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trÄr Kreisblatt.

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A. 12S. Iomikchg iien 24. Atober M.

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Amtliches.

Hersfeld, den 12. Oktober 1895.

Gemäß § 82 der Kreisordnung für die Provinz Hessen-Nassau vom 7. Juni 1885 wird das Ergebniß der am heutigen Tage im Saale des hiesigen Rathhauses stattgefundenen Kreistagssitzung, welche im Kreisblatt Nr. 112 d. Js. bekannt gemacht worden ist, nachstehend zur öffentlichen Kenntniß gebracht :

1. Der Landwegebau-Etat für das Jahr 1896 wurde begutachtet und für verschiedene Gemeinden und Gutsbezirke wurden bezüglich deren Ueberlastung Unterstützungen aus kommunalständischen Mitteln zu bewilligen beantragt.

2. Die Erträge aus den landwirthschaftlichen Zöllen des Etatsjahres 1894/95 sollen, soweit dieselben nicht durch die im Kreishaushalts-Etat für 1895/96 bezeichneten bezwse. die schon bewilligten Beträge erforderlich sind, dem bereits vorhandenen Eisenbahn­fonds zugelegt werden.

3. An Unterstützungen wurden bewilligt:

a. der Gemeinde Hillartshausen zu Schulbauten 3000 Mk. und

b. der Gemeinde Solms zur Bestreitung von Armen­lasten 161,60 Mk.

4. Die Rechnung der Kreiskommunalkasse pro 1894/95 wurde nach vorheriger Prüfung auf eine Einnahme von 134 598,30 Mk. und eine Ausgabe von 134 520,43 Mark, mithin einen Kaffenbestand von 77,87 Mk. abgeschlossen, und daraufhin dem Rechnungsführer Decharge ertheilt. Ein Auszug aus der Rechnung ist hierunter abgedruckt.

(Nachdruck verboten.

Um Herz und Hand.

Romvn von Jenny PiorkowSka.

(Fortsetzung)

Aber Doktor Lucius hatte den Blick starr zu Boden gesenkt. Luise war ihm angeboten worden, Luise mit ihrer Jugend, ihrem Liebreiz, ihrem Vermögen in der Entfaltung ihrer Weiblichkeit, mit ihrer treuen und ernsten Liebe, mit ihrem reinen, unbefleckten Herzen, das er vielleicht schon besaß. Das war eine Zukunft, dre jede düstere Vergangenheit bedecken und vergessen s"u°ben konnte; eine Zukunft, die, einem Mann so spät im Leben geboten, wohl mit ihren reichen und glänzen- en Versprechungen beglücken mußte.

entstand eine Minuten lange Pause; der alte Direktor wandte sein Auge nicht von des Doktors Ge- .) ' "uer er vermochte nichts darauf zu lesen. Er konnte mchl ahnen, daß besten vollkommene Ruhe und Freund- ncykeit einen heftigen Sturm der Aufregung und Ver- fuchung barg. Als er seine Augen endlich erhob und fprach, war nicht das leiseste Zittern von Aufregung an ihm zu bemerken.

«Ich weiß nicht," hub er an,ob ich ganz Recht thue, das zu sagen, was ich sagen will, da es nur Ver- muthungen sind; aber ich habe stets so viel Interesse für Ihre Tochter gehabt, daß ich den Eindruck beobachtet ^be, den die Umgebung auf sie ausgeübt, mit der, sie in Berührung gekommen ist; und ebenso den Eindruck,

5. Die Leistung eines Zuschuffes zur hiesigen Ver­pflegungsstation für das laufende Jahr wurde ab­gelehnt.

6. Dem Geschäftsausschuß der allgemeinen deutschen Obstausstellung in Caffel wurde zu den Kosten der Abhaltung des XIV. Congresses deutscher Pomologen und Obstzüchter in Caffel im Herbst 1896 und der sich daran anschließenden Obstausstellung eine Bei­hülfe von 25 Mk. bewilligt.

7. Der Beitritt des Kreises Hersfeld zur freien Ver­einigung der Weserschifffahrts-Jntereffenten in Caffel als Mitglied wurde abgelehnt.

8. Auch die Bewilligung eines Beitrags zu den Kosten der Errichtung eines Denkmals für den Landgrafen Philipp den Großmüthigen von Heffen an der St. Martinskirche in Caffel wurde abgelehnt.

9. Als bürgerliche Mitglieder der Ersatz-Kommission für die Kalenderjahre 1896, 1897 und 1898 wurden gewählt die Herren Balthasar K n a u f f hier, Peter Heil hier, Bürgermeister N u h n in Asbach und Friedrich Boß in Kirchheim. Als deren Stellver­treter wurden gewählt die Herren Ludwig Auel hier, Georg S t e i n w e g hier, Bürgermeister D ö r i n g in Sieglos und Bürgermeister Reinhard in Landershausen.

* *

Auszug

aus der Rechnung der Kreiskommunalkasse des Kreises Hersfeld für 1894/95»

A. Einnahme.

. Mk. Pf.

Tit. I. Kaffenbestand aus voriger Rechnung 783 83 II. Aus nutzbarem KreiSvermögen . 3 289 57 III. Eingegangene und zurückgezahlte

Kapitalien........ 41020 33

IV. Aus gemeinnützigen Einrichtungen und Anstalten des Kreises ... 45 80 V. Dem Kreise überwiesene Gebühren 1488 50 VI. Dotationen........ 31834 VII. Kreisabgaben....... VIII. Im Verwaltungsstreitverfahren . 76 90 IX. Erstattete Vorschüffe..... 55 721 65

X. Sonstige Einnahmen .... 337 72

Summa der Einnahmen 134 598 30

den sie auf die Männer gemacht. Sie wird allgemein bewundert; aber unter ihren Verehrern ist einer, der Ihren Wünschen vielleicht entsprechen dürfte. Es ist ein Mann voll Geist und Fähigkeiten, ich halte ihn für gutmüthig und mit allen Eigenschaften begabt, ein Mäd­chen, das ihn liebte, glücklich zu machen. Es ist der Kapitän Stoll, zwar kein großer persönlicher Freund von mir; ich habe ihn auf meinen Reisen kennen ge­lernt und er ist zeitweilig mein Begleiter aus denselben gewesen. Ich kenne sein Leben nur wenig, doch meines Wissens hat er einen soliden Lebenswandel geführt und, wenn ich ihn recht beurtheile, ist er ein Mann, dem ein Vater seine Tochter ohne Furcht anvertrauen kann, immer vorausgesetzt, daß er die Wahl der Tochter ist. Ich bin auch überzeugt, Sie würden Luisen nie zu einer Verbindung zwingen, gegen die ihr Herz sich auflehnte. Ich verstehe und ehre Ihre Gefühle, Herr Direktor, mehr als ich Ihnen sagen kann und wünsche aufrichtig, daß Sie Ihre Hoffnungen auf das Glück Ihrer Tochter bald erfüllt sehen mögen. Die Weiblichkeit in ihr entfaltet sich rasch zu ihrer edelsten Form, und der Mann, der das Glück hat, ihre Liebe zu gewinnen, und das Recht, ihre Hand zu fordern, mag dem Himmel danken für dessen Güte."

Der alte Direktor stand mit einem Seufzer auf und schritt im Zimmer auf und ab.

Wir erreichen selten, was wir wollen, lieber Doktor," sagte er,aber ich will zufrieden sein, wenn sie glücklich wird, wie der Himmel es fügt, wenn auch nicht nach

B. Ausgabe.

Mk. Pf.

Tit. I. Ueberzahlung aus voriger Rechnung

II. Verzinsung und Tilgung der Kreis­schulden ......... 2880 III. Kreisverwaltungskosten . . . . 3411 54 IV. Für das Jmpfwesen..... 901 26

V. Kosten der technischen Revisionen der Maaße und Gewichte . . . 306 70

VI. Zu gemeinnützigen und wohlthätigen

Zwecken......... 8 768 42 VII. Unterstützungen an Gemeinden rc. 23 261 21 VIII. Ausgeliehene Kapitalien . . . 7 7 402 32 IX. Vorschüsse.....> . . 6 377 79

X. In Abgang zu stellende Soll-Ein­nahmen ......... 10 846 25

XI. Sonstige Ausgaben .... 364 94

Summa der Ausgaben 134 520 43

Abschluß.

Die Einnahme beträgt . . . 134 598 Mk. 30 Pfg.

Ausgabe . . . 134 520 43

Kaffenbestand 77 Mk. 87 Pfg.

Der Vorsitzende des Kreisausschnsses:

Freiherr j o n Schleinitz, Königlicher Landrath, Geheimer Regierungs-Rath.

I. A. Nr. 2640,___________________________________

Nachdem in Dankmarshausen die Maul- und Klauen­seuche von neuem aufgetreten ist, habe ich auf Grund von § 22 Absatz 3 des Reichsgesetzes, betreffend die Abwehr und Unterdrückung der Viehseuchen, vom

. 1OAJ die Orts- und Feldmarksperre daselbst 1. Mac 1894,

angeordnet. Eisenach, den 21. Oktober 1895.

Der Großherzogl. Direktor des III. Verwalt.-Bezirks.

An das Königl. Landrathsamt zu Hersfeld. Zu B III. 3195.

* * * Hersfeld, den 22. Oktober 1895.

Wird veröffentlicht.

I. 6150. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz,

Geheimer Regierungs-Rath.

Wegen epidemischen Auftretens der Maul- und Klauen­seuche in hiesiger Gemeinde ist von heute ab bis auf weiteres Gemarkungssperre angeordnet.

Wüstfeld, den 19. Oktober 1895.

Der Bürgermeister Westphal.

meinem Wunsche. Glauben Sie, daß sie diesen Mann liebt? Ich habe ihn bis jetzt kaum beachtet. Ich ließ mir nie träumen, daß er um Luisen freien würde."

Ob sie ihn liebt, kann ich nicht sagen; vielleicht weiß sie es selbst noch kaum."

Ich muß mit ihr sprechen; ich muß es wissen," murmelte er,aber lieber Doktor," fügte er rasch hinzu, indem er vor seinem Gaste stehen blieb,ich fürchte, daß meine Wünsche sie beeinflussen könnten. Ich habe kein Vertrauen zu mir selbst. Ich möchte, daß sie selbst wählte, da ich den Mann nicht kenne. Es wäre besser, Sie sprächen mit ihr, horchten, wie sie darüber denkt und sagten mir das Resultat. Tadeln Sie mich nicht; ich habe so trauriges erlebt, ich habe so viele Ursache, diesen Schritt zu 'fürchten. Ich habe kein Vertrauen, selbst mit ihr zu sprechen. Thun Sie es, und bringen Sie mir die Antwort, mein Freund."

Lucius schwieg eine kleine Weile, dann versprach er zu thun, um was der Direktor ihn bat und ging, noch zu rechter Zeit, um Frau Kommerzienrath Herrmann mit dem neuen Schuldirektor neben sich, in ihrer Equipage fortfahren und Ella, Luise, einen Herrn Lesler, einen Vetter der Frau Herrmann und Kapitän Stoll zu Pferde vorausreiten zu sehen.

Einundzwanzigstes Kapitel.

Eine bittere Erfahrung.

Der Nachmittag war nicht, wie Frau Herrmann in ihrem Programm vorausgesetzt hatte. Als sie aufbrachen,