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Gratisbeilagen: „Illustrirter Sonntagsblatt" u. „)llnstrirte landwirthschaftliche Beilage".
AklislW Im 21 AM M
Amtliches.
Hersfeld, den 14. April 1896.
Nach Mittheilung der Königlichen Staatsanwaltschaft zu Cafsel sind die Herren Ortsvorstände zu
Allendorf, Ausbach, Biedebach, Eichhof, Eitra, Goß-
mannsrode, Harnrode, Heringen, Kalkobes, Kleinen- I see, Lampertsfeld, Meckbach, Meisebach, Petersberg, Neimboldshausen, Sorga, Tann, Unterhaun, Unter- geis und Wilhelmshof mit Einsendung der Anzeige über das Ableben bestrafter Personen für das 2. Kalenderhalbjahr 1895 noch im Rückstände, und werden dieselben deshalb hierdurch an die alSbaldige Erledigung der diesseitigen Verfügung;
vom 24. September 1890 Nr. 8876, Kreisblatt Nr. 114, erinnert mit Fri st bis zum 2 4. d. M t s.
Die erfolgte Einsendung der fraglichen Anzeige ist mir berichtlich anzuzeigen.
I. I. Nr. 2168. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rath.
Hersfeld, den 18. April 1896.
Die zu den Lehrerbesoldungen bisher geleisteten Staatsbeihülfen haben vom 1. d. Mts. ab bei den nachstehend bezeichneten Schulstellen eine Aenderung in folgender Weise erfahren.
Es werden gezahlt:
mehr
weniger
mehr
weniger
Mk.
Mk.
Mk.
Mk.
1.
für
Allendorf
anstatt
340
M.
jetzt
600
M,
mithin
250
—
20.
für
Mecklar
anstatt
240
M.
jetzt
200
M. mithin .
—
40
2.
W
Asbach II
M
295
//
145
//
ff •
150
21.
ff
Motzfeld
ff
330
ff
ff
280
ff ff • ;
■
50
3.
Ausbach
//
300
,/
ff
200
ff
ff
—
100
22.
ff
Niederaula II
ff
350
st
ff
150
ff ff • 1
—
200
4.
Biedebach
//
300
//
ff
495
ff
ff •
195
—
23.
ff
„ isr.
—
ff
150
.....
150
—
5.
Eitra
//
330
//
ff
375
ff
ff ' ♦
45
—
24.
ff
Niederjossa
ff
60
ff
—
.....
—
60
6.
Friedewald II
//
510
//
ff
180
#/
ff • •
---
330
25.
ff
Philippsthal I
ff
—
ff
500
II H *
500
—
7.
Friedlos II
640
ff
490
//
ff • •
—
150
26.
ff
II
ff
600
ff
f f
500
ff ff •
—
100
8.
Gershausen
//
372
//
ff
280
ff '
----
92
27.
ff
Nansbach
ff
360
, f
ff
300
ff ff • 1
—
60
9.
Gethsemane
M
250
M
//
450
ff '
200
—
28.
ff
Reckerode
ff
270
ff
st
212
ff ff •
—
58
10.
Gittersdorf
W
230
ff
260
ff
rf ’ ‘
30
—
-29.
Rotensee
ff
260
ff
360
- ff * 1
100
—
11.
Hattenbach
ff
300
ff
200
ff
—
100
30.
Schenklengsfeld II
ff
600
ff
f
400
ff ff •
—
200
12.
Herfa
//
350
//
M
500
ff
ff * *
150
B-
31.
n
Sorga II
f
600
ff
ff
400
ff ff
—
200
13.
Holzheim
//
340
/,
ff
260
ff
ff '
- — -
£.80
32.
ff
Tann
ff
380
ff
ff
700
ff ff • j
320
—
14.
Kruspis
//
200
//
,,
440
ff
ff • 1
240
8-
33.
ff
Unterhaun
ff
70
ff
ff
—
ff ff • i
—
70
15.
Kathus
//
210
//
150
ff
—
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34.
ff
Unterweisenborn
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320
ff
ff
190
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—
130
16.
