Einzelbild herunterladen
 

* "'".....-'-^ '^'-'^ "~

Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.

Abonnenientspreis vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg.

exel. Postaufschlag.

Die Jnsertionsgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.

erWer ImisM

Gratisbeilagen:Illustrirtes Sonntagsblatt" u.Illnstrirte landwirthschastliche Beilage".

Nr. 23.

Zumbend Den 22. Februar

1896.

Erstes Blatt.

Bestellungen

auf das Hersfelder Kreisblatt

mit den Gratisbeilagen Jllustrirtes Sonntagsblatt" und Jllustrirte landwirthschaftl. Beilage" für den Monat März werden von allen Kaiser­lichen Postanstalten, Land^riefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtliches.

Der Herr Minister des Inneren hat durch Erlaß vom 10. d. Mts. der Evangelischen Missionsgesellschaft für Deutsch-Ostafrika die Erlaubniß ertheilt, zum Besten der Krankenpflege in Deutsch-Ostofrika eine öffentliche Ausspielung von Kunstgegenständen zu verunstalten und die Loose 15 000 Stück zu je 50 Pfg. im ganzen Bereiche der Monarchie zu vertreiben.

Die Zahl der Gewinne beträgt 1980 im Gesammt- werthe von 5000 Mark. Die Ziehung der Lotterie soll am 15. Oktober d. I. in der Anstalt Bethet »n Biele­feld stattfinden.

Caffel am 25. Januar 1896.

Der RegierungS-Präsident. J. V.: v. Pawel.

Der Herr Minister des Inneren hat durch Erlaß vom 9. d. Mts. dem Vereine zur Förderung der Han- noverschen Landespferdezucht die Erlaubniß ertheilt, auch in diesem Jahre eine öffentliche Verloosung von silbernen Gegenständen zu veranstalten und die Loose 100000 Stück zu je 1 Mark im ganzen Bereiche der Monarchie zu vertreiben.

Caffel am 25. Januar 1896.

Der Regierungs - Präsident. I V: v. Pawel.

Der Beginn des nächsten Kursus zur Ausbildung von Lehrschmiede-Meistern an der Lehrschmiede in Charlotten- bürg ist auf Montag den 4. M a i 1896 festgesetzt.

Anmeldungen nimmt außer dem Generalsekretär des landwirthschaftlichen Provinzial-Vereins für die Mark Brandenburg und die Niederlausitz, Königlicher Landes- Oekonomieratb Dr. Freiherr vonCanstein in Berlin N. W., Werftstraße 9, der Direktor des Instituts, Ober­roßarzt a. D. B r a n d in Charlottenburg, Spreestraße 42, entgegen.

Berlin W. N. 52, Werftstraße 9, am 24. Januar 1896.

Das Haupt-Direktorium.

Im Auftrage: Dr. Freiherr von C a n st e i n.

Nichtamtliches.

Aus dem Reichstag.

Berlin, 19. Februar. Der Reichstag fegte heute die Be­rathung des Etats der Heeresverwaltung fort. Abg. Bebel (fozd.) bringt nochmals Beschwerden über angebliche Vorkommnisse in der Armee vor, worauf der Kriegsminister B r o n s a r t v. Schellen- °orff erwidert, daß er über einzelne der vorgebrachten Fälle keine Auskunft geben könne, da sie zum Reffort der Kommandos gehörten; man könne aber auch nicht verlangen, daß er auf jeden von den Sozialdemokratin angeführten Fall, den diese in den Zeitungen gelesen und hier agitatorisch ausbeuten wollten, Rede und Antwort stehen solle. Wenn die Sozialdemokraten mit Uebertreibungen und objektiv unwahren Behauptungen kämen, so müsse er er dem Hause überlassen, daraus die Schlußfolgerungen zu ziehen. Der Minister geht nunmehr aus eine Anzahl von Bcschwerdcsällen ein und weist deren Haltlosig- nach. Abg. Bebel (sozd.) bleibt bei seiner Darstellung und c btm Kriegsminister Beschönigungen und Verschleierungen der Wahrheit vor. Der Kriegsminister Bronsart v. Schellendorff ^urgegnet, daß er diese Unterstellungen mit aller Entschiedenheit zurück­

