Einzelbild herunterladen
 

Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.

Abomiementsprcis vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg, exel. Postaufschlag.

\.T--r-.., ......,7-r-;-r-----

J ......... " . ii T"riu

Die Jnsertionsgebühren betragen für den Raum einer SpaKzeUe 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklanien die Zeile 20 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender

Rabatt.

>-----------_ - -._ - ^

t$W Aeisblatt.

Gratisbeilagen:)lluftrirtes Sonntagsblatt^^ n.Zllnstrirte landwirthschastliche Beilage".

Nr. 76.

Dienstag Jen 30. Km

1888.

Dmmck-LMmli.

Mit dem 1. Juli beginnt ein neues Abonne­ment auf das wöchentlich 3 Mal erscheinende Hersfelder Kreisblatt

mit den Gratisbeilagen

Jllustrirtes Sonutagsblatt" ^ Jllustrirte landwirthschaftl. Beilage"

DasKreisblatt" bringt außer den amtlichen Bekanntmachungen zuverlässige Mittheilungen über Er- eignisse in der Politif, Berichte aus dem Kreise und der Provinz. Reichhaltige Nachrichten vermischten In­halts bringen alle sonstigen mittheilenswerlhen Ereig­nisse des täglichen Lebens zur Kenntniß der Leser. Daneben werden sorgfältig ausgewählte Erzählungen einen weiteren Theil des Lesestoffes bilden.

S^ Die wichtigsten Ereignisse gehen uns durch Telegramme zu und werden wir dieselben nötigenfalls durch Extrablätter verbreiten.

Der vierteljährliche Abonnementspreis für das Kreisblatt" beträgt j Mark 40 pfg.

^uLm***^ finden durch dasKreisblatt" ^llfvvmv zweckentsprechende Verbrei­tung und kostet die fünfgespaltene Garmondzeile oder deren Raum so pfg.

Die Expedition.

Amtliches.

Am 1. Juli wird in dem zum Landbesiellbezirke des Kaiserlichen Postamts in Hersfeld gehörigen Orte AllmerS- Hausen eine Posthülfstelle eröffnet, deren Verwaltung dem Bürgermeister Nieding übertragen ist.

Cassel, den 23. Juni 1896.

Der Kaiserliche Ober-Postdirektor. Frank.

Gefunden: Eine gestrickte Jacke und eine lederne Tasche. Meldung der Eigenthümer bei dem OrtSvor- stand zu Friedewald.

Nichtamtliches.

Die Präsidentenwahl in Nordamerika.

Am 4. März 1897 endet die Amtszeit Clevelands, des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Nord­amerika. Am 4. November dieses Jahres muß nach der Verfassung fein Nachfolger gewählt werden. Schon seit Wochen ist der Wahlkampf, wie gewöhnlich, auf das heftigste entbrannt. Der Wahlfeldzug zerfällt in zwei Abschnitte, in die parallel laufenden Agitationen der demokratischen und der republikanischen Partei, die darauf hinausgehen, die Kandidaten- und die Wahlprogramm­fragen zu erledigen, und in den Wettlauf zur eigentlichen Präsidentenwahl, die indirekt, durch Wahlmänner, voll­zogen wird.

Die Kampagne wird mit der Wahl der Delegierten eingeleitet, die in dem Staate der Union von den Par­teien ernannt werden. Diese Vertrauensmänner treten dann zu den sogenannten Nationalkonventionen zusammen, welche die Kandidaten für die Präsidentschaft aufstellen. Der Parteitag der republikanischen Partei war am 17. Juni in St. Louis versammelt und hat den bekannten Schutzzöllner Mac Kinley zum Kandidaten gewählt; die demokratische Nationalversammlung wird im Juli in Chicago tagen.

Doktrinäre Schwärmer für republikanische Selbstbe­stimmung, die aber die wahren Verhältnisse und Vor- «änge nicht kenne», sind vielleicht noch heute der Ansicht, daß eine nordamerikanische Präsidentenwahl das Werk

des Volkswillens sei. In Wirklichkeit kann davon nicht die Rede sein; die ganze Präsidentenwahl ist eine poli­tische Komödie, die von Leuten, welche die Politik als Geschäft oder als Sport betreiben, gespielt wird. Der Verlauf der monatelangen Wahlkampagne mit der ganzen Korruption, die sie zur Folge hat, ist eine Satire auf republikanische Ehre, Freiheil und Tugend. Bestechung und Wahlbeeinflussung sind un der Tagesordnung.

Für die amerikanischen Verhältnisse ist es bezeichnend, daß es keineswegs politische Gegensätze, sondern aus­schließlich geschäftlich-materielle Fragen, wie besonders die Tarif- und die Währungsfragen, find, welche bei dem Konkurrenzkämpfe der beiden Parteien den Ausschlag geben. Nur in wirthschaftlichen Fragen gehen die An­schauungen der Demokraten und die der Republikaner auseinander. Die Republikaner sind unbedingte Anhänger des Schutzzolles. Ihr System gipfelt in der bekannten Tarifbill, welche den Namen ihres Kandidaten Mac Kinley trägt. Dieses Gesetz hat vier Jahre lang Europas Handelsverkehr mit den Vereinigten Staaten gelähmt, zum größten Schaden der Mehrheit der eigenen Bevölke­rung, die sich daraufhin 1892 aufraffte und die republi­kanische Partei wegfegte. Von den Demokraten wird eine so schroffe Schutzzollpolitik nicht befürwortet. Di' Wahl Mac Kcnleys zum Präsidenten würde daher, da er von seinem Standpunkte in der Tariffrage aller Wahrscheinlichkeit nach nicht abweichen wird, ganz dazu angethan sein, die geschäftlichen Kreise nicht nur in Amerika, sondern auch in Europa zu beunruhigen.

Den Angelpunkt der Wahlprogramme scheint diesmal die Währungsfrage zu bilden, aber merkwürdigerweise giebt es ebensowohl unter den Demokraten wie unter den Republikanern erbitterte Gegner und begeisterte Anhänger der Silberwährung. Mac Kinley hat daher, obwohl er von Haus aus Silberwährungsmann ist, die kluge Taktik befolgt, sein Programm so zweideutig zu gestalten, daß die Gold- wie die Silberfreunde mit gleich großer Begeisterung dafür eintreten können.

Die Demokraten, die mit den Wahlvorbereitusigen im Rückstände sind, haben diesmal weniger günstige Chancen. Diese vor 4 Jahren siegreiche Partei hat im Laufe ihres Regiments zahlreiche Fehler begangen, die sie theilweise um die Volksgunst gebracht haben; insbe­sondere hat sich die auswärtige Politik Clevelands be­ständig im Konflikt mit der öffentlichen Meinung, be­sonders in der kubanischen Frage, befunden. Die Partei hat bisher ihren Kandidaten noch nicht aufgestellt, aber man nimmt allgemein an, daß Cleveland zum dritten- male kandidieren wird, obwohl dies mit der seit dem Beispiele Washingtons herrschenden Ueberlieferung im Widerspruch steht.

Politische Nachrichten.

Inland.

Berlin, den 28. Juni.

Der zum 70. Geburtstage des Großherzogs von Baden am 9. September in Karlsruhe stattfindende Jubiläumtzfestzug wird sich zu einer großartigen Hul­digung für den Großherzog gestalten. Der Gesammtzug wird etwa 70 Gruppen mit 40 Festwagen umfassen und aus 12 Abtheilungen bestehen. An diesen Festzug soll sich noch eine Reihe weiterer Festakte anschließen.

DieMünchener Allgem. Ztg." meldet unterm 27. Juni: Se. Königl. Hoheit Prinz Ludwig von Bayern ist gestern in Hamburg eingetroffen und wird Montag Vormittag in Kiel an Bord der kaiserlichen Jacht Hohenzollern" von Sr. Majestät dem Kaiser empfangen. DieAllgemeine Zeitung" schreibt: Man werde annehmen dürfen, daß durch den Besuch des Prinzen bei Sr. Majestät dem Kaiser den mißdeutenden Erörterungen über die bekannte Rede des Prinzen Lud­wig der Boden endgültig entzogen werde.

Bei dem Besuche L i - H u n g - T s ch a n g S beim Fürsten BiSmarck sagte dieser, daß er sich hochgeehrt fühle, den bekanntesten und berühmtesten Staatsmann

Chinas persönlich kennen zu lernen.Wir haben beide lange Zeit ein großes Land unseren Herren regieren helfen!" Der Vizekönig antwortete:Ich habe bloß für China etwas thun können, aber Durchlaucht für die ganze Welt!" Fürst Bismarck fuhr fort, er habe während feiner Amtsthätigkeit immer den Wunsch einer An­näherung an China gehabt,aber die Hindernisse, die nicht in mir lagen, waren zu groß!"

Voraussichtlich wird sich der Reichstag, nachdem er die zweite Lesung des bürgerlichen Gesetzbuchs be­endigt hat, für den 29. und den 30. Juni vertagen, sodaß die dritte Lesung am Mittwoch und in den fol­genden Tagen stattfinden kann.

Durch Beschluß des Bundesrathes sind von dem Verbot der Sonntagsarbeit im Gewerbebe­triebe ausgenommen: Molkereien mit Ausnahme der Be­triebe zur Herstellung fetter Hartkäse. Bei täglich ein­maliger Milchlieferung der Betrieb während fünf Stun­den bis 12 Uhr Mittags, bei täglich zweimaliger Milch­lieferung der Betrieb während fünf Stunden bis 12 Uhr Mittags und während einer Nachmittagsstunde. Den Arbeitern ist mindestens an jedem dritten Sonntage die zum Besuch des Gottesdienstes erforderliche Zeit freizu­geben. Betriebe.- '-,^ stell rmq. fetter Hartkäse Der Betrieb während der Zeit vom 1. März bis 31. Oktober. Den Arbeitern sind mindestens Ruhezeiten gemäß § 105c Absatz 3 der Gewerbeordnung oder für jeden dritten Sonntag eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens 30 Stunden zu gewähren.

Das neueste Statistische Jahrbuch für das Deutsche Reich enthält eine Uebersicht über den Antheil der wich­tigsten Waren an der Einfuhr Deutschlands. Darnach machten von der Gesammteinfuhr ein Prozent oder mehr folgende Waren aus: Einfuhr 1895 in Millionen Mark: rohe Schafwolle 248,0, rohe Baumwolle 220,7 roher Kaffee 202,5, Weizen 144,5, Wollengarn 119,4, unge­färbte Rohseide 99,1, Gerste 89,8, unbearbeitete Tabak­blätter 88,4, Rindshäute 82,5, Roggen 80,0, Pferde 74,8, Eier 74,4, Chilisalpeter 71,2, Stein­kohlen 63,3, Petroleum 61,6, Baumwollgarn 56,7, rohes Bau- und Nutzholz 56,7, Schmalz 52,7, gesägtes Bau- und Nutzholz 43,2, rohes Kupfer 40,2. Getreide steht somit bei der Einfuhr an Bedeutung weit hinter andern Waren zurück. Rechnet man die Einfuhr von Weizen, Gerste, Roggen und Hafer (20,6 Millionen Mark) zusammen, so machte 1895 die Einfuhr dieser vier Hauptgetreide­arten noch nicht acht Prozent der Gesammteinfuhr aus. Auf die Spinnstoffe für die Textilindustrie entfällt zum Beispiel ein mehr als doppelt so hoher Antheil. In­teressant ist auch die Thatsache, daß Eier fast für so viele Millionen Mark eingeführt wurden wie Roggen.

Das Entlassungsgesuch des Ministers für Handel und Gewerbe Freiherr« v. B e r l e p s ch ist unter Belassung des Ranges und Titels eines Staatsministers genehmigt und der Unterstaatssekretär im Ministerium der öffentlichen Arbeiten, Wirklicher Geheimer Rath B r e f e l d zum Staatsminister ernannt und ihm das erledigte Portefeuille übertragen worden.

Der preußische Eisenbahnminister hat Fahrpreiser­mäßigungen für Badereisen unbemittelter alter Krieger gewährt, in der Weise, daß ihnen die Fahrt in der dritten Klasse aller Züge zum Militärfahrpreis für die Hin- und Rückreise, gleichzeitig auch für einen etwa nöthigen Begleiter gestattet ist. Sie haben nur von ihrer Ortsbehörde eine Bescheinigung über ihre Bedürf­tigkeit und die Nothwendigkeit einer Badekur beizubringen.

Der 24. deutsche Aerztetag mit 180 Theil- nehmern ist am Freitage in Nürnberg eröffnet worden.

Den zwischen dem Deutschen Reich, Frankreich, Italien, Oesterreich, Ungarn und der Schweiz getroffenen Vereinbarungen, betreffend die technische Einheit im Eisenbahnwesen, sind Dänemark und Luxemburg beigetreten.

Der N e ichs tag hat die zweite Berathung des bürgerlichen Gesetzbuches, und zwar des FamilienrechtS fortgesetzt. U. a. wurde beschlossen, daß Geisteskrankheit kein EhescheidungSgrund sein solle.