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tzerWer Kreisblatt.
Gratisbeilagen: „Illnftrirtes Sonntag-blatt^^ n. „)llnstrirte lanbwirthschaftliche Beilage".
Sr. 118. JoVtrslag Den l, Atober 1888.
DmMiK-KMW.
Vestellungen auf das Hersselder Kreisblatt
mit den Gratisbeilagen „Jllustrirtes Sonntagsblatt" un» „Jllustrirte landwirthschaftl. Beilage" für das vierte Quartal 1896 werden von allen ^kaiserlichen Postanstalten, tandbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Die Schulstelle in Solms wird infolge Entlassung des bisherigen Inhabers derselben auf seinen Antrag von« 1. Oktober er. ab vakant.
Das kompetenzmäßige Einkommen derselben beträgt neben freier Wohnung und Feuerungsvergütung 873,93 Mark.
Bewerber um dieselbe wollen ihre MeldungSgesuche nebst den erforderlichen Sitten- und Besähigungszeug- nissen innerhalb 14 Tagen bei dem Lokalschulinspektor Herrn Pfarrer Schröder zu Niederaula oder dem unterzeichneten Landrathe einreichen.
HerSfeld, den 29. September 1896.
Der Königliche Schulvorstand von Solms.
Freiherr von Schleinitz, Landrath, Geheimer Regierungs-Rath.
I. 5359.____
Hersfeld, den 28. September 1896.
Der Bauunternehmer Iulius N.oll dahier ist heute als Ortsschätzer für die Stadt und Gemarkung Hersfeld sowie die Gutsbezirke Bingartes und Meisebach mider- ruflich bestellt und eidlich verpflichtet worden.
I. I. Nr. 5306. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Nath.
schwere Kämpfe.
Roman von J. P i a.
(Fortsetzung.)
„Gerechtigkeit fordern wir und werden sie erlangen!" scholl es wieder von hundert Stimmen. „Wir wollen Arbeit für uns und Brod für unsere Kinder!"
„Es ist Eure eigene Schuld, daß Arbeit und Brod Euch knapp geworden ist!"
„Das ist eine Lüge! Wer brächte neue Erfindungen, die wir nicht verstehen? Wer stahl uns unsere 2Irbeit, um sie fremden Händen zu geben? Wilhelm Rainer, und immer Wilhelm Rainer! Fluch ihm!
„Ihr habt die Wahl gehabt, und habt Euch Noth und Sorge gewählt."
Es begann ein erneutes Schreien und wieder regnete Steine in Menge, was abermals lautes Scheibenge- ksirr zur Folge hatte.
„Was wir wollen," und die rohe Stimme des ersten Sprechers übertönte nochmals die seiner Bundesgenossen, »und was wir erreichen werden, ist freie Hand. Wir wollen Arbeit ohne neue Maschinen, wie eS unter unse- rem vorigen Herrn, unter Carl Berthold war! Wir wollen, daß die fremden Arbeiter unsere Stadt verlassen, und diejenigen, welche Du inS Gefängniß gebracht hast, oesreit werden! Das ist eS, was wir wollen!"
»Gesetzt nun, ich verweigerte Euch das?"
»So werden wir uns mit Gewalt unser Recht zu verschaffe« suchen, und Du wirst es bereuen!"
Es entstand eine tiefe Stille, und eine Minute lang
Hersfeld, den 26. September 1896.
Für den am 4. Juni 1877 zu Hersfeld geborenen Felix Lohrmann ist um Ertheilung eines Reisepasses behufs Uebersiedelung nach Afrika nachgesucht worden.
