Einzelbild herunterladen
 

x

Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.

Donnerstag Den 21. ^oüember

Gratisbeilagen:Allnstrirtes Ssnntagsblatt" u.Illnstrirte landwirthschaftliche Beilage

AbonnemeutspreiS vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg exel. Postanfschlag.

!e- s-

19 ch dt

il cb t- )r

3 er

Amtliches.

er k- it n t, n § i, 2 e

Cassel, den 14. November 1895.

Nach § 57 des Reglements für die Hessische Brand- versicherungs-Anstalt vom 19. März 1880 bin ich ermäch­tigt, für zeitiges Eintreffen auswärtiger Spritzen zum Löschen von Bränden Prämien zu bewilligen. Diese im Jntereffe des Feuerschutzes getroffene Bestimmung scheint namentlich in den ländlichen Kreisen nicht ge­nügend bekannt zu sein, weshalb ich Ew. Hochwohlge- boren ergebenst ersuche, dieselbe durch Veröffentlichung im Kreisblatt und in sonst geeigneter Weise gefälligst zur Kenntniß der Betheiligten mit dem Hinzufügen bringen zu wollen, daß in allen Brandfällen für die zuerst ein­treffende und wirksam zur Bekämpfung des Feuers thätig gewordene auswärtige Spritze Prämien in der Regel nicht unter 20 Mark bewilligt werden sollen.

Ew. Hochwohlgeboren ersuche ich weiter ergebenst, i die auf Bewilligung solcher Prämien gerichteten Anträge gegebenen Falls gefälligst entgegennehmen und mir nebst einer gefälligen gutachtlichen Aeußerung Ew. Hochwohl­geboren mittheilen zu wollen.

Der Direktor der Hessischen Brandversicherungs-Anstalt. Dr. K n o t.

An die sämmtlichen Königlichen Herren Landräthe des Regierungsbezirks Casiel. J. lila Nr. 22774.

* *

Hersfeld, den 18. November 1895.

Wird den Herren Ortsvorständen des Kreises zur Nachachtung und Bescheidung der Brandmeister mitgetheilt. I. 6624. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Am 8. d. Mts. ist im Gemeindewald von Berges- Enkheim durch eine Holzleserin ein unbekannter Mann erhängt aufgefunden worden.

Die Leiche war mit guten Schaftstiefeln ohne Nägel, weißen baumwollenen Strümpfen, gutem braunkarrirtem Anzug, einem blau, weiß und roth gestreiftem baum­wollenen Hemd mit darüber gezogenen feinen weißen gestärkten Oberhemd, schwarzen Schlips und einer schwarz- karrirten achteckigen Schildkappe bekleidet.

Der Verlebte scheint dem Handwerkerstands anzuge- hören und kann 56 bis 58 Jahre alt sein. Derselbe

(Nachdruck verboten.)

Um Herz und Hand.

Roman von Jenny Piorkowska.

(Fortsetzung.)

Frau Gilmer lehnte sich am Wege an einen alten Baumstamm und lauschte. Die Nacht war still und dun- kel, kein Lüftchen regte sich, kein Stern leuchtete am Himmel. Da hörte sie die Thurmglocke eins schlagen, Und noch immer kam Heinrich nicht sie erbebte und ging in Haus zurück. Würde er überhaupt zurückkommen, un plötzlicher Schreck ergriff sie. Sie erinnerte sich, daß er barsch gute Nacht gesagt hatte, wieder znrückgekommen war und einen ungeschickten Versuch zu einer Freundlichkeit machte, bevor er bei Dunkelwerden fortging.

Sie erfaßte das flackernde Talglicht und eilte in ie Dachkammer, in der er geschlafen hatte. . .

Die alten Sachen, die er getragen, die einzigen, ue: , "Fiel sie wußte, besaß, lagen auf der Erde in e Pinsel. Er war in irgend einer andern Kleidung «Uvg- gangen, was sie in der Dunkelheit nicht bemerkt hatte. 'Weg, was er mit sich gebracht hatte: ein kleiner . m mit Werkzeugen, ein schmutziger Quersack, den er nu - lchiedenen Dingen ungefüllt hatte, waren 1^- uhr es ihr durch den Sinn, Heinrich werde nicht zuru^ kommen. Einen Augenblick stellte sie das Llch besuchte zu überlegen und zu fassen, was das Alles bei . ^as Anderes, als daß er wieder der Mitschuldige g einer bösen Thut, wieder das Werkzeug von Böseren uno Schlaueren war, als er? Vielleicht stand sein Leben wiau

ist 1,70 m groß, von kräftigem normalen Körperbau, hat blondes, wenig melirtes Haupthaar, einen grauen kurz gehaltenen Kinnbart und graue Augen. ~

In seinen Kleidertaschen fanden sich 3 Cigarrendüten mit der Firmenbezeichnung: 1. Heinrich Sting, Mühlstraße. Tübingen; 2. Johann Janßer, Ohmenhausen und 3. I. C. Leibßle in Betringen, ein gelbes Taschentuch, ledernes Geldtäschchen mit 12,50 Mark Inhalt in verschiedenen Münzsorten, ein altes 6 Kreuzerstück und ein alter Kreuzer.

