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HersselKr Ueisblatt.

Gratisbeilagen:)Unftrirtes Sonntagsblatt" n.Illnstrirte landwirthschaftliche Veilage^^.

Nr. 57. I-NerstW he» 14. Mai

1896.

Amtliches.

Hersfeld, den 30. April 1896.

Im Verlage von Carl Heymann in Berlin sind von den Schriften der dortigen Centralstelle für Arbeiter- WohlfahrtSeinrichtungen das Heft 8, betreffend die Ver­breitung guten Lesestoffs' und das Heft 9, betreffend die Wohlfahrtspflege auf dem Lande, zur Ausgabe gelangt, worauf ich Interessenten des Kreises hiermit aufmerksam mache.

I. 2464. Der Königliche Landrath.

____I. V.: Heeg.

Gefunden: Ein brauner Handkorb und ein Paar neue Schuhe. Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Aua.

Gefunden: Ein Sack mit Kartoffeln. Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Kohlhausen.

Bekanntmachung.

Für die Zeit vom 15. Mai bis Ende September wird in Bad Wildungen eine Postanstalt mit Tele­graphenbetrieb als Zweigstelle des Kaiserlichen Postamts in Wildungen Stadt unterhalten werden.

Uichlamtlichcs.

Zum Himmelfahrtsfeste.

Die Christenheit feiert heute in dankbarer Freude und hoffnungsvoller Erhebung die Einkehr des Heilandes in seine himmlische Heimath, die Erhöhung des Erlösers zur Rechten des himmlischen Vaters. An dem Bilde des Herrn, der mit aufgehobenen Segenshänden von den Seinen scheidet ohne sie zu verlassen, der in verklärter Herrlichkeit zu dem Reiche des ewigen Lichtes eingeht, ohne der Welt sein Licht und seinen Geist zu entziehen, sollte niemand achtlos vorübergehen. Er hat einem jeden eine ernste und heilsame Botschaft zu bringen. Er weist uns alle auf die ewige Heimath der Seele, auf den Ursprung und das Ziel unseres wahren, unvergänglichen Lebens hin. Der Mund, der das Wort gesprochen: ich bin ausgegangen vom Vater und gekommen in die Welt, wiederum verlaffe ich die Welt und gehe zum

Versöhnt.

Von Joachim Hardt. (Fortsetzung.)

Agnes war hübsch, sie hatte eine schlanke, kräftige Gestalt, ihr klares Gesicht mit den ernsten, blauen Augen machte einen angenehmen Eindruck. Unter dem Einfluß des sonnenbeglänzten, hellen Morgens halten sich die finstern Falten geglättet, die gestern Abend ihrem Gesicht ein herbes, düsteres Aussehen gaben. Für den Augen­blick waren auch die bösen Gedanken geschwunden. Ihr großes Auge blickte mit stiller Freude um sich; es war doch so schön hier, so schön! Wie sie so rasch dahin- schritt, das Gesicht dem Meere zugekehrt, überhörte sie über dem Rauschen der Brandung, daß sich schnelle Schritte ihr näherten.

Erschrocken fuhr sie herum, als Jens Petersens Stimme an ihr Ohr schlug und ihr einen fröhlichen Guten Morgen!" zurief.

Einen Augenblick starrte sie ihn in wortloser Feind­seligkeit an und legte ihre Hand nicht in die ausgestreckte Rechte des jungen Mannes. Ihr Benehmen war so auffallend, daß eine unwillige Röthe in Jensens Gesicht stieg. Doch zog er seine Hand nicht zurück, sondern fragte:Sie haben mir doch gestern die Hand gegeben, warum wollen Sie es heute nicht thun?"

Weil Sie Jens Petersen sind und ich Agnes Olsen bin!" antwortete sie schroff und wandle sich zum Gehen.

Mit einem schnellen Schritt befand sich der junge Mann an ihrer Seite:Sie scheinen den alten Haß gut gepflegt zu haben!" sagte er ruhig."

Vater", giebt uns Gewißheit in den verworrenen Räth­seln unseres Lebens. Die bangen Fragen des Zweifels: woher, wohin? Das Fest der Himmelfahrt beant­wortet sie uns: aus Gottes Hand in Gottes Hand.

