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Herchliier Kreisblatt.
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Nr. 133. Iitilstiz Heil 12. November 189».
Amtliches.
Hersfeld, den 9. November 1895.
Die in meiner Verfügung vom 26. Oktober d. Js. | 3- H1. Nr. 2782 (Kreisblatt 128 und 129) bezeichneten Sitzungen der Boreinschätzungskommisstonen ? zur Einkommensteuervoreinschätzung für 1896/97 haben - nicht in der Zeit vom 2. bis 7. Dezember d. Js., son- i der» in der Zeit vom 9. bis 14. Dezember -. Js. | stattzufinden, was sich die Herren Vorsitzenden der Vor- s einschätzungskommissionen zur Nachricht dienen lassen wollen.
Der Vorsitzende der Veranlagungs-Kommission: Freiherr von Schleinitz, I I III. 2940. Geheimer Regierungs-Rath.
In der mit Genehmigung des Herrn Regierungs- | Präsidenten eingerichteten Lehrschmiede des Hufbeschlag- 1 Lehrmeisters Karl Ebel zu Wommen im Kreise Eschwege | beginnt mit dem 2. Dezember d. I. ein neuer L-hrkursuS. I Die Dauer desselben beträgt 2 Monate; die AbgangS- | Prüfung erfolgt am 31: Januar k. I.
Da zu jedem Kursus nur 6 Schüler zugelassen M werden dürfen, bis jetzt aber bereits 3. Anmeldungen | vorliegen, können nur noch 3 Personen Aufnahme finden.
Zur Aufnahme sind erforderlich:
a.) ein polizeiliches Führungs-Attest und
b.) der Nachweis über die praktische Ausbildung als Hufbeschlagschmied.
Der im Voraus an den Hufbeschlag-Lehrmeister zu | entrichtende Beitrag beträgt 50 Mark. Das nöthige I Eisen und die erforderlichen Kohlen liefert derselbe.
Für Wohnung und Beköstigung sorgt jeder Schüler § selbst.
Die Lehrschmiede ist berechtigt, Prüfungszeugnisse
8 auszustellen, von deren Beibringung der Betrieb des B Husbeschlag-Gewerbes abhängig ist. Die von jedem I Schüler zu entrichtende Prüfungsgebühr betrügt 10 Mk.
Anmeldungen sind an den obengenannten Lehrschmiede- I weist er zu richten.
Eschwege, den 6. November 1895.
Der Königliche Landrath.
I. V.: Hausmann, Kreis - Sekretär.
* *
*
Hersfeld, den 8. November 1895.
? Wird veröffentlicht.
b 6429. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
(Nachdruck verboten.)
Um Herz und Hand.
Roman von Jenny PiorkowSka.
(Fortsetzung.)
»Das können Sie nicht," entgegnete sie; „ich war I über siebzehn Jahre alt, als ich' das Gelübde ablegte; | .war ernster nnd gereifter, als andere Mädchen in | w^w Alter, ich wußte, was ich that, und that es mit meuiem Willen. Versuchen Sie nicht, mich von Dem | Erzeugen zu wollen, was Ihr eigenes Herz nickt glaubt. | treue Erfüllung meines Gelübdes ist die Aufgabe ; unnes Lebens geworden."
' f »Wenn ich jetzt mein Versprechen brechen wollte, | "gte Luise, „so würde ich damit zugleich alle Entschlüsse, I ich, seit jenem Tage gefaßt habe, brechen. Wenn wirklich mein Freund sind, erschweren Sie nickt noch etc *' ^e ich zu tragen habe. Vergessen Sie, was | .v."Wen gesagt. Erwähnen Sie nichts davon gegen | cJ*neu Vater, Sie würden damit mein Vertrauen zu ■ -01 en entweihen. Sprechen Sie nie wieder gegen mich 1 "'Ow und, wenn Sie können, so vergeffen Sie es ganz I tÜMk Uenn ich kann," wiederholte Lucius leise, und bit- ^"d>e er sich zu ihr: „Theure Luise! Lassen Sre S k 11168 sagen, an Eines erinnern. Dadurch, daß I Gelübde wörtlich nehmen, lassen Sie Andere
Nichtamtliches.
Die orientalische Frage.
