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K. 115.
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1885.
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Politische Nachrichten.
Se. Majestät der Kaiser, Allerhöchstwelcher sich nach den neuesten aus Nominten.eingetroffeneu Nachrichten fortdauernd des besten Wohlseins erfreut, unternahm auch in den letzten Tagen daselbst mehrere Pürschgänge.
Wie das österreichische „Militär-Verordnnngsblatt" meldet, hat Seine Majestät der Kaiser von Oesterreich Se. königliche Hoheit den Prinzen Heinrich von Preußen zum Kontreadmiral der österreichischen Marine ernannt.
Auf Jagdschloß Glienicke fand am Sonnabend Mittag die T a u f e des jüngst geborenen Sohnes Sr. königlichen Hoheit des Prinzen FriedrichLeopold statt. Den Taufakt vollzog der Hofprediger Dryander unter Assistenz des Ortspfarrers Rödenbeck. Die Gesänge trug der Militär-Kirchenchor der Garnisonkirche zu Potsdam vor. Der Täufling erhielt die Namen: Franz, Josef, Ernst, Patrik, Friedrich Leopold. Nach der Taufe fand eine Tafel von 17 Gedecken statt. General-Feldmarschall v. Blumenthal war in Vertretung Sr. Majestät des Kaisers, Generaloberst v. Loö in Vertretung des Kaisers von Oesterreich erschienen.
Die „Kölnische Ztg." schreibt: „Ein braunschweigisches Blatt hatte vor Kurzem die vielfach beachtete Nachricht in die Oeffentlichkeit geworfen, der Sohn des Herzogs von Cumberland solle in Deutschland eine deutsche Erziehung erhalten, um dadurch befähigt zu werden, den braunschweigischen Thron zu besteigen. Nach derselben
Um Herz und Hand.
Roman von Jenny PiorkowSka.
(Fortsetzung)
Ein Schatten der Erregung flog über des Direktors Gesicht, aber rasch fand er seine Ruhe, seinen gewöhnlichen Blick wieder und entgegnete:
„Von meinem Nachfolger wird es abhängen, ob ich gezwungen bin, dieses Haus zu verlassen. Ich werde kein anderes Amt übernehmen, dazu fühle ich auch nicht gewachsen, und ich würde gern in diesem Hause bleiben, wenn es sich so arrangiren ließe. Es ist nutzlos darüber zu reden. Luise ist ein braves Mädchen, sie wird es mir nicht schwerer machen. Jedenfalls ist es gut, Liebe zu Vergangenem — diesen Hang, sich gern dessen zu erinnern, was Gott uns genommen hat, zu durchkreuzen. Ich bezweifle, daß daö zuträglich ist, viaeidH ist es auch für Luise schädlich gewesen. Ich fürchte, »e ist nicht wie andere Mädchen ihres Alters. Sre braucht Licht, bisher hatte sie nur Schatten. Für sie ist es vielleicht gut, wenn wir von hier gehen, möglich auch sur mich. Der Herr, der für die Vergangenheit gesorgt hat, wird auch in Zukunft barmherzig sein." ,
Es entstand eine lange Pause. Doktor Lucius blickte starr vor sich hin und sein Glas Wein ließ er unberührt vor sich stehen. Der Direktor saß während einer langen Weise regungslos da, endlich führte er die Tasse an die Lippen und trank; dann sah er nach der Uhr und sagte, sich erhebend: «,Finde ich Sie noch hier, wenn ich zuruck- komme?"
Quelle sollten unter bestimmten Bedingungen die der welfischen Thronfolge entgegenstehenden Hindernisse behoben sein. Wir haben uns Mühe gegeben, festzustellen, ob irgend etwas vorliegt, was diese Meldung bestätigen könnte; wir haben aber nicht das mindeste Anzeichen entdecken können, das darauf hindeutet, daß Preußen gewillt sei, den braunschweigischen Thron den Welsen auszuliefern. Unsere Ansicht zur Sache haben wir oft genug früher ausgesprochen: wir halten es für durchaus unzulässig, daß Deutschland, was auch durch die Rechtslage in keiner Weise geboten ist, die Errichtung eines welfischen Thrones in Deutschland gestattet. Diejenigen, die diesen Plan für erörterungsfähig erachten, stützen sich zumeist darauf, daß durch den Regierungsantritt eines welfischen Prinzen । und die selbstverständliche feierliche Verzichtleistung auf j Hannover den Umtrieben der Welfenpartei in dieser : preußischen Provinz ein Ende gemacht werden würde. 1 Ein Ergebniß, das ja an sich ganz wünschenswerth, aber nur von nebensächlicher Bedeutung märe im Vergleich mit der Errichtung einer dem unter Führung Preußens geeinigten Deutschland unzweifelhaft wenig freundlichen Dynastie. Wir glauben übrigens, daß auch Nachgiebigkeit gegen die welfischen Ansprüche auf Braunschweig nicht das Geringste an der. Haltung der hannoverschen Welsen ändern würde, ja, daß diese in einer in Braunschweig eingesetzten welfischen Regierung nur einen neuen Stützpunkt finden würden. Wir meinen, daß die Sprache, welche die Welsen bei jeder Gelegenheit führen, wohl allen betheiligten Faktoren, soweit das nicht längst ge- schen ist, die Augen öffnen müßte."
Die „Leipziger Gerichts-Zeitung" veröffentlicht eine Darstellung der jüngsten Spionageangelegenheit, wonach das in Köln am 18. September zusammen mit einer Frauensperson deutscher Reichsangehörigkeit verhaftete Individuum der Vertreter eines großen deutschen industriellen Etablissements, der, ein geborener Luxemburger, dieses Etablissement in Frankreich vertrat und seinen Wohnsitz in Paris hatte. In den Tagen nach dem 18. September haben dann noch auf Grund des in dem beschlagnahmten Gepäck des Franzosen vorgefundenen Materials vier weitere Verhaftungen und zwar deutscher Reichsangehöriger in Essen, Magdeburg und Berlin stattgefunden. Es handelt sich in der Hauptsache um Zeichnungen u. a. m von Geschützkonstruktionen.
Verschiedene Blätter haben küzlich gemeldet, es wären bestimmte Beamtenkategorien zum Umtausch 3'/V und
Und ohne auf seines Gastes Antwort zu achten, nahm er seinen Hut und verließ das Zimmer.
Doktor Lucius preßte mit ungeduldigem, düsterm Blick die Hand einen Augenblick vor die Augen, dann stand er auf, trat ans Fenster und beobachtete, wie der Direktor langsam den Pfad hinabschritt, der durch den Garten nach dem Kirchhof führte. Sein Schritt war schwer, sein Gesicht unendlich traurig. Er blickte den sonnigen Pfad entlang und glaubte wieder die Stimmen seiner Kinder zu hören, als sie da spielten. Er schob die Zweige des Ginsters — des Busches, den seine Frau mit eigenen Händen gepflegt hatte, bei Seite, und da fiel sein Blick auf die grasbewachsenen Hügel im Schatten der Kirche — die ihm über Alles theuer waren — heiliger als jedes Stück Erde.
Ach, bald würden fremder Leute Kinder hier spielen, die Augen Derer, die keine theuren Erinnerungen an sie knüpften, würden bald täglich auf diese Gräber niederblicken ; die Füße, die seit vierzig Jahren getreulich diesen Weg zwischen den Gräbern dahingeschritten waren, sollten bald neuen, unbekannten Boden betreten.
Aber Geduld, das Land der Schatten wird bald dahin sein! Die bleibende Stätte, das bessere Land ilt nicht fern; eine irdische Heimath ist ein Gasthaus; eine himmlische ist — der Liebe gesegnete Ruhe und ihr Heiligthum.
Elftes Kapitel.
Der neue Direktor.
Die Nachricht, daß der Schuldirektor Werner sein
4prozentiger Kautionspapiere veranlaßt worden. Diese Notiz dürfte darauf zurückzuführen sein, daß eine inhaltlich übrigens längst bekannte Verfügung des Finanzministers den Beamten der verschiedenen Ressorts zur Kenntniß gebracht ist, welche lautet:
„Berlin, 28. Juni 1895.
In Anbetracht der inzwischen veränderten Umstände, namentlich des gestiegenen Kurses der dreiprozentigen konsolidirten Staatsanleihe, nehme ich Veranlassung, meinen Cirkularerlaß vom 5. April 1892 dahin abzu- ändern, daß den Anträgen der Kautionssteller auf Umtausch von 4prozentigen und 3*/2pro$entigen Kon- sols in 3prozentige bis auf Weiteres stattzugeben ist.
Der Finanzminister: Miquel."
Wie die „Nordd. Allg. Ztg." vernimmt, werden anläßlich der jüngsten Unruhen gegen Missionare in China die Kriegsschiffe des deutschen ostasiatischen Geschwaders telegraphisch unverzüglich nach Swatau, sowie einem Hafen Schautungs, vermuthlich Tschifu oder Kiolsubucht, beordert. Die Aufrührer plünderten bekanntlich bei Swatau die deutsche evangelische Missionsstation, während in Schantung zahlreiche katholische Missionen dem deutschen Schule, unterstehen.
Dem „Armee-Verordnungsvlatt" zufolge ist etn neues Exercier-Reglement für die Cavallerie erlassen, dessen Festsetzungen künftig allein maßgebend sein sollen. Das Reglement wird demnächst veröffentlicht werden.
Soeben kommmt aus Pokohama die Meldung, daß gegen das Leben des japanischen Premier- Ministers Marquis Jto ein M o r d a n s ch l a g ausgeführt wurde. Der Uebelthäter wurde verhaftet; derselbe ist Mitglied des Bundes gegen die Ausländer. — Einer weiteren Meldung des „Reuterschen Bureaus" aus Pokohama zufolge handelt es sich bei dem Anschlag gegen das Leben des Marquis Jto nicht um ein bereits ausgeführtes Attentat, sondern um eine Verschwörung, die rechtzeitig entdeckt wurde und nach welcher Jto Mittwoch Nacht ermordet werden sollte. Es sind Schriftstücke aufgefunden, öurch welche die Theilnehmer an der Verschwörung entdeckt sind.
Der von den Pariser Blättern wegen der Madagaskar-Expedition lebhaft angegriffene frühere Kriegsminister General Mercier läßt im „TempS" folgende Erwiderung veröffentlichen: 1. General Mercier habe niemals Kenntniß von irgendwelchen Feldzugsplänen des
Amt niederlegen wolle, hatte große Ueberraschung bei Denen hervorgerufen, die nicht an dem Komplot gegen ihn betheiligt waren. Man weigerte sich, seinen Rücktritt anzunehmen, aber Werner gab ihren Bitten nur insofern nach, als er einwilligte, einstweilen in dem Schulhaus bleiben und nur vorläufig von den Pflichten seines Amtes abstehen zu wollen, während sein Nachfolger das Amt nur probeweise auf ein bis zwei Jahre übernehmen sollte.
Hierein willigte Werner mit seinem milden, gutmüthigen Lächeln; er wußte ja, daß seine Zeit vorüber und seine Arbeit hier beendet war; und in der That, der Eifer, mit dem sich die Gemeinde nach einem paffenden Nachfolger umsah, sah nicht aus, wie nur „einstweilen".
Zwei Wochen waren damit hingegangen, sich über den Nachfolger zu streiten, denn es hatten sich in der Gemeinde zwei Parteien gebildet. Beide Parteien wurden jedoch durch das plötzliche und unerwartete Entziehen von Frau Herrmanns Einfluß, den sie einem noch unbekannten Kandidaten zuwandte, ausgegeben. Es war ein junger Mann, ohne Ruhm und Namen, der eben von der Universität flügge werdend, seine Schwingen auf einem kurzen Fluge versuchte.
Bevor noch Jemand recht wußte, was in Frage stand, war er berufen, hatte angenommen und wurde schon erwartet. Von einer Uebertragung des Amtes an den biherigen Stellvertreter des Direktors Werner war also keine Rede mehr.
Der neue Direktor, Herr Brock, that seine Pflicht in