Wie viel besser stünde es in unserem Volke, wie viel getroster könnte jeder Einzelne seinen Lebensweg gehen, wenn wir alle den Blick auf diese himmlische Heimath gerichtet hielten, die uns droben beim Vater aufgehoben ist! Dem flachen Spott, der den Glauben an das himmlische, ewige Leben verlacht, dem frechen Trotz, der sich der Himmelsbotschaft durch verdoppelten Dienst der irdischen Eitelkeit widersetzt, der müden Gleichgiltigkeit, die das Diesseits verachtet und nach dem Jenseits nicht fragt, ist in gleicher Weise der tiefe innere Unfrieden anzumerken, das Unglück einer Seele, die ihrer wahren Bestimmung nicht theilhaft zu werden ver­mag. Mögen sich die Kinder unserer Zeit noch so laut brüsten, daß sie den Himmel nicht brauchen, das Elend, das sie auf Erden finden, reicht aus, ihre stolze Selbstzufriedenheit zu Schanden zu machen.

Wie sieht es denn aus auf Erden bei denen, die nach dem Himmel nicht fragen? Jede Woche, jeder Tag bringt uns neue Beweise dafür, daß in den Kreisen der Vornehmen ebenso wie bei den Geringen Unheil und Unrecht, Sünde und Verfall einreißen, wo über der Erde mit ihren Gütern und Sorgen der Himmel vergessen wird. Darum ist das rechte Heilmittel gegen alle Schäden im Leben unseres Volkes und seiner Stände und Glieder , darin allein zu suchen, daß das Himmelreich zu uns komme, nicht mit äußerlichen Geberden, mit Gesetzen und Einrichtungen, sondern mit dem Frieden der Seelen und mit der Erneuerung der Gemüther. Den Himmel findet nicht, wer die Erde verachtet und das irdische Leben nutzlos vergeudet. Aber wollten wir daran denken, daß der Himmelskönig bei uns sein will alle Tage und wir ihm dienen sollen als Bürger des Himmelreiches schon hier auf Erden, wir würden bald den Segen spüren, den er in seinem Reiche den Seinen schenkt.

Ratserwovte.

Unserm Kaiser steht die unschätzbare Gabe zu Gebote, in einfacher und natürlicher Weise seine Gedanken aus- zudrücken. Ob im fließenden Strom der lebendigen Rede die kaiserlichen Worte an unser Ohr dringen, oder ob sie erst durch Vermittlung des Papiers uns zum Be­

Wir haben allen Grund dazu!" war die kurze Antwort.

Nein, Sie haben keinen Grund dazu," fuhr Jens in dem gleichen Tone fort.Was Recht ist, muß Recht bleiben. Der alte Melissen hat mit klarem Kopf und viele Jahre vor seinem Tode das Testament gemacht. Wenn er meinen Vater zum Erben einsetzte nun, er hatte ihn ja als heimathlose Waise an Kindesstatt an­genommen und ihn immer wie sein eigen Kind gehalten. Mein Vater stand ihm näher als der Sohn des Bruders, der sich gerade um dieses Pflegesohnes willen nie mit dem alten Manne vertrug und dem es nur um die Erb­schaft zu thun war!"

Agnes lachte bitter und höhnisch auf.

Mir können Sie nichts vorschwindeln!" rief sie heftig; dann schwieg sie befangen, sie wußte selbst nicht warum.

Ihr Begleiter sah sie unverwandt an:Liegt Ihnen so sehr viel an dem bischen Reichthum, der uns zuge­fallen ist?"

Eine lebhafte Röthe stieg in ihr Gesicht.

Nur weil er uns von rechtsmegen gehört!" entgegnete sie schroff.

Sie sind nicht gut belehrt!" versetzte Jens,der alte Melissen hat seinen Reichthum nicht von seinem Vater geerbt, sondern sich alles selbst erworben und daher das Recht gehabt, darüber zu verfügen, wie er wollte. Was er von feiner Familie geerbt hatte, gab er noch zu feinen Lebzeiten an seine Schwester, die Mutter Ihres Vaters. Das ist kein Geschichtchen, welches mein Vater erfunden hat, es steht alles in dem Testament und wenn

wußtsein gelangen, in beiden Fällen ist, was er sagt, eindrucksvoll und treffend.

