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Ar. M. roiiiiiibriih -eil 14 Lezember M.
Erstes Statt.
Amtliches.
Bekanntmachung.
Wegen vorhandener Vakanzen können solche verhei- rathete und unverheirathete Invaliden, welche besonderer Berücksichtigung würdig und sehr bedürftig erscheinen und an keiner ansteckenden Krankheit leiden, in den Jnvaliden-Häusern zu Berlin, Carlshafen und Stolp Aufnahme finden.
Die Gebührnisse bestehen neben der Löhnung von 300 Mark jährlich für einen Unteroffizier und 180 Mark jährlich für einen Gemeinen in BeköstigungSzuschuß, Bekleidung, Kleinbekleidungsgeld, Brot, Verpflegungszuschuß, freier Wohnung, Feuerung und Beleuchtung, sowie freier ärztlicher Behandlung und Arznei.
Die Pension kommt dagegen in Wegfall. Ausdrücklich wird noch bemerkt, daß nur solche Invaliden (nicht UnterstützungS-Empfänger) in Betracht kommen, welche sich im Genusse der I. oder II, Pe n- sionsklasse befinden und obigen Anforderungen entsprechen.
Bezügliche Anträge sind bis spätestens z u m 2 0. Dezember 1895 unter Beifügung sämmtlicher Militärpapiere an das unterzeichnete Bezirkskommando einzureichen.
Bezirkskommando Hersfeld.
Mchtamtiiches.
Aus dem Reichstag.
Berlin, 11. Dezember. Der Reichstag fetzte heute die erste Lesung des Etats fort. Staatssekretär Graf Posadowsky hebt gegenüber den gestrigen Ausführungen des Abg. Richter hervor, daß dieser das Bestreben habe, die Etat-aufstellung von etatStechnischen Grundlagen loszulösen und sie nur nach parteitaktischen Gesichtspunkten zu regeln. Abg. B e b e l (sozid.) wendet sich gegen die straffere Anwendung der Gesetze gegen die Sozialdemokraten und berührt hierbei Aeußerungen von allerhöchster Stelle, durch welche die Sozialdemokratie angegriffen worden sei. Der Präsident Frhr. v. B u o I ersucht den Redner, jede Hereinziehung Sr. Majestät de» Kaiser« in die Tirluffion zu unterlassen, und verbittet sich, als der Redner d ese Zurechtweisung bemängelt, jede Kritik der Rüge. Der Redner stiert nunm hr auS, daß schon die Vorkämpfer der Sozialdemokratie für die Freiheit und die Einheit Deutschlands gekämpft hätten, als die preußischen Junker noch ihre entschiedensten Gegner gewesen. Auch im Jahre 1870 sei nicht Einmüthigkeit in Deutschland vorhanden gewesen, wie die Beispiele Bayerns uns Württembergs zeigten. Die Sozialdemokraten hätten nicht vergeff n, welche Behandlung sie unter der Herrschaft de« Sozialistengefetze« erfahren haben, und sie hätten in diesem Jahre nichts andere« gethan, als was sie immer versucht hätten, nämlich die Angriffe gegen sie abzuwehren. Die Gerichte fällten tendenziöse Urtheile, ja, der ReichSgerichtScath Stenglein habe in einer Zeitschrift sogar den AuSspruch gethan, daß man die Gesetze zwar gegen alle Staat-bü-^r, gegen die Sozialdemokraten aber besonders scharf anwenden müsse. Da« Ansehen Deutschland« im AuSlande sei sehr gesunken Woher käme tie Agrarbewegung, die Antisemitenbewegung, die Handwerker- bewegung? Die sozialen Verhältnisse hätten diese Bewegungen hervor- gerufen, und die Veranlassung zu denselben sei der beste Nährboden der Sozialdemokratie. Gegen die kapitalistische Weltanschauung müßten die bürgerlichen Parteien kämpfen, da« dürsten sie aber nicht. Man glaube zu regieren und werde regiert. Der preußische Kriegsminister B r o n s a r t v o n S ch e l l e n d o r f f weist in Anknüpfung an die Ausführungen de» Vorredners auf die Schamlosigkeit und Niedertracht mtt welcher in sozialdemokratischen Versammlungen und Zeitungen me edelsten Gefühle der Nation verhöhnt und verspottet worden seien, «te Armee vergesse nicht, daß sozialdemokratische Schmierfinken da« geheiligte Andenken des ersten Kaisers in frecher Weise besudelt hätten.
