Einzelbild herunterladen
 

Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.

AbonnementSpreiS vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. exel. Postaufschlag.

Die JnsertionSgebührcn Ö betragen für den Raum einer Spaltzeile I 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.

Gratisbeilagen:Illustrirtes Sonntagsblatt" n.Illnstrirte landwirthschaftliche Beilage".

Nr. 45.

Donnerstag hi 18. Nil

1896.

Amtliches.

Caffel, den 31. März 1896.

Nach den am 1. Oktober 1895 in Kraft getretenen ungarischen Ehegesetzen muß die im ungarischen Aus­lande (also auch in Preußen) zu schließende Ehe eines ungarischen Staatsangehörigen auch in Ungarn verkün­det werden, falls nicht von der zuständigen ungarischen Verwaltungsbehörde Disvensatron ertheilt wird. Für die in den Ländern der ungarischen Krone, mit Ausnahme von Kroatien und Slavonien, gemeindezuständigen, un­garischen Staatsangehörigen erfolgt die Ausstellung der Bescheinigungen darüber, daß der Eingehung der Ehe nach den ungarischen Gesetzen kein Hinderniß entgegen: steht, durch das Königlich ungarische Justizministerium und zwar auf Grund der beizubringenden Bescheinigung des ungarischen Civilstandsbeamten über das vorschnfts- mäßig vollzogene Eheaufgebot, bezw. auf Grund des davon erhaltenen Dispenses.

Ew. Hochwohlgeboren setze ich hiervon mit dem Er­suchen in Kenntniß, die Standesbeamten Ihres Aufsichts- bezirks mit entsprechender Anweisung zu versehen.

Der Regierungs-Präsident.

Wirkl. Geh. Ober-Regierungs-Rath Haussonville. An die sämmtlichen Herren Landräthe als Vorsitzende des Kreisausschusses. A. I. 1994.

* * *

Hersfeld, den 14. April 1896.

Wird den Herren Standesbeamten des Kreises zur Nackachtung mitgetheilt.

A. 916. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 9. April 1896.

Bei dem am 30. März d. I. dahier stattgefundenen KlassifikationSgeschäfte ist der Tuchfabrikant Alexander Rehn dahier auf erhobene begründete Reklamation von der verstärkten Ersatz-Commission gemäß § 6 des Gesetzes vom 11. Februar 1888, betreffend Aenderungen der Wehrpflicht, hinter die letzte Jahresklaffe der Landwehr II. Aufgebots zurückgestellt worden, was hierdurch mit dem Bemerken veröffentlicht wird, daß diese Zurückstellung nur bis zum nächsten Klassifikationstermine Gültigkeit behält.

l Nachdruck verboten) Auf falschem Wege

Von T. v. R o t s ch ü tz.

(Fortsetzung.)

Deine Mutter hat es auch so gewünscht," fügte der junge Mann hinzu, fragend in Ursulas Zuge blickend, auf denen verschiedene Empfindungen zu sumpfen schienen. Du weißt sie hatte das Vertrauen zu mir, daß ich alles zu deinem Besten einrichten würde und demen Vortheil wahrnehmen noch in der letzten Stunde ihres Lebens hat sie dir" ,

Das Gesicht des jungen Mädchens uberzog plötzlich tiefe Rölhe des Unwillens die Erinnerung an jene bittern Stunden trat mächtig wieder auf.Ich wertz, ich weiß," sagte sie, hastig ihn unterbrechend. Aber noch ehe sie aussprechen konnte, war Herr Nölting, der gleich nach ihr das Zimmer betreten hatte, hastig vorge Dritten Auf seiner Stirn waren die Adern geschwollen, und sein Gesicht trug den Stempel größter Erregung. Es war augenscheinlich der Beschluß des Gerichts, " on Leitung der Geschäfte zu übertragen für ihn ein großer Querstrich, jedenfalls hatte er selbst auf diesen Posten gerechnet und war bereit, für die Erlangung f

Ei^verächtliches Lächeln streifte Anton, und mit ge­zwungener Ruhe wandte er sich an Herrn Goldan.

Ich halte es für meine Pflicht gegen den verstor­benen ^ernt Weinholt und seine Tochter, Einsprachezu erheben gegen die Ernennung des jungen Dünnes zum

Außerdem erlischt die gewährte Zurückstellung, sobald der Betreffende aus dem diesseitigen Aushebungsbezirke in einen andern verzieht.

