y========
Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
Abonnementspreis vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg, exel. Postaufschlag.
-■ ■ -—-—--—-♦ - -—^=x
>--■' - ■ • ■...—j _ । .i— ^
Die Jnsertionsgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile 10Pfg., im amtlichen Theile I5Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.
* .....
HersselKr SrefeMatt
Gratisbeilagen: „Illustrirtes Sonntagsblatt^^ n. „Illustrirte landwirthschaftliche Veilage^^.
Nr. 89.
Ismerstiis Seil 1. August
1895.
Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen „Jllustrirtes Sonntagsblatt" und „Jllustrirte landwirthschaftliche Beilage" für die Monate August und September werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbrief- trägern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Hersfeld, den 30. Juli 1895.
Die Herren Orts- (Guts-) Vorstände des Kreises erhalten in den nächsten Tagen die bezüglich der Ergänzungssteuersätze nach dem durch Finanzministerialerlaß vom 25. Juni d. Js. neu vorgeschriebenen Ergänzungssteuertarif berichtigten Staatssteuerrollen für 1895/96 zur Herbeiführung des Erforderlichen wegen der Steuererhebung zurück.
Mit Rücksicht darauf, daß die Steuererhebung nach Maßgabe her ursprünglichen Veranlagung für das e r st e Vierteljahr 1 8 9 5/9 6 bereits beendet ist, ist für dieses Vierteljahr die D i f f e r e n z zwischen den ant heiligen Beträgen der ursprünglich veranlagten und der neuen Steuersätze zugleich bei der Hebung für das zweite Vierteljahr einzuziehen und an die Königliche Kreiskasse hier unter Vorlegung der Staatssteuerrolle abzuliefern.
Die Vorschrift im § 19 Absatz 1 des Ergänzungssteuergesetzes wird durch die Königliche Verordnung vom 25. Juni b. Js. nicht berührt. Somit haben nach wie vor Steuerpflichtige mit steuerbarem Vermögen von nicht mehr als 32,000 Mark, wenn sie zu den ersten vier Stufen der Einkommensteuer veranlagt sind, höchstens einen um 2 Mark unter der von ihnen zu zahlenden Einkommensteuer verbleibenden Betrag, also höchstens 4 bezw. 7, 10 und 14 Mark an Ergänzungssteuer zu entrichten.
In den Rollen der Gemeinden (Gutsbezirke): Geth- semane, Heddersdorf, Hersfeld (Gutsbez. Oberförsterei), Niederaula (Gutsbezirk), Petersberg, Wilhelmshof, Wip- pershain (Gemeinde) und Wippershain (Gutsbezirk) haben die Ergänzungssteuersätze Aenderungen nicht erfahren.
Der Vorsitzende der Veranlagungskommission:
Freiherr von Schleinitz,
I. IH- 2343. Geheimer Regierungs-Rath.
Hersfeld, den 29. Juli 1895.
Die Herren Ortsvorstände der Gemeinden, in welchen das mittelst Ausschreiben vom 16. d. Mts., I. I. Nr. 4266, Kreisblatt Nr. 85, empfohlene demnächst erscheinende Werk „Der Krieg gegen Frankreich und die Einigung Deutschlands" beschafft werden soll, haben mir die Stückzahl der zu bestellenden Exemplare bis zum 8. August d. Js. berichtlich anzuzeigen.
I. l. 4443. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
. Hersseld, den 31. Juli 1895.
■ • I m atn 22' Mai 1881 zu Kemmerode geborenen Hernnch Neusel ist um Entlassung aus dem preußischen «Llaatvverbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.
^^ 44(57. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Hersfeld,29. Juli 1895.
Das 2. Garde-Regiment z u Fuß beabsichtigt zur 25jährigen Wiederkehr des S ch l a ch t t a g e s v o n S t. P r i v a t zu Berlin eine Feier zu veran- stalten und hierzu frühere Angehörige des Regiments, welche den letzten Feldzug mitgemacht'haben, einzuladen.
Die Fahrt vom Wohnsitze aus nach Berlin kann auf Militair-Billet erfolgen.
