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Nr. 133. IieOs Seil Iß. November 1896.
Amtliches.
Hersfeld, den 7. November 1896.
Zufolge Anordnung des Herrn Negierungs-Präsiden- ten wird wegen Ausbruchs der Maul- und Klauenseuche in der Gemeinde Beiershausen über sämmtliches Klanen- vieh — Rindvieh, Schase, Ziegen und Schweine — der Gemeinden Asbach, Beiershausen, Kerspenhausen, stiieder- aula und Niederjossa dieSperre auf dieDauer von vorläufig 14 Tagen verhängt.
Innerhalb dieser Frist muß alles Klauenvieh innerhalb der Gemarkung bleiben, in der es sich zur Zeit befindet. Das Treiben von Klauenvieh über die Feldmarksgrenze Hindus ist verboten. Ebenso ist der Durch- trieb von Klauenvieh aus anderen Ortschaften durch das Sperrgebiet verboten.
Diese Bekanntmachung ist alsbald auf ortsübliche Weise in den Gemeinden zu veröffentlichen.
I. 6031. Der Königliche Landrath
Freiherr von S ch l e i n i tz , Geheimer RegierungS-Rath.
Hersfeld, den 7. November 1896.
In der Zeit vom 23. bis einschließlich 28. November d. Js. wird der Königliche Kreisthierarzt Herr Schmitt dahier wegen Einberufung zu einem bakteriologischen Kursus durch den Kreisthierarzt Fröhner zu Hünfeld amtlich vertreten werden.
Die Herren Ortsvorstände haben solches in den Ge- meinden auf ortsübliche Weise bekannt machen zu lassen. I. I. Nr. 6016. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schlginitz, Geheimer Regierungs-Nath.
Hersfeld, den 5. November 1896.
Nach Mittheilung des Königlichen Landrathsamts zu Homberg ist unter dem Rindvieh des Gutsbesitzers von Helmolt zu Dickershausen die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen und über sämmtliches Klauenvieh (Rindvieh, Schafe und Schweine) des Kreises Homberg auf die Dauer von 14 Tagen die Sperre verhängt worden. I. I. Nr. 5991. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Negierungs-Rath.
Cassel, den 3. November 1896.
Der dem diesseitigen Bezirksverbande auf Grund
(Nachdruck verboten.)
Aus bm Lebe» — Air bos 8t6tii.
Von A. v. L i l i e n c r o n.
(Fortsetzung.)
Eberhard schwieg einen Augenblick, dann sich zu ihr beugend, nahm seine Stimme einen eigenthümlich weichen Klang an, während er bat, „nun lassen Sie die Augen, die es früh gelernt haben, solche Hieroglyphenschrift zu entziffern, einmal auf den Verhältnissen ruhen, die mich umgeben, und svrechen Sie aus, was würden Sie an meiner Stelle thun? Dem Großvater gehorchen oder nicht?"
Er wußte es selbst nicht, wie gespannt sein Blick an ihrem Antlitz hing, und wie er die Worte von ihren Lippen las, als sie zögernd meinte:
„Es will mir scheinen, daß die schwankende Gesundheit Ihres Vaters, der oft nicht mehr im stande ist, den Sachen vorzustehen, die er übernommen hat, Ihnen deutlich zeigt, hier ist Ihr Platz. An dieser Stelle mit zu arbeiten und mehr und mehr auf Ihre eigenen Schultern zu nehmen, was für den Vater zu schwer wird, das ist die Aufgabe, auf welche die Verhältnisse Hinweisen. Warum aber soll die Gottesgabe, die wir empfangen haben, brachliegen, und warum sollten Sie sich für immer von Ihrer Muse trennen? Sie wird Ihr Leben nur reicher schmücken, wenn Pflicht und Arbeit vorangehen."
„Und der Großvater," klang die Frage an ihr Ohr.
des Preußischen Gesetzes vom 13. März 1878/23. Juni 1884 zur Zwangserziehung überwiesene und von mir bei dem Schreinermeister Johannes Salzmann zu Spangenberg in Lehre untergebrachte Karl Weikard von Gersfeld, geboren am 6. April 1880, ist am 2. d. Mts. aus seiner Lehrstelle durchgebrannt.
