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Melüer MHitt

Gratisbeilagen:Illnstrirtes Konntagrblatt^^ u. ,,)llnstrirte lanbwirthsehaftliche Veilage^^.

Nr. 24.Iiensini Sey 25. Februar 1896.

Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt

mit den Gratisbeilagen Jllnstrirtes Tonntagsblatt" und Jllustrirte landwirthschaftl. Beilage" für den Monat März werden von allen Kaiser« lieben ßoftanftalten, kandbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtliches.

Hersfeld, den 20. Februar 1896.

Interessenten des Kreises mache ich hierdurch darauf aufmerksam, daß im Verlage von Trowitzsch und Sohn in Berlin ein Werk von Wilhelm BubeDie ländliche Volksbibliothek", ein kritischer Wegweiser und Muster- katalog nebst Grundstöcken und Winken zur Einrichtung und Leitung solcher Bibliotheken erschienen ist.

I. 909. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierunps-Rath.

Hersfeld, den 17. Februar 1896.

Der Bürgermeister Heinrich L i n g e m a n n aus Philippsthal ist heute für einen weiteren 8jährigen Zeitraum als Bürgermeister der Gemeinde Philippsthal eidlich verpflichtet worden.

J. A. Nr. 350. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Negierungs-Rath.

Nichtamtliches.

Die Rede des Baisers bei dem Festmahl des brandenburgischen Provinzialland- tages lehnt sich nach Form und Inhalt an die be- merkenswerthen Worte an, die der hohe Herr wieder­holt aus gleichem Anlaß an die Vertreter der Mark

Der Bettler von Englmar.

Lebensbild aus dem Bayerischen Walde.

4'0 tt Maximilian Schmidt.

(Fortsetzung)

Das geschah aber von nun an öfter und öfter und zuletzt alle Tage, denn mit Berchthold war seit dem Traum im Walde eine große Veränderung vorgegangen. Er war finster und in sich gekehrt, wie er früher heiter und zutraulich gewesen, es war ihm am liebsten, allein zu sein, um seinen Gedanken nachhängen zu können. So oft es nur anging, schlich er sich in den Wald an die Stelle, wo er damals gelegen hatte. Dann zog er den Ring vom Finger, küßte ihn und sprach mit ihm, als wenn der Ring etwas davon verstünde, und sehnte sich, die schöne Krystallkönigin wiederzusehen. Er klopfte an den Felsen, rief sie mit allen erfinnlichen Schmeichel- worten, und wenn alles nicht half, legte er sich nieder, um einzuschlafen, weil er dann hoffte, von ihr zu träumen. Aber auch das war ihm versagt, und so härmte und grämte er sich ab und verkam sichtlich, so daß es allen ausfiel und ihn mancher beredete. Er war aber verschwiegen und verrieth nichts von dem, was in ihm vorging und mit ihm vorgegangen war. Am meisten schnitt sein Betragen der schönen Wolffindis ins Herz, denn sie hatte ihn als ihren Bräutigam sehr lieb und weinte oft bittere Thränen, wenn sie zu Berchtholds Vater nach Bernstorf herüber kam. Das that sie nun oft, und beide trösteten dann einander in ihrer Ver- iaffenheit, so gut es ging.

gerichtet hat. Der Sohn des märkischen Fürstenhauses, welches seit fast fünf Jahrhunderten untrennbar mit dem Boden der Mark Brandenburg verwachsen ist, spricht zu seinen Märkern, und wenn da das Herz des Monarchen besonders lebhaft empfindet und feine Worte mit inniger Wärme der Verdienste gedenken, welche das märkische Volk sich auf blutigen Gefilden um das Hohen- zollernhaus und den ganzen preußischen Staat erworben hat, so ist dies die natürliche Wirkung der historisch .gegebenen Thatsachen und des tiefen Gemüthslebens unseres kaiserlichen Herrn.