I. I. Nr. 5338. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rath.
Am 21. d. Mts. gegen 7 Uhr Nachmittags wurde in der Gemarkung Großauheim, Gemeindewald, Distrikt Birkenheege, die Leiche eines unbekannten, anscheinend dem Arbeiterstande angehörenden Mannes erschossen aufgefunden. Der Verlebte ist ca. 1,70 Meter groß, etwa 50 Jahre alt, hat dunkelblondes Haar, grauen Schnurr- bart und als besonderes Kennzeichen eine große Warze auf der rechten Wange. Bekleidet war der Verstorbene mit graukarirtem Sackrock, grau gestreifter Hose und Weste, grauwollenem Unterhemd und grauem Jägeroberhemd, weißem Umlegekragen und weißgestreifter Kravatte, grauem weichem Filzhut, welcher innen die Bezeichnung „New-Dork Nr. 506" in Goldschrift trägt, weißen Strümpfen und Manschetten mit Perlmutterknöpfen. Unter anderen bei der Leiche gefundenen Gegenständen befand sich auch eine Nickelcylinderuhr mit ebensolcher Kette, welche die Nr. 23 249 und die Reparatur-Nummern 1195 St., 10 943 S., St. 9611, 7 758 S., 16 404 und 7593 trägt. Papiere resp, sonstige Gegenstände, welche zur Jdentifizirung der Leiche hätten dienen können, sind nicht aufgefunden worden. — Um Nachforschung behufs Feststellung der Person des Verlebten und eventuelle Nachricht wird ersucht.
Hanau, den 24. September 1896.
Der Königliche Landrath. I. V: Schneider.
Politische Nachrichten.
Inland.
Berlin, 29. September.
Ueber die Abreise Sr. Majestät des Kaisers von Nominten nach Hubertusstock sind nähere Bestimmungen noch nicht getroffen.
Ihre Majestät die Kaiserin, welche gestern Mittag in Grünholz zum Besuche ihrer Schwester eingetroffen ist, gedenkt daselbst bis Donnerstag Nachmittag zu ver
wartete Jedermann mit angehaltenem Athem, was Rainer erwidern werde.
„Ich weigere mich dennoch," sprach er endlich klar und fest; „ich weigere mich ganz entschieden, Eurem Verlangen zu willfahren."
„So brennen wir das Mühlenwerk nieder!" schrie es wie aus einem Munde.
„Wir wollen Dir noch fünf Minuten Bedenkzeit geben. Ueberlege Dir noch einmal, ob Du nachgeben willst, wenn nicht, so sollst Du es büßen!" schrie der Hauptsprecher.
Ruhig, fest und unbeweglich stand Wilhelm Rainer vor dem empörten Haufen; und fest und ruhig war der Ton, in welchem er antwortete:
„Ich brauche keine Bedenkzeit mehr. Mein Entschluß ist gefaßt, und weiter will ich nichts hören."
„Dann schreibe dir die Folgen selber zu! Ihr Männer und Frauen, was soll mit dem Mann geschehen, dessen Herz aus Stein ist, der ruhig zusieht, wie unsere Kinder Hungers sterben, der reich geworden ist, burrb unser Verderben und unseres Elendes sich noch freut? Was soll mit ihm geschehen?"
„Tödtet ihn! Er muß sterben, und koste es unser Leben;"
So hallte es aus allen Kehlen, in wilder, toller, Wuth.
Von allen unbemerkt entrang sich den Lippen einer zarten grau ein herzerschütternder Schrei. Eine schlanke Gestalt drängte sich durch die wüthende Menge. Nur diejenigen, an welchen sie dicht vorüberstreifte, bemerkten
weilen und dann über Ploen die Rückreise nach Wildpark, bezw. dem Neuen Palais anzutreten.
