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Nr. 13?.

IoNerstW ütn 19. November

1896.

Amtliches.

Hersfeld, den 14. November 1896.

Am Montag den 7. Dezember 1896, Vor­mittags 11 Uhr, findet im Saale des hiesigen Rath» Hauses eine Kreistagssitzung statt.

Tagesordnung:

1. Prüfung der Verhandlungen über die infolge Ab­lebens des KreistagSmitgliedes, Siebmachermeisters Herrn Georg Steinweg dahier, und Verzugs des KreistagSmitgliedes, Gutsbesitzers Herrn Ferdinand Noll von Obergeis, erfolgten Ersatzwahlen der Herren Lohgerbereibesitzer Heinrich Hermann Nehn dahier und Gutsbesitzer und c. Bürgermeister HieronymuS Bätz in Kalkobes (Gültigkeitsdauer der Wahl 31. Dezember 1897 bezwse. 31. Dezember 1900); Be­schlußfassung über die Gültigkeit dieser Wahlen und Einführung der neu Gewählten in ihr Amt.

2. Wahl eines anderen Mitgliedes in den KreiSauS- schuß an Stelle des verstorbenen Herrn Siebmacher- meisters Georg Steinweg dahier (bis 1. Juli 1898).

3. Wahl eines anderen Sachverständigen zur Abschätzung der Kriegsleistungen im Falle einer Mobilmachung, gemäß § 33 des Neichsgesetzes vom 13. Juni 1873 an Stelle des genannten Herrn Steinmeg (bis Ende 1897).

4. Wahl eines Stellvertreters der bürgerlichen Mit­glieder der Ersatz-Kommission an Stelle des genann­ten Herrn Steinweg (bis Ende 1898).

I. A. Nr. 2843. Der Königliche Landrath

Freiherr von S ch l e i n i tz , Geheimer RegierungS-Rath.

Hersfeld, den 13. November 1896.

Der Bürgermeister Jakob Glebe zu Kohlhausen ist heute, nachdem er sich bereit erklärte, die Wiederwahl als Bürgermeister der Gemeinde Kohlhausen für die Dauer von 8 Jahren anzunehmen, verpflichtet worden.

A. 2890. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

ßttchtamllich rs.

Vusztagsgedanken.

Das Christenthum unserer Tage ist vielfach nicht auf­richtig genug, weil es mit allerlei weltlichen und irdischen

Aus Still 8t6tn Wr das Lebe«.

Von A. v. L i l i e n c r o n.

(Fortsetzung.)

May blieb stehen.Ich habe nicht aufgepaßt, wir sind längst vorbei," gestand sie errötend, und sich un­ruhig umblickend bemerkte sie:Die anderen sind uns nicht gefolgt, da müssen wir sie aussuchen und hier den nächsten Weg nach Hause wählen."

Wie von plötzliche Scheu ergriffen, schlug sie rasch einen schmalen Richtweg ein, unb er folgte ihr stumm mit eigenthümlich bewegten: Herzen.

Vor der Thüre wurden bereits die beiden Pferde der Herren umhergeführt, und Harzeuberg sah den Freund, der ihm den Rücken kehrte wie es schien im Gespräch mit den beiden Herren von Sternberg dort stehen.

Eberhard kau: ihnen entgegen.War der Weg nicht zu weit für dich, May", erkundigte er sich.Du warst diese Tage angegriffen und mußt dich schonen."

Wie treu du für mich sorgst, Hardy," nickte sie ihm zu,weißt es du uoch, daß der liebe Papa, als wir noch Kinder waren, immer meinte, wenn der Eberhard auf deu Wildfang aufpaßt, dann passiert ihm so leicht nichts?"

Und ihm zur Seite bleibend, schritt sie neben dem Vetter dem Hause zu, Harzeuberg blieb hinter ihnen zurück;

Dingen durchsetzt, als eine Waffe im Kampfe der Klassen mißbraucht wird, weil es zu politisch ist. Wer statt der Fragen des Himmelreichs und des ewigen Lebens die zeitlichen und irdischen Fragen des Nutzens und Erwerbes durch die Bibel beantworten will, der wird wohl oder übel die innere Unwahrhaftigkeit seines Standpunktes bloß­legen. Ränke und Parteisucht, Verfolgungseifer, Aufreiz­ung der Besitzlosen und Unzufriedenen gegen die Vermö­genden und Angesehenen, bald gegen die Kapitalisten, bald gegen die Grundbesitzer: das ist in der Regel die Frucht, wo mau ein politisches Christenthum treibt. Gewiß, wir alle haben Grund, in uns zu gehen und den Blick wieder von dem vielen Fremdartigen und Ungehörigen auf das eine zu lenken, was noth thut.

