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Die Ruhmestage des deutsch-französischen Arieges.

IV.

Treffen bei Weißenburg.

4. August 1870.

An diesem Tage überschritt die III. Armee unter dem Befehl des Kronprinzen von Preußen: das 5. und 11. preußische, das 1. und 2. bayerische Korps, die württembergische und badische Feld-Division und die 4. Kavallerie-Division, 128 Bataillone, 102 Eskadrons und 80 Batterieen, gegen 130 000 Mann stark, die franzö­sische Grenze. An der Lauter bei Weißenburg kam es zu einem heftigen Zusammenstoß mit der vorgeschobenen französischen Division Douay.

Die Division Vothmer des II. bayerischen Korps stieß zuerst auf den Feind, und bald entbrannte der Kamps unter den sturmfreien Stauern der Stadt Weißen­burg. Die Bayern hatten einen harten Stand und vermochten zunächst nicht, in die stark befestigte Stadt einzudringen. Doch inzwischen war auch General von Kirchbach mit dem 5. Korps herangekommen, und unter blutigem Ringen gelang es dann den vereinten Anstreng­ungen der Preußen und Bayern, den Bahnhof Weißen­burg und darnach die Stadt mit Sturm zu nehmen. Am Landauer Thor war der Gemeine Schroll vom 11. bayerischen Regiment zuerst angelaugt; mit urwüchsiger bayerischer Kraft brächte er mit einigen Axthieben die Zugbrücke zu Fall, und mit lautem Hurra drangen die Bayern an dieser Stelle in die Stadt ein.

Doch eine schwere Aufgabe staub noch bevor; es galt nun, die steile Höhe des Geißbergs mit dem festen Schloß darauf, südlich von Weißenburg, zu erobern. Gegen sie hatte von vorn herein General v. Bose das 11. Korps

Unberechtigter Nachdruck verboten.

Der zweite Schuf).

Dorfgeschichte aus dem Böhmerwalde.

Von Maximilian Schmidt.

(Fortsetzung.)

Girgl hätte gern feinen Lieben noch die Hand ge­reicht, aber die Hände waren ihm auf den Rücken zurück gebunden. . Die Gendarmen trieben ihn vorwärts. Einer hatte Girgls Gewehr zu sich genommen. Das ganze Dörfchen war in Alarm.

In der Stube des Schneiders aber saßen, an Leib und Seele gebrochen, die alte Mutter und Katherl. Sie hielten sich fest umschlungen, zitternd und lautlos, denn das Entsetzen, welches sich ihrer bemächtigt hatte, war unaussprechlich.

Das erste Wort, welches aber das Mädchen wieder über ihre Lippen brächte, da sie von ihrer Mutter nach Hause geführt wurde, war:

Er is unschuldi und unser Himmelsmuatta von Rotheubaam wird da dreinschaun und helfen!"

Aber die Gerichte waren anderer Anschauung. Es wurde angenommen, daß Girgl den Rehbock zur Strecke gebracht und dann wieder geladen hatte, daß er dann vom Förster überrascht und auf diesen den zweiten Schuß aboegeben habe.

Vergebens versicherte Girgl, daß der zweite Schuß unmittelbar nach dem seinigen, der dem Wilde gegolten habe, abgegeben worden sei, daß er überhaupt kein zweites Mal geladen habe.

geführt, und vereint mit dem 5. Korps sümpfte es um den Besitz des Berges und des Schlosses. Dem 5. preußischen Jäger-Bataillone war es hier vergönnt, das erste französische Geschütz zu nehmen; Feldwebel Meyer, unterstützt besonders vom Oberjäger Hausknecht und von Jäger Leuschner, stürzten im heftigsten feindlichen Feuer auf das Geschütz los und eroberten es. Von vielen tapferen Thaten weiß dieser Tag noch zu erzählen.

