Einzelbild herunterladen
 

y= ......1

Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.

Abonneiuentspreis vierteljährlich 1 Mark 40 Psg, excl. Postaufschlag.

>.......... ~" ......

Die Jnsertionsgebühren betragen für den Raum einer Spaltzelle 10 Psg., im amtlichen Theile 15 Psg. Reklamen die Zeile 20 Psg.

Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.

------------ .

tx^W SrdÄt

Gratisbeilagen:Allustrirtes Sonntagsblatt" u.Zllustrirte lanöwirthschaftliche Beilage".

«r. 91

Dienstag den

8noofl

1895.

Amtliches.

Hersfeld, den 2. August 1895.

Die Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises werden hierdurch auf nachstehende, für den Verlauf der dies­jährigen Herbstübungen wichtigen Maßregeln aufmerksam gemacht und wird deren thunlichste Befolgung erwartet. I. Zur Verhütung von Unglücksfällen sind Ränder anZSteinbrüchen und Gruben einzu- zäunen oder durch schwarze Tafeln bezwse. Flaggen kenntlich zu machen.

BrückendeckenLund Brückengeländer an öffentlichen Wegen sind ordnungsmäßig in Stand zu setzen sowie Brunnen und Tränken,'"welchefgesundheitsschädliches Wasser halten, abzuschließen bezwse. als solche kennt­lich zu machen. Etwaiges Steingeröll auf öffent­lichen Straßen ist nach^Möglichkeit megzuräumen.

il. Zur Vermeidung von Flurschäden ist thunlichst^darauf hinzuwirken, daß das reife Getreide abgeerntet und dasZbereits^gemähte Getreide Heim- geführt wird.

Es wird darauf hingewiesen, daß Beschädigungen,

Verzeichnis über die im Monat Juli 1895 ertheilten Jagdscheine.

E

Zeit der

£

Des Empfängers

Zeit der

3

E

Des Empfängers

Ausstellung

S a

Ausstellung

Namen.

W 0 h n 0 rt.

Jahr.^ Mon.

Tag.

Namen.

Wohnort.

Jahr.

Mon.

Tag.

ES

39

Stelzner, J. H., VersicherungS-Jnspeklor

Hersfeld

1895

Juli

2.

13.

49

Huth, Wilhelm, Bäcker und Conditor

Hersfeld

1895

Juli

19.

13.

40

Schnell, Konrad, Kgl. Förster

Forsthaus Falkenbach

4.

50

Gluth, Jakob, Sattler

Asbach

//

20.

M

41

von Baumbach, Oberregierungsrath a. D.,

Cassel

"

8.

51

Lenz, Valentin, Landwirth

Beiershausen

//

//

//

//

Obervorsteher

52

Gesing, Gg. Hermann, Kaufmann

Hersfeld

M

W

,/

42

Buge, Königlicher Förster

Obergeis

//

H

H

53

Rüger, Heinrich Burghardt, Landwirth

Unterweisenborn

//

//

23.

M

43

Sorg, Königlicher Förster

r# .

//

//

H

54

Aumann, Franz, Gymnasiast

Hersfeld

u

//

//

44

Braun, Königlicher Förster

Heddersdorf

//

//

55

Kehr, Robert jun.

//

//

//

H

45

Patry, William, Gutsbesitzer aus Genf

Hattenbach

//

9.

W

56

Fink, Johannes, Bierbrauer

Asbach, jetzt Hilper-

M

//

25.

//

46

Homburg, Justus, Gutsbesitzer

Obergeis

//

ff

11.

//

hausen

27.

47

Hoßbach, Heinrich, Gutsbesitzer

Hof Weißenborn

//

n

15.

57

Ochs, August, Lehrer

Heenes

H

//

48

Rechberg, Christian, Lederfabrikant

Hersfeld

//

//

16.

//

58

Diels, Königlicher Forstmeister

Hersfeld

H

31.

Wird veröffentlicht. Hersfeld, den 3. August 1895.

Der Königliche Landrath. I. V.

H e

eg.

Unberechtigter Nachdruck verboten.

$cr Kcizeilhtiiitr »um AmeuSel.

Eine Geschichte aus dem großen Kriegsjahr 1870.

Von M. TiteliuS.

Das blutige Ringen des Tages war beendet, der Donner der Geschütze verstummt, die Stille der Nacht lag über Weißenburg und den Höhen der umgebenden Berge, welche noch gestern der Schauplatz so großer Heldenthaten unserer preußischen und bayrischen Solda­ten gewesen waren. Es war eine sternenlose, dunkle Nacht, ein fein herabrieselnder Regen erhöhte noch ihre Schauer, und nur die erlöschende Glut mehrerer in Brand geschossenen Höfe und Gebäude, die zahllosen r und Biwakfeuer in der Ferne verbreiteten etwas Helligkeit und leuchteten den unermüdlichen Ambulanzen und Krankenträgern, welche sich selbst nicht genug thun tonnten, in ihrem Samariterwerk im Aussuchen, Weg- lragen, Erquicken, Trösten der zahllosen Verwundeten und Sterbenden, wie im Fortschaffen der Leichen, welche 11 auf freiem Felde, hinter Hecken, in Gräben, zwycyen.den Reihen der Weinstöcke in den Weinbergen, unter Bäumen, unter Mauern und zerschossenen Gebäu­den umherlagen. Gegen Morgen ließ der Regen nach, dafür legte Nch ein kalter, undurchdringlicher Nebel mit eisigem Hauch über Berg und Thal und machte den zu Tode erschöpften Ambulanzen und Mannschaften eine kurze Rast zu zwingender Nothwendigkeit.

In diesen Stunden war's, wo tief in einer Art Schlucht, unterhalb" einer hohen Weinbergsmauer ein junger bayrischer Jäger in seinem Blute lag, unfähig, sich von der abgelegenen Stelle fortzubewegen, oder sich nur die geringste Hilfe zu geben, denn der rechte Fuß

die dadurch entstanden sind, daß die Betheiligten das rechtzeitige Abernten unterlassen haben, nicht entschädigt zu werden brauchen. (Instruktion zur Ausführung des Gesetzes über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden vom 13. Februar 1875, R. G. Bl. S. 52 und Abänderungen N. G. Bl. S. 245 zu § 14.)

Die neue Bestellung, namentlich das neue Ein­säen, kurz vor den Herbstübungen ist auszusetzen, bis feststeht, daß die zu bestellende Flur durch die Truppen nicht mehr betreten wird. Aufwendungen, von welchen die Interessenten gewußt haben, daß sie durch die Truppen-Uebungen der nächsten Tage zerstört werden mußten, begründen keinen Anspruch auf Entschädigung. (Instruktion wie vor zu § 14.) Ferner wird hiermit noch Folgendes angeordnet:

1. Die hochwerthig tragenden Ländereien, wie Forst- Kulturen, nicht eingezäunte Gemüsefelder, Saatklee, deren Betreten den Truppen überhaupt untersagt ist, sind durch weithin sichtbare Zeichen (hohe Stangen mit Tafeln oder Strohwischen) kenntlich zu machen.

2. Ebenso müssen auch andere werthvolle Felder, wie solche mit Rüben, mit noch auf dem Halm stehenden

und die linke Hand waren ihm zerschossen, und außer­dem rieselte das Blut aus mehreren tiefen Fleischwunden der breiten Brust.

Mit dem frischen Muthe junger Helden hatten die Bayern das trefflich befestigte, von den Franzosen hart­näckig vertheidigte Weißenburg angegriffen und im Sturm genommen. Besonders waren es die rechts und links liegenden Weinberge, welche dem Feinde durch ihre Mauern und Gänge trefflich Stellung boten. Während ein Theil in der Stadt Schritt um Schritt vorwärts drang, begann der andere in den gefahrbringen­den Weingärten aufzuräumen. Hier zeigten sich den Deutschen zuerst jene abenteuerlichen Figuren der Wüstensöhne, die grimmen Gestalten der Turkos und Zuaven, Erscheinungen, welche auch den Muthigen zum Halt auffordern können; aber die tapferen Bayern ließen sich nicht abschrecken. Im Sturmschritt vor, über die Mauern hinauf und in die Rebengelände hinein, wo unter dem Feuer der Chastepotsgewehre und dem Knat­tern der Mitrailleusen das furchtbarste Handgemenge be­ginnt. Gesicht an Gesicht mit den schwarzen Teufeln arbeitet man schließlich fast nur noch mit dem Bajonett und dem Faschinenmeffer. Schon flohen die ersten Haufen der afrikanischen Horde, das Hurra der Bayern wird immer gewaltiger, mit diesem Schlachtruf bringen sie in die Berge empor, jeden Schritt in wildem Gemetzel er­kämpfend.

In diesem Moment war es, daß der Brave, von : dem ich erzählen will, von mehreren mörderischen Kugeln ' getroffen, über eine hohe Mauer hinabstürzte und hilflos liegen blieb. Wie lange er ohne Bewußtsein gelegen hatte, wußte er selbst nicht, aber Heller Tag war es ge- j wesen, als die mörderischen Kugeln ihn getroffen hatten

Getreidearten u. s. w., deren Betreten zwar nicht immer vermieden, aber auf das geringste Maß be­schränkt werden wird, mit Strohwischen bezeichnet werden.

Es wird hiermit ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, daß nur der Schaden vom Reichsfiskus er­setzt wird, welcher durch die Truppen entsteht, daß aber der durch die Zuschauer erfahrungsmäßig ent­stehende Schaden durch diese selbst zu tragen ist.

Damit der Zweck der vorstehenden Anordnungen nicht hinfällig werde, wird noch bemerkt, daß die Anbringung von Schutzzeichen (z. B. für Rübenfelder) nicht übertrieben werden darf, zumal die möglichste Schonung der Rübenfelder ohnehin militairischerseitS in der Regel befohlen wird.

3. Werden die Herren Ortsvorstände angewiesen, soweit erforderlich eine Erneuerung der Wegweiser im Manövergebiet vornehmen zu lasten.

II. 2288. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rath.

und er in die Tiefe gestürzt war, und jetzt, wo er all­mählich zum Bewußtsein erwachte, lag düstere Nacht auf der Erde, und ein eisiger Wind erhöhte noch die Schmer­zen seiner vielen Wunden, das Elend seiner Lage. Als es ihm nach einiger Zeit unter tausend Schmerzen und unsagbarer Anstrengung gelang, sich einigermaßen unter einen Haufen Geröll und Gestrüpp, welches sein Fall aus der Höhe mit herabgeristen und ihn theilweise darunter begraben hatte, emporzuarbeiteu, dünkte es ihn, als sähe er durch Nacht und Nebel hier und da in der Ferne schattenhafte Gestalten umherhuschen, lautlos wie Geister, hier und da sich niederbeugend, dann wieder auftauchend, dort wieder verschwindend. Diese Nebel­bilder mit heiß brennenden Augen und noch heißer brennendem Verlangen zu verfolgen, darauf erstreckte sich schließlich daö gesammte Denkvermögen des armen Ver­wundeten. Ach, wenn es menschliche Gestalten wären! Wenn sie Hilfe brächten! Wenn sie nur ein klein wenig näher kämen, daß er sie anrufen könnte mit seiner todesschwachen Stimme!

Nochmals nahm er die äußerste Energie zusammen, um sich ein'wenig aufzurichten, und umherzuspähen das Ausrichten gelang ihm nicht, aber ein wenig höher war er durch die Bewegung doch zu liegen gekommen; zugleich fühlte er, wie sein Haupt im Zurücksinken einen weichen Gegenstand berührte, er langte mit dem rechten, gesunden Arm darnach und überzeugte sich alsbald, daß es ein menschlicher Körper war, der da neben ihm lag. In demselben Augenblicke erschien aber auch wieder eine jener schattenhaften Gestalten, und zwar bewegte sie sich entschieden gegen den Ort her, wo er lag. Da erhob er seine letzte Kraft zu einem Hilferuf. Doch kaum waren einige Laute über seine Lippen gekommen, als