Wenn man allen den Schauernachrichten, die jetzt von der Balkanhalbinsel und aus Kleinasien über Aufstände und Metzeleien eintreffen, Glauben schenken müßte, so hätte sich die armenische Frage, die nach Annahme der Reformvorschläge durch den Sultan wenigstens grundsätzlich abgethan zu sein schien, schon zu einer türkischen Frage ausgewachsen. Ohne Zweifel aber laufen bei der Berichterstattung aus Konstantinopel und aus den Küsten- orten des Schwarzen und des Aegäischen Meeres viele starke Uebertreibungen unter.
Allerdings ist die Lage des Sultans schwierig geworden. Die Erbitterung der Muhaniedaner wegen der armenischen Umtriebe und des starken von England ausgeübten Druckes zu Gunsten der Armenier hat zugenommen, die Kurden sind wieder in Bewegung gegen die Armenier, diese ihrerseits werden durch Sendlinge zu Gewaltthaten gegen die Muhaniedaner angestiftet, in und bei Erzerum sind neue Metzeleien vorgekommen, in Anatolien haben sich Banden gebildet, die Autorität der Behörde ist gelockert, es fehlt an Truppen und an Geld zu rascher Mobilisierung, zumal nach dem Ausdruch einer schweren Finanzkrisis in Konstantinopel, auf der Insel Kreta suchen die Griechen den lang ersthnten Abfall von der Türkei zu bewerkstelligen, und in Konstantinopel selbst giebt es Verschwörungen.
Die schwere Sorge des Sultans bekundet sich am deutlichsten in dem wiederholten Wechsel des Ministeriums. Der kürzlich erst genannte Groß-Vezier Kiamil ist wieder abgesetzt und an seine Stelle der bisherige Minister des Innern Risaat. getreten, der früher als Wali in der Unterdrückung des Räuberunwefens in Macedonien und Albanien eine eiserne Faust gezeigt hat. Zum Minister des Auswärtigen hat der Sultan den bisherigen Botschafter in Berlin, Tewfik, berufen, der das besondere Vertrauen seines Herrn besitzt, weil er gute Beziehungen zu Deutschland zu pflegen wußte, worauf der Sultan wegen des vom deutschen Reiche stets bewiesenen neutralen Wohlwollens großen Werth legt. Ferner haben sich aber auch die Botschafter in Konstantinopel zu neuen, gemeinsamen Schritten veranlaßt gesehen, um der Pforte die Größe der Gefahr vor Augen zu führen, wenn es nicht gelänge, den Fremdenschutz zu verbürgen!
In der Preffe ist wiederholt der Gedanke einer Konferenz aufgetaucht. Wir glauben nickt, daß er von den Regierungen erwogen worden ist. Eine Konferenz
mit sick leiden; wenn Sie es geistig auffasten, können Sie Ihr eigenes Innere befriedigen und zugleich auch Alexander nützen."
„Und dem Himmel mit einer Lüge entgegentreten! Nein, zu solch einer That können Sie mich nicht bewegen. So tief werde ich nicht fallen; dazu hoffe ich Kraft genug zu besitzen," entgegnete das junge Mädchen mit sittlicher Entrüstung.
„Hören Sie, Luise," sagte Doktor Lucius in bittendem Tone: „Sie sehen die Sache in einer krankhaften Weise an. Sie haben es so lange in Ihrem Herzen als tiefes Geheimniß bewahrt, daß Sie nicht misten, wie es bei Tageslicht aussieht. Lasten Sie sich sagen, wie es mir — mir, einem Mann in gereiften Jahren und mit überlegtem Urtheile erscheint."
„Nein, Herr Doktor, sagen Sie mir das nicht. Ich weiß Alles, was Sie sagen wollen, aber ich kann meinen Sinn nicht ändern."
„So hören Sie doch; ich weiß, daß es Ihres Vaters innigster Wunsch ist, bevor er von hinnen geht, Sie glücklich verheirathet zu sehen."
„Mein Vater wird mir glauben, wenn ich ihm sage, daß es bester ist, wenn ich unverheirathet bleibe," er- । widerte sie rasch in verändertem Tone.
