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Nr. 152. Süiiimlicnö den 28. Lezmber 1895.

Erstes Statt.

Wimtmesb-SliUmst

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1 Hersselder Kreisblatt

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IZllustrirtes Sonntagsblatt"

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DasKreisblatt" bringt außer den amtlichen Bekanntmachungen zuverlässige Mittheilungen über Er­eignisse in der Politik, Berichte aus dem Kreise und der Provinz. Reichhaltige Nachricbten vermischten In­halts bringen alle sonstigen mittheilenswerthen Ereig- ; nisse des täglichen Sehens zur Kenntnis der Leser. ; Daneben werden sorgfältig ausgewählte Erzählungen einen weiteren Theil des Lesestoffes bilden.

HM^ Die wichtigsten Ereignisse gehen uns durch Telegramme zu und werden wir dieselben nöthigenfalls durch Extrablätter verbreiten.

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Die Expedition.

Amtliches.

Hersfeld, den 27. Dezember 1895.

In Verfolg meines Ausschreibens vom 23. Dezember d. I. J. Nr. 7425 (Kreisblatt Nr. 151) theile ich den Herren Ortsvorständen hierdurch weiter mit, daß die Nach Ablauf der Gültigkeitsdauer zum Umtausch kommenden Quittungskarten nach einer Zuschrift des Vorstandes der JnvaliditätS- und Altersversicherungs-Anstalt nicht aufzurechnen, son­dern unaufgerechnet miteinzusenden sind.

L 7480. Der Königliche Landrath

Freiherr von S ch l e i n i tz,

Geheimer RegierungS-Rath.

Nichtamtliches.

Aus der Wetterwarte.

Gegen den Schluß eines Jahres hin pflegt man -«uanzen zu ziehen und zu überrechnen: Wie groß ist meine materielle Stärke, was habe ich gewonnen, was verloren, was zu gewärtigen. Da mag es auch ange- zergt fein, politisch einen Lugaus zu halten, um nachzu- schauen, wie das Deutsche Reich in seinen Verhältnissen ; Zu den übrigen Mächten dasteht, und zu fragen, wie wett sich die Botschaft des Weihnachtsfestes:Friede aus Orden!" in der griff, die unser Blick umspannen j? *ann' verwirklichen und bethätigen wird.

Als ein Fundament des Friedens steht der Dreibund nach wie vor unerschüttert ba. Er ist wie ein ruhender Punkt in dem Wechsel der Erscheinungen, und nirgends « sehen wir den Beginn einer Gefahr für diesen Mittel­

punkt der Staatenpolitik. Unstreitig sind im geheimen Versuche gemacht worden, die drei verbündeten Mächte auseinander zu bringen, glücklicherweise ohne jeden Er­folg. Ein untrügliches Zeichen dafür, daß der Dreibund kräftig fortbesteht, liegt wohl in der Theilnahme des österreichischen Herrschers an den diesjährigen Kaiser­manövern. Inzwischen ist zwar in Oesterreich ein neues Ministerium ans Ruder gekommen, indessen wird dieser Kabinetswechsel die Dreibundspolitik nicht berühren. Auch die leidenschaftlichen Angriffe, die in der italieni­schen Kammer auf den leitenden Staatsmann Crispi wiederholt gemacht worden sind, berühren die Beziehungen Deutschlands zu seinem südlichen Bundesgenossen nicht, höchstens, daß es ein Interesse daran hat, die Stellung Crispis, als eines eifrigen Förderers und Schirmers der Friedensbestrebungen des Dreibundes und eines energischen Vorkämpfers gegen die internationale Umsturz­bewegung, nicht durch unverdientes Mißtrauen zu ge­fährden. Daß England dem Dreibünde nicht beigetre­ten ist, hat jenem Lande trübe Erfahrungen, sowohl im Orient, als auch in Ostasien, als auch endlich in seinem Verhältniß zu Amerika eingetragen. England erntet jetzt die Früchte der kurzsichtigen Politik des Kabinets Rosebery.

Unsere Beziehungen zu Rußland sind nach wie vor gut. Kaiser Wilhelm hat es auch in diesem Jahre nicht an Kundgebungen fehlen lassen, die den Wunsch, mit dem Czarenreiche auf bestem Fuße zu bleiben, klar und zweifellos nach St. Petersburg gelangen ließen. Daß auch an der Newa eine ausschließlich friedliche Politik befolgt wird, hat man zu bezweifeln umso weni­ger Grund, als unser Reichskanzler sich in Petersburg persönlich davon überzeugt hat, daß die dortigen leiten­den Kreise von einer Feindseligkeit gegen Deutschland frei sind. Auch der Besuch des russischen Ministers des Auswärtigen, Fürsten Lobanow, in Berlin ist als ein Ausdruck dieser freundschaftlichen Gesinnung anzusehen. Man kann sogar behaupten, daß sich die Beziehungen zwischen Rußland und Deutschland gebessert haben und daß das Vertrauen der beiden Reiche zu einander be­festigt ist, seit Deutschland dank der Politik des Fürsten Hohenlohe an der Seite Rußlands und Frankreichs in der ostasiatischen Frage ein Machtwort gesprochen hat.

Rußlands Interessen waren durch das aufstrebende Japan, das den chinesischen Koloß so unsanft gerüttelt hatte, arg gefährdet, aber auch in unsern handelspoli­tischen Beziehungen lag Grund genug vor, dem Sieger eine Mäßigung aufzuerlegen und das chinesische Festland nicht in seine Gewalt zu geben. Daß sich die neue Ordnung für Ostasien in friedlicher Weise vollzogen hat, daß das enge freundschaftliche Verhältniß zwischen Frankreich und Rußland wie von vielen Seilen be­fürchtet wurde nicht die für uns sehr unerwünschte Blutstaufe im Kampfe gegen Japan erhalten hat, das ist dem Wirken der deutschen Diplomatie mit zu ver­danken. Daß daneben auch dem Wettbewerbe deutschen Gewerbefleißes ein weites Feld auf dem chinesischen Festlande offen geblieben ist, kann dem Fürsten Hoben- lohe nicht hoch genug angeschlagen werden. Dieselbe umsichtige Politik unsers Reichskanzlers hat auch wesent­lich mit dazu beigetragen, Verwickelungen in der orienta­lischen Frage bisher fernzuhalten.

