Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
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Gratisbeilagen: „Illustrirtes Sonntagsblatt" u. „Illnstrirte landwirthsehaftliche Veilage^^.
Nr. 28.ImeM Seil 5. März 1888.
Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt
mit den Gratisbeilagen „Jllustrirtes Sonntagsblatt" und „Jllustrirte landwirthschaftl. Beilage" für den Monat März werden von allen Kaiser« lieben Dostanstalten, tandbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Hersfeld, den 2. März 1896.
Die Herren Ortsvorstände des Kreises erhalten in den nächsten Tagen je zwei Druckblätter, enthaltend die Novelle zum Kommunal-Abgaben-Gesetz vom 30. Juli 1895.
Die in der seiner Zeit mitgetheilten amtlichen Ausgabe des Kommunalabgaben-Gesetzes durch die Novelle abfällig gewordenen Seiten find auszuschneiden und an dem stehenbleibenden Falzrand, nachdem sie auseinander genommen, die beiden gummirten Druckblätter anzukleben.
I. A. Nr. 498. Der Königliche Landrath.
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Hersfeld, den 2. März 1896.
Die mit einem Lompetenzmäßigen Einkommen von 853,20 Mark neben freier Wohnung und 90 Mark FeuerungSvergütung verbundene Schulstelle zu Hillarts- hausen wird infolge Versetzung des bisherigen Inhabers vom 1. April d. Js. ab vakant. Bewerber um dieselbe wollen ihre mit den erforderlichen Sitten- und Be- sähigungs-Zeugniffen versehene MeldungSgesuche innerhalb 2 Wochen bei dem Königlichen Lokalschulinspektor Ferrit Pfarrer Heil in Hilmes oder dem Unterzeichneten einreichen.
Der Königliche Schulvorstand von Hillartshausen.
Freiherr von Schleinitz,
I. 1067. Landrath, Geheimer Negierungs-Rath.
Der Bettler von Englmar.
Lebensbild aus dem Bayerischen Walde.
Bon Maximilian Schmidt.
(Fortsetzung.)
Der Bayerweg ist von hohem historischem Interesse. Zunächst desselben standen einst die stolzen Burgen der Degenberger, Kolmperger und Nußberger, die Häupter des Böckler- und Löwlerbundes, jener Unzufriedenen, welche sich gegen ihren Herzog Albrecht IV., erhoben hatten, und denen sich sogar des Herzogs eigener Bruder, der unruhige Christoph, angeschlossen hatte. Albrecht aber brach die stolzen Burgen der Löwenritter und demüthigte die aufrührerischen Vasallen. Nur mehr als sagen- und epheuumrankte Ruinen ragen die alten Festen aus den dunklen Nadelwaldungen hervor, und unbehelligt ist heute der einst von den „ritterlichen Wegelagerern" so bedroht gewesene Verkehr über das Gebirge zum und vom Viechtenreiche. Frei von den ihn schwer bedrückenden Lasten Atzt jetzt der Bauer auf seiner Hübe und darf sich in Frieden der Früchte seines Fleißes erfreuen. Nimmer zerstampfen die Rosse der übermüthigen ritterlichen Dienstmannen seine Fluren, er selbst ist der Herr, und der Name „Bauer" gilt heute als ein Ehrentitel.
Das merkte man, als der Pfahler mit seinem stolzen Gespann bergan fuhr. Alle Hüte der Wanderer wurden vor ihm gezogen, und allerseits ward ihm ein „Guatn Morgen, Bauer!" zugerufen.
Es war ein goldener Maientag; die ganze Natur schien sich in ein Festgewand gehüllt zu haben. Da grünte und blühte es zu beiden Seiten des Weges, dazu
Ausxug aus den Bestimmungen für diejenigen jungen Leute, welche in die Unteroffizier- Schulen- bezw. Vorschulen einzutreten wünschen.
1) Die Unteroffizierschulen haben die Bestimmungen, junge Leute, welche sich dem Militair- stande widmen wollen, zu Unteroffizieren heranzubilden.
Der Aufenthalt in der Unteroffizierschule dauert in der Regel drei, bei besonderer Brauchbarkeit zwei Jahre, in welcher Zeit die jungen Leute gründliche militärische Ausbildung und solchen Unterricht erhalten, welcher sie befähigt, bei sonstiger Tüchtigkeit auch die bevorzugteren Stellen des Unteroffizierstandes (Feldwebel rc.), des Militär-Verwaltungsdienstes (Zahlmeister rc.) und des Civilstandes zu erlangen.
