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Der alte Fehler.
Verschiedene Pariser Blätter haben zu den deutschen Gedenkfesten Mitarbeiter nach Elsaß-Lothringen geschickt, um über die Stimmung in den Reichslanden zu berichten. Die alte Unfähigkeit unserer französischen Nachbarn, über Dinge, bei denen ihre Leidenschaft im Spiele ist, leidlich objektiv zu urtheilen, hat sich auch hierbei wieder gezeigt. Der eine hat die eingeborene Bevölkerung gegenüber den deutschen ErinnerunASsesten völlig theilnahmlos gesehen, der andere schwelgt gerührt in Scenen der Anhänglichkeit an Frankreich, die er erlebt haben will, und der verstohlene Schluß für den Leser ist immer, daß Elsaß-Lothringen über kurz oder lang vom deutschen Joche befreit und wieder französisch werde.
Ebenso wie einst unter dem Regiment Napoleons unbekümmert um die Wahrheit in Paris von den Preußen geglaubt wurde, was den französischen Gelüsten nach dem Rhein und nach neuer gloire wohlgefällig erschien, so befleißigen sich auch heute noch die Pariser Blätter zu berichten, was den Revancheträumern lieblich ins Ohr klingt. Unter den Korrespondenten hat sich nun aber doch ein Stoffel gefunden, der ungeschminkt, wenn auch blutenden Herzens, wiedergiebt, was er in Straßburg aus dem Munde des früher zur Protestpartei gehörenden Abgeordneten Kanonikus Guerber, des Dr. Petri, des Unterstaatssekretärs Zorn v. Bulach und schließlich auch eines Straßburger Kutschers, ehemaligen französischen Soldaten, erfahren hat. Der Mann aus dem Volke sagte: „Es ist vorbei jetzt (mit der Hoffnung); statt Elsaß-Lothringen wiederzuerobern, sucht sich Frankreich in Ländern am Ende der Welt festzusetzen. Meiner Treu! Um so schlimmer, uns kann es recht sein!" Der betrübte Korrespondent wendet sich an alte Elsässer: Alle bestätigen ihm mit derselben grausamen Offenheit, daß es vorbei ist. Selbst der Kanonikus Guerber hat keinen Trost: „Sehen Sie, wir lieben Frankreich noch. Aber es hat zu viel Schuld auf sich geladen, und noch heute beharrt es in seiner Unwissenheit und seinen Fehlern. Der Krieg war ein tolles Abenteuer, trotz der Berichte Stoffels zog man nach Berlin aus und kam in Sedan an. Noch heute kennt man in Paris Deutschland nicht und will es nicht kennen lernen. Kommt ein Krieg, so werden Sie, seien Sie dessen versichert, geschlagen, vernichtet werden . . . Wir sind deutsch und wollen deutsch bleiben!"
Alan kennt Deutschland nicht und will es nicht kennen "nen. Den besten Beweis dafür liefert der Eindruck, Platin mit diesem Berichte erzeugt hat: Eine ? " a von Protesten gegen die Aeußerungen der Straß- . "s^ A^NNer war die nächste Folge, so daß der Matin ? 0N sich jU einem Beschwichtigungsartikel veranlaßt >)war betont er wiederholt, daß es patriotischer Wahrheit ins Gesicht zu sehen; als sich in '"'Zungen zu wiegen; statt aber aus den ihm bezeugten Fartschritten her Germanisierung in den .uicy^tanden, aus dem Abscheu der Elsaß-Lothringer vor einem neuen Kriege und aus ihrer Erkenntniß der überlegenen Stärke Deutschlands beu Schluß zu ziehen, ab es keine elsaß-lothringische „Frage" giebt und für jemand geben sollte, sucht sich das Blatt einzureden, aß as „Bündniß" mit Rußland und die allmähliche
Erstarkung Frankreichs die erstorbenen Hoffnungen der alten Protestier neu beleben und die französische Revanche zum Ziele führen würden. So sind und bleiben wir gezwungen, kaltblütig mit einem gefährlichen Wahne in Frankreich zu rechnen.
Die Ruhmestage des -eutsch-französischen Rrieges.
X.
Schlacht bei Beaumont.
