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Sr. 91 eomhii den 8. Ai>B 1896.
Erstes Blatt.
Amtliches.
Hersfeld, den 1. August 1896.
Unter Bezugnahme auf mein Ausschreiben vom 10. Juni 1887 Nr. 6140, Kreisblatt Nr. 70, benachrichtige ich die Herren Ortsvorstände des Amtsgerichtsbezirks Hersfeld, daß zur Vornahme der diesjährigen technischen Revisionen der Maaße, Waagen und Gewichte bei den Gewerbetreibenden folgende Termine bestimmt worden sind. Für die Gemeinden:
Kohlhausen, Noßbach, Hilperhausen den 2. September 1896.
Kalkobes, Heenes und Allmershausen den 3. September 1896.
Gittersdorf, Untergeiß und Aua den 4. September 1896. Obergeis den 5 September 1896.
Mecklar und Meckbach den 8. September 1896.
Friedlos, Reilos und Rohrbach den 9. September 1896.
Wilhelmshof, Sorga und Kalhus den 12. September 1896.
Tann und Siebebad) den 11. September 1896.
Petersberg, Wippershain und Rotenfee den 14. September 1896.
Unterbaun, Oberhaun und Bingartes den 16. September 1896.
Sieglos und Eitra den 17. September 1896.
Hof Meisebach und Eichhof den 18. September 1896.
Die Herren Ortsvorstände der benannten Ortschaften erhalten die Weisung, die Gewerbetreibenden alsbald von den angesetzten Terminen in Kenntniß zu setzen, dieselben auf die Folgen einer etwa Vorgefundenen Unrichtigkeit der Maaße rc. rc. hinzuweisen und aufzu- fordern, die Letzteren, soweit deren Richtigkeit zweifelhaft erscheint, zuvor zur aichamtlichen Prüfung zu bringen, auch sämmtliche revisionspflichtigen Gegenstände am Tage vor der Revision einer gründlichen Reinigung zu unterziehen.
Die Revision, welcher bestimmungsgemäß der Ortsvorstand oder ein Vertreter desselben beizuwohnen hat, wird von dem Aichtechniker, Klempnermeister G. Rössing dahier, ausgeführt.
I. I. 4339. Der Königliche Landrath.
_____________I. V. Heeg.
Hersfeld, den 4. August 1896.
. Das Gemeinderathsmitglied Adam Kropp zu Philippsthal ist als Stellvertreter des Standesbeamten daselbst bestellt und eidlich verpflichtet worden.
J. A. Nr. 1866. Der Königliche Landrath. ________I- V.: Heeg.__________
Herrfeld, den 6. August 1896.
Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche noch mit Erledigung der Verfügung vom 20. Juni 1882, Nr. 8170 (Kreitzblatt Nr. 49), die Beseitigung der Hindernisse im freien Flußlauf betreffend, im Rückstände sind, werden hieran erinnert, mit Frist b i s zum 18. d. M t s. bei M e i d u n g von 3 M a r k Strafe.
Der Königliche Landrath.
J. V: H e e g.
WichkamMches.
Die Absonderung Englands.
Die kretische Frage ist durch die Erklärung der englischen Regierung, daß sie sich nicht an Maßregeln be- theilige» werde, um den Aufstandsherd aus der Insel des MinoS wirksam zu isolieren, in ein neues Stadium getreten. Die Einigkeit der Mächte, die bisher bestanden hat, und deren Ziel es war, den Frieden durch Vermittelung der Pforte und ihrer rebellischen Unterthanen
zu erhalten, ist damit gesprengt worden. Den Engländern erscheint es somit erwünschter, wenn die Zustände dort sich noch verschlimmern, und wenn die mit vielerlei Ausständen kämpfende Türkei nicht mehr im stande sein wird, die Insel zu beruhigen und zu erhalten. Von englischer Seite ist als Grund für das Ausscheiden aus dem Kreise der Mächte angegeben worden, die „herzliche Sympathie für den Freiheitskampf eines edlen Volkes verhindere England, Schergendienste im Interesse der Türkei zu leisten."