Die Herren Ortsvorstände des Kreises wollen alle diejenigen ehemaligen Angehörigen des Regiments, welche der Feier beiwohnen und von der Fahrpreis-Ermäßigung Gebrauch machen wollen, auffordern, ihre genaue Adresse (Vor- und Zuname, Wohnort und Nummer der einstigen Kompagnie) den Bataillonen, in welchen sie gestanden haben, bis zum 8. August d. Js. einzusenden.
Für eine beschränkte Anzahl kann auch Unterkunft und Verpflegung seitens der Bataillone besorgt werden.
J. I. Nr. 4472. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Nichtamtliches.
Die Ruhmestage des deutsch-französischen Arieges.
v.
Schlacht bei Spichern.
6. August 1870.
Die östlich von Metz befindliche französische Armee wollte man deutscherseits mit den versammelten Kräften: der ersten Armee: zunächst 50 000 Mann (VII. und VIII. Korps) unter General v. Steinmetz und der zweiten Armee: zunächst 134 000 Mann (III., IV., X., Garde- Korps, 5. und 6. Kavallerie-Division) unter Prinz Friedrich Karl angreifen. Am 6. August erreichte die 14. Division des VII. Korps gegen Mittag Saarbrücken. General v. Kamecke hielt es, sein Marschziel überschreitend, für gerathen, sich ohne Verzug der Höhen, welche sich unmittelbar vor der Stadt erheben, zu bemächtigen, um den nachfolgenden Kolonnen das Herauskommen zu sichern; auch glaubte er sich genügender Unterstützung versichert. Aus den ihm zugegangenen Nachrichten schloß der General, daß die Höhen nur noch von der Nachhut des abziehenden Feindes besetzt seien; in der That stand I aber hinter Spichern das ganze Korps Frossard in verschanzter Stellung, deren Mittelpunkt der schroff hervortretende , fast unersteigliche Felshügel des „rothen Berges" bildete.
Das war ein Jubel in Saarbrücken, als die vorderste Brigade, die 39er und 74er, unter General von Franyois die Stadt passierte. Unter Freudenrufen brächte arm und reich herbei, was an Speise und Trank nur aufzubringeu war; mit heißen Segenswünschen begleitete jung und alt die weiter eilenden Krieger. Und nun schritt die Brigade zum Angriff auf den „rothen Berg" und dessen bewaldeten Hänge, nachdem die Bataillone ihre Fahnen entfaltet hatten, die 39er die alten Feldzeichen, die schon 1813 und 1815 den Vätern siegreich vorangeweht hatten, unter denen dann 1866 neue Siege erfochten waren, die 74er die neuen, noch unversehrten Tücher, die ihnen nach der Stiftung 1868 verliehen waren; aber Hannoveraner wie die Rheinländer mit dem heiligen Gelöbniß, treu bei diesen Panieren zu stehen, unter ihnen zu siegen oder zu fallen.
Mit fast übermenschlicher Anstrengung suchten die Kompagnie-Kolonnen die steilen Hänge zu erklimmen; auch noch die andere Brigade der Division griff ein. Aber die Ueberlegenheit des Feindes machte sich nur zu fühlbar. Dennoch gelangte ein kleines Häuflein 39er, an ihrer Spitze der heldenmüthige General v. Franyois, der den Seinen mit hocherhobenem Degen voranschritt, bis zum Kamm des „rothen Berges"; da trafen den tapferen General fünf Kugeln; er sank — fiel, und sterbend sprach er die Worte: „Es ist doch ein schöner Tod auf dem Schlachtfelde; ich sterbe gern, da ich sehe, daß das Gefecht vorwärts geht!"
