Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
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erchlliel Kreisblatt.
Gratisbeilagen: „Illustrirtes Sonntagsblatt" n. „Illuftrirte landwirthschaftliche Beilage".
$l 111 Dienstag Kn 1 Ce-tember 1895.
Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen „Jllustrirtes Sonntags- blatt" und „Jllustrirte landwirtschaftliche Beilage" für den Monat September werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Cafsel, den 16. August 1895.
Nachdem die §§ 67 und 69 der Instruktion zur Ausführung der §§ 19 bis 29 des Gesetzes vom ^ ^^ ^^ über die Abwehr und Unterdrückung von Viehseuchen eine wesentliche Abänderung in der neuen Fassung vom 27. Juni d. Js. erfahren haben, treten an die Stelle der Bestimmungen in den Absätzen 3, 4 und 5 der Verfügung vom 31. Oktober 1892 A. III. 8806 folgende:
„Nachdem eine Frist von mindestens 14 Tagen nach dem letzten Krankheitsfalls im Orte verstrichen ist, hat der Ortspolizei-Verwalter unter Beifügung der Aufzeichnungen den Kreisthierarzt zu ersuchen, das Aufhören der Maul- und Klauenseuche festzustellen. Ist Letzteres festgestellt, so hat der Kreisthierarzt die Dis- infektion anzuordnen bezw. die hierfür erforderliche Anweisung schriftlich zu ertheilen — vergleiche Verfügung vom 3. März 1890 A. III. 877II — und nach erfolgtet Mittheilung, daß diese geschehen, deren vorschriftsmäßige Ausführung später zu kontroliren; auch hat er hierbei zu ermitteln, ob bezw. wann der letzte Krankheitsfall abgeheilt ist."
Die ortspolizeilichen Aufzeichnungen sind der Liquidation der Reisekosten u. s. w. beizufügen, wobei zugleich bemerkt wird, daß diese nicht zugebilligt werden können, wenn die Untersuchung behufs Feststellung des Aushörens der Maul- und Klauenseuche in einem Orte auf Grund von Aufzeichnungen geschehen war, welche dem Zweck bezw. dem Formularkopse nicht entsprochen hatten. An die Königlichen Kreisthierärzte des Bezirks.
* *
Abschrift lasse ich Ew. "^ dem Er- Hochwohlgeboren
Nachdruck verboten.
Erkämpftes Glück.
Novelle don Th. Hempel.
(Fortsetzung.)
„Wo ist unser lieber Junge, ich sehne mich, ihn zu begrüßen," sagte er.
„Das Mädchen trägt ihn spaziern."
„Heute in der rauhen, scharfen Lust ist das Kind im Freien; ich bitte Dich, laß es hereinholen! Und wie geht es der Mutter? Sie fühlte sich nach den letzten Nachrichten nicht wohl."
„Ich weiß nicht — es war mir wirklich nicht möglich — gewiß, ich nahm mir vor, mich nach ihrem Befinden zu erkundigen."
„Aber Dein Putz nahm Dich so vollauf in Anspruch, daß Du darüber die Sorge für Dein Kind, die Theilnahme für die kranke Mutter vergaßest; so will ich wenigstens beide begrüßen." Er verließ das Zimmer.
Melitta blieb nachdenklich allein. Die Mittheilungen ihres Mannes legten sich schwer auf ihr Herz. Mit Schrecken dachte sie an die Möglichkeit einer Zukunft voll Entbehrungen; oder malte er vielleicht in den düstersten Farben, um ihr die Reise 'zu verleiden, und freute sich dann, wenn es ihm gelungen, sie an das Haus zu fesseln? Ihr Entschluß, dazubleiben, ward wankend. Heute wollte sie auf keinen Fall mehr fahren, vielleicht morgen früh. Sie eilte auf den Bahnhof,
suchen ergebenst zugehen, die Nachgeordneten Polizeiorgane mit entsprechender Anweisung zu versehen.
Der Regierungs-Präsident. I. A.: Althaus.
An den Königl. Polizei-Präsidenten hier und die Königl. Landräthe des Regierungsbezirks. A. III. 7618. * * *
Hersfeld, den 29. August 1895.
Wird den Ortspolizeiverwaltungen zur Nachachtung mitgetheilt.
