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esselher Aeisblatt.
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«r. 71.
Donnerstag Heil 18. Km
1886.
Amtliches.
Hersfeld, den 15. Juni 1896.
Nach Mittheilung des Vorstandes der Ortskranken- kaffe für die Landgemeinden des Kreises ist eine größere Anzahl der Herren Ortsvorstände mit der Erledigung der Verfügung vom 23. August v. I. I. I. Nr. 4921, Kreisblatt Nr. 100, die Einreichung des Vierteljahr- Verzeichnistes über die in der Gemeinde beschäftigten versicherungspflichtigen Personen, noch im Rückstände. Die fragliche Verfügung ist b e st i in m t bis zu m 24. d. Mts. zu erledigen und ist auch für die Folge bis späte stens zum 8. des auf den Quartalsschluß folgenden Monats das fragliche Verzeichniß pünktlich einzureichen.
I. I. Nr. 3197. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Hersfeld, den 16. Juni 1896.
Für den am 26. Februar 1880 zu Heringen geborenen Jakob Heinrich Gebühr ist um Ertheilung eines Reisepasses behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.
I. I. Nr. 3237. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Nath.
Homberg, den 13. Juni 1896.
Königliches Landralhsamt benachrichtige ich ergebenst, daß unter der Schafheerde des Schäfers Heinrich Krause zu Schell bach die Räudekrankheit ausgebrochen ist. Der Königliche Landrath. I. V.: Heydenreich. An Königliches Landrathsamt zu Hersfeld.
Hersfeld, den 16. Juni 1896. Wird veröffentlicht.
I. 3231. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Christine.
Erzählung von Zo« von R e u ß.
(Schluß.)
Nachdem die Versicherungsbeamten den Schaden in Augenschein genommen hatten, begannen sofort die Aufräumungsarbeiten, die auch den Kadaver des armen, jungen Prachtstiers halbverkohlt zu Tage förderten.
Der Gedanke an Brandstiftung lag nahe. Claus Tiencken hatte noch selbst gegen Abend dem Liebling und Stolz des Hofes das letzte Futter gereicht, ahnungslos, daß er eine Henkersmahlzeit spende. Von der Innenseite des abgeschlossenen Gehöfts war niemand hinein- gelangt. Anders war es von außen. Ein geschickter, srevelnder Arm konnte von hier aus immerhin Unheil stiften durch Einsteigen in das schlecht verwahrte Fenster oder durch Hineinwerfen einiger brennender Streichhölzchen.
Der Verdacht der Brandstiftung fiel ganz von selbst auf den Glasschleifer, der seinem Haß gegen den Nebenbuhler oft genug Luft gemacht hatte, auch gegenüber den Kollegen. Auch daß er andern Tags spurlos verschwunden war, war ein Verdachtsmoment. So wurde der Gendarm unverzüglich benachrichtigt, um auf Carl Wachsmuth zu fahnden.
Es dauerte lange, viele Tage, ehe für Christine die Lebensgefahr geschwunden war, und selbst dann war immer noch eine Beeinträchtigung der Gesundheit zu sürchten. Endlich gelang es der richtigen Behandlungs- weise des Arztes und der Aufopferung der Pflegerin,
Nichtamtliches.
3»r KiMihW )es Hffhiiilser-Ieilkmlils.
18. Juni.
In Gegenwart des Kaisers und vieler deutschen Bundesfürsten wird heute auf dem sagenumwobenen Kyffhäuserberge das Denkmal feierlich eingeweiht werden, das deutsche Krieger aus eigenen Mitteln dem Begründer des Reiches errichtet haben. Aus allen Theilen unseres Vaterlandes sind die Vertreter der Kriegervereine herbeigeströmt, zu dieser herrlichen Feier, um Zeugniß abzu- legen von ihrer Liebe und Treue zu Kaiser und Reich.
