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K. 138.

IieiistW htn 18 Nsrember

1885.

Amtliches.

Hersfeld, den 13. November 1895.

Der Landwirth Moritz K ü ch e n m e i st e r von Heringen ist am 9. b. Mts. als Bürgermeister für die S Gemeinde Heringen eidlich verpflichtet worden.

! A. Nr. 2825. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, A Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 13. November 1895.

Der Ehefrau des verstorbenen Dampffärbereibesitzers |; Hermann Zickendraht Anna geb. Wendel st adt und | deren Kindern dahier ist durch Verfügung des Herrn ß Regierungspräsidenten in Caffel vom 25. Oktober 1895 UJ. A. I. Nr. 6615 gestattet worden, fortab den «Familiennamen Zickendraht - Wendel- D st a d t führen zu dürfen.

DJ. I. Nr. 6462. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, k Geheimer Regierungs-Rath.

Auf dem Gutshof des Herrn Theune ist die Maul- und Klauenseuche auSgebrochen.

Lengers, den 17. November 1855.

| Der Bürgermeister. J. V.: Deisenroth.

I Unter dem Rindvieh des Müllers Wiegand und . des H. Becker hierselbst ist die Maul- und Klauenseuche ; ausgebrochen.

Untergeis, den 15. November 1895.

Der Bürgermeister Vaupel.

Unter dem Viehbestand des Küfers Johannes I Siebert hierselbst ist die Maul- und Klauenseuche | ausgebrochen.

Aua, den 14. November 1895.

Der Bürgermeister Bech ste.in

Nichtamtliches.

Vnhtag.

Wir stehen vor dem Ende eines Kirchenjahres. Der vorletzte Mittwoch desselben ist durch Uebereinkommen sür die überwiegende Mehrzahl der norddeutschen Staaten

zum gemeinsamen Buß- und Bettage bestimmt worden, an dessen Feier die Angehörigen beider Konfessionen in Eintracht theilnehmen. Alle, die wir uns bewußt sind, Angehörige eines christlichen Staates zu sein, eines Staates, der auch die weltliche Rechtsordnung auf die Grundsäulen christlicher Rechtsanschauung und göttlichen Rechtes gestellt hat, begehen diesen Feiertag als einen kirchlichen und nationalen zugleich. Da treten uns die Nöthe unsers Volkes besonders lebhaft vor die Seele, da beschäftigt uns die Frage, wie ihnen abzuhelfen sei, vor allen andern.

Die Glocken, die den Bußtag einläuten, sind ebenso die Weckstimmen wie das Echo des Volksgewissens, das am Bußtage wieder aufwachen soll von seiner Betäubung, damit alle Stände sich der Schäden bewußt werden, an denen unser Volk krankt. Auf jedem Gebiete des öffent­lichen Lebens, in Politik und Industrie, in Wissenschaft und Kunst begegnen wir der frechen Begierde, der zügellosen Weltlust, dem fleischlichen Sinn. In den Häusern ist Zucht und Sitte vielfach gelockert; die Jugend geräth in immer größere Gefahr, zu verwildern; Gottesleugnung und Pflichtvergessenheit, sittliche Rohheit und rücksichtslose Ueberhebung gehen Hand in Hand. Dazu kommt noch eine große Gesammtschuld, die wie ein Bann auf dem Gewissen der Nation liegt. Unserm Volke geht die Einheit des Geistes mehr und mehr ver­loren. Zersplitterung und Zerspaltung, Vereinzelung und Sonderung, das sind die Zeichen der Zeit. Der alte deutsche Erbfeind, die innere Zerrissenheit und Zer­fahrenheit, erhebt sich wieder unter uns, ein jeder sieht auf seinen Weg, wie die Schrift sagt, der Geist der Rechthaberei, das ist die faule Wurzel, welche die Früchte: Zwietracht und Parteigezänk bringt.

