveränität war in dieser ehrwürdigen Erscheinung, auf der ein Strahl der Verklärung lag. Als er so da- stand bei Beginn des Segensspruches, den Helm in seiner Rechten, den Kopf entblößt und, wie es seine Ge­wohnheit war, kurz mit der Hand das Silberhaar noch einmal nach vorn strich und dann das Haupt in stiller

Andacht beugte, da blieb kein Auge trocken vor Liebe und Rührung, und durch die Herzen zog es wie eine Ahnung, daß Kaiser Wilhelm nicht lange mehr auf Erden weilen, sondern bald die irdische Krone mit der himm­lischen vertauschen würde.

Es war dies derselbe Augenblick, wo der Kaiser, da er zu lange sein entblößtes Haupt dem heftig wehenden Winde preisgab, sich eine nicht unbedenkliche Erkrankung zuzog, mit der jene Kette von persönlichen Leiden und Trübsalen über ihn hereinbrach, die nach Gottes Rath­schluß sein Herz von der Erde loslösen und für den Himmel reifmachen sollte. E? entspricht ganz dem histo­rischen Sinne unseres Kaisers und der Pietät, die er für seinen hochseligen Großvater hat, daß er die Schluß- steinlegung des Nordostsee-Kanals nicht vollziehen kann, ohne die gleichzeitige Grundsteinlegung zu einem Denk­mal für den unvergeßlichen Herrn gerade an dieser Stelle, wo das deutsche Volk ihn zum letzten Male in der Uebung der Herrscherpflicht gesehen und wo einer dem anderen es zugeflüstert hatte:Er sieht recht wie ein König aus!"

Schon am frühen Morgen wurde es heute im Hafen lebendig. Ein heftiges Gewitter, das gestern Abend so­wohl das Fest in der Marineakademie, als auch das von der Stadt Kiel verunstaltete Feuerwerk etwas beein­trächtigte, hat die ganze Nacht Regen zur Folge gehabt und die Temperatur erheblich herabgemindert. Heute Morgen herrschte jedoch trotz der kühlen Temperatur prächtiges Kaiserwetter. Heller Sonnenschein lag auf den Hunderten von Schiffen, Dampfern, Pinaffen und Barkaffen, die Tausende hinaus zum Festplatze bei Holtenau beförderten. Einen solchen Menschenstrom haben die Wellen des Hafens noch nie hinausgetragen nach Holtenau, das vor einigen Jahren noch eine un­beachtete Sandwüste war. So kommen Menschen, so kommen Ortschaften über Nacht zur Berühmtheit!

Ist es schon eine Freude, in schöner Sommerzeit durch die landschaftlich reizende, von Buchen und Villen umsäumte Kieler Föhrde zu fahren, wie vielmehr heute. An beiden Ufern des Hafens entlang von der Stadt bis nach Friedrichsort im Westen und der Spitze von Laböe im Osten sind sie verankert, die Panzerfahrzeuge, die Kreuzer, Fregatten, Jachten und Avisos, die Tor­pedoboote aller Art im reichsten Flaggenschmuck. Von der Barbaroffa-Brücke bis zum Zollwachtschiff, ein ein­ziger Wald von Masten der Kriegsschiffe aller Nationen mit den hundert und tausend Bildern des den Beschauer immer fesselnden Lebens der Kriegsmarine. Die großen Panzer liegen mit etwa 500 Meter Abstand von ein­ander, was von der Seite und aus der Nähe gesehen auffällt, wenn man die Reihe aus der Ferne überblickt, so scheint einer dicht am andern zu liegen. Der Ein­druck ist so imposannt, und die Fortschritte menschlicher Technik werden so unvermittelt dem Gemüth eingeprägt, daß ihm nur die nationale Freude gleichkommt bei dem Gedanken, daß zu Deutschlands Ehren und zur Feier eines Friedensmerkes all diese Meeresfestungen, der Stolz einer jeden Ratten, hier herkamen, um ihren Salut Deutschland darzubringen. Es ist ein L>chauspiel von einer Großartigkeit und überwältigenden Erhabenheit, wie sie Werke von Menschenhand nur selten hervor­bringen.

Am Festplatze bei der Kanaleinfahrt bei Holtenau versammelten sich bis 10*/2 Uhr im Kaiserzelt die deut­schen Fürsten und die Gäste des Reiches, auf den beiden mächtigen Tribünen um den Festplatz her die geladenen Gäste des Reiches, während das schaulustige Publikum nur die Ausfahrt des Kaisergeschwaders aus dem Kanal, nicht aber die Grundsteinlegung beobachten kann, denn die Tribünen befinden sich an der linken Kanalseite hinter den großen Festtribünen des Grnndsteinlegungs- platzes. Es ist ein farbenprächtiges Bild, das sich am Festplatze barbietet, diese dicht gedrängten Scharen von Menschen, die Damen in bunten Toiletten auf bunt­bewimpelten Tribünen, die Herren im Frack und weißer Kravatte, die Offiziere des deutschen Heeres und der Flotten und die zahlreichen fremden Marineoffiziere in