Niemand soll sich dein Wahne hingeben, durch äußere Einrichtungen und gesetzliche Anordnungen ließe sich ein Zustand herstellen, der uns den Frieden unter den Gesell­schaftsklassen, Zufriedenheit auch bei den minder günstig Bedachten wiederzubringen vermöchte. Die Sünde ist der Leute Verderben. Sie wirkt bei den einen verwerflichen Uebermuth, bei den anderen sträfliche Begehrlichkeit. Jetzt löst sich bei uns alles auf in einen Kampf der Interessen; jeder Stand bedenkt selbstsüchtig nur sich und mißgönnt das gleiche Recht den andern. Der Lohnarbeiter meint zu gedeihen, wenn er den Meister oder Unternehmer schädigt und kränkt. Kaufmannsstand und Grundbesitzerstand liegen wider einander im Kampfe. Der Geist freudiger Unter­ordnung der Einzelinteresseu unter das Wohl des Ganzen hat den schwersten Schaden gelitten.

Unser Gott hat so viel für uns gethan. Unserm Volke aber fehlt es so sehr an höherm Aufschwung. Die Gier des Besitzes, die Habsucht erfüllt die Herzen, und die idealen Güter bleiben vernachlässigt, die moralischen Mächte nicht beachtet. So hoch entwickelt die Geschicklichkeit ist, sich in irdischen Bequemlichkeiten mit erfinderischer Technik einzu- richten, so entschieden versagt die Kraft und die Lust, sich um reine Erkenntniß, um reine Form der Gestaltung zu bemühen.

Die Schuld trifft uns alle, und niemand barf' sich ausschließen. Was in den Verhetzungen der Socialdemo­kratie und im wüsten Anarchismus zum Vorschein kommt, daran hat auch die Versäumniß der andern Klassen ihren Antheil. Das sind Bußtagsgedauken. Aber wir wissen auch, daß wir einen versöhnten Gott haben können, sobald wir die Glaubenshand ausstrecken, um ihn zu ergreifen. Dem Glauben ist die Krone dort verheißen: er ist die Macht, welche die Welt überwindet. Gott gebe zum Buß­tage viele bußfertige Herzeu, und es wird besser bei uns werden.

um den hellen Glanz, den dieser Nachmittag für ihn ge­habt, hatte sich eine Wolke gelegt.

Die Pferde warten bereits, ich muß eilen, um nicht zu spät zur Verabredung in die Stadt zu kommen," rief ihm Bärenstein in erregtem Tone entgegen,ich lveiß nicht, wie du über deine Zeit bestimmt hast, habe aber für alle Fälle dein Pferd bestellt!"

Ich reite mit dir," lautete die Antwort des Freundes, der bereits vom Hausherrn Abschied nahm.

Die üblichen Reden und Gegenreden wurden ausge­tauscht von Dank, Freude und Wiedersehen, dann stand Harzenberg vor May. Einen Augenblick ruhte ihre kleine Hand in der feinen, es war, als ob ihre Lippen sich öffnen wollten, und er zögerte, um vielleicht einen Abschiedsgruß oder ein Wort für seine Mutter noch vvu ihr mitzunehmen, aber sie wechselte nur noch einen stummen Gruß mit ihm, nub schon saß Bärcustein im Sattel und trieb zur Eile. Rasch folgte ihm der Rittmeister unb gleich darauf trabten beide Pferde Seite au Seite aus dem Park.

Kaun: hatten sie die Landstraße erreicht, da wandte sich der Graf an den Kameraden. Er war blaß und seine sonst so lachenden Züge trugen ein Gemisch von Schmerz und Trotz.Meine Braune und ich, wir sind heute gerade dazu aufgelegt, um in einem Satz bis aus Ende der" Welt zu jagen, oder sonst irgend eine haarsträubende Thorheit zu begehen," lachte er bitter.Jedenfalls, bin ich augen­

Unsere Marine.

