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Hersscker LeiMt.

Gratisbeilagen:Illnstrirtes Sonntagsblatt" n.Illnstrirte landwirthschaftliche Beilage".

Nr. 14. AtiiftW den 2. Kni 1896.

Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen Mustrirtes Sonntagsblatt" und Jllustrirte landwirthschaftl. Beilage" für den Monat Juni werde,r von allen Kaiser­lichen Poftanftalten, kandbriefträgern und von der Expedition anaenommen.

Amtliches.

Berlin, den 9. April 1896.

Bei dem zum überwiegenden Theile schnellen Wachs­thum der Gemeinden und dem Bestreben derselben, den Interessen des öffentlichen Verkehrs rc. Rechnung zu tragen, mehren sich fortgesetzt die Fälle, in denen zur Erreichung dieser Zwecke Bauwerke und andere Gegen­stände von wiffenschaftlichem, historischen! oder künst­lerischem Werthe ganz oder theilweise preisgegeben werden sollen. Soweit dazu gemäß den bestehenden ge­setzlichen Bestimmungen und Verwaltungsvorschriften überhaupt die Genehmigung der Staatsregierung nach­gesucht wird, geschieht dies als ob es sich dabei nur um die Erfüllung einer Form handle in der Regel erst dann, wenn die beteiligten örtlichen Organe die beabsichtigten Maßnahmen zur Ausführung fertig vorbe­reitet haben. Es werden vollständige Entwürfe und Anschläge ausgearbeitet zur Ausführung von Neubauten an Stelle vorhandener Baudenkmäler, zur Erweiterung, Veränderung oder modernen Ausschmückung der Letzteren, zu neuen Straßenanlagen und zur Festsetzung von Bau­fluchtlinien, welche den Abbruch von Bauwerken der in Rede stehenden Art bedingen, auch werden, und zwar besonders wenn es sich um die Veräußerung von be­weglichen Kunstgegenständen handelt, bindende Verein­barungen und Verträge abgeschloffen, und erst dann die Anträge wegen Ertheilung der erforderlichen staatlichen Genehmigung gestellt. Häufig wird sogar in Unkenntniß oder Nichtbeachtung der bereits wiederholt in Erinnerung gebrachten bezüglichen Bestimmungen mit Ausführung der betreffenden Bauarbeiten ohne jede Anzeige be­

Christine.

Erzählung von Zoö von R e u ß.

(Fortsetzung.)

Wo sind Sie bis jetzt gewesen, Herr Wachsmuth?" fragte Christine den Gedankengang ihres Begleiters unterbrechend.

In Böhmen, um die Glasschleiferei zu erlernen, natürlich auf Kosten des Prinzipals!"

Das ist doch aber ein Glück!" meinte Christine. O, der Herr ist gut!" setzte sie hinzu, indem sie an die Nachsicht dachte, die ihrem armen Vater lange Zeit zu theil geworden war.

Gut? Nun, wie man'S nehmen will. Die Herren sorgen dabei immer zuerst für sich, wenn sie einmal an unsereinen denken! Da hat der Kommerzienrath ein Patent gekauft, auf ArzneiflaschenTropfgläser," aus denen man die Arznei tropfenweise herausfließen lassen kann. Dazu gehören nun eingeschliffene Glasstöpsel, deren genaue Bearbeitung ich in Böhmen studiert habe!"

Er ist auch klug, der Herr," warf Christine wieder ein.Ohne uns könnte er aber doch nichts machen!

Was du doch für eine stattliche Dirn geworden bist!" brach Carl Wachsmuth von neuem in Bewunde­rung aus.Du bist nicht gemacht für eine Hofmagd!"

Klein und wohl ist besser, als groß und wehe! Ich bin zufrieden!" wies sie ab.

Weil dn's nicht bester weißt!"

Möglich! Hier der Richtweg über die Halbe sührt gerade auf Tienckenhof-Garten zu. Adjes!"

gonnen, was die spätere Jnhibirung der Arbeit zur i Folge hat. Wenn dann in solchen Fällen die verspätet nachgesuchte Staatsgenehmigung nicht sogleich ertheilt werden kann, sondern im Jntereffe der Erhaltung der Bau- und Kunstdenkmäler Bedenken zu erheben sind, werden über angebliche Verzögerung der Angelegenheit durch die Staatsregierung gewöhnlich lebhafte, ganz un­berechtigte Klagen geführt.

