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Illustrirtes Sonntagsblatt^^ u. „Illnstrirte landwirthsehaftliche Beilage
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Amtliches.
Hersfeld, den 21. Februar 1896.
Der Ackermann Heinrich D e i s e n r o t h II. von Hilmes ist als Bürgermeister für die dasige Gemeinde heute eidlich verpflichtet worden.
J. A. Nr. 386. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Hersfeld, den 20. Februar 1896.
Der Bürgermeister Peter S ch a u b aus Herfa ist als Ortsschätzer für die dasige Gemeinde heute eidlich verpflichtet worden.
I. I. Nr. 929. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Negierungs-Rath.
Casiel, den 13. Februar 1896.
An der Landwirthschaftsschule zu Weilburg soll auch in diesem Jahre ein Fortbildungskursus für Elementarlehrer abgehalten werden und ist hierfür die Zeit vom 13. August bis 16. September in Aussicht genommen.
Die in dem Kursus zu behandelnden Gegenstände sind folgende:
Chemie II. Theil;
Botanik (Anatomie und Physiologie der Pflanzen);
Thierproduktionslehre;
Unterrichtswesen.
Den Theilnehmern wird ein staatlicher Zuschuß in Aussicht gestellt, sofern die Gemeinde bezw. der Lehrer
selbst einen Beitrag von ca. 35 Mk. zu leisten bereit ist. Der staatliche Zuschuß beträgt für die Lehrer aus dem Regierungs-Bezirk Casiel 80 Mk. Denjenigen Gemeinden, welche einen Beitrag leisten, wird anheimgegeben, sich durch einen von dem Lehrer auszustellenden Revers dahin zu sichern, daß derselbe die erhaltene Summe zurückzu- zahlen hat, wenn er innerhalb Jahresfrist nach stattge- habtem Kursus die Gemeinde verläßt.
Die Lehrer, welche an dem in Rede stehenden Kursus theilnehmen wollen, fordern wir auf, ihre Gesuche bis spätestens 10. M a i d. I. durch Vermittelung des Königlichen Landraths bezw. der Stadtschuldeputation an uns einzureichen.
Königliche Regierung, Abtheilung für Kirchen- und Schulsachen.
gez. F l i e d n e r.
Zum Abdruck in der nächsten Nr. des Amtsblatts.
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Abschriftlich mit dem Ersuchen, in geeigneter Weise die Lehrer zu möglichst zahlreicher Betheiligung an dem Kursus anzuregen. Die Anmeldungen sind bis längstens zum 20. Mai d. J. anher einzureichen; falls Anmeldungen nicht erfolgen sollten, ist Fehlanzeige zu Erstatten.
Königliche Regierung, Abtheilung für Kirchen- und Schulsachen.
F l i e d n e r. An die Herrn Landräthe und Stadtschul-Deputationen des Regierungs-Bezirks. B. 1553.
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Hersfeld, den 25. Februar 1896.
Wird den Königlich en Herren Lokalschulinspektoren des hiesigen Kreises ergebenst mitgetheilt, mit dem Ersuchen, den Inhalt der vorstehenden Regierungsver- fügung den Herren Lehrern zur Kenntnißnahme mitzu- theilen und etwaige Anmeldungen mir bis z u m 20. April d. I. zukommen lassen zu wollen.
I. 953. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Gefunden: eine Pferdedecke. — Meldung des Eigen- thümers bei dem Ortsvorstand zu Frielingen.
5um 27. Februar.
An diesem Tage sieht unser theures Kaiserpaar auf fünfzehn Jahre glücklichen, reich gesegneten Ehestandes zurück. Als der Diener Gottes an jenem 27. Februar 1881 die Hände des jungen erlauchten Brautpaares in der Kapelle des alten Hohenzollernschlosies zu Berlin unter dem Donner der Kanonen in einander legte, sagte er: „Ihr hochgebautes Haus soll werden: ein deutsches Haus, schlicht, ernst, treu, wahr und rein, eine Stätte guter deutscher Zucht und Sitte und dabei ein fürstliches, ein christliches Haus!"
Das Wort ist an diesem 1888 dann zum höchsten, zum Kaiserhause erhöhten Hause herrlich in Erfüllung gegangen. Und Gott hat es auch geschmückt mit den schönsten Blüthen, die an einem Hause zu finden find, mit fröhlichem Kindersegen, der nun in Siebenzahl der hohen Eltern Herz erfreut. Von jenem Augenblicke an, wo Prinz Wilhelm nach der Geburt des nunmehrigen einstigen Thronerben und Kronprinzen im Marmorpalais seinem draußen harrenden Vater vor Freude bebend zu- rief: „Papa, es ist ein Junge!" und wo dann der alte greife Kaiser jubelnd ausbrach: „Hurra, vier Kaiser!", ist ein Reislein nach dem andern dem theuern, hohen Hause entsprossen, lauter „Jungens" und dann nun zuletzt auch ein zartes Mägdlein, das ebenso wie jene der Eltern Freude und Wonne ist.
Gott der Herr aber wolle unserm vielgeliebten Kaiser gnädig erhalten seine hohe Gemahlin, die wie ein lächelnder Sonnenstrahl in seinen mannhaften Ernst hineinleuchtet und seine blühende Kinderschaar; er gebe fort und fort dem Kaiser die Einkehr in des Hauses trauten Frieden und im Kreise der Seinen den frischen Trost und die Kraftquelle täglich neu erfahrener Liebe. Er sei auch besonders mit den beiden ältesten Prinzensöhnen, wenn sie nun bald hinausziehen aus dem lieben Elternhause zu weiterer Fortbildung; mögen sie fröhlich gedeihen und erstarken in dem meerumschlungenen Lande, in der frischen See- und Waldluft, in der eigentlichen Heimath ihrer Mutter. Wie haben oft des alten Helden- kaisers Augen vor Freuden so hell geleuchtet über dem kräftigen Erblühen des Hauses seines Enkels, wenn die lieblichen Urenkel so gern zu ihm kamen und seine Kniee umspielten. Wohl mag auch an des Kaiserpaares Hochzeitstage vor feinem Geist und Blick des edeln Greises hohe Gestalt von neuem auftauchen, aber plötzlich wan-
Der Bettler von Englmar.