weise. Abg. Lieb er (Ctr.) betont, es sei sonst üblich, die Regierung von den Beschwerden vorher in Kenntniß zu setzen; diese sei dann in den Stand gesetzt, bei der öffentlichen Verhandlung über die vorge­brachten Fälle Auskunft geben zu können; freilich entbehre dann der betreffende Abgeordnete des Triumphes, augenblicklich als Sieger ba= zustehen. Er bebaute, daß der Abg. Bebel die sonst übliche Praxis nicht befolge. Die vom Abg. Beb l angeregte Frage der Einstellung von Soldaten in die Arbeiterabtheilung könne nicht fo kurzer Hand, wie Bebel glaube, erledigt werden; er behalte sich vor, darauf im nächsten Jahre in der Budgetkommission zurückzukommen. Abg. L e n z - mann (freif. VolkSp.) meint, daß die auf dem Wege der Disziplin erfolgte Einstellung eines Soldaten in die Arbeiterabtheilung, worüber der Abg. Bebel sich beschwert habe, seiner juristischen Auffassung nach nicht gerechtfertigt fei. Abg. Gröber (Ctr.) macht dem gegenüber geltend, daß die Sache doch nicht so einfach liege; nach Maßgabe der juristischen Litteratur über die einschlägige Materie sei wohl die Dis­ziplinarordnung neben dem Militärstrafreedt als geltend anzusehen, und er ginge doch wohl nicht an, so ohne Weiteres an alten, bewährten Einrichtungen zu rütteln.

Berlin, 20. Februar. Heute setzte der Reichstag die Berathung des Etats der Heeresverwaltung fort. Abg. v. Massow (kons.) führt aus, seine Fraktion sei bet Meinung, daß sich das Extra-Ordi- narium diesmal in bescheidenen Grenzen bewege. Seine Freunde würden daher die meisten Forderungen bewilligen und nur einige ab- lehnen, nicht weil b-efe ungerechtfertigt wären, sondern weil die Finanz­lage und insbesondere die Nothlage der Landwirthschast die größte Sparsamkeit erfordere In Zukunft würden sie aber größere Beschrän­kungen eintreten lassen müssen, wenn ihre Forderungen nicht berück­sichtigt würden. Eine längere Debatte entspinnt sich bei der von der Kommission g-strichenen Forderung von 1650 000 und 118 000 Ma k zur Vermehrung der Reserven -n Be pfleguugsmine!» :üc Preußen und Württemberg. Abg. Lieber (Ctr.) beantragt die Wiederherstellung der Position Abg R ich t e r (frs. Volksp ) wider­spricht dem Antrag«; e« handle sich hier nur um eine Entlastung des Betciebfoiid« drs Reiches, und dazu liege keine Veranlassung vor. Generalmajor v. Gemmingen betont, daß die Militärverwaltung an Interesse an der Bewilligung der Position habe. Staatssekretär Graf PosadowSky sowie die Abgg. v. K a r d o r f s (Reichsp ), Ha m macher (natlib.) und v. Leipziger (kons.) sprechen sich für den Antrag Lieber aus. Die einfache Abstimmung über den Antrag bleibt zweifelhaft; die darauf erfolgte Auszählung ergiebt die Anwesen­heit von nur 147 Adgeo dneten, wovon 92 für, 55 gegen den Antrag stimmten. DaS Haus ist somit nicht beschlußfähig. Der Präsident Frhr. v. B u o l schließt darauf um 23/4 Uhr die Sitzung und be­räumt die nächste Sitzung auf 3 Uhr mit derselben Tagesordnung an. Nach der Eröffnung der neuen Sitzung theilt der Präsident mit, daß er die Abstimmung über den Antrag Lieber einstweilen aussetze. Darauf wird der Rest des Militäretats nach den Anträgen der Kom­mission genehmigt, der Antag Lieber angenommen und die für stra­tegische Eisenbahnen geforderte Summe von 7111510 Mark bewilligt. NamenS der Kommission beantragt der Referent Abg. EnnecceruS (natlib.), die das Dienstaltersstusensystem betreffenden Petitionen, durch die von der Kommission beschlossenen Resolutionen zu erledigen, nach welchen bei Aufstellung deS nächstjährigen Etats auf eine Erhöhung deS Meistgrhalts der Landbriefträger bis 1000 Mark Bedacht zu nehmen sei durch Einst,llung einer weiteren Gehaltsstufe mit dreijähriger Auf- rückungSzeit; die Bestimmungen über die Anrechnung der Militär- dienstzeit sollen bis zu einem Jahre auf die vor dem 1. Januar 1892 angestellten Beamten ausgedehnt werden; in Anbetracht der auf Ein­führung des DienstalterSstvsensystems bei einzelnen Bcamtenklassen ein» getretenen Ungleichheiten sei mit Gehaltserhöhungen für diese Beamten- klaffen vorzugeben, insoweit sie von den allgemeinen Gehaltserhöhungen deS Jahres 1890 ausgeschlossen waren.