Kleba
//
330
//
700
ff * *
370
g—
35.
ff
Wehrshausen
ff
390
ff
ff
,220
ff ff •
—
170
17.
Kohlhausen
"
300
„
ff
550
ff
ff •
250
36.
ff
Willingrhain
ff
310
ff
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610
// ff •
300
—
18.
Lautenhausen
//
310
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150
ff
ff ' *
—
160
37.
ff
Wüstfeld
ff
290
ff
ff
450
ff st •
160
—
19.
LengerS
„
360
,/
ff
300
ff
ff • •
—
60
Soweit hiernach die bisherige Staatsbeihülfe sich vermindert oder in Wegfall kommt, ist der Fehlbetrag an den betreffenden Stellen-Jnhaber aus der Gemeinde- kaffe zu zahlen, während umgekehrt der Betrag, um welchen die Staatsbeihülfe erhöht worden ist, an dem zur Lehrerbesoldung bisher gezahlten Gemeinde-Beitrage zu kürzen ist. Bei den vorstehend nicht erwähnten Schulstellen wird der seither bewilligt gewesene Staatszuschuß unverändert weiter gezahlt.
Die Herren Bürgermeister haben hiernach für entsprechende Zahlungsanweisung an den Gemeinde-RechnungSführer zu sorgen.
1. 2202. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Wie Königliche Regierung aus den Anlagen ersehen wolle, soll der Militärpflichtige, Künstler Georg Schmidt, geboren am 11. Oktober 1875 zu Tölz, welcher sich mit einer Künstlertruppe in der Welt herumtreibt, als un
«Nachdruck verboten.)
Auf falschem Wege.
Von T. v. R o t s ch ü tz.
(Fortsetzung.)
Hatte Nölting Recht? War sie es dem Vater und sich selbst schuldig, sich die Mittel zu erhalten, um nicht beide in grenzenloses Elend zu stürzen? Würde Anton darunter leiden? War er nicht wirklich so glücklich, unabhängig zu sein von solchen Aeußerlichkeiten? Oder war Nölting der Verführer, der sie verleiten wollte, dem Jugendfreunde ein schweres Unrecht anzuthun? Hatte er sie nicht immer angestachelt, seinen Handlungen unlautere Beweggründe unterzulegen, zu glauben, daß er sie aus dem Herzen der Mutter verdrängen wollte? Nun war es ihr klar geworden, daß diese gar nicht ihre Mutter war, daß sie kein Recht gehabt hatte, Ansprüche zu machen auf besondere Zuneigung, und daß alles, was sie dem jungen Manne mißgönnt hatte, geschehen war in der Angst eines gequälten Gewiffens das gut zu machen suchte da, wo die unglückliche Frau mußte, ^b^Au/"den? Dämmerlicht, das während dieser Unterredung langsam hereingebrochen war, schienen Ursula plötzlich ein paar treue Augen wehmulbSvoll anzusehen. Sie erblickte, wohin sie sah, die Gestalt des ^prel- geführten, wie er ihre ganze Kindheit beschütz Beweisen seiner Anhänglichkeit umgeben hatte Eine plötzliche Angst vor ihrer eignen ^4»«»« erfaßtesie Nölting verstand es so gut, sie zu benutzen und sie- rhr.m eignen Urtheil untreu zu machen Ihr war, als ob Flucht vor ihm ihre einzige Rettung s , schnellem Entschluß wandte sie sich von ihm.
sicherer Heerespflichtiger verfolgt und event, eingestellt werden. Da derselbe nach den angestellten Recherchen den hiesigen Bezirk verlassen und die Richtung nach Gerstungen eingeschlagen hat, auch nach mündlicher Mit
Kein Rufen — kein Bitten hielt sie mehr auf, als sie einmal aus feiner Nähe war. Mit scheuem Blick streifte sie das Haus — den Schauplatz so vieler glücklichen Stunden. Sie getraute sich nicht, es wieder zu betreten — denn sie hatte kein Recht mehr auf die Heimath. Die weißen Marmorkreuze auf dem Bauplatze leuchteten zu ihr herüber, und sie gedachte der Zeit, wo sie Anton ihre Scheu davor anvertraut und von ihm gehört hatte, was ihr damals unverständlich und auch jetzt noch unbegreiflich war: daß man auch ein Kreuz könnte lieben lernen. Ja, sie fühlte es selbst in diesem Augenblick — ein Kreuz — eine Last, ein schweres Schicksal war ihr auferlegt — wie sollte sie es tragen?