Mit Rücksicht hierauf ersuche ich Ew. Hochgeboren ergebenst, gefälligst auf geeignete Weise den Gemeinden des dortigen Amtsbezirks in ihrem eigenen Jntereffe die sorgfältige Beachtung der bestehenden Bestimmungen noch­mals zu empfehlen, da sie nur in diesem Falle ohne Zeitverlust zum Ziele gelangen werden.

Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal- Angelegenheiten. gez.: Bosse.

An den Königlichen Regierungs-Präsidenten, Wirklichen Geheimen Ober - Regierungs - Rath Herrn Grafen Clairon d'Hauffonville Hochgeboren zu Caffel. U.IV. Nr. 685 G. I. G. II. G. III. A.

* * *

Caffel, den 8. Mai 1896.

Abschrift theile ich Ew. Hochwohlgeboren rc. ergebenst unter Hinweis auf § 16 und 30 des Zuständigkeits- Gesetzes sowie des § 50 Nr. 2 des Gesetzes vom 20. Juni 1875, G.-S. S. 241, § 2 Nr. 2 des Gesetzes vom 7. Juni 1876, G.-S. S. 149 und Art. 18 Nr. 2 des Gesetzes vom 19. März 1886, G.-S. S. 79, mit zur gefälligen Kenntnißnahme und entsprechenden Beachtung in geeigneten Fällen

Der Negierungs-Präsident.

Wirkt. Geh. Ober-Reg.-Rath Haussonville.

An die sämmtlichen Herren Landräthe des Bezirks und den Herrn Polizei-Präsidenten hier. A. IV. 2897.

* * * Hersfeld, den 29. Mai 1896.

Wird den Herren Ortsvorständen des Kreises zur Nachachtung mitgetheilt.

I. 2906. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

** Der deutsche Kriegerbund.

Bei der jetzt so viel beklagten unterwühlenden Thätig­keit der volkSverhetzenden Sozialdemokratie ist es von

Ich sehe dich doch wieder, Tina? Wahrhaftig, ich meine es nicht böse, wenigstens nicht mit dir!" Christine besann sich ein Weilchen, dann nickte sie zustimmend. Sie war gar zu einsam in der Welt.

IV.

Zuerst war es nur ein schwacher grüner Schimmer, der sich über den Weizenacker verbreitete. Dann kam die Saat immer mehr hervor ans goldene Sonnenlicht, bis die feinen Hälmchen so dicht und stramm nebenein­ander standen, wie die Haare in einer Bürste.

Befriedigt blickte Claus Tiencken über die grüne Fläche, dann schielte er hinüber nach dem Nachbaracker. Er gehörte zum Schulzenhof, und das war gut, denn keine andere als die einzige Tochter des Dorfschulzen sollte diesmal seine Frau werden. Dann konnten die beiden Getreidebreiten vielleicht zusammengeworfen werden.

Als Claus Tiencken am nächsten Sonntage aus dem Schulzenhofe heimkehrte, pfiff er den Marsch, den die Musikanten just nur auf den Hochzeiten bliesen. In der That konnte der junge Wittwer mit dem Gange der Heirathsangelegenheit zufrieden sein. Darum war er plötzlich im Hause freundlich und lustig und schalt nicht mehr, wenn Christine das Kind in den Schlaf sang und damit seinen gelegentlichen Tagesschlummer störte.

Dennoch mußte es die Auserkorene mit dem Jawort nicht eilig haben. Ein schwer reiches Mädchen hat eben der Freier viele. Und so war es Maienzeit geworden, als sie endlichBotschaft" sandte, in der sie versprach, sich die künftige Häuslichkeit ansehen zu wollen.

nicht zu unterschätzender Bedeutung, daß es im deutschen Vaterlande eine Körperschaft giebt, deren Mitglieder es als ihre vornehmste Pflicht erachten, die Treue zum Herrscherhause, die Liebe zum Vaterlande zu pflegen und zu erhalten: den deutschen Kriegerbund. Es gab eine Zeit, wo die Kriegervereinsbewegung und ihre Bedeu­tung für das soziale Leben der Gegenwart und der Zukunft wenig beachtet wurde. Die sogenannten ge­bildeten Stände hielten sich fern von einer Bewegung, die von unten herauf sich entwickelte und den einfachen Mann, der des Königs Rock in Ehren getragen hatte, in erster Linie ergriff. Diese Zeit ist glücklicherweise vorüber. Das heilige Feuer der Vaterlandsliebe siegte über die Gleichgültigkeit und die unbegründete Zurück­haltung, und ganz besonders hat das Jubiläumsjahr unserer letzten großen Siege viele aufgerüttelt. Das zeigt auch der soeben erschienene vierundzwanzigste Ge­schäftsbericht des deutschen Kriegerbundes.

Noch einmal werden uns in großen Zügen die Ruhmestage des deutsch-französischen Krieges im Geiste vorgeführt, noch einmal werden wir an die Kämpfe und Siege, an die Strapazen und Entbehrungen des Feld­zuges, an die gefallenen Kameraden und nicht zuletzt an unsern entschlafenen Heldenkaiser und seine ruhmvollen Generale erinnert. Mit Freude weilt der Bericht bei der Schilderung des letzten 19. August, wo auf dem Tempelhofer Felde bei Berlin die drei Berliner Krieger­verbände als die Vertreter aller ihrer preußischen Kame­raden vor den Augen ihres Königs in festlicher Parade standen. Ganz besonderer Dank aber wird dem Kaiser gespendet für die 1,8 Millionen Mark, die fortan an jährlichen Unterstützungen an 15 000 erwerbsunfähige Veteranen vertheilt werden.

Der deutsche Kriegerbund vereinigte am 1. April 1896 in 241 Verbänden und Bezirken 10163 Vereine mit 864 478 Mitgliedern. Das bare Bundesvermögen belauft sich auf 773 700 Mark. An Unterstützung hat der Bund im Jahre 1895 an 5564 bedürftige Kameraden und Wittwen 81 217 Mark gezahlt. Die beiden Krieger- Waisenhäuser des BundesGlücksburg" in Römhild, im Jahre 1884 mit 5 Zöglingen, und in Canth in Schlesien, am 15. Juli 1893 mit 26 Zöglingen eröffnet, ersetzen jetzt schon 156 Kindern das Vaterhaus. Die Kriegerfechtanstalt hat einen Reingewinn von 44217 Mark erzielt. Der deutsche Kriegerbund umfaßt z. Zt. 371 Sanitätskolonnen, welche sich lediglich nur aus

Am folgenden Sonntage erschien sie pünktlich in Be­gleitung einer Anverwandten. Sie war vollständig nach der neuesten Mode gekleidet und trug sogar Glacshand- schuhe. Claus Tiencken in schwarzem Gottestischrocke und bunt gestreifter Weste machte einen stattlichen Wirth, als er sie in die Stube führte und dort mit kräftigem Händedruck willkommen hieß.

Auf dem Tische standen Kaffee, süßer Branntwein und ein großer Teller mit einem Berg voll massiger Stücke frisch gebackenen Hefenkuchens.

Christine mußte die Gäste bedienen. Auch sie hatte zur Feier des Tages die besten Schuhe aus der Kammer geholt und blendend weiße Zwickelstrümpfe an die Füße gezogen. Dazu umrahmten die blonden Flechten fast goldig wie Weizenühren das stille, sanfte Gesicht wie ein Heiligenschein.

Mit der Unterhaltung machte man sich nicht viel Beschwerde, Claus Tiencken war sparsam in allem, auch in Worten. Man wußte ja, was man von einander wollte, lange Reden waren überflüssig.

Dafür schickte er sich an, die Zukünftige alsbald im ganzen Hause umherzuführen.

Die sorgfältige Genauigkeit, welche die Schulzen- tochter beim Kennenlernen der zukünftigen Häuslichkeit zu entwickeln begann, trug ihr bei dem Freier aner­kennende Bewunderung ein. Sie ist gescheit und hat nicht Lust, die Katze im Sacke zu kaufen, dachte er und nahm sich vor, es seinerseits bei der Mitgift ebenso zu machen. Zum zweiten Male ging er nicht auf den Leim. Zuerst besuchte man den Stall, um das prächtige