Daneben fehlt es allerdings auch nicht ganz an tröst­lichen Erscheinungen: die Zunahme kirchlichen Interesses ist unbestreitbar, die Arbeit christlicher Liebesthätigkeil wächst von Jahr zu Jahr, das öffentliche Gewissen ist empfindlicher als je in frühern Zeiten, der Einfluß der religiösen Wahrheit wird in fast demselben Verhältniß stärker, als die gegen ihn gerichteten Angriffe, und im politischen Leben hat soeben die 25. Wiederkehr der ruhmreichen Tage, wo auf Frankreichs Schlachtfeldern die deutsche Kaiserkrone geschmiedet wurde, den Anlaß gegeben, daß deutsche Herzen sich wieder eins fühlten und die großen Thaten und Gedanken jener Zeit zum Vorbild nahmen. Häufiger aber sind die trüben Bilder,

und gerade der Bußtag soll uns lehren, wie Besserung geschaffen werden kann. Unsere Zeit ist stark in der Kritik, über der Kritik des andern ist uns aber die Selbstkritik verloren gegangen. Diese wird wenig ge­übt. Man schlägt um sich oder neben sich oder über sich, aber nicht an die eigene Brust, nicht in sich. Die beste und heilsamste Kritik aber ist die am eigenen Her­zen. Bei uns selbst haben wir anzufangen. Der Weg zum Heil ist nicht zuerst die Aenderung der Gesellschaft und ihrer Ordnung, nicht die Aenderung der Lebenslage und der Verhältnisse, sondern die Aenderung und Er­neuerung der Herzen. Die rechte Buße ergreift die Axt mit beiden Händen und legt sie an die Wurzel, nicht an eine fremde, sondern an das eigene Herz.

Die Ruhmestage des -eutsch-franzefischen Arieger.

XXI.

Schlacht bei Amiens.

27. November 1870.

General v. Manteuffel hatte nach dem Fall von Metz aus dem Hauptquartier zu Versailles die Weisung er­halten, mit der I. Armee nach dem nordwestlichen Frank­reich aufzubrechen und die Städte Amiens und Rouen zur Deckung der Belagerung von Paris nach Norden und Nordwesten zu besetzen und festzuhalten. Zur mög­lichst schnellen Erfüllung des wichtigen Auftrags geschah der Vormarsch der dem General zunächst nur zu Gebote stehenden Truppen: des VIII. Korps, der 3. Brigade des I. Korps und der 3. Kavallerie-Division in Eil­märschen; am 24. November war man soweit gelangt, daß der Angriff von Amiens ins Auge gefaßt werden konnte. Die Franzosen standen mit 25 000 Mann seih wärts Amiens, südöstlich bei Villers Bretonneux und südlich der Stadt, zum theil verschanzt. General von Manteuffel wollte nach enger Versammlung seiner Kräfte den Feind am 28. November angreifen; jedoch schon am 27. November wurde sowohl das VIII. Korps als auch die Abtheilung des I. Korps in Gefechte verwickelt, die dann sich zu einer vollständigen Schlacht gestalteten, deren zwei Hauptschauplätze weit von einander entfernt lagen.

Auf dem Gefechtsfelde der Ostpreußen bildete Villers Bretonneux mit seinen davorliegenden Verschanzungen den Hauptschauplatz des Kampfes. Es gelang den Regi­mentern 4 und 44, zuletzt in erbittertem Handgemenge,

(Nachdruck verboten.)

1 Um Herz und Hand.

Roman vdn Jenny PiorkowSka.

(Fortsetzung.)

Heute Abend war Veranlassung zu Unruhe. Der schlimme Heinrich Gilmer, den man vor einem Jahre f fortgeschickt hatte, weil man seine Ehrlichkeit in Zweifel lallte, war wieder da, und wie aus dem Billet hervor- j Mg, von Alexander zurückgerufen. Lucius hatte stets I gefürchtet, daß Alexander mehr, als er wußte, in Hein- ^S Treiben verwickelt war. Er hatte Alles gethan, I die Sache zu vertuschen und Heinrich fortzubringen.

| . Aber was konnte er thun? Jetzt war der junge I tlebelthäter wieder da ohne Zweifel wieder als Alexan- | ^r§ waghalsiges Werkzeug. Was hatte das zu bedeuten.