Aber die Tausende und Zehntausende, die heute den Festplatz andächtig umstehen, die sind nur eine schwache Vertretung der Millionen, die in ihren Gedanken an der Feier theilnehmen. Denn wo immer sich gute Deutsche finden im Reich und in der Fremde, da schlagen die Herzen höher bei dem Gedanken an den unvergeßlichen Kaiser, und freudig bringen sie ihm den Zoll unerschütterlicher Liebe und Dankbarkeit. Ein jeder fühlt, daß in dem Kaiser, dessen Bildniß von den alten Kriegern hier errichtet ist, das deutsche Volk auch seinen Repräsentanten sieht, den Führer und Leiter aller jener, die mit ihm in frohem Opfermuth das ihre gethan haben, um den Erbfeind an den Grenzen des Vaterlandes niederzuwerfen.
„Preußen," sagt man wohl, „hat die Uniform zum Staalskleide gemacht!" Aber man trifft damit nur eine Aeußerlichkeit. Unser Königshaus hat das moderne Heerwesen geschaffen, aus Preußen kommt die Erneuerung des „Volks in Waffen" als des natürlichen Schutzmittels von Freiheit und Kultur; und mit dem Wiederaufleben dieses uralten Begriffs ist in Kaiser Wilhelm dem Siegreichen auch die Gestalt des Heerkönigs wieder lebendig geworden. Unter dem Eindrücke von Preußens militärischer Schwäche und Deutschlands Schmach ausgewachsen, schwebte unserm ersten Kaiser von Jugend auf bis in sein Greisenalter nur ein Ziel vor: die Reorganisation von Preußens Wehrkraft und dadurch die Erringung der deutschen Volkseinheit. Daß er, der allzeit bescheidene, herzensdemüthige Regent, nicht nach der Kaiserkrone gestrebt hat, wie der erste Napoleon, ist durch die Geschichte erwiesen und gereicht nur zur Bestätigung deffen, daß Kaiser Wilhelm nichts weniger als
die Kranke soweit in der Genesung zu fördern, daß weiteres Unheil abgewendet schien. Die Schmerzen der verschiedenen Brandverletzungen hörten auf, und die Kranke konnte im Bette aufsitzen. Allmählich kam nun für sie die schöne Zeit, wo wir wieder Kino er sind, aber bewußte Kinder, wunschlos und still, nur mit dem Kind- Heitsfrieden im Herzen, und voll reinster, innigster Dankbarkeit gegen Gott! Jeder Sonnenstrahl erfreut uns, jede Blume entzückt uns, und die schmerzvoll ausgestoßenen Seufzer wandeln sich in ebensoviel Dankgebete!
Gottfried fragte jeden Tag ungezählt nach der Kranken und hätte lebensgern seinen Buchweizenpfann- kuchen und Bohnen und Speck mit ihr getheilt trotz seines sonstigen Appetits. Eines Tages als die Genesung weitergeschritten war, brächte er ihr den Brief ihres Bruders zurück und sagte, indem er das wenig saubere Blatt aus der Tasche seines Kamisols zog: „Ein kluger Brief, Tina, ja, ein schöner Brief! Amerika muß einem wohl gefallen, wenn man ihn gelesen hat. Ja, unsereins hätte auch Lust! — Du willst doch noch hinüber?
Christine antwortete nicht gleich, dann sagte sie leise: „Nun mich der liebe Gott so wunderbar errettet hat, muß ich schon, um den Oheim und den Bruder, die nach mir und dem Antje verlangen. Aber ich meine, daß es noch lange dauern wird, die Weihnachtstanne werden sie wohl allein brennen sehen! Auch will ich das heilige Abendmahl noch hier nehmen, wie sie alle thun, ehe sie aufs Waffer gehen —"
„Ich möchte wohl mit dir, aber — nein, ich bleibe
ein ehrgeiziger Eroberer war. Lediglich, um fremden Frevelmuth abzuwehren, zog er, ein Friedensfürst in ruhigen Zeiten, mit seinem Volke aus zu blutigem Ringen.