Zwei Momente führt Kaiser Wilhelm herauf vor unser geistiges Auge, Momente von'gewaltiger Symbolik, Zeug- niffe aber zugleich für das tiefe Empfinden, mit dem der Monarch auch in dem Spiel.des Zufalls die Absichtlich- keit einer Vorsehung erkennt. Er führt uns hinaus auf die blutgetränkten Schlachtfelder von Metz, und er eröffnet uns einen Blick in die Empfindungen, die ihn, den Enkel, den Erben der Vergangenheit beseelten beim Weilen auf dieser erinnerung^eichen Stätte.Bewegten Herzens und feuchten Auges" hat er auf die Gefilde geschaut, und er hat sich gelobt, daß für die Helden jener Schlachtennichts zu hoch und nichts zu viel sei," um sich bei ihnen zu bedanken. Und wieder führt uns der Monarch hinüber in oie ^uye, da der Kaiser WU- helmS-Kanal eröffnet wurde, um uns in treffender Alle­gorie zu zeigen, wie auch vor dem deutschen Volke einst düstere Wolken sich ballten, wie Blitze zuckten und Donner grollten, und wie dennoch zuletzt das hemmende Tau zerrissen wurde, wie die ersten Strahlen der Sonne das Gewölk zertheilten. Gottvertrauen das ist es, was der Enkel an seinem Ahnen, an dem ersten Kaiser des neuen Reiches preist, das ihm als die Grundlage aller seiner Erfolge erscheint. Darum gilt ihm die Erinne­rungszeit, die wir jetzt durchlebten, vor allem als eine Verherrlichung dieser uns geradezu heilig gewordenen Persönlichkeit," darum hält er es für seine höchste Pflicht, das geheiligte Andenken an diesen hohen Herrn rein und hehr zu vertheidigen gegen jedermann, er möge kommen, von wo er auch will," darum greift er zurück auf den Trinkspruch des Sedantages.

Der alte märkische Geist lebt heute aber auch in allen preußischen Provinzen, ja er durchdringt alle deut­schen Stämme. Das Goltvertrauen, dem unser Kaiser in seinen Worten gleichzeitig einen so erhebenden Aus­druck giebt, hat auch in der deutschen Nation unausrott-

Eines Tages ging nun Berchthold wieder an seinen Lieblingsplatz im Walde und versuchte wieder alle Mittel, von denen er hoffte, daß sie die Krystallkönigin herbei­führen könnten. Wie alles vergeblich war, wurde er ungeduldig und stieß im Unmuth den Ring an der Hand fest an den Felsen, indem er rief:Zerbrich, du schlechter Reif, wenn du sonst nichts kannst, als mich an das er­innern, was ich doch verloren habe und nie wieder be­sitzen soll!"

Kaum hatte er aber den Stoß geführt, als sich der Felsen mit lautem Gekrachs öffnete und die ersehnte Ge­stalt in aller Schönheit und allem Glanz, wie das erste Mal, vor ihm stand. Er war ganz außer sich vor Ent- zücken, und auch die Königin empfing ihn freundlich und mit Freude:Wie lange hast du mich auf dich warten lassen," sagte sie mit holdseligem Lächeln.Nach dem Gesetz, das über uns Geister herrscht, durfte ich dich nicht eher wiedersehen und dir auch keinen Wink geben, wenn ich dich nicht auf immer verlieren wollte. Darum mußte ich schweigen und warten, bis du selbst dahin kommen werdest, daß der Ring die Kraft hat, mich dir zu rufen!" Sie setzten sich nun unter den Felsen inS grüne Gras und kosten und plauderten viel mit einander, und Berchthold dachte nicht entfernt mehr an die arme Wolffindis.

Endlich sagte die Königin:Meine Zeit ist um, ich muß nun wieder in mein Reich zurück und muß dich verlassen!"

Berchthold aber wollte sie nicht von sich lasten und bat sie, zu bleiben.Ich kann nicht mehr leben ohne

bare Wurzeln. Des Kaisers Zuversicht ist der Volkes Zuversicht. Und wenn uns eine Welt von Feinden er­wächst, das deutsche Volk steht in unwandelbarem Vertrauen auf Gottes starke Hand heute so fest zu seinem Kaiser, wie stets das märkische zu seinem Fürstenhause.

Aus dem Reichstag.