Königliches Landrathsamt ersuche ich ganz ergebenst, nach dem Zögling umgehend Nachforschungen gefälligst anstellen, im Betretungsfalle ihn festnehmen und durch eine geeignete Civilperson, welcher ich neben den baaren Auslagen für Eisenbahnfahrt ein Tagegeld von 3 Mark und bei nöthig werdender Uebernachtung ein solches von 4 Mark gewähren werde, seinem obenge- nannten Lehrmeister wieder zutühren lasten zu wollen.
Von dem Geschehenen bezw. dem Ergebniß der Nachforschungen bitte ich mich hiernächst gefälligst zu benachrichtigen.
Der Landes-Direktor.
An das Königl. Landrathsamt Hersfeld. I II. Nr. 4842.
* *
*
Hersfeld, den 7. November 1896.
Wird den Ortspolizeibehörden und der Königlichen Gendarmerie des Kreises zur Nachforschung nach dem Entlaufenen mitgetheilt.
Im Betretungsfalle ist derselbe seinem Lehrmeister wieder zuführen zu lasten.
I. 6024. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Negierungs-Rath.
Politische Nachrichten.
Inland.
Berlin, 7. November.
Se. Majestät der Kaiser erfreut sich des allerbesten Wohlseins. Er gedachte am Sonnabend Abend von Pleß über Berlin nach Wildpaik bezw. dem Neuen Palais zu- rückzureisen.
.Herzog Wilhelm von W ü r t t e m b e r g ist in der Nacht zum Freitag in Meran am Herzschlag gestorben. Herzog Wilhelm war ein Sohn des im Jahre 1857 verstorbenen Herzogs Eugen, er diente erst in der preußischen, dann in der österreichischen Armee, kämpfte mit Auszeichnung bei Novara, befehligte 1866 eine Brigade des 2. Korps in Böhmen und wurde 1869 zum
„Lasten Sie das die Zukunft entscheiden, auch sein Sinn wird milder urtheilen, wenn ihre Lebensstellung sich ändert," ermuthigte sie ihn, und mit ihrem herzerquickenden Lächeln, das soviel Fische in sich barg, fügte sie hinzu : „Und nun jum Schluß Onkel Theodors Lieblingssatz: Vorwärts und durch, dann endet's gut."
Der Morgenwind hatte sich aufgemacht und fuhr durch die Laube, er bestreute nicht nur die jugendlichen Häupter mit duftigen Rosenblättern, sondern wirbelte auch aus dem Körbchen des jungen Mädchens ein Blatt heraus, das er spielend vor sich her trieb.
Eberhard eilte ihm nach und ergriff den Flüchtling. „Wenn ich kein Eigenthumsrecht auf meine Eroberung in Vorschlag bringe," neckte er, als er von der glücklichen Jagd heimkehrte, so geschieht es nur, um mir die unbedingte Erlaubnis zu sichern, diese Verse lesen zu dürfen."
„Es ist nicht der Mühe werth," behauptete sie, „es ist nur ein Stimmungsbild bei meiner Heimfahrt am Abend meiner Abreise von zu Hause."
„Stimmungsbilder, die suche ich mir ja immer in der Natur," beharrte er, „nun gewähren Sie mir dem Hochgenuß, solche Dinge auch einmal aus einem anderen Herzen schöpfen zu dürfen," und er las:
Durch den dunkelnden Wald
In stiller Pracht,
Ueber thaufrischen Pfad
Bei Sternennacht,
So geht es weiter dabin, dahin
In traumverlorenen, stillen Sinn. i
Feldmarschall-Lieutenant erhoben. Nach der Pacifierung Bosniens wurde er zum Feldzeugmeister und Chef der Verwaltung von Bosnien und der Herzegowina ernannt. Zuletzt bekleidete er den Posten eines kommandierenden Generals in Graz. Herzog Wilhelm hat ein Alter von über 68 Jahren erreicht.