II. 1319. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Politische Nachrichten.

Inland.

Berlin, 14. März.

In W i e n sind Ihre Majestäten der K a i f e r Wil­helm und die Kaiserin Auguste Viktoria mit den kaiserlichen Prinzen heute Vormittag IOV4 Uhr auf dem festlich geschmückten Südbahnhofe eingetroffen, wo sie von Kaiser Franz Josef, der Erzherzogin Maria Josefa in Vertretung der Kaiserin Elisabeth und den in Wien anwesenden Erzherzogen empfangen wurden. Die Begrüßung trug den Charakter größter Herzlichkeit. Die Fahrt zur Hofburg erfolgte in offenen Wagen ä la Daumont durch die Heugaffe über den Schwarzenbergplatz und die Ringstraße zum äußeren Burgthor, welches die Standarten beider Kaiser trug. Eine ungeheure. Menschenmenge füllte die Straßen und brach beim Anblick der kaiserlichen Gäste in stürmische Hochrufe aus.

Feste Bestimmungen über die Abreise der Kaiserin und der beiden ältesten Prinzen nach Ploen sind bis jetzt noch nicht getroffen; sie erfolgt entweder am Freitag, dem 17. d. MtS, .Abends, oder am Sonnabend, dem 18. April, früh. Die Kaiserin gedenkt von Ploen am 18. d. M., Abends, vorerst noch nach Berlin zurückzu- kehren und von hier aus am Sonntag, dem 19. April, früh, nach Koburg zur Vermählungsfeier sich zu begeben.

Die Vorbereitungen zum Empfang Sr. Majestät des Kaisers auf der Wartburg, wo Se. Majestät, wie nunmehr feststeht, am 22. April eintreffen soll, sind, wie aus Weimar geschrieben wird, in vollem Gange und die Aussicht für eine sehr erfolgreiche Auerhahnbalze in diesem Jahre die beste. Se. königl. Hoheit der Großherzog von Sachsen-Weimar trifft mit großem Gefolge am 18. d. M. auf der Wartburg ein. Die erste Jagd Sr. Majestät des Kaisers findet von Wasungen aus am 22. d. Mts. statt. Von dort aus dürfte auch der Besuch in Brotterode stattfinden.

Vormund und Verwalter der jungen Dame und ihres Vermögens," begann er mit hochmüthigen Worten. Wenigstens möchte es wohl gut sein, ihn zu veranlassen, sich zuvor darüber zu rechtfertigen, wie er dazu ge­kommen ist, während der Krankheit der Frau Weinhold, aus deren Schreibtische ein Päckchen Papiere, anscheinend Werthpapiere, herauszunehmen und in seine eigne Tasche zu stecken."

Dabei warf er einen triumphierenden Blick im Kreise umher und ergötzte sich sichtlich an der allgemeinen Be­stürzung, die seine Worte hervorriefen.

Ursula glaubte ihren Ohren nicht trauen zu dürfen und blickte erschrocken auf Anton dessen Gesicht sich plötzlich mit tiefer Blässe bedeckte, um gleich darauf bis an die Haarwurzeln sich dunkelroth zu färben.

Herr Goldan, dem die Verhältnisse auf der kleinen Besitzung ganz wohl bekannt waren, durchschaute Nöl- tingS Plan, den jungen Mann zu verdächtigen, um sich an seine Stelle zu drängen, augenblicklich und hoffte, mit Leichtigkeit ihn der Unwahrheit seiner Anschuldi­gungen überführen zu können, denn Anton genoß die allgemeinste Achtung.Haben Sie wohl bedacht, Herr Nölting," begann er streng,welch ernste Beschuldigung Sie eben ausgesprochen haben? Sie werden dieselben beweisen müssen, wenn man nicht ganz sonderbare Schlüsse aus Ihrem Benehmen ziehen soll."

Nölting verbeugte sich hochmüthig.Ich bin jederzeit bereit, die volle Wahrheit auszusagen," bemerkte er zu­versichtlich.An einem der ersten Tage der Erkrankung der verstorbenen Frau Weinholt, während Fräulein Ursula i

Der Kaiser wird auch in diesem Jahre am Geburts­tage des Königs von Sachsen, am 23. d. M., in Dres­den anwesend sein, zu diesem Zwecke an dem genannten Tage früh sich von der Wartburg, bezw. aus dem Revier Wasungen nach Strehlen begeben und von dort am 23. April Abends nach der Wartburg zurückkehren.

