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Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.

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Gratisbeilagen.Illustrtrtes Ssnntagsblatt" n.Zllustrirte landwirthschaftliche Beilage".

«r. 132.

8mM ta 9. November

1895.

Eches Blatt.

Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt

mit den Gratisbeilagen Jllustrirtes Sonntagsblatt" und Jllustrirte landwirthschaftl. Beilage" für die Monate November und Dezember werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtliches.

Ministerium der geistlichen, Unterrichts­

und Medicinal-Angelegenheiten.

Berlin, den 19. Oktober 1895.

Zur ordnungsmäßigen Durchführung der auf den 2. Dezember d. Js. angesetzten allgemeinen Volkszählung ist eine möglichst rege Betheiligung der Beamten als freiwilliger Zähler erwünscht. Ich beauftrage daher das Königliche Provinzial-Schulkollegium . ? ^^

die Königliche Regierung theiligung thunlichst hinzuwirken.

Wie bei den früheren Volkszählungen die Lehrer das Ehrenamt eines Zählers freiwillig übernommen haben, so zweifle ich nicht, daß sie auch dieses Mal an der Lösung der Aufgabe im allgemeinen Interesse bereit­willig mithelfen werden. Um dies zu ermöglichen, be­stimme ich, daß an den Volks- und Mittel­schulen der Unterricht der Regel nach ausfällt, mit Ausnahme solcher Schulen oder Klassen, deren Lehrer an der Zählung nicht betheiligt sind.

An den höheren L e h r a n st a l t e n ist der Unterricht nur dann auszusetzen, wenn die Anzahl der an dem Zählgeschäft mitwirkenden Lehrer dies erforder­lich macht. Die Unterrichtsstunden der bei der Zählung mitthätigen Lehrer kommen an dem Zähltage entweder in Wegfall oder werden durch Vertretung gedeckt.

(gez.) Bosse.

An sämmtliche Königliche Provinzial-Schulkollegien und sämmtliche Königliche Regierungen.

G. III. Nr. 2749. U. II. 12257 U. III. C.

*

Cassel, den 1. November 1895.

Hochwohlgeboren

abschriftlich vor-

< . Ew.

Indem nur r

der Stadtschuldeputatron stehenden Erlaß zur Kenntnißnahme und entsprechenden weiteren Veranlassung zugehen lassen, erwarten wir be­stimmt, daß die uns unterstellten Lehrer an dem Zähl- geschäste mithelfend in der einen oder anderen Weise sich betheiligen werden.

Königliche Regierung, Abtheilung für Kirchen- und Schulsachen.

I. V.: Callenberg.

Die Königlichen Landrälhe und Stadtschuldeputationen des Bezirks. B. 12990.

* *

Hersfeld, den 7. November 1895. den Herren Lokalschulinspektoren des Kreises t ^^^en weiteren Veranlassung ergebenst mitgetheilt. ' dydi Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, ____ Geheimer Regierungs-Rath.

Des Königs Majestät haben dem Metz'er Dombau- vereme mittelst Allerhöchster Ordre vom 3. b. Mts. die , > ertheilen geruht, zu der zum Besten des

i Dombaues beabsichtigten zweiten Geldlotterie von r Loosen auch im diesseitigen Staatsgebiete, und War in seinem ganzen Bereiche, Loose zu vertreiben.

Der Vertrieb der Loose, welche in zehn Reihen zu je 150 000 Loosen ä 3 Mark ausgefertigt werden, ist daher im hiesigen Bezirk nicht zu beanstanden. Cassel am 29. Oktober 1895.

Der Regierungs-Präsident.

Wirkl. Geh. Ober-Reg.-Rath. Haussonville.

In dem Gehöfte des Landwirths Rolepp dahier ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen. Philippsthal, den 7. November 1895.

Lingemann, Bürgermeister.

Die unter dem Rindvieh in hiesiger Gemeinde aus­gebrochene Maul- und Klauenseuche ist erloschen.

Wüstfeld, den 8. November 1895.

Westphal, Bürgermeister.