Es ist in der alten Kaiserstadt Frankfurt am Main, am fünfundzwanzigjährigen Gedenktage des Friedens mit unserm Erbfeinde. Die Hülle des Denkmals für Wilhelm den Großen ist gefallen, und beim Festmahle erhebt sich sein Enkel zu einer begeisterten Rede. Mit erhabener Majestät rollen die Worte daher. Mit packender Kraft entwickeln sich die Bilder, ein schöner Gedanke entzündet sich an dem Feuer des andern, und alles quillt aus der Tiefe der Seele hervor, wie das lebendige Waffer eines klaren Quells aus den Klüften der Erde. Mit weithin leuchtendem Glänze erhebt sich von dem rednerischen Ge- sammtbilde die Schilderung unseres Heldenkaisers:Wir erkennen aus dem prüfungsreichen Gange dieses hohen Herrn, wie der allmächtige Schöpfer Herrscher und Volk führt, um das Rüstzeug zu bilden, welches endlich der Welt den Frieden zurückgeben sollte. Er ist auch zum Vorbilds geworden für uns andere, zum Vorbilds für alle Monarchen, die nur dann etwas für ihr Volk und mit ihrem Volke erreichen können, wenn sie fest darauf gegründet sind, daß ihr Amt, vom Himmel ihnen ver­liehen, sie auch dazu zwingt, dereinst dem Himmel dafür Rechenschaft zu geben!"

So spricht kein gewöhnlicher Geist. Wem es aber vergönnt ist, so zu sprechen, der ist doppelt und dreifach begnadet, wenn er eine so hochragende geistige Kraft, ein so warm empfindendes Herz ganz in den Dienst des Vaterlandes stellt und die zündende Rede nur als Unter­lage und Vorbereitung für die wägende That gelten läßt.

Der Kaiser gedachte auch des Werkzeugs, mit deffen Hilfe der erste Träger unserer Kaiserkrone dieses Kleinod schmiedete, des deutschen Heeres. Dem Appell,unser Volk in Waffen hochzuhalten, zu achten und zu ehren und es fernzuhalten von allen Parteiungen und allem Eingreifen politischer Doktrinen", wird jeder Deutsche aus voller Ueberzeugung zustimmen müssen; ist doch das deutsche Heer das Werkzeug, nicht nur dem deutschen Reiche, sondern auch der ganzen Welt den Frieden zu erhalten. Hat Kaiser Wilhelm somit dem Volksempfinden Ausdruck geliehen, so hat er noch in einem andern Punkte an diesem Tage dem Volke aus der Seele gesprochen. Durch das überaus herzliche Danktelegramm an den ersten Kanzler unseres Reiches hat sich Kaiser Wilhelm ein neues schönes Denkmal im Herzen aller vaterlands­liebenden Deutschen aufgerichtet. Denn so lange deutsche

Sie mir nicht glauben wollen, können Sie zum Notar nach Brenken gehen und mit eigenen Augen sehen, daß wir mit allem Fug und Recht auf Melissens Erbe sitzen. Guten Morgen!"

Er verließ sie mit raschen Schritten, und Agnes setzte, ohne sich umzublicken, ihren Weg fort. Sie war tief erblaßt. Was sie eben von Jens gehört, konnte nicht wahr sein; ihr Vater hatte ihr ja immer erzählt, daß das Recht auf seiner Seite wäre, denn der alte Melissen habe kein Recht gehabt, den Familienbesitz an einen Fremden zu vererben. Sie ärgerte sich, daß sie sich über­haupt in ein Gespräch mit Jens eingelassen hatte. Es war nur natürlich, daß er die Wahrheit in seinem In­teresse verdrehte, und sie haßte ihn noch mehr als an dem Tage, wo er ihr mit dem Bootshaken das tiefe Loch in den Arm gerissen hatte. Sie konnte sich, obwohl schon mehr als zehn Jahre seit jenem Tage vergangen waren, so genau auf den Vorfall besinnen, als sei es erst gestern gewesen. Eine Schar Kinder, darunter sie, schaukelten in einem schlecht angebundenen Boote, das Tau löste sich, und das Boot mit den schreienden Kindern trieb vom Lande ab. Jens, der am Bootshause stand, war gleich mit seinem schmucken kleinen Boote nachgefahren und als er mit dem Bootshaken hinüberlangte, um das Boot festzuhaken, war das Unglück geschehen. Agnes schrie und zeterte fürchterlich, aber Jens hatte vor allen Dingen die beiden Boote in Sicherheit gebracht und dann erst das weinende Mädchen heimgeführt und gesagt, es sei ohne seine Schuld geschehen, sein Boot habe so sehr geschaukelt. Aber der Vater, der dazukam, überhäufte Jens mit Schmähreden und zornigem Schelten,