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Hersselher Srei^lött
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Nr. 12. Aeilstli- Den 28. Januar 1896.
Zum 27. Januar 1896.
3üngft jubelten wir, daß Alldeutschland geeint, Als Aaiserreick wiedergeboren,
Das Land, dessen Söhne einst Thränen geweint, Weiss Frieden und Freiheit verloren, Und wir preisen Gott, den Herrn Zebaotb, Daß er uns errettet aus Schmach und Noth,
heut grüßen dick, Kaiser, so hoch und so hehr, Wir alle, dir Treue geloben, Die Großen und Kleinen vorn Fels bis zum ZHeer Und flehn zum Allmächtigen droben, Daß er dir bleibe, nach der Väter Bild, Die Glauben gehalten: — der Herr, dein Schild!
Amtliches.
Hersfeld, den 24. Januar 1896.
Die Herren Standesbeamten des Kreises, welche mit Erreichung der Standes-Neben-Register für 1895 sowie der Nachweisungen über die Bewegung der Bevölkerung im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 31. b. Mts. erinnert.
A. Nr. 184. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
■ ‘ Wir theilen Ihnen ergeben!! mit, daß in Queck diesseitigen Kreises die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen ist und wir deshalb Gehöfte- und GemarkungSsperre angeordnet haben.
Lauterbach, den 23. Januar 1896.
Großherzogl. Hessisches Kreisamt.
An Königliches Landrathsamt zu Hersfeld.
* *
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Wird veröffentlicht.
Hersfeld, den 24. Januar 1896.
I. 464. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Caffel, den 20. Januar 1896.
Königliches Landrathsamt beehre ich mich unter Dank
sagung für die bisherigen Bemühungen ergebenst zu benachrichtigen, daß der Zwangszögling Johann Heinrich Wilhelm V a u g l von Spangenberg inzwischen aufgegriffen worden ist, weshalb ich mein Ersuchen vom 4. d. MtS. II. Nr. 64 als erledigt hierdurch zurückziehe.
Der Landes-Direktor.
An Königliches Landrathsamt zu Hersfeld. II. 320.
* * *
Hersfeld, den 23. Januar 1896.
Wird mit Bezug auf meine Verfügung vom 8. d. MtS. I. Nr. 127 (Kreisblatt Nr. 5) den Ortspolizeibehörden und der Gendarmerie zur Kenntnißnahme mitgetheilt.
I. 450. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Der Herr' Minister des Inneren hat durch Erlaß vom 9. d. Mts. dem Comits für den Luxuspferdemarkt in Marienburg die Erlaubniß ertheilt, in Verbindung mit dem diesjährigen Pferdemarkte wiederum eine öffentliche Verloofung von Pferden, Wagen und anderen Gegenständen zu verunstalten und die Loose — 300 000 Stück zu je 1 Mark — im ganzen Bereiche der Monarchie zu vertreiben.
Caffel am 14. Januar 1896.
Der Regierungs-Präsident. J. V.: v. Pawel.
Der Herr Ober-Präsident hat durch Erlaß vom 6. d. Mts. — Nr. 3 — die Genehmigung zu der von dem Pferdemarkt-Comits in Fulda gelegentlich des im August d. 3 daselbst stattfindenden Pferdemarktes beabsichtigten Verloofung von Pferden, Ackergeräthen, landwirthschaft- lichen Maschinen, Fahr- und Stall-Utensilien im Ge- sammtwerthe von mindestens 60°/o des Loosertrags unter der Bedingung ertheilt, daß nicht mehr als 10 000 Loose zu 1 Mark ausgegeben werden und daß deren Vertrieb auf den Umfang der Kreise Fulda, Gersfeld, Schlüchtern, Gelnhausen, Hanau, Hünfeld, Hersfelv, Rotenburg und Eschwege beschränkt bleibt.
Die Polizeibehörden wollen dafür Sorge tragen, daß der Vertrieb der Loose in den genannten Kreisen nicht beanstandet wird.