IX.
Als Herr Nölting sah, daß das Mädchen immer schneller vor ihm floh und schon am Alande des an- stoßenden Waldes angelangt war, in dem sie verschwand, gab er den Versuch auf, ihr zu folgen. „Sie wird morgen meinen Vorschlägen zugänglicher sein," sagte er sich selbst. „Wenige Stunden Ueberlegung werden ihr zeigen, daß es für sie unmöglich ist, dem gewohnten Leben zu entsagen und sich in das elende Dasein an der Seite ihres herabgekommenen Vaters zu finden. Selbst wenn sie in der ersten Erregung einen Anlauf nehmen sollte zur edelmüthigen Entsagung, wird sie sich bald eines besseren besinnen und fühlen, daß ihre einzige Hülse darin liegt, sich meiner Leitung anzuvertrauen. Das Ziel meiner Wünsche wird dann erreicht sein und sie und die schöne Marmormühle mein Eigenthum."
Er hatte nicht bedacht, daß in dem Herzen auch des oberflächlichsten Menschenkindes ein Fünkchen schlummern kann, das nur des richtigen, zündenden Strahles bedarf,
theilung den dortigen Bezirk demnächst besuchen will, so wird Königliche Regierung ganz ergebenst gebeten, zur Ergreifung des rc. Schmidt behülfÜch sein und zu dem Zwecke Wohldessen Gendarmerie auweueu zu wollen,
i um sich unerwartet zu entwickeln und eine Kraft zu zeigen, die man ihm bisher nicht zugetraut hat.
Ursula war, wie von innerer Stimme getrieben, der Stelle zugeeilt, an der sie vor Kurzem mit Anton zum letzten mal in traulicher, sie eigenthümlich bewegender Unterhaltung geweilt hatte. Sie fühlte, wie sein Einfluß von jeher veredelnder auf sie gewirkt hatte, als alle Bildung und Weisheit, die sie sich in der Fremde angeeignet hatte. Ihr war, als könnte sie sich ihm an dem Fleckchen, wo er ihr so viel von sich und seiner Rettung von dem gefährlichen Wege, dem er sich genähert, erzählt hatte, näher fühlen — als würde er ihr dort helfe», die Versuchung zu bestehen, die sie über sich kommen fühlt. Erschöpft vom raschen Lauf — von allen auf sie einstürmenden Ereignissen überwältigt, sank sie neben der Bank im Walde hin, und ihr Auge blieb wie gebannt an dem Baumstamm haften, auf dem vor Jahren die Hand des Knaben sich ein Erinnerungszeichen eingegraben hatte.
„Herr, zeige mir mein Herz!" flüsterten unwillkürlich die bebenden Lippen des Mädchens in der Erinnerung an das, was es hier aus dem Munde des Freundes gehört hatte. Ursula wußte selbst kaum, daß sie betete, und doch war es ein plötzliches sehnsüchtiges Verlangen nach einer Unterhaltung mit dem himmlischen Vater, von dessen Barmherzigkeit ihr Anton hier erzählt hatte, das die Worte immer wieder auf die Lippen legte: „Herr, zeige mir mein Herz!"
Ihr war, als müßte mit der Erhörung dieser Bitte auch auf sie die Kraft übergehen, die damals dem Knaben geholfen hatte, die Versuchung, dem Kinde, das zwischen ihm und seinem vermeintlichen Eigenthum stand, ein Leid zuzufügen, zu überwinden, und klarer, als sie es