I. 5001. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Gefunden: eine Axt und eine blaue Jacke. — Meldung der Eigenthümer bei dem Ortsvorstand zu Malkomes.
Politische Nachrichten.
Berlin, 1. September.
S e. M a j e st ä t der Kaiser hat am Freitag Nachmittag um 3 Uhr Demmin verlassen und traf Abends um 7 Uhr auf der Wildparkstation wieder ein. — Am Sonnabend früh unternahmen Beide Kaiserlichen Majestäten einen gemeiNfchafltrchen Spazierritt in die Umgebung des Neuen Palais. Von demselben zurückgekehrt, hörte Se. Majestät die Vorträge des Chefs des Generalstabes, sowie des Chefs des Militairkabinets.
Die Einweihung der „Kaiser Wilhelm- G e d ä ch t n i ß k i r ch e" hat heute Vormittag in feierlicher Weise stattgefunden.
Dem Vernehmen nach reist Se. Majestät der Kaiser Franz Joseph am 8. September von Wien über Breslau und Berlin nach Stettin. Von Berlin aus, wo die Ankunft am 9. September Vormittags erfolgen dürste, wird der Kaiser von Oesterreich Ihrer Majestät der K a i s e r i n im Neuen Palais bei Potsdam einen Besuch abstatten und Mittags von dort die Reise nach Stettin 'fortsetzen. Die Ankunft in Stettin dürfte am 9. September im Laufe des Nachmittags erfolgen.
Wie in mehreren Blättern mitgetheilt wird, war S e. Majestät d e r'K a i s e r von dem schweren Unfall, den die Marine durch das Kentern des Torpedobootes „8 41" erlitten hat, schwer erschüttert und gab in der Besprechung, die er mit dem stellvertretenden Chef des Marinekabinets, dem Korvettenkapitän v. Usedom, hatte, seinen tiefbewegten Gefühlen Ausdruck.
Wie die „National-Ztg." zuverlässig erfährt, hat sich
um Frau von Heimberg diesen Bescheid an ihre Mutter mitzugeben. Nach Hause zurückgekehrt, steht sie einen Augenblick still und blickt durch das Comptoirfenster, dessen grüner Vorhang sich etwas verschoben hat. Ihr Mann sitzt am Pulte, einen wehmüthigen Zug in dem blassen Gesicht. Mitleidig blickt er hinüber zu dem Vater, welcher in wenig Tagen um Jahre gealtert erscheint. Auch die bewährten Gehilfen arbeiten zur späten Abendstunde noch emsig; sie alle möchten mithelfen, das alte bewährte Handelshaus aufs neue fest zu stützen. Die Fremden setzen ihre besten Kräfte ein, und die Frau hat kein Herz für ihres Mannes Sorgen; sie will sich draußen zerstreuen, während des Gatten Existenz schwer bedroht ist. Nein, sie will hier bleiben und eilt sogleich zum Telegraphenamt, um die Mutter zu benachrichtigen; es ist für Privatgebrauch bereits geschlossen. Fatal, sie hätte die Angelegenheit gern heute noch erledigt. Nun kehrt sie, von guten Vorsätzen erfüllt, nach ihrer Wohnung zurück. Sie erfüllt ihre Pflichten als Hausfrau und erwartet dann bei der Lampe sitzend ihren Mann; er bleibt lange aus, so daß sie endlich ungeduldig das Mädchen hinunter schickt ihn zu rufen. Dieses kehrt mit der Nachricht zurück, daß das Geschäft geschlossen und der Herr ausgegangen sei, jedenfalls in Gesellschaft, wie er jeden Mittwoch zu thun pflege. Also er ist in Gesellschaft gegangen, nachdem er ihr das Herz schwer gemacht hat, er läßt sie voll Sorgen allein, versagt ihr das Vergnügen, und sucht selbst Zerstreuung außer dem
die interessante Thatsache ergeben, daß der französische General M u n i e r, mit welchem die deutsche Presse sich in der jüngsten Zeit wegen seiner Schmähungen des deutschen Heeres beschäftigen mußte, im vergangenen Jahre wegen Verleumdungen gerichtlich zu 1000 Francs Geldbuße verurtheilt worden ist. Damit dürfte — so meint das Blatt — jedes weitere Wort betreffs der neuesten Leistung dieses Herrn überflüssig werden, und man werde nur noch der Verwunderung Ausdruck geben können, daß das französische Offizierkorps in feinen Reihen, wenn auch nur in denen der Reserve, diese Persönlichkeit duldet.
