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t$W Kreisbllltt.

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Sr. 85. LieO, den 21. Wi

1896.

Amtliches.

Unter dem Rindvieh des Conrad Sandlos dahier ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.

AllmerShausen, den 18. Juli 1896.

Der Bürgermeister N i e d i u g.

Nichtamtliches.

DieGehaltsanfbessermig der Beamten.

Der Entschluß der Regierung, die Beamtengehälter zu erhöhen, begegnet nicht bloß in den hiervon unmittel­bar betroffenen Kreisen einer freudigen Zustimmung, sondern überall, wo man die eigenartige Stellung des i preußischen Beamten im öffentlichen Leben in ihrer ganzen ' Bedeutung zu würdigen weiß. Aus den vaterländischen I Gedenkblättern ist es mit unauslöschlicher Schrift ver­zeichnet, daß das altpreußische Beamtenthum eine der Grundsäulen für das Emporwachsen des brandenburgisch- preußischen Staatsbundes zu einem festen Schirm aller deutschen Stämme gewesen ist, und für die engere preußische Staatssamilie mindestens dieselbe Bedeutung gehabt hat, wie die Straffheit des Heeresdienstes und die Ordnung der Finanzen. Der altpreußische Beamte hat seinen Dienst für das Vaterland in erster Reihe als ein hohes Ehren- und Vertrauensamt ansehen sollen, und zu seinem Ruhme sei es gesagt auch stets angesehen. Dieser altpreusische Beamtengeist lebt noch heute ungemindert in allen Beamtenklassen fort; die alt­preußische Königs- und Berufstreue, der unermüdliche; Fleiß, die feste Beamtendisziplin, die Unbestechlichkeiti und Selbstenthaltung in der Lebensführung, alle diese - unschätzbaren Vorzüge haben sich von dem älteren Ge- ; schlecht auf das jüngere ziemlich unverfälscht vererbt| und erheben noch heute das preußische Beamtenthum thurmhoch über das aller anderen Staaten. In diesen Vorzügen wurzelt auch das hohe Ansehen, welches das preußische Beamtenthum noch heute überall genießt, und darum ist es auch von Alters her ein berechtigter preußi­scher Staatsgrundsatz gewesen, den Dienst des Beamten nicht durch hohe Soldzuwendungen gewissermaßen zu er­kaufen, sondern diesem immer das Bewußtsein wachzu­erhalten, daß es in erster Reihe eine besondere Ehre

(Nachdruck verboten.) schwere Kämpfe.

Roman von J. P i a. (Fortsetzung.)

Nein," rief Christa,ich will und werde reden! Ich habe nur allzu lange geschwiegen. Du sollst wissen, was mir Dein Haus gewesen ist. Ein Ort, an dem die edelsten und besten Regungen meiner Natur unterdrückt und zertreten worden sind durch kalte, boshafte Blicke und beständige, unverdiente Verweise, ein Ort, an dem selbst heilige Mutterliebe als kindisch und unpassend be­zeichnet wurde, ein Ort, an dem mein Herz erkrankt ist bei dem ewigen Kreislauf meiner Pflichten, den keine Freude, keine Liebkosung, kein herzliches Wort unter­brochen hat, ein Haus, in dem die Frau der Schwester in allen Dingen ist unterordnet worden wo ihre Meinung nie befragt, ihr Wunsch nie berücksichtigt wurde. Das ist das Heim, um welches mich so viele beneidet haben. Und der Mann, von dem mein vertrauendes Mädchenherz meinte, er würde mich zärtlich beschützen, mich unaufhörlich lieben, mit meinen Fehlern und Schwächen Nachsicht haben und mein Leben durch seine Güte und Fürsorge für mich und Andere zum Segeu gestalten, der Mann hat sich als ein harter, strenger, unerbittlicher Zuchtmeister gezeigt, der meine Jugend "ud Unerfahrenheit vergaß und bei dem geringsten Aus- bruch mädchenhafter Freude und Leichtherzigkeit finster me Stirn runzelte, hat sich kalt und gleichgültig ge­zeigt

des preußischen Staatsbürgers ist, feinem Könige und seinem Vaterlande seine Arbeitskraft zu widmen.

Aber natürlich stellt das wirthschaftliche Leben seine Anforderungen auch an den preußischen Beamten, ebenso gut wie an jeden andern Staatsbürger. Er will, wenn auch ohne Prunk, so doch standesgemäß leben, für das Fortkommen seiner Angehörigen ausgiebig sorgen, einen Nothgroschen zurücklegen. Das würde ihm mehr und mehr erschwert, wenn feine Besoldung ohne Rücksicht auf die fortgesetzt sich vollziehende Werthminderung des Geldes und auf die erhöhten Ansprüche der Gegenwart bemessen würde. Der Beamte soll auch nie der Ver­suchung preisgegeben werden, aus finanzieller Vedrängniß den von außen an ihn herantretenden Einflüssen zu unterliegen und wohl selbst den zersetzenden Strömungen zu verfallen. Darum ist es eine sehr zweckmäßige Maß­nahme der Regierung, wenn sie die im Jahre 1890 bei den Unterbeamten begonnene Gehaltserhöhung auf alle Beamtenklassen überträgt. Ein Staat von dem Ansehen und der Finanzkraft des preußischen verfügt immer über bereite Mittel, um die höheren Zwecke zu fördern.r

Politische Nachrichten.

Inland.

Berlin, 18. Juli.

Seine Majestät der Kaiser nimmt während der Nordlandsreise einen etwa dreitägigen Aufenthalt in Drontheim, wo dieHohenzollern" und der Kreuzer Gefion" Kohlen einnehmen werden. ' 9lad) der Wieder- abfahrt von Drontheim düfte nacheinander vor Molde, Röste, Kleven, NaeS und Sylte geankert werden, wäh­rend Se. Majestät von Bord aus noch Eikedalvand und Romsdal zu besuchen und von Splte aus eine Karriol- fahrt zu unternehmen gedenkt. Nach den bisherigen Bestimmungen liegt es in der Absicht Seiner Majestät, auf der Rückfahrt zwei Tage in Aalesund zu verweilen und von dort am 27. d. Abends in Oeie am Norang-Fjord einzutreffen.

Ihre Majestät die Kaiserin empfing heute in Wilhelmshöhe den Besuch des Großherzogs von Sachsen, welcher dort bis morgen zu verbleiben gedenkt. Am Mittwoch und Donnerstag hatte der Professor Oncken aus Gießen die Ehre, vor Ihrer Majestät und den drei

Immer gewissenhaft, immer seinem Weibe treu," fiel ihr Rainer mit dem Versuch in die Rede, den Strom ihrer Worte zu hemmen.

Immer treu, immer gewissenhaft," wiederholte sie mit verächtlichem Lachen, das von ihren Lippen fast un- heimlich klang,ja treu aber nicht liebevoll ge­wissenhaft aber nicht herzlich. Du und Deine Schwester Ihr habt mein Herz zertreten und mein Leben vernichtet. Ich habe es versucht, mich Euren steifen, kalten Gewohnheiten anzupassen, mein Leben nach dem Euren zu formen, aber kein beifälliges Lächeln, kein ermuthigendes Wort lohnte meine Bemühungen. Ich habe versucht, mein dürstendes, verlangendes Frauen- herz zu meistern und ohne andere Liebe, als die meines Kindes, zu leben. Ich habe gesümpft und wie hart! meine wankenden Schritte auf dem schmalen Pfad der Pflicht zu halten. Ich habe den Einflüsterungen, daß eine Liebe meiner warte, die nur mit dem Leben ende, mein Ohr verschlossen. Von keines Gatten zärt­licher Fürsorge unterstützt, habe ich gegen die Neigung angekämpft, die mir deutlich zeigte, wie süß und be­glückend die gebotene Liebe dem Herzen fein mußte, das beständig schrie:Gieb, gieb!" Und was ist mein Dank? Was erntete ich für das, was ich gesäet habe? Mein Kind, die einzige Blume, welche der Himmel in mein Dornengestrüpp hineingepflanzt hat, um mich vor Ver­zweiflung zu bewahren, wird feig und betrügerisch hinter meinem Rücken entfernt und dahin gebracht, wo keiner Mutter Lächeln und zärtliche Worte das junge Herz erfreuen, keiner Mutter Lippen den rothen Mund küssen