30. August 1870.
Vorwärts, immer vorwärts in westlicher Richtung waren die Armeen der beiden Kronprinzen (von Preußen und von Sachsen) seit dem 19. August marschiert, in der Hoffnung, auf Marschall Mac Mahon zu treffen und ihm dann eine Schlacht zu liefern. Da wurde am 25. August im deutschen Hauptquartier, das den beiden Armeen gefolgt war, bekannt, daß der Marschall das Lager bei Chalons geräumt habe und nach Reims aufgebrochen sei, wahrscheinlich in der Absicht, von dort aus Metz zu marschiren. Jetzt hieß es im Hauptquartier: „Rechts schwenkt! Marsch! Marsch!" Und mit staunenswerther Schnelligk it führten die beiden Armeen unter ihren erlauchten Führern diesen kühnen Befehl des greisen königlichen Oberfeldherrn aus und richteten ihre eilenden Schritte nun nach Norden, um sich an des Feindes Fersen zu heften.
Schon am 28. und 29. August besamen die Sachsen (XII. Korps) die Franzosen bei Buzancy und Nouvart zu packen; Tage voll Kriegsruhms für die braven Sachsen. Für den 30. August, als auch die III. Armee zur Unterstützung schon nahe genug heran war, befahl König Wilhelm für die Maas-Armee und das zunächst stehende I. bayerische Korps v. d. Tann das Vorgehen zum Angriff auf den noch diesseits des Maasflusses befindlichen Feind. Während die Bayern zum Vormarsch die Chaussee von Buzancy nordwärts nach Beaumont zugewiesen erhielten, wandten sich das IV. und XII. (sächsische) Korps in vier völlig getrennten Kolonnen auf vom Regen durchweichten Wegen mühsam durch den Argonner Wald. Die 8. Division des IV. Korps erfuhr, als sie sich gegen Mittag Beaumont näherte, daß die Franzosen — 5. Korps Failly — in zwei Lagern südlich und nördlich vom Orte ohne Sicherheitsmaßregeln sorglos beim Abkochen begriffen seien. General v. Schoeler entschloß sich, die Entwickelung der ganzen Division aus dem dicht an die Höhen von Beaumont herantretenden Walde nicht abzuwarten, sondern den Feind mit seiner Vorhut zu überfallen. Krachend und berstend fuhren die preußischen Granaten in die Stelle des französischen Lagers hinein, und wie in einem aufgeschreckten Ameisenhaufen rannte alles durcheinander, doch schnell ordneten sich die Schaaren und überschütteten den kühnen Angreifer mit einem wahren Kugelregen.
Einen schweren Stand hatten die zunächst hier dem Feinde entgegentretenden schwachen preußischen Kräfte; aber bald trat die ganze 8. Division auf den Kampfplatz. Rechts griff die 7. Division lebhaft und wirksam in das Gefecht ein, und links erschienen die Bayern zu rechter Zeit, um in der Folge hauptsächlich gegen Theile des VII. französischen Korps, die plötzlich links auftraten, einen siegreichen Kampf zu bestehen. Die beiden preußischen Divisionen aber brausten mit einem Sturmlauf, wie er schneidiger und wuchtiger kaum denkbar ist, dahin, alles niederwerfend, was sich ihnen entgegenstellte. Um 2 Uhr wurde das feindliche Lager südlich Beaumont gestürmt. Dann ging es dem fliehenden Feinde nach überS Feld durch Hecken und Gärten hinein in die Stadt. Einer gewaltige« Meeresfluth gleich wogte es dahin durch die Gassen über den Markt und wieder zur Stadt hinaus bis in das zweite vom Feinde bereits verlassene Lager.
7 Geschütze fielen den Siegern in die Hände. Doch General Failly sammelte seine Kräfte aufs .neue in einer befestigten Stellung südlich Mouzon, noch diesseits der Maas, zugleich unterstützt durch Theile des -VII. Korps. Erst nach stundenlangem, heißem, verlustreichem Kampfe
gelang es den vereinten Anstrengungen des IV. und des nach mühevollstem Marsche in das Gefecht eingreifenden XII. (sächsischen) Korps (das Garde-Korps blieb in Reserve), die feindliche Stellung zu erobern, die Franzosen über die Maas zurückzutreiben. Ein Choc eines französischen Kürassier-Regiments wurde von der Kompagnie Hellmuth, den 27ern, mit bewundernswerther Kaltblütigkeit abgewiesen.