Aus dem Abgeordnetenhaus.

Berlin, 19. Februar. In der heutig'» Sitzung nahm das Abgeordnetenhaus den Gesetzentwurf, laut welchem die Landgemeinde Großenhof vom Landkreise Caffel abgezweigt und dem Kreise Wolf- Hagen zugelegt werden soll, in erster und zweiter Lesung an und trat sodann in die Berathung deS Antrages des Abg. Knebel (natlib.) ein, worin AuSnahmctarife für Obstlieferungen aus den Haupter- zeugungSgebieten nach Berlin und Hamburg, sowie nach den Haupt­industriegebieten gefordert werden. Der Antragsteller begründet den Antrag mit der übermäßigen ausländischen Konkurrenz. Geheimer Oberregierungsrath M S l l h a u s e n erklärt, daß solche Tarifer­mäßigungen für Berlin und Hamburg bereite im LandeSeisenbahnrath erwogen würden, eine weitere Ausdehnung derselbe» aber gerade der ausländischen Konkurrenz zu Gute kommen würde. Abg Frhr. von Willi sen (kons.) erklärt sich NamenS seiner Fraktion gegen den Antrag, Abg. v. Tiedemann-Bomst (freikous ) ersucht, ihn der Staat-regierung als Material für den LandeSeisenbahnrath zu Über­werfen, Abg. Knebel (natlib.) will ihn der Budgetkommission über» Wiesen haben. Diese beiden Anträge werden abgelehnt. Eine Petition aue Hannover wegen Aenderung der Städteordnung für Hannover wird vom Abg. Bruel (Ctr.) befürwortet. Der Geh. Reg.-Rath Brandt spricht sich dagegen auS, weil daS Ausbleiben der hannovcr- schcn Städte beweise, daß die gegenwärtige Städteordnung einstweilen noch ausreiche, bis eine einheitliche Städteordnung für die ganze Monarchie geschaffen fei. Der Abg. EckelS (natlib.) spricht sich für eine solche auS. Die Petition wird durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt und alsdann die zweite Berathung des Etats der Bauver- waltung zu Ende geführt.

Politische Nachrichten.

Inland.

Berlin, 20. Februar.

