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Hersselütt Kreisblatt.

Gratisbeilagen:Jllustrirtes Ssnnta-rblatt" n.)llustrirte landwirthschaftliche Beilage".

U U _____ SüHimbcnö ötn L Agilst 1896.

Erstes Blatt.

Bestellungen auf das Hersselder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen Jllustrirtes Sonntagsblatt" und Jllustrirte landwirthschaftl. Beilage" für die Monate August und September d. J. werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, tand- briefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtliches.

Cassel, den 23. Juli 1896.

Bekanntmachung.

Aus Grund des §. 2 des Gesetzes über die Schon­zeiten des Wildes vom 26. Februar 1870 und des § 107 des Zuständigkeitsgesetzes vom 1. August 1883 wird der Aufgang der diesjährigen Jagd auf Rebhühner, Hasel­wild und Wachteln

auf den 24. August 1896 auf Hasen, Auer-, Birk- und Fasanen-Hennen

auf den 15. September 1896 festgesetzt.

Namens des Bezirksausschusses.

Der Vorsitzende. (Unterschrift.) Zur Ausnahme in das Amtsblatt.

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Abschrift zur Kenntnißnahme und weiteren Ver­öffentlichung.

Der Vorsitzende des Bezirksausschusies. Haussonville An die Königl. Herrn Landräthe des Bezirks. B. A. 1840.

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Hersfeld, den 30. Juli 1896. Wird veröffentlicht.

I 4352, Der Königliche Landrath.

I. V.: H e e g.

Nichtamtliches.

Der Untergang desIltis".

S. M. KanonenbootI l t i s" strandete am 23. Juli Abends 9 Meilen von Schantung-Fire. Das Schiff ist verloren. Die ums Leben gekommenen Offiziere sind: der Kommandant Kapitänlieutenant Braun, der erste Offizier Lieutenant z. S. von Holbach, die Lieutenants z' S. Fraustädter und Prasie, Assistenzarzt 1. Kl. Dr. Hildebrandt und Obermaschinist Hill. Zahlmeister Lob befand sich zur Zeit in Tschifu. Folgende Mannschaften sind gerettet: Mosloehner, Westpunkt, Priebe, Kühl, Habeck, Kiel, Zimmerling, Langenberg, Voight, May- farth, Ofbruik, Labe. Die letzten vier Namen stehen in ihrer Schreibweise noch nicht genau fest.

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DerReichsanzeiger" veröffentlicht folgendes Tele­gramm Sr. Majestät des K a i f e r s aus Bergen an den kommandirenden Admiral:

Es erfüllt Mich mit tiefem Schmerze, Kunde zu erhalten von dem Verluste Meines Kanonenboots Iltis", welches in Ausübung feines Dienstes mit feinen sämmtlichen Offizieren und dem größten Theil seiner Besatzung an der chinesischen Küste gestrandet ist. Viele brave Männer, an deren Spitze ein so hervorragend tüchtiger Offizier als Kommandant stand, habe Ich verloren. Das Vaterland wird mit Mir trauern und die Marine in warmer Erinnerung Die­jenigen halten, welche bis zum letzten Athemzuge in

der Erfüllung ihrer Pflicht das höchste Gebot ihres Lebens sahen. gez. Wilhelm I. R."

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Die geretteten Leute des KanonenbootesIltis" sind am Südostvorgebirge gelandet. Wie diePost" erfährt, herrschte zur Zeit des Unglücks starker Nebel. Das Kanonenboot wurde vom Sturm an der durch hohe, steile Küste sich auszeichnenden Insel Heiawei auf ein Huck geworfen, das neun Meilen von Shantungfire ent­fernt im Meere liegt.

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Die etatsmäßige Besatzung desIltis" beträgt 85 Mann. Da zur Zeit des Unglücks zwei Mann der Be­satzung nicht an Bord waren, so haben 73 brave See­leute ihr Leben in ihrem Beruf eingebüßt.