ältesten Prinzen Vortrag über Kaiser Wilhelm I. zu halten

Von der Kaiserreise wird im Anschluß an die kurzen telegraphischen Berichte ausführlicher gemeldet: Kaiser Wilhelm machte am Dienstag von Lärdalsören aus eine Fahrt nach Borgund, von der er am Nach­mittag wieder zurückgekehrt war. In diesem kleinen Ort befindet sich eine Stabkirche, die von den 30 Kirchen dieser Art, die Norwegen noch besitzt, am besten erhalten ist. Sie wird als eine große Merkwürdigkeit bewahrt und ist im Besitz des Vereins zur Erhaltung norwegischer Alterthümer. Als Zeitpunkt der Erbauung dieser kleinen Stabkirche wird das 12. Jahrhundert bezeichnet. Im Innern ist sie sehr dunkel, da Fenster fehlen, deren Stelle vertreten einige kleine runde Löcher. Die eine der Thüren ist mit zwei Runeninschriften bedeckt. Zu kirchlichen Zwecken wird die Stabkirche in Borgund nicht mehr benutzt, ganz daneben befindet sich eine neue Kirche, gleichfalls von Holz. Das öfters genannte Lärdalsören ist ein Strandort in Lärdal, einer Gegend von groß­artiger, wilder Schönheit. Ueberall ist Lärdalsören von steilen Bergen von großer Höhe umgeben, was der Land­schaft einen düsteren Charakter giebt. Den ganzen Winter hindurch, vom September bis April, bekommen die 600 Einwohner reiat Sonne zu sehen. Im Orte ist Post und Telegraphie, und es wurde hier mittels eines Kabels eine Verbindung zwischen derHohen­zollern" und der Telegraphenstation hergestellt, so daß der Kaiser mit Berlin direkt verkehren konnte. Von Christiania ab steht eine der beiden Telegraphenlinien zwischen Norwegen und Deutschland ganz zur Verfügung des Kaisers. Während der Nordlandreise des Kaisers Wilhelm ist es das erste Mal, daß eine solche Einrich­tung getroffen wurde.

Das russische 85. Wiborgsche Jnfanterie- Regiment, besten Chef der deutsche Kaiser ist, be­ging am 8. Juli sein Regimentsfest. Der Regiments­kommandeur beglückwünschte dazu den Kaiser, von dem hierauf aus Foß folgende Antwort einging: Sende aus dem weiten Norden Meinen Dank und Gruß dem braven Regiment in der Ueberzeugung, daß Ich, dank der Gnade Sr. Majestät des Kaisers, an die Spitze des Helden- wüthigsten Seiner Regimenter gestellt bin. Wilhelm I. R.

Zur Ausbildung der höheren Inten- danturbea mte n im Heere werden in Zukunft außer der praktischen Beschäftigung bei den Intendanturen und

wo man anfangs es lehren wird, mich mit Gleich­gültigkeit zu betrachten, und dann mich zu vergesten."

Hier machte sie eine Pause, welche weder Rainer noch Clotilde unterbrach. Ueberraschung vielleicht noch etwas mehr ließ sie schweigen. Die Heftigkeit und Leidenschaft, mit welcher Christa gesprochen, hatte ihnen Furcht eingeflößt und ihre Lippen versiegelt.

Du hast meinem Leben alle Frische und Freudigkeit geraubt," hub Christa mit wilder Bitterkeit von neuem an.Du hast mich gequält, gescholten, gepeinigt, bis ich gebrochen war. Es wird eine Zeit kommen, Wil­helm, in der Du meiner Worte gedenken wirst!"

Er wich vor der drohend erhobenen Hand und dem flammenden Blick einen Schritt zurück und sprach noch immer keine Silbe.

Einen Moment lang stand auch sie schweigend vor ihm, ihre Augen wanderten rastlos im Zimmer umher von einem trauten Gegenstand zum anderen, und dann wendete sie Wilhelm den Rücken, verließ schweigend das Zimmer und eilte hinaus in den hellen Sonnenschein, der Alles draußen vergoldete. Die Zurückbleibenden sahen, wie sie bleich, entstellt, mild flammenden Auges und mit fest geballten Händen an bem offenen Fenster vorüber jagte, den Garten durchmaß und das Thor öffnete, welches auf die Landstraße hinausführte. Jetzt erst wich der Bann, der Rainers Sinne umfangen zu haben schien, und eben wollte er ihr nacheilen, als sich eine Hand auf seine Schulter legte, die ihn zurückhielt. Er schaute sich um und begegnete dem strengen, furchtlosen Auge seiner Schwester.