Illustrierte
Landwirt schastüche'Zäeilage
;um „Aersfelder fncUbhtt”
1 .Hersfeld. ^} SSSG.
Juhalts-Verzeichuis: Etwas über Schweinekrankheiten, von H. Melzer (mit 3 Abbildungen). Welche Erfahrungen sind bei der Fütterung von Melas^^ sseMcht, und » welcher Art ist dieselbe a« vorteilhaftesten zu verfüttern. Die Jauche — ein auf die Dauer vollständig ausreichendes Düngungsmittel für die Wiesen, von Friedrich Äüwig^Dtz, Straßburg. Kamst und Thomasschlacken- mehl zur Wiescndüngung. Vom Königlichen Hauptgestüt Graditz. Hautausschläge bei Schweinesruche. Eine allgemeine Betrachtung über Nutzgeflügel, von D. Frahm-Koldenbüttel. Die PlymmrH» Rocks. Obstbaumpflanzungen auf den preußischen Domänen. Schafft Eile» in's Blut der bleichsüchtigen Bäume. Georginen. Die Hausapo heke. Die Nahrung des Herings. Wildschlingru ras Schutze der Gärten. Fettflecke aus Parkettfußböden zu entfernen. Das Abbenen und Wiederaustrischen eichener Möbel. Ernst und Scherz. Vexierbild.
Etwas über Schweinekrauktzeiten.
Von H. Melzer.
Solange die Schweinezucht betrieben wird, hat es auch schon Schweinekrankheiten gegeben; aber noch nie haben dieselben in so verheerender Weise gewirkt, wie in den
letzten Jahren, in welchen durch die Ueberhand- nahme der
Schweineseuchen W große Kapitalien dem Vaterlande verloren gegangen sind. Der Grund dieser Erscheinung ist allein in den Zuchtverhältnissen zu suchen.
Flg. 1. Pickdarm des Schweines. lichst großen Gewinn aus der Schweinezucht zu erzielen, ist nämlich die Neuzeit mit Recht bestrebt gewesen, möglichst frühreife Rassen zu züchten und das Wachstum und die Fettentwickelung zu beschleunigen. Je mehr man aber dieses Ziel erreichte, desto mehr nahm man die Erscheinung wahr,
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Fig. 3.
Ansgeschkachtetes halbes Schwein
daß bei diesen „Treibhaus- fulturen" das Knochengerüst immer feiner wurde, und daß diese Tiere weit mehr Krankheiten unterworfen sind, als die gröberen Rassen.
Erkrankt ein Schwein am Rotlauf oder an der Schweineseuche oder Schweinepest, so beschränkt sich der Besitzer gewöhnlich darauf, einige Hausmittel in Anwendung zu bringen, obgleich er von vornherein davon überzeugt ist, daß dieselben nichts nützen; denn es hat sich unter den Schweinezüchtern fast allgemein die Meinung eingebürgert, daß gegen die genannten Krankheiten „überhaupt kein Kraut gewachsen sei." Nichts ist jedoch irriger, wie diese Meinung ! Es sind mir während meiner langjährigen Praxis zahlreiche Fälle bekannt geworden, in denen Schweine . vom Rotlauf und von den
1. Maulhöhle. 2. Gehirn. 3. Rücken- Seuchen geheilt wurden, mark. /^Wirbelsäule. 5 Rücken- Allerdings ist eine Heilung ^Ia^^r1^,^ nur dann möglich, wenn die y '10 Zwerchfells il Krankheit rechtzeitig erkannt Brusthöhle. 12. Brustbein. wird. Selber wird in den meisten Fällen erst dann darauf geachtet, wenn die Krankheit schon weit vorgeschritten und — eine Heilung nicht mehr möglich ist., Die Haupt- ftage für jeden Schweinezüchter, der sich vor' Schaden bewahren will, wird also in Zukunft die sein: „Wie erkenne ich sofort die Schweinekrankheiten?"
Das Sicherste wäre wohl, man holt den Tierarzt. Du lieber Himmel! ehe der aus der oft entfernten Stadt herbeikommt, -wird es wohl in den meisten Fällen zu spät sein, und dann verlohnt es sich auch nicht immer, denselben zu holen; denn ist z. B. ein Ferkel oder Läufer erkrankt, so dürfte die Rechnung des Tierarztes mehr betragen, als ein solches Tier Wert hat. Jeder Schweinezüchter müßte darum seinen Tierarzt im Hause haben, und ein solcher „Tierarzt" im wahren Sinne des Wortes ist das kürzlich bei J. Neumann in Neudamm erschienene Buch: „Das kranke Schwein. Ein gemeinverständlicher Ratgeber zur
Erkennung, Behandlung und Verhütung der Schweinekrankheiten, sowie zur Beurteilung des Fleisches kranker Schweine. Von Tierarzt Dr. O. Hilfreich, Preis 1 Mk. 50 Pfg." Es sei mir daher gestattet, näher auf dieses vorzügliche Werk ein- zugehen.
Meines Wissens giebt es kein den gleichen Gegenstand behandelndes Buch, welches in so leicht verständlichen Sprache
zum Landmann redet, Fig. r. Gefüllter Wagen des Schweines, dabei aber doch auf a. Linke Hälfte, ö. Blindsack des Magens, dem Standpunkt der c. Rechts Hälfte, d. Kleine Krümmung, beutiaen Wissenschaft e- Große Krümmung, f. Schlund. A. An- yeuugen fangsteil des Dünndarms, steht und den ganzen 1 ■ einschläglichen Stoff so gründlich behandelt, wie das genannte. Außer der Beschreibung der einzelnen Krankheitsbildner und Heilmethoden enthält dasselbe auch umfassende Angaben über den Bau und Verrichtungen des Tierkörpers, Erklärungen über die Entstehung und das Wesen der Krankheiten und giebt endlich eine Anleitung für die Untersuchung geschlachteter Schweine zum menschlichen Genusse. 25 Abbildungen und ein Titelbild in Buntdruck dienen dazu, das Studium des Werkes zu erleichtern. Wir können nicht umhin, unseren Lesern einige kleinere Zeichnungen aus dem Buche vorzuführen. Figur 1 zeigt uns den Dickdarm eines Schweines, der sich bekanntlich durch seine eigentümlichen Windungen auszeichnet, Figur 2 den gefüllten Magen.
Sehr lehrreich ist auch Figur 3, welche uns ein ausgeschlachtetes halbes Schwein veranschaulicht. In diese Figur sind die Lymphdrüsen eingezeichnet, welche trotz ihrer Wichtigkeit für die Fleischbeschau und für die Erkennung der Tuberkulose doch nur wenigen Personen bekannt sind.
Äi Landwirtschaft. S»
welche Erfahrungen sind bei der Fütterung von Melasse gemacht, und in welcher Art ist dieselbe am vorteilhaftesten zu verfüttern?
Diese Frage war in der letzten Haupt-Versammlung des „Landwirtschaftlichen Vereins für das Fürstentum Halberstadt und die Grafschaft Wernigerode" Gegenstand eines freien Meinungsaustausches. Die Einleitung des Themas hatte Herr Amtsrat Wagner-Warmsdorf übernommen. Seine Ausführungen lauteten folgendermaßen:
Die Fütterung von Melaffe hat sowohl für die Landwirtschaft, wie auch für die Zuckerindustrie eine große Bedeutung. Für erstere, weil fast alle dem Acker, auf dem die Rüben standen, entzogenen Düngerbestandteile in der Melaffe enthalten sind. Direkt kann man aber dieselbe, trotzdem sie heute zu dem Preise, welche die darin enthaltenen Düngemittel repräsentieren, zu kaufen ist, nicht auf den Acker fahren. Sie enthält:
5*4 M. Kali, L 5*A Pfg. = 31,6 Pfg.
1 „ organ. Stickstvff, ä 45 Pfg. ----- 45,0 „
V* „ Salpeter-Stickstoff, ä 60 Pfg. = 15,0 „
Summa 91,6 Pfg. und kostet heute ungefähr nur eben so viel. Auf das Feld gefahren, ist ihre Wirkung nicht groß, bester wenn sie erst durch den Magen des Viehes geht und dann dem Acker mit dem Dung desselben wieder zugeführt wird. Der Futterwert der Melasse ist dabei den Preisen der anderen Futtermittel gegenüber mindestens mit 2 Mk. zu rechnen; denn das darin enthaltene verdauliche Protein ist 5,9 pCt., und 1 pCt. ist hiervon — 6 Nährwerteinheiten, also 5,9X6 ----- 35,4, ebenso sind stickstofffreie Extraktstoffe 65 pCt. darin enthalten und 1 Einheit = 65, oder in Summa Mhrwerteinheiten = 100. Rechnet man die
Melasse pro Zentner mit 2 Mk., so würde eine Nähr» werteinheit 2 Pfg. darin koste», das Billigste, was wir haben; denn nach Dr. Hollrung's sorgfältigen Berechnungen stellt sich der Futterwert der Melaffe zu den übrigen ia den Wirtschaften viel verwende« Futterstoffen folgender»
maßen:
He Nährw erteinheit kostet
Pr.f.d.Ztr. ausgedr.
Futtermittel freiHalle üstickstfr.Subst. i. wirkt, verd. Prot.
Melaffe —
2,— Mk
, 2,0 Pfg.
12,0 Pfg.
Heu —
2- ,
3,2 ,
19,3 „
Kartoffeln —
1 - ,
4,0 ,
25,0 „
Baumwollsaatmehl
a) deutsch s8]s»
5,90 ,
2,3 ,
13,5 ,
b) amerik. 5%
5,55 ,
2,1 ,
12,7 „
Erdnußmehl 5Jjss
5,70 „
2,1 ,
12,3 „
Erdnußkuchen —
5,30 ,
1,9 ,
11,7 „
Palmkuchen v. Hubbe:
"I-, 5,— ,
3,3 ,
20,0 „
Reisfuttermehl a%
3,60 „
2,9 „
17,2 „
Kokoskuchen 30|m
6,15 „
4,3 ,
25,9 „
Leinkuchen "^
6,60 ,
3,5 „
20,7 „
Mais —
6,20 „
5,4 ,
32,4 „
Getr.Getreidefchlempe
,8|31 5,10 ,
3,7 ,
22,0 „
Biertreber as|3o
4,75 ,
3,9 ,
23,2 „
Roggenkleie —
3,95 ,
3,6 ,
21,4 „
Rapskuchenmehl *°|44
4,05 ,
2,2 ,
13,0 „
Malzkeime —
4,05 ,
3,6 ,
21,3 „
Fleischfuttermehl %»
9,— „
2,1 ,
12,5 „
Außer den Erdnußkuche» ist
die Melaffe also das
billigste Futtermittel.
Aus den angeführte» vergleichenden
Zahlen ergiebt sich, daß die Melaffe heute eigentlich 3 statt
1 Mk. der Zentner kosten müßte.
aber selbst
wenn man
die Melaffe mit 2Mk. verwerte« könnte, würde
die Zucker»
industrie bei 5—6 Millionen jährlicher Produktion einen
Mehrgewinn von 10-
-12 Millionen Mark erzielen.
Bei der Verfütterung der Melaffe sind 3
Arten du
gebräuchlichsten:
1. Man füttert sie direkt von der Fabrik geholt als Aufguß. 2. Man mischt sie mit bestem Palmkernkuchen» mehl oder derarttgen Sachen zu gleichen Teilen, oder 110 Melaffe mit 100 Palmkernkuchen. 3. Man setzt sie den Schnitzeln zu und ttocknet dann dieselben.
Ich würde empfehlen, die Melaffe dem Rindvieh, namentlich dem Milchvieh, zu geben, und füttere dieselbe, so lange sie nur direkt von der Fabrik, welche ich selbst im Orte habe, geliefert werden kann, unvermischt als Aur» guß besonders bei den Kühen mit großem Erfolg. Zu meiner Information ließ ich öfter 14 Tage keine Melaffe füttern und statt besten nur Schrot und Kleie, worauf stets die Milch-Produktion ungefähr pro Haupt 1 Liter zurück- ging, aber sofort sich wieder hob, sobald wieder Melaffe gefüttert wurde. Die hochtragenden Kühe, welche stets bei mir allein an einer Krippe stehen und aus Furcht vor Kalbefieber schlechter gefüttert werden, erhalten gar keine Melasse.
In der Zeit, wo die Zuckerfabrik arbeitet und eine direkte Abgabe von Melaffe nicht angänglich ist, wird vor» her mit Palmkernkuchenmehl gemischtes Melaffefutter her» gestellt und mit gutem Erfolg den Kühen, und zwar pro Haupt 6 Pfund, gegeben. Ebenso kann man den Ochsen davon 6 Pfund mit 2 Pfund Baumwollsaatkuchenmehl zusammen geben und werden sie sich dabei gut halten. Versuche mit Ochsen habe ich allerdings noch nicht selbst gemacht. Dies Melaffefutter hält sich lange und ist durchaus auch nicht etwa feuergefährlich durch Selbsterhitzung.
Den Pferden und Schafe» habe ich kein Melaste- futter gegeben, bei den Schweinen habe ich ganz schlechte Resultate gehabt und ich warne daher, diesen solches zu geben.
Das alle Melaffe verfüttert werden könnte, will ich versuchen nachzuweisen.
In den Provinzen Hannover und Sachsen mit Anhalt werden ungefähr die Hälfte der Rüben verarbeitet, also etwa 100 Millionen Zentner. Hiervon werden etwa 274°!» Melaffe erzielt, also 2 750 000Zentner. Nach der Zahlung von 1892 waren daselbst 1104615 Stück Rinb- M (1569 360 Schafe, welche ich aber fortlaffe), welche
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