Einen gar heißen Kampf hatten die Königsgrenadiere (Grenadier-Regiment Nr. 7) zu bestehen. Es war ein erhebender Moment, als Major v. Kaisenberg, die Fahne, die der Hand des verwundeten Trägers entsunken war, ergreifend, zwei Füsilier -Kompagnieen unter Trommel­schlag zum Sturm vorführte. Da wurde ihm der Fahnen- stock in der Hand zerschmettert, und von mehreren Schüssen getroffen sank auch er nieder; Premierlieutenant Simon ergriff die Bruchstücke des Paniers, und als auch er, tödtlich getroffen, gefallen war, nahm Unteroffizier Lorenz die Fahne in seine Hand und trug sie bis zum Ende des Gefechts. Endlich mußten die Franzosen auch vom Geißberg weichen, nachdem auch ihr heldenmüthiger 1 Führer, General Douay, gefallen war. Sie hatten sich tapfer gegen die deutsche Üebermacht gewehrt; den Deut- 1 scheu war es auch in Folge der Schwierigkeiten, die die von den Franzosen geschickt benutzte Oertlichkeit bot, nur mühsam gelungen, ihren zähen Widerstand zu brechen. Nur mit schweren Verlusten war dieser erste Sieg der deulscheu Waffen erkauft, 91 Offiziere, 1460 Mann waren todt und verwundet; unter letzteren befand sich General v. Kirchbach, der aber bei seinem Korps blieb.

Der Kronprinz hatte von einer Höhe bei Schweigen aus das Gefecht geleitet, dann war er unter unermeß­lichem Jubel der Truppen über das Schlachtfeld die er­stürmte Höhe des Geißberges hinaufgeritten. Es war tief ergreifend und erhebend zugleich, als tausendstimmiges Hurra in der Siegesfreude aus den Kehlen der Stünner erklang, die von der Warthe und Oder, aus Thüringen und Hessen, vom Main und von der bayerischen Alp herbeigeströmt waren, um den gemeinsamen Feind von Deutschlands Grenzen zu verjagen. In der eroberten Stadt sah man die Krieger Arm in Arm ihre Ver­brüderung feiern; es war ein erhebendes Versöhnungs­fest derer, die sich im Jahre 1866 feindlich gegenüber gestanden hatten. In biefem Augenblicke gab es für alle nur ein einziges, großes, geeinigtes und dadurch so starkes deutsches Vaterland.

Aber man schenkte seiner Behauptung keinen Glauben. : Die Verdachtsgründe waren geradezu erdrückend, und er wurde vom Gerichte zu zehnjährigem schwerein Kerker verurtheilt.

Der Jägerbenno aber, der sich so eifrig und um­sichtig in dieser Sache benommen, wurde vom gräflichen Gutsherrn zum Nachfolger des verunglückten Försters ernannt.

III.

In Jammer und Elend war Girgls alter Mutter und seinem Katherl der Winter herangekommen. Die Beiden befolgten wohl den Rath deö Eingekerkerten, für ihn zur Himmelsmutter zu flehen, daß seine Unschuld an den Tag käme, aber das hatte bisher keinen greif­baren Erfolg. Und doch hatte es einen, und das war die Hoffnung, welche in beider Herzen als Folge des festen Vertrauens aus die Hilfe der Himmlischen, deren Bildniß in Rothenbaum verehrt wird, nun einmal Wurzel gefaßt.

Dieses Bild hatte vor mehr als zweihundert Jahren ein frommer Gemeindehirte geschnitzt und in einer durch ihn ausgehöhlten Nische eines gewaltigen Baumstrunkes verwahrt; dann schälte er die Rinde vom Baume ab und strich endlich den ganzen Baum roth an. Hier verrichtete er dann an Sonn- und Feiertagen seine An­dacht. Aus mehr als einer Drangsal glaubte der Hirt durch die Fürbitte der Heiligen befreit worden zu sein, und alsbald wallfahrteten auch andere andächtige Christen vertrauensvoll zu dieser Gnadenstätte im Walde.

Und das war doch auch ein stolzes Bewußtsein nicht nur für die Armee im Felde, sondern auch für das Volk daheim, daß der erste Sieg nicht auf deutschem Boden, sondern im feindlichen Lande erfochten war. T.

Politische Nachrichten.

Berlin, 28. Juli.