„Ja, er mag sich fügen, aber er wird betrübt und I enttäuscht sein. Ich weiß, wie große Sorge es ihm
könnte in Frage kommen, wenn es fich um eine Auftheilung der Türkei handelte, und dann auch nur, wenn die Mächte sich schon über einen Vertheilungsplan geeinigt hätten. Das ist natürlich durchaus nicht der Fall; insbesondere hat Rußland bis jetzt keine Neigung gezeigt, sich tief in die orientalischen Wirren hinein- und damit von seinen ostasiatischen Aufgaben abziehen zu lassen. Vorläufig muß man an der Hoffnung festhalten, daß es dem Sultan doch gelinge, seine Autorität zu behaupten und die äußere Ordnung wieder herzustellen, und das einmüthige Vorgehen der Botschafter bietet einstweilen die Bürgschaft, daß eine schwere Krisis abgewendet werde.
Politische Nachrichten.
Inland.
Am Sonnabend früh hörte Se. Majestät der Kaiser von 10 Uhr ab die Vorträge der Chefs des Generalstabes und des Militairkabinets und nahm um 1 Uhr die Meldungen des nach Rom als Militairattachö gehenden Flügeladjutanten, Majors v. Jacobi, sowie des Kommandeurs des 1. Leib - Husarenregiments Nr. 1, Flügeladjutanten Oberstlieutenants Mackenfen, entgegen.
Wie aus Breslau gemeldet wird, findet das Kaisermanöver im nächsten Jahre bei dem 5. und 6. Armeekorps statt.
Am Donnerstag Vormittag hat in Neu-Brandenburg die Enthüllung des BismarckdenkmalS stattgefunden.
Das Komitee zur Errichtung eines BismarckdenkmalS in Kiel hat einstimmig beschlossen, die für eine Bismarck- ehrung bestimmten 10000 Mark zur Errichtung eines Bismarck-Denkmals unweit der Mündung des Nordostsee-Kanals anzuweisen.
Der amtliche Bericht über die Krankheitsvorgänge und die Sterblichkeit im Großherzogthum Baden für das 3. Quartal 1895 konstatirt die segensreichsten Wirkungen des Diphtherie-Heilserums sowohl bezüglich der außerordentlichen Abnahme der Todesfälle als auch dadurch, daß es auf die Ausbreitung der Krankheit von schwächender und herabsetzender Bedeutung sei.
Die „Nordd. Allg. Zlg." schreibt zu dem A u s f a l l der Dortmunder Stichwahl: Die Dortmunder Wahl bringt uns die trostlose Gewißheit, wie wenig Fortschritte wir auf dem einzigen Wege, auf dem wir die Socialdemokratie überwinden können, dem des Zu- sammenschluffes der Ordnungsparteien gegen diesen gemeinsamen Feind gemacht haben, und wenn wir noch die
macht, Sie ohne Schutz verlassen zu müssen.“
„Gott erhält ihn mir vielleicht länger, als Sie glauben, und dann wird die Pflicht mein bester Schutz sein."
„So wird er es nicht ansehen; Sie werden ihn sowie — den Mann, dessen Glück von Ihrer Liebe ab- hängt, — tief bekümmern."
„Keines Menschen Glück hängt davon ab," entgegnete sie. „Dem Mann, Herr Doktor, den die Welt für mich gewählt hat, würde ich nie meine Hand reichen, selbst wenn ich frei wäre, mich zu vermählen."
„So lieben Sie den Kapitän Stoll nicht?" sagte er und heftete plötzlich einen durchdringenden Blick auf sie.
„Sie sollten doch längst wissen, daß ich ihn nicht liebe," rief sie fast bitter aus und wandte sich plötzlich, ihn zu verlassen. Er aber erfaßte ihre Hand und zog sie zurück.
„Luise," sagte er mit sanfter, leiser Stimme, „sehen Sie mich an! offen — und sagen Sie mir ehrlich — ist Niemand anders auf der Welt, um dessentwillen Sie bereuen, Ihr Gelübde abgelegt zu haben?"
Sie hatte ihn verlassen wollen, aber er hielt ihre Hand fest; da kehrte sie ihm ihr Gesicht wieder zu und ihre Blicke begegneten sich. Ein Augenblick — ein einziger im Leben, sagt das Geschick — in dem sie einander in die Augen blicken und die Wahrheit lesen können.
Wenn Luisens Liebe eine andere Geschichte, eine