Caffel am 10. Januar 1896.
Der Regierungs-Präsident.
Wirk!. Geh. Ober-Reg.-Rath. H a u s s o n v i l l e.
Kaisers Geburtstag.
Noch klingt die erhebende Feier des 18. Januar in uns nach, und schon wieder läuten die Festglocken durch die deutschen Lande: Kaisers Geburtstag! Heil unserm Kaiser! Mit diesem Ruf blickt heute das deutsche Volk zu des Reiches Schirmherrn auf, der an diesem Tage sein 37. Lebensjahr vollendet. Wer sich der Segnungen bewußt ist, die Preußen seinem angestammten Königshause, Deutschland seinem Kaiserthum verdankt, der feiert diesen Tag mit frohem Herzen als einen solchen, an dem sich alle guten Kräfte im Volke in Treue und Hingebung eins wissen. Und wahrlich, wir können uns glücklich preisen, daß die deutsche Kaiserkrone auf dem Haupte eines Fürsten ruht, wie Kaiser Wilhelm II. ist, der als echter Hohenzoller die Pflicht seines Berufs mit unermüdlichem, nie rastendem Eifer erfüllt. Manche Ereigniffe des verflossenen Jahres lassen uns das besonders erkennen.
Wie in den ersten Jahren seiner Regierung, so ist Kaiser Wilhelm II. noch immer ein starker Hort des Friedens. Bei der Einweihung des Kaiser Wilhelm- Kanals und auch in der ernsten und erhebenden Stunde bei des Reiches Jubelfeier hat es die Welt aus des Kaisers Munde ah, daß das deutsche Reich, seiner geschichtlichen Mission getreu, eine starke Stütze des Friedens bleiben werde. „Niemandem zu Liebe und niemandem zu Leide im Rathe der Völker seine Stimme zu Gunsten des Friedens zu erheben," das ist die hohe Aufgabe, die Kaiser Wilhelms II. Regierung sich gesteckt hat. Unablässig ist auch in diesem Jahre darnach gehandelt worden; hier wurde die Bundesgenoffenschaft mit Oesterreich-Ungarn und Italien immer fester geknüpft, dort war man bemüht, auch die Gegner des Dreibundes durch unzweideutige Beweise friedfertiger Gesinnung zu versöhnen. Daneben ist Kaiser Wilhelm ernstlich darauf bedacht, das deutsche Volksthum im Auslande zu schützen und das „größere deutsche Reich", das Tausende von unsern Landsleuten in fernen Erdtheilen bilden, das überall besteht, wo deutsche Güter, deutsches Wiffen und deutsche Betriebsamkeit über den Ocean gingen, „fest an unser heimisches zu gliedern."
Aber auch in den innern Fragen, die unsere Zeit bewegen, ist Kaiser Wilhelm in vollem Umfange seiner Verantwortung sich bewußt und der Aufgaben, von deren Lösung die Zukunft unsers Volkes und Vaterlandes
Heimlich vermählt.
Criminalroman von Hella Limpurg.
(Fortsetzung.)
Iwan Waniloff ahnte wohl, was in der Seele des jungen Mädchens, welchem er später den deutschen Namen Elisabeth statt des russischen gegeben hatte, aber er wollte und konnte auch jetzt nichts weiter sagen. Nur einmal, als die Augen Elisabeths so flehend auf ihn gerichtet waren, hauchte er geisterhaft:
„Deine Mutter war fehr, sehr unglücklich, und ist am gebrochenen Herzen gestorben, aber Du sollst glücklich werden, Elisabeth, denn der selige Geist Deiner Mutter hat Dich gesegnet."
Mit liebevoller Fürsorge übernahm Elisabeth die Pflege des Sterbenden, dessen Antlitz sich selig verklärte, als er das schöne Mädchen leise und umsichtig um sich walten sah.