S e. M a j e st ä t der K a i s e r ist gestern Abend 7 Uhr 35 Minuten aus Hubertusstock wohlbehalten hier wieder eingetroffen. Heute Vormittag unternahmen beide Majestäten den gewohnten gemeinsamen Spazier- gang durch den Thiergarten. Nach dem königl. Schlöffe zurückgekehrt, empfing Se. Majestät den Kriegsminister, General der Infanterie Bronsart v. Schellendorff, zum Verträge und arbeitete darauf längere Zeit mit dem Chef des Militairkabinets, Generaladjutanten, General der Infanterie v. Hahnke. Abends um 11 Uhr gedenkt Se. Majestät vom Lehrter Bahnhöfe aus die Reise nach Wilhelmshaven anzutreten, dieselbe morgen früh um 9 Uhr in Oldenburg zu einem Besuche Sr. königl. Hoheit des Großherzogs auf kurze Zeit zu unterbrechen und Mittags um 11 Uhr 50 Min. in Wilhelmshaven zrir Vereidigung der Marinerekruten einzutreffen. Se. Ma­jestät wird, nach den neuesten Bestimmungen, am Sonn­abend Vormittag von Wilhelmshaven wieder abreisen und Abends gegen 7'/ Ubr in Berlin anlangen.

Bei dem heutig . ^iiia es Äraudenburgischen Provinziallandtages erwiderte Se. Majestät der Kaiser auf des Oberpräsidenten Dr. Achenbach Rede mit einem Dank für die Loyalitätsverficherungen. Se. Majestät warf sodann einen Rückblick auf die Ereignisse, welche zur Gründung des Reiches führten, wobei er besonders des Antheils der Brandenburger und der Märker ge­dachte. Weiterhin gab der Kaiser dem Gefühl Ausdruck, welches ihn beherrschte, als die JachtHohenzollern" bei der Eröffnung des Nord-Ostseekanals die Schnur durch­schnitt, welche die Ostsee und die Nordsee trennte, und sagte:Gleichwie die Fluthen zusammenschlugen, so wurden 1870 die Völker des Nordens und des Südens unlöslich für alle Zeit vereinigt." Des Antheils der Frauen auf den Schlachtfeldern gedenkend, hob der Kaiser die beneidenswerthe Aufgabe derselben: Erziehung der Jugend und Einpflanzung der Vaterlandsliebe, hervor. Zum Schluß sprach er die Hoffnung aus, daß seine Märker, die Brandenburger, gleichviel ob General, Land­rath oder Bauer, ihrem Markgrafen folgen und insbe­sondere niemals gestatten würden, daß das heilige An­denken an Wilhelm den Großen in den Koth gezerrt werde. Se. Majestät schloß mit einem Hoch auf die Provinz Brandenburg.

Die Reichstags? ommissiou für das Bürgerliche Gesetzbuch hat den § 101 des 3. AbschnittesRechtsgeschäfte 1. Theil Geschäftsfähigkeit" angenommen. Der Paragraph lautet:Die Willens­erklärung eines Geschäftsunfähigen ist nichtig. Nichtig ist auch eine Willenserklärung, die im Zustande der Be­wußtlosigkeit oder einer vorübergehenden Störung der Geistesthätigkeit abgegeben worden ist." Ferner nahm die Kommission die §§ 109122 in der Fassung der Vorlage an, nachdem die beantragten Abänderungen ab­gelehnt worden waren.

In der B ö r s e n k o m m i s s i o n des Reichs­tages hat der Centruinsabgeordnete Schwarz am Mitt­woch erklärt, er werde für jede Beschränkung des Termin­handels stimmen und er beantrage zu dem § 46 einen Zusatz, wonach der Börsenterminhandel in Getreide und Getreidefabrikaten untersagt sein soll. Vom Regierungs­tische wurde dieser Antrag bekämpft, da er eine Schädigung der Landwirthschaft bedeute. Die Abstimmung wurde bis zur nächsten Sitzung ausgesetzt.

DerKarlsruher Ztg." zufolge leidet der Groß- Herzog von Baden an einer einseitigen neural­gischen Affektion des Kopfes, befindet sich jedoch bereits auf dem Wege der Besserung.

F ü r st B i s m a r ck wird am 22. Februar eine Deputation Hallischer Bürger zur Entgegennahme einer Adresse empfangen.

Professor L e n b a ch weilt seit Kurzem in Frie- drichsruh, um im Aufträge des Kaisers ein lebensgroßes