Mit seinem Volke! Dankbar und stolz dürfen wir das aussprechen. Kaum ein anderes Volk hat das Glück, ein Fürstenhaus zu besitzen, dessen Herrscher Freud und Leid so treu mit ihm getheilt haben; keinem zweiten Fürsten ist von seinem Volke eine solche Liebe entgegengebracht worden, wie unserm ersten Kaiser.
Darum ist die heutige Feier, gerade wie jene am 28. September 1883, wo auf dem Niederwalds das den gefallenen Kriegern gefetzte Denkmal der Wacht am Rhein enthüllt wurde, eine nationale, getragen von der Liebe für das große Ganze. Ja, das Denkmal auf dem Kyffhäuser ist die nothwendige Ergänzung des erstern. „Vergeht der theuren Todten nicht!" ruft uns vom Niederwalds die weit auf den Rheingau hinausschauende Germania zu; das Denkmal auf dem Kyffhäuser wird kommende Geschlechter an den einzigen, von Gott berufenen Führer des Volksheeres im Kampfe um den Rhein erinnern und an die herrliche Frucht dieses Kampfes: das deutsche Reich.
Draußen auf den Schlachtfeldern und im Reiche auf unzähligen Gräbern m.u Siegesdenkmäleru liegen von den Erinnerungstagen des großen Krieges Tausende von Kränzen. Sie gelten den heldenmüthigen Söhnen unsers Volkes, die mit ihrem Blute das Feld gedüngt haben, von dem wir Deutschlands Einheit geerntet. Wenn wir heute auch an des ersten deutschen Kaisers Denkmal unsere Kränze niederlegen, geben wir dem Bewußtsein Ausdruck, daß Fürst, Heer und Volk unzertrennbar sind, und daß unser deutscher Wahlspruch auch ferner bleiben wird: „Mit Gott für Fürst und Vaterland, für Kaiser und Reich."
Politische Nachrichten.
Berlin, 16. Juni.
Ihre Kaiserlichen Majestäten unternahmen heute früh von 7 Uhr ab einen gemeinsamen Spazierritt in die Umgebung des Neuen Palais. Zurückgekehrt von demselben, hörte S e. Majestät der Kaiser den Vortrag des Chefs des Geheimen Civil- kabinets, Wirkl. Geh. Raths Dr. v. Lucanus, und
doch lieber hier!" gab der bucklige Gottfried seinen letzten Entschluß.
„Ich kann dir'S nicht verdenken!" stimmte Christine zu. Die Reise lag vor ihr wie ein Berg, den sie übersteigen mußte; sie ahnte, daß sie das Heimweh niemals überwinden werde. „Ich meine, 's ist auch bester für dich, Gottfried!"
Es heißt: „Bleibe im Lande und nähre dich redlich!" erinnerte sich Gottfried aus der Schule.
„Und in Amerika — sie sagens alle, die drüben gewesen sind — kümmert sich keiner um den andern! Das ist nichts für dich, guter Gottfried!"
„Und dann, Tina, die — Hauptsache!" machte der Bucklige geheimnißvoll.
„Nun? Was?"
„Ich habe doch meine Altersversichernng! Das giebts in Amerika ganz gewiß nicht!"
„Nein, nein, davon hat man noch nichts gehört!" bestätigte das Mädchen.
„Mein Vater unb meine Mutter sind todt, und mein Bruder hat selbst nicht viel. Aber der liebe Gott im Himmel und mein Kaiser Wilhelm in Berlin haben für mich gesorgt!" sagte Gottfried hochbeglückt.
„O, wie mich das freut, daß es dir im Alter nicht schlecht gehen wird!" stimmte Christine freudig zu.
„Wenn ich alt bin, werde ich durch den lieben Gott und meinen Kaiser ein reicher Mann sein! Jetzt bleibe ich noch lange im Tienckenhose. 's ist ein saures Schaffen hier, und der Lohn könnte auch größer sein. Aber 'S ist gute Ordnung^hier, mehr als anderswo! Ich glaube,