Der in die Unteroffizierschule Einzustellende muß mindestens 17 Jahre alt sein, darf aber das 20. Jahr noch nicht vollendet haben.
Der Einzustellende soll mindestens 154 cm groß, vollkommen gesund, frei von körperlichen Gebrechen sowie wahrnehmbaren Anlagen zu chronischen Krankheiten sein und die Brauchbarkeit für den Friedensdienst der Infanterie besitzen.
Wer in eine Unteroffizierschule ausgenommen zu wer, den wünscht, hat sich bei dem Bezirkskommandeur seines Aufenthaltsortes oder bei einem der Kommandeure der Unteroffizierschulen in Potsdam, Jülich, Biebrich, Weißenfels, Ettlingen und Marienwerder unter Vorzeigung eines von dem Civil-Vorsitzenden der Ersatz-Kommission seines Aushebungsbezirks ausgestellten Meldescheines und einer amtlichen Bescheinigung über die bisherige Beschäftigungsweise, über früher überstandene Krankheiten und etwaige erbliche Belastung, persönlich zu melden.
Die Einstellung von Freiwilligen in die Unteroffizierschulen findet alljährlich zweimal statt und zwar bei den Unteroffizierschulen in Biebrich und Marienwerder im Monat Oktober, bei der Unteroffizierschule in Ettlingen im Monat April.
2) Die Unteroffiziervorschulen haben die Bestimmung, geeignete junge Leute von ausgesprochener Neigung für den Unteroffizierstand in der Zeit zwischen dem Verlassen der Schule nach beendeter Schulpflicht und dem Eintritt in das militärpflichtige Alter derart fortzubilden, daß sie für ihren künftigen Beruf tüchtig werden.
Bei militärischer Erziehung sollen sie dort Gelegen
ein Zirpen und Summen, ein Hasten und Fliegen. Bald führte der Weg wieder durch einen Wald voll herrlichster Eichen und Buchen, ein hundertfältiger Gesang der gefiederten Sänger erfreute den Wanderer, dazwischen ertönten von fern her und in der Nähe Glockentöne und Böllersalven, namentlich summte die große Glocke der Viechtacher Pfarrkirche vernehmlich herüber. In mehreren Orten der Umgebung hatte der „Umgang" schon frühzeitig begonnen, so auch in dem etwas seitwärts des Bayermeges hochgelegenen Kollenburg, dessen Schloß- ruine mit Thurm weithin sichtbar ist. Die Prozession bewegte sich soeben auf einem mit Feldblumen bestreuten und zu beiden Seiten mit Birkenbäumchen gezierten Wege bis zum Bayerweg heraus. Der Pfahlbauer hatte anhalten lassen und war mit Sidonie ausgestiegen. Auch Englmar und sein Vater waren noch zur rechten Zeit angekommen, um der Prozession beiwohnen zu können. Der ganze, mit bunten Fahnen und geschmückten Figuren versehene Zug, an welchem die gesammte Schuljugend, Kränze aus lebenden Blumen mit rothen, flatternden Bändern auf dem Haupte, sich betheiligle, machte bei all seiner Einfachheit einen erhebenden Eindruck auf die Beschauer. Nach erhaltenem Segen und nachdem sich der Zug wieder entfernt, ward auch Fahrt und Marsch der Englmarer Wallfahrer wieder ausgenommen.
„Da heroben is'S wunderschön!" sagte Sidonie, sich nach" allen Seiten umblickend. „Schaug nur, wie pächtig unser Aitnachthal unten liegt!"
Der Anblick war in der That entzückend. Unten das grüne Thal mit den hell glitzernden Wassern, ringsherum die Buchen- und Nadelwälder, die blauen Berge nah
heit finden, ihre Schulkenntnisse soweit zu ergänzen, wie dies nicht nur im Hinblick auf den militärischen Beruf, sondern auch für ihre spätere Verwendbarkeit im Mili- tär-Verwaltungs- bezw. Civildienst wünschenswerth ist.
Daneben wird der körperlichen Entwickelung und Ausbildung unter vorzugsweiser Berücksichtigung der Anforderungen des Militärdienstes, besondere Aufmerksamkeit zugewendet.