Lebensbild aus dem Bayerischen Walde.
Bon Maximilian Schmidt.
(Fortsetzung.)
Mit drohenden Schimpfworten entfernte sich Simmet, wogegen die in der Stube Zurückgebliebenen laut lachten und sich über die Simmet zu theil gewordene Lektion freuten.
Sidonie allein blieb mißgestimmt und weinte. Des Vetters Rede schmerzte sie.
„Was kann i dafür," sagte sie zu der alten Frau, „daß mi unser Herrgott so g'straft und mei' G'sicht so verunstalt' hat!"
„Mei', dumms Hascherl!" erwiderte die Alte; „warum denn nöd gar a Straf? In etli Jahrln bist so schön, wie bei’ Muatta seli g'wesen is. Und i moan schier, der Simmet wird der Erst' sei', der dir dös sagt!"
Das Mädchen verstand die Alte nicht, wohl aber die anwesenden Spinnerinnen, die sich vielsagend zu- nickten. Und noch jemand glaubte die alte Großmutter zu verstehen: Englmar.
„Ja, ja," dachte er bei sich, „er is a Bauernsuhn und darf amal um d'Sidonie freien, wenn's'n halt mag. Wenn i nur müßt', wie i recht reich weret? Nacha wäßt' i aa, was i thaat?"
Und er sagte zur Großmutter: „Ahnl, erzähl uns no' ebbs — giebt's im Pfahl koan Schatz z'hebn?"
„Mei' ja," erwiderte die Alte, „da woaß ma' gar viel zum Erzähln. Vergrabne Schätz giebt's gnua in
unserer Gegend, aber's Finden is halt d'Hauptsach. ! Freili giebt's a Mittel, aber für an' Christenmenschen ' is dös nixi!"
„Wohl a Wünschelruaten?" sondierte Englmar.
„Echo' no' ebbs," entgegnete die Alte. „Hört's zua!"
Und sie erzählte die Sage vom nahen Mosienstein.
Zuhöchst oben auf der Kante des nahen Distelberges liegt von vielhundertjährigen Bäumen umgeben und in dichtem Gestrüpp versteckt eine große, flache Felsenplatte. Gestrüpp und Bäume lassen den Blick dessen,H der die Platte erklommen hat, kaum zwölf Schritte weit dringen. Das aber ist nicht immer so, denn wenn man sich dort einfindet, während der Pfarrer von Viechtach bei der Frohnleichnamsprozession das erste Evangelium singt, da sieht man mit einem Male auf den Marktplatz und in die Gassen von Viechtach hinunter, das doch über eine Stunde von Goffenstein entfernt ist und so tief liegt, daß man es gar nicht sehen kann, wenn alles mit i rechten Dingen zugeht.
Wer dann den Muth hat, dem ist in dieser Stunde i die Macht gegeben, den bösen Feind zu rufen und ihn zu zwingen, daß er ihm einen Platz zeige, wo ein Schatz vergraben liegt von Gold- und Silberstücken aus alter Zeit. Aber Muth allein reicht nicht aus. Der, welcher auf diese Weise mit des Teufels Hilfe den Schatz heben will, darf an diesem Tage noch von keiner Christenseele angesprochen worden sein oder eine solche angesprochen haben. Das hat in alten Tagen eine unfromme Bäuerin, die auf dem Sedlhofe saß, wiederholt erfahren müssen, denn so oft sie sich am Prang- (Frohnleichnams-) Tag
nach dem Gosienstein aus den Weg gemacht, da ist ihr immer bald ein Kind, bald ein alter Bettler mitten im unwegsamen Wald begegnet und hat ihr den Gruß geboten : „Gelobt sei Jesus Christus!" und mit dem Schatzheben war'S für dieses Jahr vorbei. Wer ihr aber den Gruß geboten, das soll ihr Schutzengel gewesen sein, der ihre Seele vor dem Verderben bewahrt.*)
„Und silta der Sedlhoferin Hal's no' koa' Mensch probiert?" fragte Englmar. „Wie oft bin i schon auf'n Gossenstoa' g'stiegn, aber halt nöd am Prangtag!"
Er schwieg. Aber blitzartig war ein Gedanke durch sein Gehirn gezuckt. Mit großen Augen starrte er vor sich hin.
Niemand achtete seiner, als die neben ihm sitzende Sidonie. Sie fragte ihn nach einer Weile: „Englmari, an was denkst denn?"
Dieser schreckte auf und antwortete erröthend: „An nix — an gar nixi!"
Aber das Mädchen sah ihn wie flehend an und sagte: „Gel, am naachstn Prangtag genga ma auf Englmar auffi zum Englmarisuacha?"
„Zum Englmarisuacha?" Ja — ja — i wollt, die Zeit waar scho' da," entgegnete er zerstreut.
„Sie kimmt, sie kimmt!" rief die Alte, welche die Zwiesprache der jungen Leute gehört hatte. „Mei' lrawe Zeit, i möcht's festhalten und Oes wünscht's es
_ *> 8r i nach C. A. RrgnN« im Morgenblatte der Bayerischen Z^rtung 1863 mitgetheilten VolkSsagen auS dem Bayerischen Walde.