die gestrige Anfrage de« Abg. Richter erwidert der Minister, daß me Berathungen über die Militärstrasprozeßreform im preußischen taatSininisterium nahezu zum Abschluß gelangt seien, und daß der Entwurf demnächst den verbündeten Regierungen bezw. dem Bunde«- jugehen würde. Ob die Vorlage noch in dieser Tagung an den Reichstag gelangen werde, wisse er nicht. Wa« die vierten Bataillone betreffe, so hätten sich diese nicht gut bewährt; die kommandirenden Generale wünschten einmüthig eine geeignete Umformung dieser Ver- bande. Ueber die zweijährige Dienstzeit könne jetzt noch kein ab- schließcndeS Urtheil gefällt werden, weil sie noch zu kurz in Geltung I«. Abg. v. P » dbieISki (kons.) führt au«, daß sich die oslelbischen Junker niemal«, wie hier behauptet worden, bereichert hätten, sie hätten im Gegentheil stet« Gut und Blut für da« Vaterland geopfert. Der
Redner schildert die Nothlage der Landwirthschaft, tritt für eine durchgreifende Abhilfe dieses Mißstandes ein und schließt mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß sich der allerdings geschwächte EinheitSgedanke im Reiche wieder kräftigen werde, und daß sich hierbei alle wohlgesinnten Kreise zusammenfinden würden. Abg. Barth (frf. Ver.) vermißt bei der Regierung die nöthige Festigkeit gegenüber den Agrariern. Die Sozialdemokratie und daS Agrarierthum beherrschten jetzt die Politik. Bei dem Mangel einer geschlossenen Mehrheit müsse die Regierung eine Politik der absoluten Gerechtigkeit befolgen. Abg. E n e c c e r u S (nailib.) stellt fest, daß der Reichsgericht-rath Stenglein in dem von dem Abg. Bebel citirten Artikel auch nicht im Entferntesten einen solchen Ausspruch gethan habe, wie ihm der Abg. Bebel zuschreibe; er überlasse diese unerhörte Handlungsweise sowie die ganze Rede des Abg. Bebel dem Urtheil der öffentlichen Meinung. Abg. Frhr v. Stumm (Reich-p.) bemerkt, daß er die ihm in den Mund gelegte bekannte Aeußerung zu dem Pfarrer Lenze niemals gethan habe.
Politische Nachrichten.
Inland.
Berlin, 12. Dezember.
Heute Vormittag hörte Se. Majestät der Kaiser von 9 Uhr ab die Vorträge des Kriegsministers und des Chefs des Militairkabinets, und empfing um 12 Uhr in feierlicher Audienz und im Beisein des Staatssekretairs des Auswärtigen, Staatsministers Freiherrn Marschalt von Biederstem, sowie des Einführers des i diplomatischen Korps, v. Usedom, den neuernannten I großbritannischen Botschafter am diesseitigen Hofe, Las- cedes, behufs Ueberreichung seines Beglaubigungsschreibens. Unmittelbar darauf wurde der Botschafter auch von Ihrer Majestät der Kaiserin empfangen. Nach der Audienz des großbritannischen Botschafters bei Sr. Majestät nahm Allerhöchstderselbe noch die Vorträge des Ministers des Königlichen Hauses, des Oberstallmeisters und des Hofbaurathes Jhne entgegen.
Die Münchener „Allg. Ztg." meldet unterm 12. d. Der Prinz-Regent hielt bei der militairischen Festtafel am 8. d. Mts, an welcher die Prinzen, die höheren Generale und sämmtliche Ritter des Max-Josef-Ordens theilnahmen, folgende Ansprache: „Ich freue mich, an dem heutigen für uns Bayern so erinnerungsreichen Tage die Spitzen der Armee und die tapferen Max- Josefs-Ritter um mich versammelt zu sehen. Heute vor 25 Jahren wütheten die hartnäckigen Kämpse an der Loire, für das bayerische Heer der würdige Abschluß einer langen Reihe siegreicher Gefechte und Schlachten. In Demuth gedenke Ich der vielen Opfer, die ihren Muth mit dem Leben bezahlten. Doch auch feit dem Feldzuge hat der Tod empfindliche Lücken unter den damaligen Kämpfern gerissen. Ich erinnere vor Allem an die ehrwürdige Gestalt des alten Kaisers Wilhelm L, der bis zu seinem Tode mir sein Wohlwollen bewahrte. Die ritterliche Erscheinung des damaligen Kronprinzen, Friedrich Wilhelm von Preußen, des siegreichen Führers der 3. Armee, ist uns Allen noch gegenwärtig; auch die tapferen, erprobten Kommandanten unserer beiden Armeekorps, Frhr. v. Hartmann und von der Tann, sind von uns geschieden, doch in unserer Armee werden sie foct- leben. Sollte jemals mein Ruf zum Kampfe an das Heer erschallen, so werden meine Bayern, dessen bin ich gewiß, an der Seite der verbündeten Truppen unter dem Oberbefehl des deutschen Kaisers ihren alterprobten -Ruhm zu bewahren wissen. Mit Freuden ergreife ich diese Gelegenheit, der ganzen Armee und ihren Führern meine dankerfüllte Anerkennung auszusprechen. Fest vertraue ich auf die Treue der Armee im Frieden und im Kriege. Ich fordere Sie auf, meine Herren, auf das Wohl der bayerischen Armee zu trinken. Sie lebe hoch, hoch! und zum dritten Mal hoch!"