Um Anstellung von Recherchen, welche zur Feststellung der Identität dienen können und Nachricht hierher, wird ergebenst ersucht.

* *

*

Das Ausschreiben vom 8. September cr. I. Nr. 9441.95 betreffend den ehemaligen Bahnarbeiter Jean Franz von hier ist erledigt.

Hanau, den 15. November 1895.

I. Nr. V. 10917. Königliches Landrathsamt.

Nichtamtliches.

Das bürgerliche Gesetzbuch und der Reichstag.

Unter den Aufgaben, bte an den Reichstag in seiner nächsten Tagung herantreten, ist die Berathung des bürgerlichen Gesetzbuches zweifellos die wichtigste. Im nationalen Interesse muß es gewünscht werden, daß dieses große Werk nach seiner 20jährigen überaus dornen­vollen Vorbereitung nunmehr baldigst zum Abschluß ge­bracht wird. Ueber die Nothwendigkeit eines einheitlichen bürgerlichen Rechts herrscht wohl auf allen Seiten Ueber­einstimmung. Daß in den neuen Provinzen Preußens ein anderes Recht gilt als in den alten, in der Rhein­provinz ein anderes als im Osten, in Neuvorpommern ein anderes als in Hinterpommern, ist ein widersinniger und nachtheiliger Zustand. Daß in einem großen Theile Deutschlands ein Gesetzbuch, das der byzantinische Kaiser Justinian vor dreizehnhundertsechzig Jahren in lateini­scher Sprache und in sehr unsystematischer Form hat ausarbeiten lasien, die Kraft eines verkündeten Landes­gesetzes hat, wird, sobald wir uns nur diesen Sachver- Halt recht deutlich vergegenwärtigen, als unerhört em­pfunden. Diesen unwürdigen Zuständen muß ein Ende gemacht werden, und es ist nur die Frage, ob unser Reichstag der großen Aufgabe sich gewachsen zeigen wird

in Gefahr und war für sie wieder Jahre lang verloren. Jahre lang! Vielleicht für immer. Die Mutterliebe brach in einen Angstschrei aus, der Gedanke an eine Trennung von ihrem Kinde glich einem Todesstoß.

Sie sprang auf, lief hinab, durchschritt die alte Hütte, wo sie das Schlagen auf den Amboß unaufhörlich ver­nahm, imb ging hinaus in die dunkle Nacht, der stillen, schlummernden Stadt zu.

Neunundzwanzigstes Kapitel.

Luise saß, ihren Arm auf das Fensterbrett gestützt, mit aufgelösten Haaren, in ein Morgengewand gehüllt, in ihrem Zimmer. Das Licht auf dem Tische brannte nur maH das Fenster war geöffnet, draußen war stille, finstere Nacht. Ihre Augen waren naß von Thränen und ihre ganze Ge­stalt zeugte von Kummer und Müdigkeit. Seit zwei Stunden war sie nun schon in ihrem Zimmer und noch hatte sie sich nicht schlafen gelegt. Als sie die Thurmglocke Eins schlagen hörte, erhob sie sich halb und sank matt wieder zurück; sie legte ihr Haupt auf die übereinander- geschlagenen Arme und blieb so regungslos eine halbe Stunde sitzen.

Erst bei dem plötzlichen Oeffnen des Thores, dem Ge- räusch rascher Schritte auf dem Wege, einem heftigen Schlag an dem Klopfer erhob sich Luise.

Sie sprang auf, nahm das Licht und eilte die Treppe hinab; sie wollte einem zweiten Klopfen vorbeugen, damit ihr Vater, der die Nächte jetzt meist unruhig und wach zubrachte, nicht davon gestört werde. Sie schob den Riegel zurück, drehte den Schlüssel und öffnete ängstlich die Thür

Die Jnsertionsgebühren betrat en für den Raum einer Spaltzeile

10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg.