Wer die englische Politik verfolgt, wird diesen Grund als stichhaltig nicht aneikenneu können. Die Triebfeder der englischen Politik ist lediglich der Egoismus, von Sentimentalität ist sie vollständig frei. In zahlreichen und wichtigen internationalen Fragen allgemeiner Art hat sich England von den übrigen Mächten getrennt, es mag nur an Fragen des Seerechts erinnert werden, so an den Schutz des Privatgutes im Seekriege, wie an die Abschaffung der Kaperei. Die Humanität, welche hier an erster Stelle hätte einwirken sollen, machte dabei auf die Briten keinen Eindruck.
Wir sind im Gegentheil keinen Augenblick darüber im Zweifel gewesen, daß der englischen Politik nichts lieber wäre, als ein Weltkrieg, durch den die festländischen Völker sich gegenseitig zerfleischten, während England als lachender Dritter dann ungestört seine Weltgeschäfte besorgen könnte. Darum liegt es im System der englischen Politik, Unruhen zu stiften oder wenigstens zu begünstigen. So war es vor Jahrhunderten, so ist etz noch heule. Rußland ist daraus angewiesen, den Schwerpunkt seiner Politik nach Osten zu legen. Hier aber trifft es, besonders in Indien, mit den englischen Interessen zusammen, und früher oder später wird es um dieses reiche Land zwischen beiden Mächten zum Kampfe kommen. Sich für diesen Kampf in die strategisch möglichst beste Lage zu bringen, darauf arbeitet England mit allein Nachdruck hin. Unter diesen Gesichtspunkt fällt sowohl seine langjährige Wühlarbeit in Armenien, als auch seine Politik Kreta gegenüber.
Daß England den Aufstand auf Kreta ins Leben gerufen habe, wollen wir nicht behaupten. So viel aber steht fest, daß England den Aufstand unterstützt hat. Zwar gab sich England den Anschein, als ob es ihm darum zu thuu wäre, den Brand auf Kreta zu unterdrücken, es nahm sogar theil an den Löschversuchen. Jetzt aber, wo es sich darum handelt, nicht mehr mit diplomatischen Noten, sondern durch Aufbietung der Panzerschiffe seine Friedensliebe zu bewähren, zieht es sich zurück.
Glücklicherweise sind die Zeiten vorbei, wo England seine ränkevolle Politik undurchschaut treiben konnte. Es giebt in Europa keinen Staat, der die Wahrheit des alten Wortes vom perfiden Albion nicht schon längst am eignen Leibe zu erproben Gelegenheit gehabt hätte. Wir glauben darum, daß das Bestreben Englands, die kretische Frage zu einer europäischen Differenz aufzubau- schen, erfolglos bleiben wird. Auch ohne England werden die festländischen Mächte in ihren Friedensbestrebungen nicht erlahmen.
Nachrichten.
Inland.
Berlin, 6. August.
Se. Majestät der Kaiser leidet, wie aus Wilhelmshöhe gemeldet wird, an einer leichten katarrhalischen Halsaffeklion und hat daher zu feinem lebhaften Bedauern die Reise nach Wesel, Ruhrort und Essen auf ärztliche» Rath ausgeben müssen. Ihre Majestät die Kaiserin wird jedoch diese Meise programmmäßig aus- führen und dabei von Seiner königlichen Hoheit dem Prinzen Heinrich als Vertreter Sr. Majestät begleitet sein. Das ganze zur Reise besohlen gewesene Gefolge Sr. Majestät wird sich auf Allerhöchsten Befehl dem Gefolge Ihrer Majestät anschließen.
Wie die „Köln. Ztg." berichtet, hat Se. Majestät
der Kaiser von seiner Nordlandfahrt den Entwurf eines neuen Gemäldes fast vollendet mitgebracht. Es versinnbildlicht den Schutz der Künste und der Industrie durch die Armee. Unter einem gothischen Thorbogen stehen die idealen Frauengestalten, welche die Künste und Gewerbe personisiziren, gegen sie heran zieht eine drohende Wolke, aus welcher unheimliche feindliche Gestalten auftauchen. Ein germanischer Krieger tritt den Schreckbildern machtvoll entgegen. Prof. Knacksuß zu Cassel ist mit der Ausarbeitung einiger Einzelheiten I beauftragt, und man hofft, daß bald auch dies Werk der I Oeffentlichkeit übergeben werden wird.