Se. Majestät der Kaiser ist Abends 7/.2 Uhr auf der Kaiserlichen PachtHohenzollern", gefolgt vom KreuzerGefion", in Kiel eingetroffen. Die Strand- batterie von Friedrichsort und die im Hafen liegenden Schiffe feuerten Salutschüsse ab. Se. Majestät der Kaiser reist Abends 10 Uhr 25 Min. nach Station Wildpark weiter, woselbst die Ankunft morgen früh erfolgt.

In auswärtigen Blättern wird mit einer gewissen Härtnäckigkeit seit einige Zeit die Meldung wiederholt, i Se. Majestät der Kaiser beabsichtige im kommenden Herbst einen Besuch am königlich italienischen Hofe ab- zustatten. Durchaus zutreffend bemerkt gegenüber diesen Meldungen dieKöln. Ztg.", sie beruhten schon deshalb auf Erfindung, weil über die Zeiteintheilung Sr. Majestät des Kaisers für dieser Herbst bereits endgültige Be- stimmung getroffn."undV. Vi eine Reife mich Italien in keiner Weise in Aussicht genommen ist.

Wie aus Konstanz gemeldet wird, kehren die Kaiserlichen Prinzen nach den bisherigen Fest­setzungen heute früh nach dreiwöchigem Aufenthalt im dortigen Jnselhotel nach Berlin zurück. Die Prinzen und ihre Begleiter wären überaus befriedigt von dem Aufenthalt in Konstanz und von den Ausflügen nach Mainau, Meersburg, Ueberlingen, Friedrichshafen, Bregenz, Reichenau, Arenaberg und Hohentwiel.

Das Reichsgericht hat in einer Entscheidung vom 30. Mai d. Js. ausgesprochen, daß Zuwendungen eines Fabrikanten an eine mit den Rechten einer selbständigen Persönlichkeit ausgestattete Pensions- und UnterstützungS- kasse für Angestellte der Fabrik als Schenkungen nicht betrachtet werden können. Zur Begründung wird ins­besondere angeführt, daß der Fabrikant bei solchen Zu­wendungen in so fern selbst eine Interesse habe, als es ihm durch Ausstattung der erwähnten Kassen mit ange­messenen Mitteln erleichtert wird, tüchtige Arbeitskräfte heranzuziehen und an sich zu fesseln, Der Finanz- Minister hat dementsprechend angeordnet, daß nach dem

Friedrich Lamminger von Albenreuth, Canonikus von Salzburg und Regensburg, welcher in der Kanther Waldung das Waidmerk pflegte, hatte durch Zufall den Baum mit dem Muttergottesbilde entdeckt und, nachdem er von seinen Begleitern dessen ideale Herkunft erfahren, eine geräumige Kirche erbauen lassen, um welche dann bald ein Dorf entstaub, das zum ewigen Angedenken Rothenbaum" genannt wurde. Das Marienbild aber ist noch heutigen Tages ein Gegenstand hoher Verehrung, und von allen Seiten kommen zu ihm die Gläubigen heran. Die Umwohner der Wallfahrtskirche brachten von jeher nach besten Kräften große Opfer für dieselbe, und i auch Katherl hatte den Altar, vor dem sie jetzt glaubens- selig betete, schon mit mancher schönen Handarbeit ge- schmückt.

Ihre Mutter redete ihr vergebens vor, daß auch die 1Himmelsleut" nicht imstande wären, einen begangenen Mord ungeschehen zu machen und sie von solchem Ver­langen endlich abstehen solle. Damit suchte sie die . Tochter auf andere Gedanken zu bringen und sie für Benno, den nunmehrigen Förster, günstig zu stimmen, denn dieser hatte neuerdings um das Mädchen geworben. Auch Katherls Vater hatte es als ein besonderes Glück betrachtet, eineFrau Försterin" zur Tochter zu haben, und er zählte ihr alle Vortheile auf, welche ihm selbst hinsichtlich der Waldnutzung daraus erwachsen würden. Aber Katherl blieb ihrem Herzen treu und sagte:

Und wenn gar koa' Beten helfen sollt', so wart i's ab, bis der Girgl seine zehn Jahr abbüßt hat, und dann g'hör i sein für'S Leben!"