Reklamen die Zeile 20 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender

Rabatt.

oder ob, zum Nachtheil für die Nation, auch hier einmal wieder nach dem Worte des Dichtersder große Moment nur ein kleines Geschlecht finden" soll.

Will der Reichstag das bürgerliche Gesetzbuch durch - arbeiten, so muß er einige besondere SessionenI.dafür ansetzen. Mit dem Fortschreiten dieser Arbeit würde aber die Aussicht auf ihr Zustandekommen immer schwächer werden. Jede Partei hat grundsätzliche Son- derwünsche, und jeder Rechtsgelehrte im Hause nimmt das Recht für sich in Anspruch, einen Standpunkt zu vertreten und den Entwurf zu verbessern. Wenn nicht die Fraktionen und die einzelnen Abgeordneten über ihre Meinungen die patriotische Pflicht setzen, für die Rechts­einheit Wünsche und Zweifel zu opfern, so kommt die deutsche Rechtseinheit nicht zu stände.

Man fasse große Dinge groß an; man laffe sich das Beispiel des ausgezeichneten Code Napoleon zum Muster dienen, welches von den französischen Volksvertretern gleichfalls in Bausch und Bogen angenommen worden ist. Man überlaffe es der 'goldenen Praxis, die Prüfung zu übernehmen, wie weit das bürgerliche Gesetzbuch der Verbesserung bedarf. Ein Gesetz zu machen, das den Wünschen aller vollkommen entspricht, ist unmöglich; ein bürgerliches Gesetzbuch herzustellen, das in der durch­schnittlichen Meinung der Mehrheit geringere Bedenken gegen sich hat, als der vorliegende Entwurf, würde, wenn es überhaupt möglich sein sollte, noch einen großen Zeitraum und eine übermäßige Arbeitslast erheischen. Der.Reichstag möge bedenken, daß auf den Entwurf durch volle 20 Jahre ein großes Maß von Fleiß, Kenntniß, guten Willen und Treue verwendet worden ist.

Sollte daher das Werk abgelehnt werden oder liegen bleiben, so wird der Erfolg nicht etwa der sein, daß nun nach weiteren fünf oder zehn Jahren ein befferer Entwurf zu stände kommt, sondern alsdann muß auf viele Jahrzehnte hinaus auf die Hoffnung verzichtet werden, ein einheitliches Recht für Deutschland zu stände zu bringen. Ein.solches Scheitern wäre ein Mißerfolg, dessen moralische Bedeutung man nicht hoch genug an­schlagen kann, und das Volk würde es seinen Vertretern nicht verzeihen, wenn diese dem Zustandekommen des großen nationalen Werkes Hindernisse in den Weg legten.

ein wenig. Da ward dieselbe von draußen so heftig auf­gestoßen, daß Luise ein paar Schritte zurück fuhr; sie hielt das Licht empor und da erkannte sie in der elenden vor ihr stehenden Frau das bekannte Gesicht von Frau Gilmer.

Ihr Auge war düster und unstät, ihre Kleidung be- mitleideuswerth ärmlich, und ihr einst so schönes, schwarzes Haar war grau geworden, seitdem Luise sie zuletzt gesehen hatte. Sie war mit einigen heftigen Worten auf den Lippen gekommen, aber der Anblick des jungen Mädchens bestürzte sie für einen Augenblick aber auch nur für einen Augenblick.

Ich bin um meines Sohnes willen hier," sagte sie ungestüm.Ich weiß, wo ich ihn zu suchen habe. Wenn ich auch seit einem Jahre und länger geschwiegen habe, ich will es nicht länger thun. Rufen Sie Alexander her­unter, und sagen Sie ihin, Heinrichs Mutter wolle ihn sprechen."

Ich glaube nicht, daß Alexander Ihnen irgend etwas von Ihrem Sohne sagen kann," entgegnete Luise und trat noch einen Schritt zurück, denn das Benehmen dieser Frau flößte ihr Schrecken ein.Kommen Sie herein, und sagen Sie mir/ warum Sie glauben, daß Alexander etwas von ihm wisse."

Sie wissen so gut wie ich, weshalb ich das glaube. Sie wissen auch, wessen Geld voriges Jahr die Sache ver­tuscht und wer ihn fortgeschickt hat. Sie wissen auch, wer das Unheil immer ausbreitet und wer immer die Strafe davon tragen sollte. Es ist lang genug so fortgeganaen meine feine, junge Dame. Sie sind sehr zart und hübsch und sehr fromm, wie die Leute sagen. Aber es ist dies