Wer in eine Unteroffiziervorschule ausgenommen zu werden wünscht, hat sich, nachdem er mindestens 14*/^ Jahre und nicht über 16 Jahre alt geworden ist, begleitet von seinem Vater oder Vormund; persönlich bei dem für seinen Aufenthaltsort zuständigen Bezirkskommando oder bei dem Kommando einer Unteroffizier-Vorschule vorzu- stellen und hierbei folgende Papiere vorzulegen: a) ein GeburtSzeugniß.
b) den Confirmationsschein bezw. einen Ausweis über den Empfang der ersten Communion,
c) ein Unbescholtenheitszeugniß der Polizei-Obrigkeit,
d) etwa vorhandene Schulzeugnisse,
e) eine amtliche Bescheinigung über die bisherige Beschäftigungsweise, über früher überstandene Krankheiten und etwaige erbliche Belastung.
Die ausführlichen Bestimmungen können bei dem BezirkSfeldwedel und dem Königlichen Landrathsamte eingesehen werden.
Hersfeld, den 20. Februar 1896.
Königliches Bezirkskommando.
Nichtamtliches.
Aus dem Reichstag.
Berlin, 2. März. Der Reichstag nahm heute seine Plenarsitzungen wieder auf und trat in die erste Lesung des Zuckersteuer- gesetzcs ein. Staatssekretär Graf PosadowSky führt aus, daß gegenüber der ZuckerkcisiS im vorigen Jahre Alles gethan werden müsse, was innerhalb der vertragsmäßigen und wirthschaftlichen Grenzen möglich sei. Seit dem Anträge Paasche, der dem vorliegenden Entwürfe zu Grund liege, hätten sich die Zuckerpreise allerdings gehoben, aber die 144 Mitglieder des ReiLStagS, die den Antrag gestellt haben, bätten dir« nicht im Hinblick auf den augenblicklichen Stand deS CourSzettelS, sondern im Hinblick auf die allgemeine Lage der Zuckerweltindustrie gethan. Unsere Konkurrenten im AuSlande seien bei ihren Prämien stehen geblieben, wir müßten daher ebenfalls Mittel finden, um die Konkurrenz aufnehmen zu können. Prämien seien nur Kampfmittel, und je nachdem sie hoch oder niedrig seien, seien sie wirksame oder schwache Kampfmittel. Die P-ämien des GesetzeS von 1891 hätten
und fern; bis hinein nach Böhmen schweifte der Blick zum Cerkow und hinab zum Arber und Rachel. Von jenseitiger Höhe drohte der alte Thurm von Nußberg herüber und weiter den Pfahl hinab ragten die zackigen Ueberreste der Burg Weißenstein gen Himmel.
Aber Englmar sah nichts, als Sidonie — die ganze Schönheit der Welt hatte sich in ihr vereinigt. Thal und Berg und Wald, Blumen und Vogelgesang, herrlich war alles, aber Sidoniens dunkle Augen schienen ihm das allerschönste zu sein, was die Welt überhaupt hervorzubringen im Stande war. Als sie seinem Blicke entschwunden war, ging er in sich versunken weiter, während sein Vater sich mit andern, den gleichen Weg verfolgenden Wanderen unterhielt.
Nach etwa zweistündigem Marsche hatte man zunächst des Predigtstuhls das Forsthaus Marbuchen und gleich darauf den Sattel des Hirschensteingebirges erreicht.
„Ui Gottes! Ui Gottes! Giebt'S hinterhalb Mar- buachen aa no' a Welt!" rief da ein Bäuerlein aus dem Zellerthal voll Verwunderung aus, als sich ihm von der Höhe eine neue Welt eröffnete.
Endlos schweift der Blick von hier hinab in die Donauebene und darüber hin zu dem am südlichen Horizonte sich abblauenden Hochgebirge. Zunächst aber ist in einer anmutigen Mulde das schöne Dorf Englmar gelegen, am Beginne eines von frischen Quellenbächen durchzogenen, saftig grünen Thales, rings umgeben von herrlichen Hochwaldungen.
Neben der herrlichen Aussicht in die wundervolle Landschaft ward das Interesse der Wallfahrer aber auch noch in anderer Weise in Anspruch genommen. Von