Der Reichskanzler Fürst zu Hohenlohe trifft am Freitage aus Aussee wieder in Berlin ein.
Der Kaiser hat angeordnet, daß die Bestimmungen I über die Beschwerdesührung der Offiziere und Soldaten bei den afrikanischen Schutztruppen sinngemäße Anwendung zu finden haben. Der Reichskanzler ist ermächtigt, die durch die afrikanischen Verhältnisse gebotenen Abweichungen zu bestimmen. Eine weitere ; kaiserliche Verordnung setzt die deutschen Militärstrafgesetze gleichzeitig mit dem Schutztruppengesetze in Kraft. Eine dritte Verordnung endlich regelt das strafgericht- liche Verfahren gegen Militärpersonen der Schutztruppe.
Die „Nordd. Allg. Ztg." führt gegenüber der von - sozialdemokratischer Seite aufgestellten Behauptung, daß in der Hauptsache die Profitwuth der Unternehmer einer Verminderung der Unfälle und Krankheitsfälle bei den Arbeitern durch Anbringung von Schutzvorrichtungen und durch sanitäre Maßnahmen im Wege stehe, aus, daß die Berichte der Gewerbe-Aufsichts- beamten mit dieser Behauptung entschieden im Widerspruch stehen.
Der Ausschuß des Vereins für Sozialpolitik hat beschlossen, die nächste Generalversammlung erst im Herbst 1897 in Köln abzuhalten. Als Gegenstände, welche auf dieser Generalversammlung erörtert werden sollen, sind in Aussicht genommen: der ländliche Personalkredit, die Handwerkerfrage und die Handhabung des Vereins- und Koalitionsrechtes in Deutschland.
In die innerpolitische sommerliche Ruhe ist in diesen Tagen durch den „Reichsanzeiger" wieder Leben gebracht worden. Unter dem unscheinbaren Titel einer Novelle zur Gewerbeordnung ist der Plan zur Organisation des Handwerks veröffentlicht, wonach der gesammte Handwerkerstand eine Gliederung in Innungen, Hand- werksausschüsse und Handwerkskammern erhalten soll. Durch diese Organisation, die nicht freiwillig sein, soll, wird der im Kampfe gegen die Großindustrie schwer bedrängte Handwerkerstand wieder feste Wurzeln schlagen können und damit auch in die Lage versetzt, den Kampf gegen die Mißstände, an denen er gegenwärtig krankt, mit vereinten Kräften erfolgreich aufzunehmen.
Auslanv.
Nach den Ergebnissen der letzten Volkszählung beträgt die Bevölkerungsziffer Frankreichs 38,2 Millionen; sie übersteigt das Ergebniß der Zählung vom vorigen Jahre nur um 133819 Seelen. Deutschlands Bevölkerung wächst dagegen jährlich um ungefähr eine halbe Million Menschen.
In Paris verlautet, daß der Zar nach Beendigung feiner Kur in Vichy den Manövern des 16. und 17. Armeecorps beiwohnen und dann zwei Tage in Paris verweilen werde. Eine Bestätigung dieser Meldung liegt nicht vor.
Das rumänische Königspaar ist am Mittwoch in Wien eingetroffen. Der Minister des Aeußer», Graf Golnchowsky, hatte am Nachmittage mit dem Könige eine Konferenz und wurde mit feiner Gemahlin zum Diner geladen.
Die Cholera ist in Palermo in bedenklicher Weise ausgebrochen. Unter den Opfern befindet sich auch die Frau des französischen Konsuls.
Italienischen Blättern zufolge gilt schon als feststehend, daß Menelik den Rest der italienischen Kriegsgefangene» nur gegen eine größere Geld-