„Die Vorarbeiten zur Fertigstellung des Entwurfs eines Lehrerbesoldungsgesetzes sind soweit gefördert, daß die Einbringung der Vorlage im Abgeordnetenhause sofort nach dem Zusammentritt des Landtages erwartet werden darf."
Wie alljährlich, wird auch am bevorstehenden Neujahrstage eine besondere Beglückwünschung des Kaisers als des obersten Bundesfeldherrn durch Vertreter des deutschen Heeres am Hofe zn Berlin statt-
stuben. Als Vertreter der bayerischen Armee bei dieser Gelegenheit werden sich die kommandierenden Generale der beiden bayerischen Armeekorps Ende Dezember nach Berlin begeben.
Der Bundesrath hat in seiner heutigen Sitzung den Gesetzentwürfen, betreffend den Verkehr mit Butter, Käse, Schmalz und deren Ersatzmitteln, sowie betreffend Aenderungen und Ergänzungen des Gerichts- verfassungs-Gesetzes und der Strafprozeßordnungen mit einigen von den Ausschüssen beantragten Aenderungen die Zustimmung ertheilt. Außerdem wurde die Vorlage, betreffend die Ausprägung von Einpfennigstücken, und ein Antrag Württembergs, betreffend die Zulassung von Scheidemünzen der Frankenwährung, genehmigt. Bezüglich der Rechnung der Kasse der Ober-Rechnungskammer für 1893/94, soweit sie den Rechnungshof des Deutschen Reiches betrifft, wurde Entlastung ertheilt und über eine Reihe von Eingaben Beschluß gefaßt.
Der Seniorenkonvent des Reichstages hat beschlossen, noch vor den Weihnachtsferien die erste Lesung der Gesetzvorlagen über den unlauteren Wettbewerb und die Handwerkskammern zu erledigen und die Ferien nicht vor dem 17. Dezember zu beginnen.
Der neue Minister des Innern, Frhr. v. d. Recke, hat die Geschäfte bereits übernommen.
Der neuernannte englische Botschafter in Berlin, Sir Frank Lascelles, ist aus London zur Uebernahme seiner Dienstgeschäfte in Berlin eingetroffen und hat bereits dem Reichskanzler Fürsten Hohenlohe und dem Staatssekretair des Auswärtigen, Frhrn. von Marfchall, seinen Besuch gemacht.
In der neuen Liste der K r i e g S s ch i f f e, die der Marinerangliste für das Jahr 1896 beigefügt ist, werden 91 Schiffe aufgezählt, und zwar: 22 Panzerschiffe (4 erster, 3 zweiter, 7 dritter und 8 vierter Klasse), 13 Panzer-Kanonenboote, 18 Kreuzer (3 erster, 7 zweiter und 8 dritter Klasse), 5 Kanonenboote, 10 Avisos, 14 Schulschiffe und 9 Schiffe zu besonderen Zwecken.
Ausland.
In der französischen Deputiertenkammer hat der Minister der Kolonien bei der Berathung des Budgets erklärt, die französischeKolonialpolitik habe den offensiven Charakter aufgegeben und sei eine friedliche geworden; Frankreich würde sich zwar durch seine Nachbarn nicht belästigen lassen, jedoch seine Besitzungen nicht auszudehnen suchen.
Der türkische Minister des Aeußern, Tewfik Pascha, hat den Botschaftern mitgetheilt, daß der Sultan die Fermans für das Einlaufen der zweiten S t a t i o n s s ch i f f e unterzeichnet hat.
Said Pascha ist aus der englischen Botschaft wieder in seine Wohnung zurückgekehrt.
Seit einigen Tagen laufen in Konstantinopel Gerüchte um, mehrere höhere Offiziere, welche der Verbindung mit der jungtürkischen Bewegung verdächtig sind, seien aus der Türkei entflohen. Unter den Flüchtlingen sollen sich zwei Adjutanten des Sultans be= finden. . , ,
Die italienischen Truppen in A b e s s y n r e n haben eine Niederlage erlitten. Die aus vier Kompagnien bestehende afrikanische Kolonne des Majors toselli wurde I von der 20 000 Mann starken schoanischen Armee bei Amba Aladschi überfallen und umzingelt. Das Bataillon Toselli bestand aus 1200 Eingeborenen, 20 italienischen Offizieren und 40 italienischen Unteroffizieren nebst einer Batterie Gebirgs-Artillerie. Major Toselli ilt todt. In Italien herrscht deshalb große Bestürzung. Die Regierung ist entschlossen, für die afrikanische Expedition einen neuen Kredit von 10 Millionen Lire zu fordern.
Aus Prulllliz iiilil Allchbarzebiet.
Hersfeld, den 13. Dezember 1895.
* (Personal-Veränderungen.) Ernannt: der königliche Bergmeister Duszynski in Schmalkalden zum Bergaichmeister für die Privatbergwerke des Berg-