MchtamtUches.

Angerechte Alagen.

Seitdem die Leiter einiger socialdemokratischer Blätter vom Richter wegen Majestätsbeleidigungen schuldig ge­sprochen sind es handelt sich bekanntlich um jene Artikel, die aus Anlaß des diesjährigen Sedantages und der Einweihung der Kaiser Wilhelm-Gedächtnißkirche ge­schrieben waren, Artikel, die ob ihrer Schamlosigkeit und offensichtlichen Absicht, zu höhnen und herabzuwürdigen, jedem Patrioten die Wangen brennen machten seit­dem ist in die Zunft der Agitatoren das Gefühl der Unbehaglichkeit und Unsicherheit gefahren. Vermeinten sie doch, Meister geworden zu sein in der Kunst, nicht blos den Buchstaben, sondern auch dem Geiste des Straf­gesetzes ein Schnippchen zu schlagen, rühmten sich ihrer publicistischen und parlamentarischenSchulung" und glaubten ihr Gewerbe der Vergiftung der Volksseele ungestraft treiben zu können. Nun sie das Sprichwort, daß der Krug so lange zu Waffer geht, bis er endlich einmal bricht, an ihrem Treiben erfüllt sehen, ist die Klage groß, und sie zeigen nicht übel Lust, sich vor der urtheilslosen Menge jetzt als politische Märtyrer hinzu­stellen. Sie rufen über Gewalt, über Tendenzprozesse und heben hervor, daß selbst vormals im absoluten Königreich Preußen das Kammergericht den politischen Standpunkt des Angeklagten geachtet und außer Spiel gelassen habe.

Was ist aber ihr politischer Standpunkt, was ist die Tendenz, aus welcher heraus sie ihre Artikel schreiben, ihre Reden halten? Sie benutzen die Preßfreiheit und parlamentarische Redefreiheit, die Errungenschaften des konstitutionellen Staates, für ihre Zwecke, um diesem selbst eine Grube zu graben, um an die Stelle eines wohlgeordneten Staatswesens, worin Rechte und Pflichten auf Grund stets fortschreitender geschichtlicher Entwicklung nach dem Maßstabe der geistigen, sittlichen und materiellen Kräfte vertheilt sind, die Herrschaft der Massen zu setzen. Unfähig und ohnmächtig, ihr vermeintliches, in Wahrheit auf das gröblichste verzerrtes Ideal einer republikanischen Staatsform zu verwirtlichen, unfähig und ohnmächtig, an sich selbst jenes Maß von Weisheit, Selbstbeherrschung und Pflichterfüllung zu zeigen, dessen sie ihre ganze Gefolgschaft für fähig halten müßten, wenn es ihnen ernst wäre mit der Erfüllung eines poli­tischen Ideals, bleibt ihnen nichts übrig,als ihre Scheinherrschaft über die blinde Masse durch Schmähung und Verdächtigung der monarchischen und konstitutionellen Autoritäten zu erweisen. In diesen aber erkennt das deutsche Volk zu seinem einsichtigen und urtheilsfähigen Theil seinen berufenen, im ernsten Lauf der Geschichte bewährten Führer, die es sich hüten wird, für eine Handvoll demagogischer Agitatoren einzutauschen.

Bei der eben hinter uns liegenden 25jährigen Er- innerungsseier an die glorreiche Zeit der Einigung Deutschlands hat sich durch alle Volksklasse,i hindurch eine Einmüthigkeit der Begeisterung ergeben, von welcher auch jene Kreise sich ergriffen und hingerissen fühlten, die wohl gelegentlich einem socialdemokratischen Wühler ihr Ohr geliehen und sich ein rothes Abzeichen ins

Knopfloch aufschwatzen ließen. Das sprach für das ge­sunde Gefühl des Volkes, das im Kerne noch unver­dorben ist; und das eben hat die Agitatoren, die in­grimmig erkennen mußten, daß ihre Wühlarbeit zum größten Theile vergebens war, zu den maßlosen Schmähungen gegen den Monarchismus, gegen Sitte und Religion fortgerissen, wegen deren sie jetztvon Rechts wegen" büßen müssen. Nicht die Begeisterung für ein hohes politisches Ideal, sondern die niedrige, schimpfliche Verleumdungspraktik ist es, welche Strafe herausgefordert und erhalten hat. Das Volk selbst war längst in seinem auf das Unerhörteste herausgeforderten Rechtsbewußtsein darüber einig, daß ein solches Treiben nicht ungeahndet bleiben dürfe, und es hat die Richter­sprüche, die das bestätigten, mit Genugthuung begrüßt. Und es ist die Zuversicht, daß das Zetern der Social­demokratie überTendenzprozesse" auch fernerhin die Gerichte nicht abhalten wird, unbeirrt Recht Recht bleiben zu lassen.

Politische Nachrichten.

Inland.

- Berlin, 7. November.

Heute früh unternahm Se. Majestät der Kaiser einen Spazierritt in die Umgebung des Neuen Palais und Hörte, zurückgekehrt von demselben, den Vortrag des Kriegsministers, Generals der Infanterie Bronsart von Schellendorff. Um 10 Uhr 10 Min. begab sich Aller- Höchstderselbe mit dem fahrplanmäßigen Zuge nach Ber­lin, traf hier kurz vor 11 Uhr ein und wohnte von 11 Uhr ab der Vereidigung der Rekruten im Lustgarten vor dem königlichen Schlosse bei. Nach der Vereidigung hielt Se. Majestät eine Ansprache an die soeben Ver­eidigten, ließ die Truppen defiliren und ritt in den inneren Schloßhof zurück. Von 121 /-2 Uhr ab arbeitete des Kaisers und Königs Majestät mit dem Chef des Militairkabinets, Generaladjutanten General der In­fanterie von Hahnke.

Der König von Portugal hat nach verschie­denen Seiten hin seiner Freude über den herzlichen Empfang, den er in Deutschland gefunden, Ausdruck ge­geben. Beim Verlassen des deutschen Bod-ns hat der König noch von Göch aus sich telegraphisch beim Kaiser für die ihm gewordene Aufnahme bedankt. Der König hat zahlreiche Persönlichkeiten durch Ordensver­leihungen ausgezeichnet. Der Kronprinz erhielt eine äußerst seltene Dekoration, nämlich das vereinigte mili­tärische Große Ehrenzeichen des Christus- und des San Bento d'Awiz-Ordens; den Prinzen Eitel Fritz und Adalbert, sowie dem Prinzen Friedrich von Hohenzollern wurde das Großkreuz des Thurm- und Schwertordens verliehen. Dem Reichskanzler Fürsten zu Hohenlohe überbrachte im Auftrage seines Souveräns der Berliner Gesandte per­sönlich das oben genannte Großkreuz. Auch eine Dame befindet sich unter den Dekorirten, Freifrau v. Marschall erhielt den Orden der heiligen Jsabella.

In der vorgestrigen Sitzung der bayerischen Kammer der Abgeordneten betonte der Justizminister Frhr. v. L e o n r o d , der Gesetzentwurf über den un­lauteren Wettbewerb werde die erste Vorlage sein, welche dem Reichstage nach seinem Zusammen­tritt zugehe.

Die Reichstagswahl im Wahlkreise Dortmund hat mit bem Siege des socialdemokrati­schen Kandidaten Dr. Lütgenau geendet. Hätte das Centrum nicht Wahlenthaltung empfohlen, sondern wäre es für den nationalliberalen Kandidaten Möller einge­treten, so wäre dieser mit gewaltiger Majorität gewählt. So aber haben mehrere Tausend Centrumswähler für den Socialdemokraten gestimmt.

Wie Berliner Blätter mittheilen, wurde am Dienstage in der Sitzung der Konferenz, betreffend die R e v i s i o n des Alters - und Jnvaliditäts-Versiche- r u n g s g e s e tz e s mit der Berathung des in der Spe- zialdebatte eingebrachten Entwurfs begonnen. Es wurden