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Amtliches.

Castel, den 12. Oktober 1895.

Mit Bezugnahme auf unser im Schulverordnungs- blatte vom 2. d. Mts. Seite 13 unter Nr. 25 abge- drucktes Ausschreiben vom 26. März d. Js. B. 2172 übersenden wir hierbei 75 der vom hiesigen Bezirks­verein gegen den Mißbrauch geistiger Getränke zur Verfügung gestellten Exemplare der Schrift:Die Schule, der Lehrer und die Mäßigkeilssache" von Hein­rich Droste, Lehrer in Meschede, mit dem Ersuchen, die­selben an die Lehrer und Lehrerinnen der uns unter­stellten öffentlichen evangelischen, katholischen und israelitischen Schulen des Kreises durch Vermittelung der Herrn Lokalschulinspektoren gefälligst alsbald ver- theilen zu lassen.

Königliche Regierung, Abtheilung für Kirchen- und Schulsachen.

Flied ner.

An den Königlichen Landrath, Herrn Geheime Regie- rungs-Rath Freiherr» von Schleinitz Hochwohlge- boren Hersfeld. B. Nr. 12202.

* * *

Hersfeld, den 26. Oktober 1895.

Den Königlichen Herren Lokalschulinspektoren des hiesigen Kreises wird die in der vorstehenden Regierungs­verfügung bezeichnete Schrift in den ersten Tagen zuge­sandt, mit dem ergebensten Ersuchen um gefällige Aus­händigung je eines Exemplars derselben an die einzelnen Schulen des betr. Bezirks.

I. 6221. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Um Herz und Hand.

Roman von Zrnny PiorkowSka.

(Fortsetzung.)

Aus den Fenstern desselben schimmerte ein Licht und auf der Veranda saßen drei oder vier Männer, die rauchten und bei der plötzlichen Erscheinung der Reiterin erschreckt aufsprangen. Das rasende Pferd Ellas, deffen Vorwärtsjagen sich unübersteigliche Hindernisse in den Weg legten, blieb jetzt zitternd stehen. Ein Mann er­faßte es an den Zügeln, ein anderer eilte, Ella beim Ab­steigen behilflich zu sein.

Aber ihre Finger waren so von den Zügeln um­wunden, daß sie sie kaum loslösen konnte; ihre Hand­schuhe in Stücke gerissen und mit Blut befleckt der beste Beweis ihres harten Kampfes.

»Sie haben einen schweren Ritt gehabt," sagte der Mann, indem er ihre nassen Kleider von dem Sattel- knopf loslöste und sie herabhob. Sie erfaßte eine Säule der kleinen Veranda, um sich, von plötzlichem Schwindel erfaßt, vor den» Umfallen zu schützen, aber in der nächsten Minute hatte sie sich wieder erholt, sie gab eine gleich- gültige Antwort und schritt in das Haus.

Die Frauen im Hause umringten sie mit tausenderlei Fragen, Mitleidsbezeugungen und Anerbieten ihres Bei­standes.

»Ja, sie waren von einem entsetzlichen Gewitter über­rascht worden," hieß es.

Hersfeld, den 25. Oktober 1895.

Die mit einem competenzmäßigen Einkommen von 750 Mark neben freier Wohnung und 90 Mark Feuerungsvergütung verbundene zweite evan­gelische Schulstelle in Sorga wird wegen Versetzung des bisherigen Inhabers vom 1. November d. Js. ab vacant.

Bewerber um dieselbe wollen ihre Meldungsgesuche nebst den dazu gehörigen Sitten- und Befähigungszeug- nisten innerhalb 2 Wochen bei dem Königlichen Lokal- schulinspektor Herrn Pfarrer H o s b a ch dahier oder dem Unterzeichneten einreichen.

Der Königliche Schulvorstand von Sorga:

1.6207. Freiherr von Schleinitz, Landrath, Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 22. Oktober 1895.

Der Ackermann Johannes Möller zu Oberhaun ist heute als Ortsschätzer für die Gemeinde Oberhaun wider­ruflich bestellt und eidlich verpflichtet worden.

I. 6155. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz,

Geheimer Regierungs-Rath.

Rotenburg a. F., den 23. Oktober 1895.

Das Königliche Landrathsamt benachrichtige ich hier­durch ergebenst, daß die unter dem Rmoviehbestande des Bernhard und Jsaac Eichhorn zu Richelsdorf aus­gebrochene Maul- und Klauenseuche erloschen ist und weitere Krankheitsfälle nicht vorgekommen sind.

Der Königliche Landrath.

I. V.: Schröder, Kreissekretair.

An das Kgl. Landrathsamt zu Hersfeld. I. Nr. 8565.

* * *

Hersfeld, den 28. Oktober 1895.

Wird veröffentlicht.

I. 6226. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

UichtamUiches.

M Jiniuti^ung )ts KekPgmchtsMud«.

Zu den beiden Merkzeichen der deutschen Einigung, die das laufende Jahr uns gebracht hat, dem' neuen Reichstagshause und dem Kaiser Wilhelm-Kanal, ist noch ein drittes hinzugekommen: das neue Reichsgerichtsge­bäude. Prächtig exhebt sich der stolze Bau auf Leipzigs

Nein, sie brauche nichts bis die übrige Gesellschaft käme," antwortete sie.

Ja, sie möchte so gut sein und ihre Stiefeln trocknen," rief man wieder.

Nein, sie wollte nicht an Feuer treten," war die Antwort.Sie wäre ihnen sehr dankbar, wenn man sie allein ließe."

Bald kam auch der Direktor mit bleichem Gesichte herein und fand Ella mit der Gerte spielend unruhig im Zimmer auf- und abgehend.

Rasch wandte sie sich um als er eintrat, und ihn über die Schulter anblickend, sagte sie lachend:Ich sagte Ihnen ja, wir würden zuerst hier sein!"

Aber der Direktor ging, ohne zu antworten, ruhig durch das Zimmer, stellte sich ans Fenster und blickte den Weg entlang, der sich unter Donner und Blitz immer mehr verdüsterte.

Plötzlich drehte er sich um und sagte:

Ich glaube, Fräulein Ella, Sie thäten besser, ans Feuer zu gehen und ihre Kleider zu trocknen."

Ich werde lieber warten, bis die Andern kommen," erwiderte sie leichthin.An meinen Kleidern ist nichts mehr zu verderben."

In diesem Augenblicke zeigte sich der Gastwirth, ein gutmüthiger, untersetzter Bauer, in der Thür, und mit jeder Hand an einen Thürpfosten stand er eine Weile und blickte schweigend herein; dann nickte er mit dem Kopf und sagte:

geschichtlichem Boden, wo in Zukunft der höchste Gerichts­hof des Reiches int Namen des Kaisers deutsches Recht zu sprechen hat. Wie bei der Grundsteinlegung am 31. Oktober 1888, so waren auch bei der Feier der Schluß- steinlegung am 26. Oktober dieses Jghres Kaiser Wilhelm, der Schirmherr des Reiches, und König Albert, der Landesherr Sachsens, herbeigeeilt, um die Weihe zu vollziehen. Auch der Reichskanzler und zahlreiche hohe Würdenträger nahmen an der Schlußsteinlegung theil.

Um 11/2 Uhr nahm die Feier ihren Anfang. Nachdem der Reichskanzler vom Kaiser die Erlaubniß zun» Beginn der Feier erhalten hatte, verlas er die in den Schlußstein zu legende Urkunde.An dieser Stätte wird, wie Wir erwarten," so verkündete der Mund unsers ersten Reichsbeamten im Namen des Kaisers das Reichsgericht, als gewissenhafter Hüter der deutschen Rechtseinheit, auch ferner für die Wohlfahrt und für den Ruhm des Reiches zu wirken bemüht sein." Und zum Schlüsse heißt es in dem Schriftstück nach einem Hinweis auf das bürgerliche Gesetzbuch:Gottes Segen ruhe auf diesem Hause! Möge die Rechtsprechung, die sich hier vollziehen wird, dazu helfen, daß Recht und Gerechtigkeit überall zur Geltung gelangen und daß die Treue in allen deutschen Landen wachse."

Nun überreichte der bayerische stimmführende Bevoll­mächtigte zum Bundesrathe, Justizminister Dr. Freiherr von Leonrod, dem Kaiser die Kelle mit einer Ansprache, die mit dem Wunsche schloß:Möge dem Einzüge des Reichsgerichts in sein neues Haus in Bälde, wie zu hoffen steht, das bürgerliche Gesetzbuch folgen, auch gleichsam ein Schlußstein in dem mächtigen Aufbau der deutschen Reichsgesetzgebung und ein unzerreißbares Band deutscher Zusammengehörigkeit!" Der Kaiser warf den Mörtel in die Vertiefung für den Schlußstein, die Meister des Maurer- und Steinmetzgewerkes versetzten den Schluß­stein, und der Reihe nach vollzogen der Kaiser, der König von Sachsen, der Reichskanzler und die Spitzen der Be­hörden die drei Hammerschläge, nachdem der Präsident des Reichstages, Freiherr von Buol-Berenberg, dem Kaiser den Hammer mit einer Ansprache überreicht hatte. Zum Schluß gelobte der Präsident des Reichsgerichts, Dr. v. Oelschläger, im Namen Aller, die mit ihm als Hüter des Rechts dort eingesetzt sind, getreulich Wacht zu halten, daß das Recht dort sicher und gut geborgen sei, und daß das Unrecht keinen Einlaß finde! Mit einem Hoch auf den Kaiser und den König von Sachsen, das bei den Anwesenden begeisterten Widerhall fand, wurde die erhebende Feier geschloffen.

Junge Dame, so viel ich zu beurtheilen verstehe, haben Sie einen gefährlichen Ritt gehabt. Nicht eine Mark hätte ich für Ihr Leben gegeben, als Sie auf dem bösen wilden Rappen dahergejagt kamen."

Ella lachte unbekümmert und meinte, es sei ihr selbst fast ein Wunder

Bald kam auch die übrige Gesellschaft, auch ganz durchnäßt, doch froh, als sie sahen, daß Ella unversehrt und mit dem bloßen Schrecken davongekommen war.

Zweiundzwanzigstes Kapitel.

Eine böse Ueberraschung.

Das kleine Gasthaus enthielt drei Schlafzimmer zur Benutzung der wenigen Reisenden, die zum Uebernachten hier einkehrten. Zwei waren im Parterre; das eine neben dem Speisezimmer, was im Winter die stelle der Küche vertrat; ein kleineres Zimmer führte in die Wohn­stube. Dies letztere wurde Luisen überlasten, während Ella eines mit Frau Herrmann theilte, das von jenem durch einen schmalen Corridor getrennt war. Herr Lesler und Direktor Brocke nahmen eine dunkle Kammer über ihnen in Beschlag, und Kapitän Stoll wurde das Wohn­zimmer überlasten und eine Decke, auf die er sich beim Feuer niederstrecken konnte.

Luise löschte das Licht aus und legte sich dann, mit dem festen Willen, schlafen zu wollen, nieder. Aber Schlaf gehört zu den Dingen, die sich oft durch festen Willen nicht erreichen lasten; lange Zeit lag sie voll-