Die Lage der 14. Division wurde immer bedrängter; doch schon nahte die Hülfe. Auf den Kanonendonner waren vom VIII. Korps die 16., vom brandenburgischen Korps die 5. Division theilweise mit der Eisenbahn auf den Kampfplatz geeilt, wo sie um 4 Uhr Nachmittags
eintrafen. Diese frischen Truppentheile griffen immer nachhaltiger in das Gefecht ein, wenn sich dies auch erst nach und nach bemerkbar machte, denn auch ihnen war durch die wiederholten Vorstöße der Franzosen noch heiße Arbeit beschieden. Insbesondere hatte das 2. branden- burgische Grenadier-Regiment Nr. 12 einen sehr verlustreichen Kampf am „rothen Berge" zu bestehen. Unter jubelndem Hurra der kämpfenden Infanterie gelang es auch endlich dem Major v. Lyncker unter unsäglichen Schwierigkeiten, acht Geschütze auf den rothen Berg zu bringen. Sie nahmen den Kampf mit drei feindlichen Batterien auf, und wenn auch die Hälfte der Bedienungsmannschaften fiel,. die anderen harrten aus, und dank dem Auftreten dieser Geschütze wurde es der Infanterie möglich den „rothen Berg" zu halten. A-
Stundenlang noch wogte der Kampf hin und her, noch um 7 Uhr Abends unternahmen die Franzosen einen neuen Vorstoß, aber er hatte keinen Erfolg, und beim Eintritt der Dunkelheit wich der Feind auf der ganzen Hochfläche; General Frossard trat mit seinem Korpö einen geordneten Rückzug an; Hülfe von rückwärts war ihm nur unzureichend und zu spät zu theil geworden. Wie anders auf deutscher Seite! Es ist geradezu stau- nenswerth, wie alle preußischen Generale selbstständig cingriffen und sich gegenseitig Unterstützung grwäh.ien. Und welche Leistungen der Truppen nicht nur im Kampfe, sondern auch welche Marschleistungen! Einige Truppentheile, die zur Hülfe herbeigeeilt waren, hatten gegen sechs Meilen bis zum Schlachtfelde zurückgelegt; zwei Batterien des I. Armee-Korps, welches noch auf dem Transport zum Kriegsschauplatze begriffen war, hatten, eben aus Königsberg in Preußen in Neunkirchen angelangt, sofort den Marsch auf das Gefechtsfeld fortgesetzt.
So hatten denn Theile der I. und II. Armee bei Spichern den ersten Sieg erfochten; man ahnte nicht, daß am selben Tage dort bei Wörth die Kanonen der III. Armee auch Viktoria schössen. So ein Doppelsieg am 6. August. Schwere Verluste waren auch bei Spichern zu verzeichnen, insgesammt: 223 Offiziere und 4648 Mann.
Hohes Lob verdient auch in der Erinnerung das Verhalten der Einwohner von Saarbrücken, St. Johann und der umliegenden Ortschaften. Noch unter dem Kugelregen waren selbst Frauen und Jungfrauen bemüht, mit eigener Lebensgefahr die Verwundeten zu bergen und zu erquicken. So mögen denn die steilen Höhen von Spichern uns immerdar erinnern an den Heldenmuth der deutschen Männer, die sie stürmten, und an die opferfreudige, barmherzige Liebe deutscher Frauen, die sie, des eigenen Lebens vergeffend, dort an den Opfern des heißen, blutigen Kampfes ausübten. T.
Politische Nachrichten.
Se. Majestät der Kaiser ist am Montag Vormittag 9 Uhr auf der Wildparkstation eingetroffen und hat sich sogleich nach dem Neuen Palais begeben.
Die beiden ältesten kaiserlichen Prinzen sind nach dreiwöchigem Aufenthalt in Constanz am Bodensee wieder in Potsdam eingetroffen. Auf der Rückreise besuchten sie unter Führung des Surften von Hohenzollern die Stammburg Hohenzollern.
Der G e n e r a l s e l d m a r s ch a l l Graf von Blumenthal vollendete am 30. Juli sein 85. Lebensjahr.
Seit dem 18. Juli wird der Kaiser Wilhelm- Kanal von Schiffen bis zu 6 Metern Tiefgang benutzt, es macht sich infolge deffen bereits eine Hebung des Verkehrs bemerkbar.
Bezüglich der nächsten Volkszählung gehen durch die Zeitungen Mittheilungen, welche die Gründe darlegen, die den Bundesrath bewogen haben, diese Zählung bei dem gewohnten Termin, dem 1. Dezember, zu belassen, trotzdem der 1. Dezember auf einen Sonntag fällt. Allerdings hat der Bundesrath diese Gründe,