Die Rede, welche am Sonntag Se. königl. Hoheit der G r o ß h e r z o g von Baden bei der Einweihung des Kriegerdenkmals in Mannheim gehalten hat, halte nach der „Karlsr. Ztg." folgenden Wortlaut: „Meine verehrten Freunde! Ich bin hocherfreut, einer Feier anwohnen zu können, deren Grundton Dankbarkeit heißt. Die Stadt Mannheim und alle Diejenigen, die mit ihr dieses Denkmal gesetzt, haben dadurch einen Beweis der Dankbarkeit gegeben, der das schönste Zeugniß für sie selbst ist. Dankbar zu sein für das, was mit treuer Hingabe und Aufopferung errungen wurde, mit Hingabe des Lebens, mit Hingabe alles Theuren, was man besitzt, das zu ehren, das für die Zukunft richtig zu bezeichnen, das ist Ehre für diejenigen, die es unternehmen. Ich richte mich nun aber ganz besonders an die Veteranen des Jahres 1870/71 und sage ihnen nochmals Dank für ihre Hingabe, für ihre Treue. Kann es etwas Schöneres geben als den Hinweis auf diese Zeit, in der so Großes erreicht wurde, und der wir die deutsche Kaiserkrone zu verdanken haben, die Einigung des deutschen Reiches, das vorher nicht bestanden hat? Wir freuen uns an dem Bestehenden, aber, meine Freunde, wir müssen uns fragen: „Wie erhalten wir ba6?" Da giebt es nur eine Antwort: Wir finden sie darin, daß Alles ohne Unterschied zusammenstehen muß, auf Treue und Hingebung gebaut, unter Hintansetzung aller anderen Interessen, wenn es gilt, das Eine hoch zu halten, für das so viel Blut vergossen wurde. Lassen wir also dasjenige, was nicht dazu gehört, und einigen wir uns so, wie das Heer geeinigt war und ist. Und geloben wir Dem, der uns anhört, daß wir treu sein wollen für das Vaterland, treu und hingebend für unsere Pflicht, stets das Ziel im Auge behalten, das wir anstreben müssen, zu erhalten, was geschaffen wurde. Auf dieses Gelöbniß hin, meine Freunde, kann ich nur noch einen kurzen Hinweis geben auf das, was ich vorhin schon bezeichnete. Es ist das die Kaiserkrone, das Einigungsbild des Deutschen Reiches, des deutschen Volkes, das Einigungsbild, das uns in Zukunft leuchten unb den ferneren Generationen die Wege zeigen soll, die sie ein- zuschlagen haben. Die Verkörperung dieses Zieles ist die Person unseres Kaisers. Damit, meine Freunde, schließe ich und fordere Sie auf, mit mir einzustimmen
sie, und eine bekannte Stimme sagte: Eine von den „Kleinen Schwestern", und Schwester Anna erkannte die Stimme als die eines Mannes, welchen sie während einer langen, gefährlichen Krankheit mit der größten Hingebung gepflegt hatte. Aber sie blieb nicht stehen, sondern bahnte sich ihren Weg bis zum Haupteingange des Hauses.
„Steckt das Haus in Brand!"
Macht es dem Erdboden gleich!"
So schrie es von allen Seiten.
Schwester Anna stieg einige Stufen hinauf und stand nun zwischen den großen, mächtigen Steinpfeilern. Den dichten Schleier, den ihr Gesicht verhüllte, hatte sie zurückgeschlagen — es galt ihr in diesem Moment gleich, ob die ganze Welt sie sah und erkannte, in ihren Augen leuchtete ein edles Feuer, ihre Hände waren hoch erhoben. Der Schein der Fackeln fiel grell auf sie und gab sie den Blicken aller preis.
Das Schreien, Wüthen und Toben erstarb und es entstand eine lautlose Stille, in der Schwester Anna das Wort ergriff:
„Ihr Leute," sprach sie und ihre Stimme drang bis zu den Ohren der Entferntesten durch — „Ihr Leute, unter denen ich gelebt und gearbeitet, deren Interessen, Freuden und Sorgen ich zu den meinen gemacht, die ich geliebt und denen ich gedient habe zu jeder Zeit, was thut Ihr hier?"
Es war keine Stimme da, die sich in empörtem leidenschaftlichem, rohen Ton erhoben hatte, nur ein leises Murmeln ging von Mund gu Mund: