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K. 97. KOg -eil 20. AM 1895.

Amtliches.

Berlin, den 3. August 1895.

Dem Königlichen Landrathsamte machen wir die er­gebene Mittheilung, daß die in der Instruktion C., die Ermittelung des Ernteertrages im Jahre 1894 betreffend, unter I. 4 Absatz 2 zum 1. November d. Js. angeordnete Einsendung der Notizblätter über die im laufenden Jahre vorgekommenen Hagelwetter nicht mehr stattzufinden hat.

Wir ersuchen ergebenst, die Ortsvorstände hiervon in Kenntniß zu setzen.

Königliches statistisches Bureau.

In Vertretung: Schwießke.

An das Kgl. Landrathsamt zu Hersfeld. I. Nr. 1498E.

* *

Hersfeld, den 16. August 1895.

Wird den Herren Ortsvorständen mit Bezug auf mein Ausschreiben vom 12. Januar d. Js. I. I. 152 1 (Kreisblatt Nr. 7) zur Nachachtung mitgetheilt. L 4803. Der Königliche Landrath.

I. V.: H e e g.

Politische Nachrichten.

Berlin, 18. August.

S e. Majestät der Kaiser ist gestern früh im besten Wohlsein mittels Sonderzuges auf der Wildpark­station wieder eingetroffen und begab Sich von dort zu Wagen in das Neue Palais. Unterwegs, von Spandau ab, nahm Se. Majestät im Sonderzuge den Vortrag des Staatssekretairs des Innern, Vizepräsidenten des Staats­ministeriums von Boetticher, entgegen und hörte Vor­mittags von 10 Uhr ab im Neuen Palais die Vorträge des Chefs des Generalstabes, sowie des Chefs des Militairkabinets. Zur Frühstückstafel, welche um l1/* Uhr stattfand, war der Reichskanzler Fürst zu Hohenlohe- Schillingsfürst mit einer Einladung beehrt worden. An der Abendtafel im Neuen Palais, welche um 7 Uhr stattfand, nahmen der Großherzog und der Erbgroßherzog von Baden Theil. *

Ihre M a j e st ä t die Kaiserin empfing am Freitag den Besuch Ihrer Majestät der Kaiserin Friedrich, Allerhöchstwelche einige Stunden auf Wilhelmshöhe verblieb. Die Prinzen Wilhelm und Eitel

Str keiztiihtiner M Kurivtii-el. Eine Geschichte aus dem großen Kriegsjahr 1870.

Von M. TitcIius.

(Schluß.)

Ich? ich?" stammelte der Kranke,o, Gott sei Dank! nun ist meinem Heiner geholfen! O Herr! jetzt helfen Sie mir auch, daß alles festgemacht und geschrieben wird, ehe es zu spät ist; ich spür's, ich mach's nur noch kurz!"

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Gern, ich will nachher gleich den Notar holen; aber wo hätte sich unser Heiner solch ein Glück träumen lassen! Wenn Ihr ihm das Geld auch nur leiht, nicht einmal schenkt, kann er ein flottes Geschäft kaufen; Ihr onnt noch lange leben, Sepp, braucht darum nicht gleich

S^ lieber gleich den Notar, ach, so ein ^ rief der Kranke sehr aufgeregt.

Glück?" fragte Heiner, der eben ins Zim- das vom Notar erklären, den der Herr H . 1 ll^lch holen will," sagte Sepp mit der eigen- tbumluben, ungeduldigen Hast Schwerkranker.

- . er Richter gleich darauf fortging, bat Sepp seinen Hemer, ihm nur noch das zu versprechen, daß er ln^ zum Cnbe bet ihm aushalte» wolle, wie es auch konime; unb als Heiner dies versprochen hatte, dankte er ihm nachmals für alles, alles und sagte, er könne es ihm me vergelten, nie.Herzbruder," fügte er hinzu, geh noch ein wenig in die Luft und bring mir frischen

Fritz verabschiedeten sich vorgestern von Ihrer Majestät und reisten mit dem Obergouverneur Obersten von Deines nach dem Neuen Palais zurück.

Die Meldung der Blätter, daß Ihre Majestät die Kaiserin Friedrich Anfang Oktober der Königin von England in Balmoral einen Besuch ab- statten werde, bestätigt sich Nicht Dem Vernehmen nach wird Ihre Majestät vielmehr am 18. Oktober der Ein­weihung des Kriegerdenkmals bei Wörth beiwohnen.

Heinrich v. Treitschke erwähnt in der Vorrede zu einem der ersten Bände seinerDeutschen Geschichte", daß ihm aus dem Ausland vielfach Beschwerden darüber zugegangen seien, daß der Ton seiner Geschichtserzählung durch das stark hervortretend.e patriotische Selbstbewußt­sein den Nichtdeutschen verletze. Unser Historiker giebt darauf die gelassene Antwort, daß wohl noch viele Jahre dahingehen würden, ehe sich die Ausländer daran ge­wöhnen, daß der Deutsche so von seinem Vaterland und seinem Volke, von dessen Ruhm und Größe spricht, wie das bei Franzosen und Engländern, wenn sie von ihrem Lande sprechen, sich ganz von selbst versteht. Die lange politische Zersplitterung Deutschlands, der Umstand, daß alle umwohnenden Nationen Jahrhunderte lang Gebiets­theile mit deutscher Bevölkerung ungestraft vom Reiche abreißen konnten und daß diese Bevölkerungen sich meist beeiferten, im Vergessen des nationalen Namens ihren Stolz zu suchen, der Jammer des Frankfurter Bundes­tags, der fünfzig Jahre lang den Spott Europas heraus- forderte, einen Spott, in den die meisten Deutschen willig mit einstimmten, wie sollte das Alles im Laufe von noch nicht einem Menschenalter aus dem Gedächtniß der Völker verschwunden sein? Darum werden wir heute und im nächsten Jahr und auch wohl noch länger ohne Verwunderung und Aerger es hinnehmtn müssen, wenn ein Franzose, wie soeben wieder der hiesige Berichter­statter des PariserMatin", sich aufregt über eine aka­demische Festrede eines unserer Universitätslehrer, und den einfachen Hinweis auf die Thätigkeit unseres Volkes, das unter Schwierigkeiten, die allgemein als unüber­windlich galten, dennoch schließlich seine staatliche Einigung errungen, alsAusbruch des nationalen Chauvinismus" denunzirt. Daß wir das Recht zu haben glauben, als eine Nation zu gelten, die an Thatkraft und geistigem Reichthum hinter keinem der großen Kulturvölker zurück- steht, das ist es, was man uns nicht verzeihen will. Wenn aber namentlich unser westlicher Nachbar nicht

Waldgeruch heim, wenn du kommst, sollst du dann etwas Näheres erfahren."

Der Heiner ging verwundert fort, er ging auf der Straße nach M. zu, auf diesem Wege war er ja der Vronik ein wenig näher, das that ihm wohl, denn er hatte alle die Zeit nichts von ihr gehört. Als er wieder heim kam und hörte, daß der Notar dagewesen war und was der Sepp für ihn gethan hatte, wußte er gar nicht, wie ihm geschah. Er brach in Thränen aus und dankte Gott mit erhobenen Händen für die Rettung aus tiefer Noth. Der Amtsrichter aber, der ihm auf Sepps Bitte alles erklärt hatte, drückte ihm warm die Hand und rief: Habe ich's nicht gesagt, den Aufrichtigen läßt es Gott gelingen!"

Der Tannensepp machte es nicht mehr lange. Mit dem häufig solch Schwerkranken eigenen Wunsch nach Veränderung sehnte er sich, in den nächsten Tagen nach seinem neuen Eigenthum, dem Häuschen seiner Groß­mutter an der B . . . nitzer Klamm, überzusiedeln. Heiner brächte ihn mühsam genug dahin. Aber er sollte sich nicht lauge des neuen Heims freuen, schon in der fol­genden Nacht starb er in den Armen und unter den ; Gebeten seines treuen Heiners. Dank der Umsicht und | Sorgfalt des Amtsrichters waren die Erbverhältnisse für Heiner so klar geordnet, daß ihm unbeanstandet als­bald das Erbe zusiel.

So kam es, daß unser Gegenheiner im oberen Jsar- thal blieb und nicht nach München ging. Als die Kunde von der Wendung der Dinge und des Geigenheiners glücklicher Erbschaft nach M. drang, wurde der alte

vergessen will, daß der Verfall unserer nationalen Ver­fassung ihm einst die Möglichkeit gab, auf deutschem Boden nach seinem Belieben zu schalten, so müssen wir ebenso eingedenk bleiben, daß nur ein festes und treues Festhalten am gemeinsamen Vaterland, an Kaiser und Reich, uns in den Stand setzt, mit der selbstsicheren Ruhe des Starken ungerechte und hochmüthige Urtheile des Auslandes zurückzuweisen.