DieNordd. Allg. Ztg." schreibt unterm 14. d. M.: Heute wird unser Kaiser, von Seiner hohen Ge­mahlin begleitet, in der Hocburg zu Wien als Gast ein­kehren. Diese freundschaftliche Begegnung mit dem Kaiser Franz Josef reiht sich der Zusammenkunft der deutschen Majestäten mit dem italienischen Königspaare in Venedig unmittelbar an. Die Welt ist Zeuge ge­wesen, wie Kaiser Wilhelm II. mit wachsender Wärme auf österreichischem Boden empfangen worden ist, sei es, daß er in dem Nachbarreiche einer großen Truppen­übung beiwohnte, ober dem Wunsche folgte, das innige Verhältniß zu dem verbündeten und befreundeten Mo­narchen aufs Neue im persönlichen Verkehr zu bestätigen. Auch diesmal wird man die kaiserlichen Freunde im Dhttelpnnft eines glänzenden militairischen Schauspiels erblicken. Kaiser Wilhelm wird am Mittwoch der Früh­jahrsparade auf dem Schmelzer Exerzierfelde beiwohnen. Dabei wird unser Kaiser Gelegenheit haben, dem Kaiser Franz Josef ^u» Regiment ungarischer Husaren vorzuführen, welches in ihm seinen hohen Chef verehrt, während der Kaiser und König die militärische Hul­digung erwidert, indem er sich an die Spitze seiner Dragoner stellt. Diese neue Besiegelung der Waffen­brüderschaft zwischen dem deutschen und dem österreichisch­ungarischen Heere kann indeß nur dazu beitragen, die zuversichtliche Hoffnung auf Erhaltung des Friedens bei Den Völkern Europas zu kräftigen. Der defensive Zweck des Bundes, welcher die beiden mächtigen Herrscher der mitteleuropäischen Reiche unter einander und mit dem König von Italien vereinigt, ist längst aller Welt klar und vor Verdunkelung geschützt. So oft die Macht des Dreibundes und die unerschütterliche Festigkeit desselben der Welt vor Augen geführt wird, muß das Vertrauen neue Kraft gewinnen, daß hier eine sichere Bürgschaft gegeben ist für den Frieden und damit für die Pflege jener hohen Güter der Kultur, die nur im Lichte deS Völkerfriedens gedeihen können.

In Bezug auf die große Parade, die am Mittwoch, dem 15. April, in der österreichischen Hauptstadt abge­halten worden ist, sagt dasWiener Fremdenblatt":

wahrscheinlich von ihr oder ihrem treuen Pfleger," schaltete er mit einer höhnischen Seitenbewegung nach Anton hin, ein,in den Garten geschickt worden war, um sich zu erholen von der Krankenpflege, trat ich in das Zimmer neben dem von der Patientin bewohnten, um einen Schlüssel zu holen, den Herr Weinholt dort immer verwahrte, und den ich mir stets holen durfte, wenn ich ihn brauchte. Durch die offenstehende Thür konnte ich in dem Augenblicke gerade den jungen Mann den Schreibtisch aufschließen und die Papiere zu sich stecken sehen. Ich vermuthe, daß sie nur von ihm in Verwahrung genommen worden sind für die Tochter, und daß er jedenfalls die Absicht hat, sie augenblicklich vorzulegen, sobald es verlangt wird."

Aller Blicke richteten sich nach den Worten auf Anton, der, die Augen fest auf den Sprecher heftend, seine ganze Ruhe wieder gewonnen zu haben schien und mit lauter Stimme jetzt ihm zurief:

Und wenn ich die Absicht nicht habe, Herr Nölting? Wenn ich einräume, wirklich Papiere aus dem Schranke der Kranken genommen zu haben, dieselben auch noch zu besitzen, aber von keiner Gewalt mich dazu werde zwingen lassen, sie einem andern zu zeigen was haben Sie dann zu sagen?"

Nölting zuckte verächtlich die Achseln:Ich würde vermuthlich nichts sagen aber annehmen und hoffen, daß jene Herren, die von Rechtswegen dazu berufen sind, darüber zu wachen, daß einem Unmündigen kein Schade an seinem Eigenthum geschieht desto mehr zu sagen haben!' Herr Goldan war die Wendung des Gespräches