Aus Friedrichsruh, 30. August, wird gemeldet: Die deutsch-amerikanischen Veteranen mit Damen kamen heute um 11 Uhr aus Hamburg und nahmen Aufstellung vor dem Schloß. Oberförster Lange forderte vier Herren vom Comite auf, einzutreten. Fürst Bismarck kam diesen festen Schrittes entgegen, stellte seine Tochter und Schwester vor und begrüßte die Herren frenndlich. Er könne nicht ausdrücken, wie groß seine Freude fei, daß sie so weit hergekommen, ihn zu sehen. Er hätte häufig Gelegenheit gehabt, Deutsche aus Amerika zu begrüßen, heute freue es ihn aber besonders, so viele Kriegskameraden begrüßen zu können. Er lud dann oie Herren zum Frühstück, an dem die Familie Theil nahm. Das Frühstück dauerte eine Stunde und verlief hochinteressant. Bismarck gab viele Episoden aus dem Kriege zum Besten. Es wurde ihm ein Brief einer Frau aus Utah überreicht, worin die Schreiberin bedauert, daß ihr Mann nicht kommen könne; aber alle Deutschen Utahs senden dem Fürsten Grüße. Bismarck ttank auf das Wohl der Deutschen Amerikas, speziell auf die Ab- sendung aus Chicago. Er fügte hinzu: Und wenn Ihnen Ihr Bürgermeister gefällt, auch auf das Wohl Ihres Bürgermeisters. Nach dem Frühstück ließ der Fürst sämmtliche Theilnehmer in den Schloßpark kommen; sie nahmen Aufstellung vor dem Portal. Der Fürst schritt mehrere Male die Front ab und unterhielt sich mit vielen Veteranen über ihre Betheiligung am Kriege. Der Vorsitzende Schlenker forderte seine Kameraden zu einem brausenden Hoch für den Fürsten auf. Die Theilnehmer machten Rechtsumkehrt und marschirten unter fortgesetzten Hurrahs an dem Fürsten und seiner Familie vorüber; Jeder freute sich über das gute Aussehen und die Freundlichkeit Bismarcks. Als die Amerikaner dem Bahnhof zuschritten, trat der Fürst vor das Thor und begrüßte das dort harrende Publikum; er sagte, die
Hause. Hat sie nun wirklich die Verpflichtung, dazubleiben? Ein Versprechen gab sie ihm nicht, sie kann früh um fünf mit dem Zug abreisen, und in wenigen Tagen kehrt sie zurück. Schnell packt sie den Koffer fertig, beordert einen ihrer Leute damit nach der Bahn, schreibt ihrem Mann eine kurze Notiz und bereitet alles zur Abreise vor. Nun sucht sie die Ruhe, aber es ist ihr kein ungestörter Schlaf gegönnt. Der Kleine hustet, wenn ihn auch das Mädchen versorgt und zu beruhigen sucht, die Mutter wird doch gestört; dann hört sie sehr spät ihren Mann heimkehren und beschäftigt sich nun damit, zu überlegen, was er zu ihren Reiseplänen denkt. Endlich schlägt die Stunde. Sie macht sich auf und verläßt das Zimmer, aber tödtlich erschrocken hemmt sie ihren Schritt, als ihr Paul auf dem Vorsaal ent- gegentritt.
„Du bist also herzlos genug, jetzt Deinem Vergnügen nachzugehen, wie ich aus Deinen Zeilen ersah," rief er mit vor Aufregung bebender Stimme.
„Ich folge nur Deinem Beispiel!"
„Aber Melitta!"
„Meinst Du, es sei angenehm, nach den Eröffnungen, welche Du mir gestern machtest, bis in die Nacht hinein allein zu sitzen, soll ich mich nicht entschädigen?"
„So gehe, ich halte Dich nicht, wenn Deine Abwesenheit auch einen ganz anderen Grund hat, als mein Ausgang gestern Abend. Trotzdem, daß ich mich ermüdet nach der Stunde des Ausruhens sehnte, zwang