Dem Reichstage ist ein Gesetzentwurf über die Auf­nahme einer Anleihe von 56 Millionen Mark für Marinezwecke zugegangen. Es handelt sich dabei vor- nehmlich um Ersatzbauten; zur Verstärkung der Flotte werden nur zwei Kreuzer zweiter Klasse, ein Torpedo- Divisionsboot und acht Torpedoboote gefordert. Die Forderung hält sich also in einem sehr bescheidenen Rahmen. Deutschland ist eine Handels- und Kolonial­macht mit ausgebreiteten Beziehungen geworden, es muß daher mit seiner Flotte jederzeit im Stande sein, seine überseeischen Interessen nachdrücklich zu schützen. Wir haben heute nächst Großbritanien den stärksten Ausfuhr­handel aller europäischen Staaten; sein Werth repräsen­tiert die stattliche Summe von 3'/2 Milliarden Mark, die doch als ein Theil des Nationalvermögens angesehen werden muß.

Es ist ohne weiteres klar, daß zum Schutze so ge­waltiger Interessen im Falle eines Krieges auch eine im Verhältniß ausreichende und gleichwerthige Kriegs­flotte nothwendig ist. Dies aber trifft gegenwärtig nicht entfernt zu. Deutschland steht unter den europäischen Flotten an Zahl der Kriegsschiffe erst an siebenter Stelle, noch hinter Spanien, Holland und Italien; an Zahl der Stationsschiffe, die zunächst die Handelsschiffe zu schützen haben, rangieren wir noch hinter Oesterreich und Portugal. Auf 75 Handelsschiffe, auf 82 000 Tonnen kommt bei uns erst ein Stationsschiff, während Frankreich schon für neun Schisse und 8000 Tonnen solchen Schutz bereit hält. Außer diesen Lebensinteressen eines großen Theils unserer heimischen Produktion be­dürfen auch unsere Kolonien und unsere im Auslande wohnenden Landsleute eines kräftigern Schutzes als bis­her. Dieses verstärkte Schutzbedürfniß tritt besonders stark hervor angesichts der großen maritimen Rüstungen Englands und angesichts der in England herrschenden deutschfeindlichen Strömung.

Bisher haben unsere überseeisHen Interessen infolge Mangels an Schiffen nicht genügend gewahrt werden können. Die südamerikanische Station, die infolge der chilenischen Unruhen geschaffen wurde, hat aufgegeben werden müssen; deshalb konnten, als in Peru eine Re­volution ausbrach, die Gesuche der dortigen Deutschen, zu ihrem Schutze die deutsche Flagge zu zeigen, nicht berücksichtigt werden. In Südafrika, in Samoa, in Ost­asien und bei den armenischen Wirren hat sich die Un­zulänglichkeit unserer Flotte ebenfalls gezeigt.

Schon unserer überseeischen Interessen wegen ist da­her eine Verstärkung unserer Flotte erforderlich. Noch

blicklich völlig unfähig, irgend eine menschliche Gesellschaft zu ertragen. Thue mir daher deu Gefallen und folge mir nicht, meine Stute und ich, wir beide müssen uns erst aus- tobeu. Damit setzte er dem Pferde die Sporen ein und flog auf dem weichen Sommerweg davon, so daß man bald nichts anderes mehr sah als den wirbelnden Staub, der hinter ihm her zog.

Harzeuberg ließ ihn gewähren, er wußte, daß diese un­gestüme Natur, die noch keine rauhe Seite des Lebens kannte, sich wie er selbst sagte austoben mußte, ehe er einem ruhigen Worte zugänglich wurde.

Daß eine Entscheidung, und zwar eine ungünstige statt- gefuuden hatte, daran konnte er nicht zweifeln, aber es blieb ihm ein Räthsel, daß Bärenstein, der mit allen äußeren und inneren Vorzügen bedacht war, vergebens augeklopft haben sollte.

Als er sich der Stadt nahte, begegnete er dem Burschen des Grafen, der^ das dampfende Pferd seines Herrn trocken

der Herr Lieutenant zu Hause," fragte er im Vorbeireiten.

Zu Befehl!" kam es zurück.

Daheim angelaugt, fand der Rittmeister die Thür des Kameraden verschlossen, er klopfte, aber erhielt keine Aut- trotzdem er drinnen den auf und abwanderuden Schritt des Freundes vernahm.

«Also noch nicht so weit," murmelte er, und zog sich