Aus Auslaß des heutigen Gedenktages der Schlacht bei Gravelotte hielt S e. Majestät der Kaiser über die 1. Garde-Jnfanterie-Brigade, welche auf der Mopke Aufstellung genommen hatte, Parade ab. Se. Majestät hielt nach Begrüßung der Truppen eine längere Ansprache an dieselben, in welcher Allerhöchstderselbe auf die Bedeutung des heutigen Tages hinwies und besonders die Thaten hervorhob, durch welche das 1. Garde-Regiment z. F. vor 25 Jahren sich unvergängliche Lorbeer» errungen habe. Se. Majestät verlieh dem Regiment als besondere Auszeichnung für alle Fahnen desselben das Band und den Stern des Schwarzen Adler-Ordens. Die neuen Ehrenabzeichen wurden sofort an den Fahnen befestigt und das Regiment nahm an dem darauffolgenden Vorbeimarsch vor Sr. Majestät dem Kaiser mit denselben ("heil. Nach dem Vorbeimarsch dankte der Commandeur der 1. Garde-Jnfanterie-Brigade, Generalmajor Frhr. von Bülow, Sr. Majestät für die dem 1. Garde-Regiment z. F. gewordene Auszeichnung und versicherte, daß das Regiment mit eben so großer Pflichttreue wie vor 25 Jahren dem König und Vater­land auch fernerhin dienen werde. Während die Truppen sich zum Parademarsch formirten, ritt Se. Majestät an die hier anwesenden Veteranen der 1. Garde-Jnfanterie- Brigade heran und beehrte mehrere durch Ansprachen.

Ein in Elsaß-Lothringen viel vertretenes Organ, die vom protestantischen Pfarrer Hoffet herausgegebene Heimat h", spricht sich zu der Erinnerungsfeier der Tage von 1870 in folgender Weise aus:Die Wunden, die der Krieg geschlagen, beginnen allmählig zu vernarben. Viele Derer, die am allermeisten gelitten, leben nicht mehr, und in den jungen Generationen regt sich mehr das Interesse für eine gesunde Entwickelung unserer elsüssischen Verhältnisse als die Erinnerung an die dahinter liegende böse Zeit. Zudem sind in das Land viele Alt­deutsche eingewandert; mit ihnen hat man zahlreiche geschäftliche und freundschaftliche Beziehungen angeknüpft, und mit ihnen ist man auch entschlossen, an der Wohl-

Pfeiffer auf einmal von einem mächtigen Patriotismus befallen. Er zog plötzlich einen einbeinigen Schwieger­sohn weitaus allen zweibeinigen vor,denn," sagte er, die Opfer, die er dem Vaterlande gebracht hat, wiegen alles auf und decken alle Narben und Mängel zu!" Nun erinnerte er sich auch plötzlich wieder an Heiners ausgezeichnet feines Gehör und war überzeugt, daß er mit der Zeit für den feinen Theil des Geigenmachens wieder ganz geschickt werden könne. Unser Freund lächelte wohl zu solch wunderbarer Umwandlung der Gesinnung. Es machte ihm im Grunde wenig aus, ob der Pfeiffer ihm aus Patriotismus oder aus anderen Gründen bie Vronik gab,. daß seine Vronik aus reiner, heiliger Liebe sein Weib wurde, das wußte der Heiner, und das genügte ihm.

Der kleine Kram in allerlei zum Geigenmachen nöthigen Material und Werkzeug, womit Heiner anfing, ist bald zu einem blühenden Geschäft geworden, das ihn, seine Vronik und mehrere herzige, kleine Blondköpfe reichlich nährt. Das kleine Gütchen an der B . .. nitzer Klamm, wo der Sepp starb, hat er nicht verkauft, son­dern einem invaliden Kameraden um mäßigen Preis verpachtet. Dahin spaziert die Familie an schönen Sommersonutagen, und der Amtsrichter aus K. mit den Seinen stellt sich auch oft dazu ein, und man erzählt sich die alten Geschichten vom Krieg und Sieg gegen Frankreich und vom armen Sepp und anderen, und freut sich des warmen Sonnenscheins und der schönen Berge und be& goldenen Friedens im geeinten großen Vaterland.