Wie der „Staatsanzeiger" meldet, hat der König von Württemberg aus Anlaß des Ablebens des Herzogs Wilhelm von Württemberg von Sr. Majestät dem Kaiser ein Beileidstelegramm erhalten, in welchem Allerhöchstderselbe versichert, das Andenken an den tapferen Soldaten hoch in Ehren zu halten, welcher mit Seinem Vater in treuer Waffenbrüderschaft bei Oeversee im feindlichen Feuer gestanden habe, ferner ist dem König ein Beileidstelegramm vom Kaiser von Oesterreich zugegangen, in welchem derselbe beklagt, daß seine Armee einen hervorragenden, tapferen General verliere, desten ehrenvolles Andenken die Geschichte bewahre.
Durch Kabinetsordre datirt Schießplatz Meppcn, 27. Oktober, ist die Einstellung der 24 Centim.-, 21 Centim.- und 15 Centim. -Schnelllade-Kanonen L/40 in die Marine-Artillerie angeordnet worden.
Bei der Stichwahl in Brandenburg-West- H a v e l l a n d ist der Sozialdemokrat P^uS mit geringer Mehrheit gegenüber dem Konservativen v. hobest in den Reichstag gewählt worden.
Die Reichstagsersatzwahlen in Mainz und i n G i e ß e n haben zu keinem endgiltigen Ergebniß geführt. In Mainz ist Stichwahl vorzunehmen zwischen dem Sozialdemokraten Dr. David und dem Kandidaten des Centrums, Dr. Schmitt; in Gießen zwischen dem Sozialdemokraten Scheidemann und dem Reformparteiler Köhler.
Die Hamburg-Amerika-Linie wird eine neue Vermehrung ihrer Flotte um drei große Pastagier- und Frachtdampfer vornehmen. Zwei Baukontrakte sind bereits vergeben. Der eine für einen Doppelschrauben- dampfer von 500 Fuß Länge bei 52 Fuß Breite, der neben einer großen Zahl von Pastagieren 11 790 Tonnen Schwergut befördern soll, ist mit der Firma Blohm u. Voß in Hamburg abgeschlosten, der andere für einen Dampfer in etwas kleineren Dimensionen mit der Werft von Tecklenborg in Geestemünde.
Gegenüber den Mittheilungen über Aeußerungen, welche der preußische Minister des Innern, Freiherr von der Recke von der Horst, gegenüber dem Vorsitzenden des Deutschen Gastwirths-Verbandes,
Ueber nickende Gräser
Der Husschlag fliegt, lieber der schlummernden Welt
Ein Traum noch liegt,
Von Friede und G.ück, träum zu, träum zu
In selbstvergessender, feUger Ruh!
Rings wonniges Blühen
In FrühliiiflSpracht,
Ein Funkeln und Glühen
In der Maiennacht,
Und zitternder Mondstrabl bringt leise, bis,
Durch Blättergewirre und TannenreiS.
Bald sind wir am Z-el —
Einen letzten Blick '
Auf den Zauber ringsum,
Auf das traumhafre Glück,
Dann fort in das Leben — hinaus — hinaus —
Es rufen die Pflichten — der Traum ist aus. —
Er hatte halblaut gelesen und bei dem letzten Worte gezögert, sein Blick, der jetzt auf ihr ruhte, brächte sie in Verwirrung. Rasch erhob sie sich und ihre Arbeit zusammenraffend, versuchte sie zu scherzen, „es rufen die Pflichten — das Plaudern ist aus."
„i&ie haben nie darüber gesprochen, daß sie dichteten," suchte er sie zurück zu halten.
„Er, lohnte nicht der Erwähnung," lachte sie heiter, „das i!t nur Erholung nach der Arbeit," und mit leichtem ^ruße wollte sie an ihm vorbei schreiten, aber er wehrte . 'V^r Minuten nehme ich noch für mich in An- Ipru«, erklärte er und schob ihr das Blatt hin, das