„Gott segne sie und mache sie glücklich," murmelten feine blaffen Lippen, „nun erst kann ich in Frieden sterben!"
Gegen Abend schien die Lebensthätigkeit etwas zu- zunehmen, er winkte Elisabeth zu sich: „Bringe Feder und Papier."
Als sie seinen Wunsch erfüllt, fuhr er eifrig fort: „Nun setze ein Telegramm auf, an Graf Georg von Adlerstein."
Sie fuhr glühend vor Scham in die Höhe.
„Niemals, Onkel," rief sie, doch er nahm beschwichtigend ihre Hand in seine beiden.
„Still, Elisabeth, es ist mein letzter Wille und den mußt Du erfüllen."
Sie nahm gehorsam die Feder und schrieb was Iwan Waniloff diktirte. Die Depesche lautete nur kurz:
„Elisabeth ist hier beim sterbenden Oheim. Er kennt ihre Abkunft. Waniloff."
Als Frau Webster die Depesche fortgetragen hatte, athmete der Sterbende leichter und flüsterte: „Nun ists bald vorbei und ich bin erlöst."
Um Mitternacht ward er unruhig, Elisabeth reichte ihm mit zitternden Händen einen beruhigenden Trank, er sah ihr so eigenthümlich verändert aus. Er wollte noch sprechen, noch mit den Händen etwas zeigen, doch es war zu spät, nach einer kurzen Spanne Zeit trat der Tod ganz sanft ein. Elisabeth kniete still j weinend an seinem Lager, ihr war so feierlich und weich zu Muthe.
Wie gut hatte es das Schicksal mit ihm gemeint, daß es sie heimgeführt, um dem theuern Onkel liebevoll die Augen zuzudrücken.
* *
Am Morgen nach Elisabeths Abreise war Prinz Wladimir mit verweinten Augen am Frühstückstisch erschienen, sodaß der Fürst verwundert frug: „Nun, wo ist Mademoiselle?"
„Sie ist fort," schluchzte das Kind auf, „und sie wird nie wiederkommen, um mich lieb zu haben. Ach, meine arme, liebe Elisabeth."
„Was soll das heißen, Ada?" frug Fürst Orenski streng seine Gemahlin: „Es wird doch kein Unrecht vor
liegen, daß das junge Mädchen plötzlich entlasten ist."
„Ich habe die Person fortgeschickt, entgegnete die Fürstin mit den Achseln zuckend; „sie paßt nicht in mein Haus, sondern eher in eine Restauration."
„Madame," fuhr ihr Gemahl in die Höhe und war so grimmig, daß die hochmüthige Frau erschrack, „was haben Sie gethan! Noch in dieser Stunde werden Sie das Fräulein wieder zurück holen lasten — oder unsere Wege trennen sich auf immer."
„Hah, was soll das heißen?" frug sie spitzig, während dabei ihre Zähne wie im Frost aufeinander schlugen; „sie war eine Coquette, welche Jagd auf Graf Georg Adlerstein machte; seine Mutter kann es mir danken, daß aus dieser Liebelei kein ernstes Verhältniß und keine Mißheirath wurde."
In dem Augenblick trat der Diener ein, um Graf und Gräfin Adlerstein zu melden; die Fürstin sah etwas befangen aus und sagte dann: „Ich bedaure, die Herrschaften nicht empfangen zu können."
„Dann führe Beide in mein Zimmer," gebot der Fürst und schritt, ohne seine Gemahlin zu beachten, an ihr vorbei in sein angrenzendes Gemach. Gleich darauf traten Graf Georg und seine Mutter ein und letztere schritt lebhaft auf Orenski zu und sagte freudig: Ich komme, mein lieber Vetter, um mir aus Ihrem Hause mein liebes Schwiegertöchterchen zu holen."
„<sie kommen zu spät, gnädige Gräfin. Meine ^rau hat sie gestern Abend aus dem Hause gewiesen, werl pe dieselbe als eine Couquette nicht darin dulden wollte.