Weniger erfreulich als der Blick nach Osten ist der auf unsern westlichen Nachbar. Mag von Deutschland, voran von unserm kaiserlichen Herrn, alles fort und fort geschehen, um den Franzosen zu zeigen, daß wir selbst ein friedfertiges Verhältniß zu ihrer Nation wol­len, so schlummert doch der Chauvinismus einen gar leisen Schlaf, aus dem ihn das Wort Spionage besonders leicht aufzuschrecken pflegt Jüngst ist dieser Skandal­patriotismus wieder lebhaft ausgeflammt, als vor dem Schwurgerichte in Bourges gegen einen Marquis von altem Adel ein Mordprozeß verhandelt wurde. Dieser endete mit Freisprechung, nicht etwa weil die Schuld des Angeklagten nicht erwiesen werden konnte, sondern weil der Hauptzeuge verdächtigt war, ein preußischer Spion zu sein. Dieser Fall zeigt, wie unauslöschbar

der Deutschenhaß der Franzosen ist und daß, wenn uns das internationale Gesammtbild auch mit Vertrauen auf bleibenden Frieden in dem Jahre 1896 hoffen läßt, doch ein Theil dieses Bildes nicht ohne Trübung erscheint. Um den Deutschenhaß zu dämpfen, müssen wir wachsam und stark sein, heute, wie an jedem Tage seit Sedan. Das aber sind wir durch unser Heer, wie durch unsere Politik. Letzterer gelingt es hoffentlich auch, die kleine Spannung, die zwischen Deutschland und den Vereinig­ten Staaten eingetreten ist, bald zu beseitigen.

Politische Nachrichten.

Inland.

Berlin, 26. Dezember.

S e. Majestät der Kaiser unternahm am Montag Nachmittag einen längeren Spazierritt in die Umgegend des Neuen Palais und verblieb, nach Rück­kehr von demselben, bis zur Abendtafel im Arbeitszimmer. Zu letzterer war der Chef des Marinekabinets, Admiral a la suite. Kontreadmiral Frhr. von Senden - Bibran, befohlen worden. Am Dienstag fand bei den Kaiserlichen M a s e st ä t e n im Neuen Palais um 4 Uhr ein Diner, statt, zu welchem die Damen und Herren der Hofstaaten Ihrer Majestäten, die Kabinets- chefs, sowie die Herren des Hauptquartiers Sr. Majestät des Kaisers Einladungen erhalten hatten. An dieses Diner schloß sich die Weihnachtsbescheerung im Muschel­saale des Neuen Palais an.

Fürst B i s m a r ck hat die Zusage, zum 18. Januar nach Berlin zu kommen, nicht nur gegeben, sondern auch freudig bewegt gegeben. Selbstverständlich ist die Reise durch Rücksichten auf den jeweiligen Gesundheitszustand bedingt; gegenwärtig ist aber das Befinden des Fürsten so günstig, daß voraussichtlich auch der Arzt der Fahrt zur Jubelfeier nichts in den Weg legen wird.

Der Prinz und die Prinzessin Heinrich von Preußen, die sich bekanntlich seit einiger Zeit in Italien aufhalten, haben sich mit dem Prinzen Walde- mar an Bord des englischen AvisosSurprise" von Neapel nach Malta begeben.

Der frühere General-Inspekteur der Fußartillerie, General S a l b a ch , ist in Berlin gestorben.

In Bundesrathskreisen ist man der Frage näher ge­treten, ob von den gegenwärtigen und früheren Mit­gliedern des B u n d e s r a t h s ähnlich wie vom Reichs­tag eine Gedenkfeier der Wiederaufrichtung des Deutschen Reiches veranstaltet werden soll. Man wird eventuell erst nach dem 18. Januar ein Programm für eine etwaige besondere Feier aufstellen. Für diese ist der 26. Februar, der 25 jährige Gedenktag der ersten Sitzung des Bundesraths des Deutschen Reiches, in Aussicht ge­nommen.

In Berlin hat in diesen Tagen bie konstttuierende Versammlung derAnsiedelungS-Gesellschaft für Südwestafrika, unter dem Vorsitz des Staatsministers v. Hollmann, stattgefunden. Die Ge­sellschaft wurde mit Genehmigung des Reichskanzlers als deutsche Kolonialgesellschaft mit einem Grundkapital von 300 000 Mk. gegründet und bezweckt die wirthschaftliche Erschließung der Schutzgebiete in Südwestafrika. Die Gesellschaft kann Grundeigenthum erwerben, Handel und Gewerbe selbständig betreiben und wird auf Herstellung einer möglichst direkten Schiffsverbindung zwischen Deutsch­land und dem südwestafrikanischen Schutzgebiete Bedacht nehmen.

Ausland.

Infolge der Niederlage bei Aneba Aladschi sind die Italiener in Afrika ins Gedränge gerathen. General Baratieri sandte an das Ministerium ein Tele­gramm, worin er um sofortige Absendung von Hilfs- truppen bat, da die Abessinier von allen Seiten auf ihn eindringen. Da am 15. Januar bereits das Gros der Nachzüge in Abessinien eingetroffen sein dürfte, so wird der tapfere General alsdann zum Angriff übergehen können.