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Taifune" heißen jene verheerende Wirbelstürme in den chinesischen und ostindischen Küstengewäffern, welche hauptsächlich in der Zeit derMonsunwechsel", d. h. des Wechsels der kalten und der heißen Jahreszeit, auf­treten, wenn die Seewinde in Landwinde Umschlägen oder umgekehrt die Landwinde sich in Seewinde ver­wandeln. Diese Wirbelstürme besitzen einen verhältniß- mäßig kleinen Durchmesser, aber ganz außerordentliche Windstärke bei sehr niedriges Larometerluftdruck. Ge­rade der geringe Durchmesser macht die Taifune vor Allem der Schifffahrt so gefährlich. Auf je kleinerem Raume nämlich die See von verschiedenen Seiten aus von den Winden Antrieb erhält, desto höher und un­gleichmäßiger werden die Wellen, und es treten durch das Zusammenwirken verschiedener Windrichtungen häufig ganz gewaltige Erhöhungen der Wellen ein. Der früher in Tokio in Japan lange Jahre hindurch thätige Direktor des meteorologischen Instituts Knipping hat speziell über Cyclone und Taifune hochinteressante und bedeutsame Studien gemacht und niedergeschrieben. Das Wort Taifun", das aus dem Chinesischen kommt, bezeichnet etwas Wildes, Verheerendes, mit unheimlicher, leben- vernichtender Naturgewalt Wirkendes. Die Wurzel des Wortes ist dieselbe, die dem uns geläufigen Worte Typhus" zu Grunde liegt. Der Taifun ist übrigens eine ganz analoge Naturerscheinung wie jener furchtbare Sturm, in dessen Wirbeln am 16. März 1889 auch der deutsche KreuzerAdler", das KanonenbootEber" und die KorvetteOlga" im Hafen von Apia untergingen.

Politische Nachrichten.

Inland.

Berlin, 30. Juli.

Se. Majestät der Kaiser, der von der Nordlands­reise in Kiel wieder eingetroffen ist, wird sich von dort nach Wilhelmshöhe begeben und dort vorläufig Aufent­halt nehmen.

In Berlin tagt zur Zeit der Verein deutscher Eisenbahnverwaltungen, der zugleich sein fünfzigjähriges Stiftungsfest begeht. Der Kaiser hat aus diesem Anlässe Auszeichnungen verliehen, welche der Minister Thielen in der ersten Sitzung mittheilte. Zu­gleich übergab derselbe namens der Staatsregierung eine Festschrift über Berlin und seine Eisenbahnen 1846 bis 1896. Namens der sächsischen Staatsregierung begrüßte Finanzminister von Watzdorf die Versammlung. Der bayerische Ministerpräsident Freiherr v. Crailsheim über- brachte die Glückwünsche des Prinzregenten von Bayern, der Sektionschef Ritter v. Mittel die des Kaisers von Oesterreich. Der Generaldirektor der sächsischen Staats­bahnen, Geh. Rath Hoffmann, beantragte die Absendung eines Huldigungstelegramms an den Kaiser, welcher Antrag einmüthig angenommen wurde. Nachmittags be- gaben sich die Theilnehmer der Versammlung nach der Gewerbeausstellung, wo ihnen zu Ehren Minister Thielen im Hauptrestaurant ein Festmahl gab.

Der HandelSminister hat die Regierungspräsidenten zur Aeußerung darüber aufgefordert, welche Gruppen von Gewerbetreibenden wohl von den Bestimmungen der

letzten GewerbeordnungSnovelle, betreffend das Verbot des Detailreifens, ausgenommen zu sein wünschten. Die Regierungspräsidenten dürften ihrerseits die wirth- schaftlichen Korporationen, wie z. B. die Handelskammern, zur Stellungnahme in dieser Frage veranlaßt haben.