Ta war keine Zeit zu verlieren. Der Doktor erhob üch ? ?n^ sagte Luisen in voller Ruhe gute Nacht, indem er s^lie Ungeduld, sobald wie möglich fortzukommen, zu verbergen suchte, als das Thor aufging und Alexander klugen Schrittes der Säulenhalle zulief. Er sah durch f .06 halbgeöffnete Fenster in das Wohnzimmer, hielt ~ne und trat dann entschlossen ein. Luise erschrak, ^us war so ganz gegen seine sonstige Gewohnheit, wo er sich ohne ein Wort gegen irgende Jemand in sein Zimmer schlich, um, wenn er so lang auSgeblieven war einer Erklärung auszuweichen.

Er war sehr blaß und seine Stimme nicht ganz sicher ^L er sprach; seine Bewegungen dagegen noch nach- ussiger als gewöhnlich. Er sah wild und seine Kleidung

unordentlich aus; Luise empfand den Widerwillen, den sein Anblick jetzt immer hervorrief, und dem stets instinkt- mäßig das Gefühl des Bedauerns folgte, das nichts zu unterdrücken vermochte.

Doktor Lucius sprach mit Alexander in keinem freund­lichen, vielmehr etwas befehlenden Tone. Selten zeigte sich Alexander in des Doktors Gegenwart in seinem Un­gestüm, aber heute machte er einen schwachen Versuch dazu. Er warf sich auf das Sopha und fuhr sich mit der Hand durch sein goldlockiges Haar.

Ich bin entsetzlich müde," rief er aus.Den ganzen Tag habe ich im Bache ganz unten im Thale geangelt; gute zwei Stunden Wegs habe ich heute vor Sonnen­aufgang hin- und seit Dunkelwerden zurückgelegt. Roß ging mit mir, ich blieb die ganze Nacht mit ihm dort, damit wir einen guten Fang machten."

Nun, hattest Du viel Glück beim Angeln?" frug Lucius.

Diese einfache Frage schien Alexander doch sehr aus der Fassung zu bringen. Er wechselte die Farbe, rang nach Athem, sah vor sich nieder und versuchte gleich- giltig zu antworten.

Ich hatte wenig Glück; das heißt ich ich gab Roß die Fische, ich brächte keine mit nach Hause."

Alexander gab so selten Rechenschaft von seinem Treiben, daß Luise verwundert aushorchte.

Als Alexander wieder sprach, geschah es mit dem deutlichen lebhaften Wunsche, das Schweigen zu brechen und weiter zu erklären, wo er den Tag und die ver­gangene Nacht herumgeschweift wäre. Doktor Lucius

hörte ihn schweigend an; dann sagte er gute Nacht und zu Alexander gewendet setzte er hinzu:Willst Du morgen früh um zehn Uhr zu mir kommen? Ich möchte ein paar Worte mit Dir reden?"

Alexander fuhr bei dieser Aufforderung zusammen, wagte aber nicht zu widersprechen; er sagte, er werde kommen und warf sich, nachdem der Doktor das Zimmer verlassen hatte, wieder auf das Sopha. Kaum harte sich jedoch die Thür hinter dem Fortgehenden geschlossen, so fragte er Luisen heftig, welches Recht dieser Mann eigentlich habe, ihm nach Belieben zu befehlen.

Ich wüßte nicht, inwiefern er Dir befiehlt," sagte Luise kalt und jetzt ärgerlich über Alexander, daß er so geringschätzend von Doktor Lucius sprach.

Befahl er mir nicht, morgen früh um zehn Uhr bei ihm zu sein?" rief der junge Mensch aber ungeduldig und befiehlt er mir nicht jederzeit, als ob ich sein Sklave wäre?"

Warum gehorchst Du ihm denn?" fragte Luise streng und sah ihn fest an.

Er stieß einen halb unverständlichen Fluch aus und schritt unruhig im Zimmer auf und ab.

Bei Gott, er soll sehen, daß ich es nicht länger thun werde!" murmelte er;morgen ist es das letzte Mal, daß ich nach seiner Pfeife tanze, der der" Alexander, genug davon," sagte Luise entschlossen; Du weißt so gut wie ich, was Du dem Doktor schuldig bist, und wenn Du auch keinen Dank empfindest, sollst Du doch wenigstens äußerlich vor mir und in diesem Hause Achtung vor dem Manne haben, der Dich seit