Berlin, 21. Februar. Der Reichstag setzte heute die zweite Lesung des Etats fort und ertheilte den in der vorigen Sitzung vom Abg. EnnecceruS «natlib.) befürworteten Resolutionen der Budget­kommission bezüglich dcS DienftalterSstufensystemS seine Zustimmung. Bei dem Etat der ReichSeisenbahnrn fragt der Abg. Graf Kanitz (kons.), warum die preußische Verwaltung nicht ebenso günstige Koblen- abschlüsse gemacht habe, wie die Reichsverwaltung. Der preußische Eisenbahnminister Thielen erwidert, daß die Reichsverwaltung die Kohlen aus dem Saarrevier beziehe. Die preußische Verwaltung da­gegen habe einen Vertrag mit dem Ruhrkohlensyndikat abgeschlossen, der am 1. Juli d. J. ablaufe. U.ber die Erneuerung der Verträge könne er sich noch nicht äußern. Abg. Singen* (Ctr.) wünscht eine Statistik über die Wirkungen der Sonntagsruhe unter den Eisen­bahnbeamten. Minister T h i e l e n bemerkt, daß die Sonntagsruhe in sanitärer und moralischer Hinsicht wohlthätig wirke. Eine Statistik darüber aufzunehmen, halte er nicht für zweckmäßig; sie würde auch den Beamten sehr unangenehm sein. Abg. Graf Kanitz skons.) empfi Hit, dem Ruhrkohlensyndikat künftig nicht mehr den bisherigen Preis für Kohlen zu bewilligen. Abg. Hammacher (natlib ) er- klärt die Differenz zwischen den Preisen de» Saarrevier» und denjenigen des RuhrrevierS durch die verschiedenartige Qualität der Kohlen. Abg. Graf Kanitz (konf.) wide.. fk' * dieser Ansicht. Bei dem Etat de« Reichsinvalidenfond« stellt der Abg. Graf Oriolo (.mtlib.) dir An­frage, war aus den Petitionen geworden fei, die in der vorigen Session dem Reichskanzler zur Berücksichtigung überwiesen worden seien. Er würde, um den gerechten Ansprüchen der Invaliden zu entsprechen, selbst vor einer Wehrsteuer nicht zurückschrecken. Abg. v. Schön ing (fonf.) bezeichnet e« als eine Ehrenpflicht, den Invaliden gerecht yi werden. Abg. Rickert (frf. Ver.) schließt sich diesem Wunsche an. Generallieutenant v. Spitz betont, daß die Militärverwaltung im warmen Mitgefühl für die Invaliden von Niemandem im Hause überhoffen werden könne, aber sie sei nur ein Glied im Staat-wesen und müsse ihre Wünsche dem anpassen, wa« die verbündeten Regie­rungen für möglich hielten, und die Frage sei in der That von un- berrchenbarer finanzieller Bedeutung. UnterstaatSsekretär Aschen- b o r n bestätigt, daß wegen der großen finanziellen Schwierigkeiten nicht alle Wünsche in dieser Hinsicht befriedigt werden können.

Aus dem Abgeordnetenhaus.

Berlin, 21. Februar. In der heutigen Sitzung setzte ba8 Abgeordnetenhaus die zweite Berathung des Etats bei den dauernden Ausgaben der Handels- und Gewerbeverwaltung fort. Ant eine An­regung de« Abg Bachmann (natlib) erwidert Minister Frhr. von B e r l e p s ch , daß er gern bereit fei, zu Vorsitzenden der SchiedSge, richte zur Durchführung der Unfall-, Invalidität«- und Altersver­sicherung richterliche Beamte zu ernennen. Freilich dürften die Vcr- waltungSbeamten nicht Übergängen werden. Abg. v. Schlucken.

dich!" rief er voll glühender Leidenschaft.Giebt es denn kein Mittel, das mich auf immer mit dir vereinigen kann?"

Die Krystallkönigin lächelte noch viel schöner als zu­vor und antwortete:Wohl giebt es ein Mittel, aber es ist schwer und gefahrvoll. Du mußt aufhören, ein Mensch zu sein und mußt einer der Unsern werden!"

Wie kann ich das?" rief der verblendete Berchthold hastig, obwohl es ihm bei diesen Worten unwillkürlich wie ein kalter Schauer über den Rücken rieselte.

Das will ich dir sagen," flüsterte die Königin; komm morgen wieder hierher. Sobald dann der Schatten jener Eiche auf diesen moosbewachsenen Stein fällt, zünde ein Feuer an und hebe den Stein empor. Du wirst unter ihm eine grüne Eidechse sitzen sehen, die nimm und stelle dich vor das Feuer; dann rufe dreimal mit lauter Stimme gegen den Felsen hin:

Königin im krystallnen Stein,

Mach' mich los vom Fleisch und Bein, Deinesgleichen will ich sein!

Das dritte Mal wirf die Eidechse in die Flamme, und in derselben Minute öffnet sich der Berg, ich nahe dir an der Spitze aller meiner Getreuen und führe dich als Gemahl in mein Reich, um immer mit dir zu leben!"

Und wie werde ich verwandelt sein?" fragte Berchthold, in welchem Sorge und Begier miteinander kämpsten.

Du wirst Wasser für Blut in deinen Adern haben," sprach die Königin,und du wirst dich nicht mehr um das grämen, um was die Menschen Herzeleid haben,