Der diesjährige ordentliche (elfte) Verbandstag der DeutschenBaugewerks-Berufsgenossen- s ch a f t e n wird am 29. August zu Nürnberg, Vormit­tags 9'/, Uhr im Saale des Industrie- und Kultur- Vereins unter Vorsitz des Baumeisters Felisch-Berlin abgehalten werden. Von dep zur Verhandlung stehenden Gegenständen dürsten dieNeugestaltung der Gefahren- tarife" sowieUnfall- und Krankheitsverhütungen in Baubetrieben" von allgemeinerem Interesse sein.

Dem Erfinder der X-Strahlen, Professor Roent - gen-Würzburg, ist vom Kaiser der Kronen-Orden zweiter Klasse verliehen worden.

Der Gouverneur von Ostafrika, Major v. Wiß- m a n n, ist am Mittwoch vom Fürsten Bismarck em­pfangen worden.

Die Zeichnung auf die neue dreiprozentige preußi­sche Anleihe ist an allen deutschen Plätzen stark über­zeichnet worden.

Ausland.

Aus Z ü r i ch -<jiU von Mittwoch Abend gemeldet: Nachdem über 1500 italienische Arbeiter die letzte Nacht in einer Waldung bei Zürich zugebracht hatten, wobei sie Wachtfeuer angezündet und Wachtposten aufgestellt hatten, reisten sie heute in großen Massen entweder nach entfernteren Orten oder nach Italien ab. Nachmittags rückten zwei Bataillone Infanterie aus dem Seebezirk und 80 Mann Kavallerie ein und besetzten Abends ver­schiedene Punkte. Die Züricher Regierung erließ Abends einen Aufruf, in welchem die Bevölkerung unter Androhung von Strafe aufgefordert wird, die Thätigkeit der Polizei nicht durch Herumstehen zu hemmen. Abends hält sich in der Vorstadt Außersihl viel Volk in den Straßen auf, doch ist die Ruhe bisher nicht gestört worden. Nachmittags wurden zwei Italiener von der Menge verfolgt; sie vertheidigten sich mit Revolver­schüssen und flüchteten in ein Haus, in dem sie belagert wurden, bis die Polizei sie befreite.

Die französische Regierung hat sich beeilt, den Maire von Lille, der sich selbst zum Leiter des sozialistischen Kongresses gemachtund über aus taktlos be­nommen hatte, abzusetzen. Die Presse der ganzen ge­bildeten Welt wendet sich aber gegen das erbärmliche Verhalten der Liebknecht, Bebel und Singer, die in Lille in Vaterlandslosigkeit förmlich schwelgten. Man giebt den Franzosen Recht, daß sie, vom Ekel ergriffen, sich gegen Leute wandten, die schon früher ihr eigenes Vaterland verleumdet hatten und nur nach Lille gekom­men waren, um ihre Vaterlandslosigkeit von neuem vor aller Welt glänzen zu lassen.

Die antirussisch - nihilistische Bewegung in Polen hat einen neuen Aufschwung genommen. Seit mehreren Wochen vergeht kein Tag ohne Verhaftungen von her­vorragenden Männern in Warschau, die sämmtlich der Verschwörung beschuldigt werden. Die polnischen Blätter werden zu Dutzenden unterdrückt, aber trotzdem sind auf­rührerische Manifeste im Umlauf, die aus dem Auslande zu kommen scheinen. Diese Manifeste enthalten die schwersten Drohungen gegen den Zaren.

Die gegen die aufständischen MatabeleS entsandten englischen Truppen sind auf dem Rückmärsche nach Buluwayo begriffen. Vor Beginn neuer Unterneh­mungen soll die Ankunft der Reichstruppen abgewartet werden. Wie verlautet, ziehen sich die Matabele weiter ins Matoppogebirge zurück. Afrikanders und Buren verlassen Matabeleland mit ihren Familien in großer Anzahl und kehren nach Transvaal zurück.

In Bezug auf die Einfälle griechischer Banden in Maeedonien wird gemeldet, daß diese meist über 300 Mann stark, gut organisirt, einheitlich bewaffnet, theilweise militärisch uniformirt seien und unter Füh- rung griechischer Offiziere ständen. Die Bildung dieser Banden in Larissa und Volo wird offen betrieben.