Ein entscheidender Sieg war aufs Neue erfochten, der dem erlauchten Führer der deutschen Maas-Armee, dem Kronprinzen Albert von Sachsen, den ungetheilten Feldherrnlorbeer einbrachte; zum zweiten Male war der Siegestag von Culm und Nollendorf 1813 ein Siegestag für die preußischen Waffen gegen denselben Feind geworden. Des Kampfes zahlreiche Opfer — der Verlust belief sich bei der Maas-Armee auf etwa 3500 Mann, darunter 130 Offiziere — die Bayern büßten 15 Offiziere und 421 Mann ein — fielen vorzugsweise dem am meisten betheiligten IV. Korps zu, das, zum ersten Male hier im ganzen in den Kampf tretend, sich den anderen in Tapferkeit und Ausdauer wahrhaft ebenbürtig zeigte und dem Kriegsruhm von Podol und Maslowech 1866 neuen hinzufügte. Marschall Mac Mahon aber entschloß sich nach dieser Niederlage, den weiteren Marsch auf Metz aufzugeben, und stylte seine theilweise in her Auflösung begriffene Armee unter die Wälle der kleinen Festung Sedan an der Maas. Sie und ihre Umgebung waren bestimmt, der Schauplatz des nächsten großen Entscheidungskampfes zu werden. T.
Politische Nachrichten.
Im „Reichs-Anzeiger" sind zahlreiche Ordensverleihungen an Generäle und sonstige Offiziere zur Disposition und in Dienst aus Anlaß der Kriegsgedenktage veröffentlicht.
Der Reichskanzler Für st Hohen lohe hat sich für kurze Zeit auf seine russischen Besitzungen bei Wilna begeben.
Der frühere Reichskanzler Graf C a p r i v i ist am Mittwoch in Berlin eingetroffen.
Die „N. A. Z." schreibt: Heute kommt ein Londoner Blatt, der konservative „Globe", und will uns freundlichen Unterricht ertheilen in einigen Tugenden, woran es den Deutschen, der Ansicht des englischen Zeitungsschreibers zufolge, noch gebricht, in der Ritterlichkeit und im Takt! Ganz freundlich gemeint ist die schulmeisterliche Mahnung, denn es wird ausdrücklich gesagt: „our German friends hätten so viel Takt besitzen sollen, um nicht zur Grundsteinlegung für das Kaiserdenkmal einen Erinnerungstag zu wählen, welcher unwiderstehlich den Namen Bazaines und die Uebergabe von Metz ins Gedächtniß ruft. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß diese fortdauernden Erinnerungsfeiern an die Er- eigniffe von 1870, welchen die Deutschen in letzter Zeit sich gewidmet haben, in Frankreich die lebhafteste Aufregung verursachen." Wir wollen den Ton, den „unser englischer Freund" dem deutschen Volke gegenüber sich erlaubt, hier nicht weiter rügen. Der überlegene Takt des Briten scheint denselben ganz in Ordnung zu finden, und ein Zitat aus Knigges „Umgang mit Menschen" oder einem ähnlichen Vademecum der Höflichkeit und des Anstandes könnte da schwerlich auf viel Verständniß rechnen. Nur das Eine möchten wir dem Kollegen an der Themse zu Gemüthe führen, daß er nämlich mit seiner Aeußerung eben nur seine grenzenlose Unkenntniß der Deutschen und ihres nationalen Empfindens verräth. Wir Deutsche haben den ersten Schritt gethan zur Ab- werfung der Fremdherrschaft und damit zu der von den Fremden niedergehaltenen nationalen Einigung in jenen Tagen, da das preußische Heer als ein Volk in Waffen dem übermächtigen Dränger die Spitze bot. Im Jahre 1870 sind zum erstenmal Süd- und Norddeutsche unter gemeinsamer nationaler Führung in einen gewaltigen Kampf eingetreten für gemeinsame nationale Güter; jeder einzelne Krieger dieses Volksheeres erfüllt von dem