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Gratisbeilagen:Illustrirter Sonntag-blatt" n.3Htt stritte landwirthschaftliche Veilage^^.

Ar. 146.

Donnerstag den 26. AsvemKr

1896.

Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt

mit den Gratisbeilagen Jllustrirtes Sonntagsblatt" ""-> Jllnstrirte landivirthschaftl. Beilage" für den Monat Dezember werden von allen kaiserlichen postanstaltesi, tandbriefträgern und von der Gxpediliotl angenoininen.

Amtliches.

Hersfeld, den 24. Noveniber 1896.

Nach einer Mittheilung des Landesbauamtes dahier sind zur Zeit noch eine größere Anzahl FluthgräbeN aufzuräumen; ebenso auch dürre Bäume und Äeste sowohl seitens der Gemeinden als auch von Privaten zu be­seitigen.

Die Herren Ortsvorstände erhalten die Weisung, dafür Sorge zu tragen, daß diese Arbeiten baldigst ausgeführt werden.

I. I. Nr. 6305. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rath.

Frmizösisch-riljsische unb -M-mM BezikhWW.

Die französischen Sozialisten haben es sich nicht nehmen lassen, in der Deputiertenkammer eine Anfrage an die Regierung über die Art der französisch- russischen Beziehungen zu stellen, namentlich ob ein schrift­licher Vertrag, eine wirkliche Allianz, geschlossen sei. Die Regierung ist jedoch nicht darauf eingegangen, die gewünschten Aufschlüsse zu geben; die Antwort des Ministers Hanotaux ging vielmehr in allgemeinen Rede­wendungen um den Kernpunkt der Sache herum. Der Minister bezog sich auf die wohlerwogenen, verabredeten und genauen Worte des Kaisers von Rußland in seinen

Aus htm geben gär ba§ geben.

Bon A. v. L i l i e n c r o n.

(Fortsetzung.)

Als dieser seinen Gebieter am anderen Vormittag von der Bahn abholte, inspirierte er, so scharf seine alten Augen es vermochten, das Antlitz des Ankommenden unb gewann dabei die beruhigende Ueberzeugung, ganz schlimm könne der Besuch nicht abgelaufen sein, sonst würde sich schon ein heilloses Gewitter über seinem Haupte entladen haben, denn sein Herr hatte ihm höchst verdrießlich bei der Abfahrt klar gemacht, an allen diesen Scherereien bei solch einer Reise sei er ganz alleine Schuld, denn er habe ihm so lange mit der Geschichte in den Ohren gelegen, bis er sich habe breit schlagen lassen, nun aber gnade ihm Gott, wenn das Ding schief abliefe.

Wie es nun aber abgelaufen, das hätte Christian für sein Leben gern ergründet und mußte es doch nicht anzufangen und auszufragen, das hätte schlimm ablaufen können.

In beut tiefen Waldwege mahlten sich die Räder durch den Sand, es war erdrückend heiß, und mit trägem Flügelschlag summten die Fliegen um die Pferde, die langsam und bedächtig ihre Last fortzogen. Da faßte sich Christian ein Herz, legte die Hand an den Hut und rapportierte: Der Liese ist das Knmmetzeug verrutscht, gestaltet der Herr Baron, daß ich es in Ordnung bringe?"

Ein Wink des Gebieters und Christian stand bei dem Pferde, doch die Augen zwinkerten verstohlen nach

Tischreden in Cherbourg, Paris und Chalons, und wie es der Zar vermieden hatte, das Wort Allianz auszusprechen, so sprach auch Herr Hanotaux nur von einer Entente (Einvernehmen), die Niemand mehr zu bezweifeln wage. Die französische Opposition ist natürlich mit dieser Aus­kunft nicht zufrieden, während sich die Regierungsorgane damit trösten, daß der Patriotismus nicht gestattet habe, mehr zu sagen.

In den vorsichtigen Erklärungen des Ministers Hano­taux sehen wir eine Bekräftigung der Warnung, die der Staatssekretär Frhr. v. Marschall am 16. November im Reichstage bei Besprechung der Centrumsinterpellation aussprach und die dahin ging, wir hätten keinen Grund, die französisch-russischen Beziehungen zu übertreiben und ihnen eine Bedeutung beizulegen, die bisher nur unsere Feinde im Auslande ihnen beizulegen vergeblich versucht hätten.

Es kann uns auch nur erwünscht sein, daß die Er­klärungen des Reichskanzlers und des Staatssekretärs des Auswärtigen in Rußland einen vorzüglichen Eindruck gemacht haben. Ueberhaupt ist der politische Inhalt dieser Erklärungen im Auslande recht unbefangen ge­würdigt worden, während bei uns die Erkenntniß der politischen Bedeutung dieser Reden mannigfach dadurch beeinträchtigt war, daß sich viele Zeitungen mehr mit dem Verhalten des Centrums und mit der Stellung der ein­zelnen Redner zu dem Fürsten Bismarck befaßten. Die russische Presse, namentlich die der Regierung nahestehenden Organe, hebt nicht nur die Geschicklichkeit hervor, mit der sich die leitenden Staatsmänner des deutschen Reiches aus der durch die Hamburger Enthüllungen bereiteten Verlegenheit gezogen hätten, sondern stimmt auch den Versicherungen über die guten und freundschaftlichen, seit 1890 keineswegs verschlechterten deutsch-russischen Beziehungen zu. Um so mehr kann es uns gleichgiltig sein, wie die Franzosen ihr Verhältniß zu Rußland be- nennen wollen.

Politische Nachrichten.

Inland.

Berlin, 24. November.

Se. Majestät der K a i s e r, Allerhöchstwelcher gestern Abend um 6 Uhr im besten Wohlsein in Kiel eingetroffen ist und an Bord des PanzersKönig Wilhelm" Woh­

dem Gestrengen herüber, der sich aus dem Wagen lehnte und ihm zuschaute.

Christian," rief er jetzt ihm zunickend,der Junker läßt auch grüßen,!"

Wie ein freudiger Schreck fuhr es dem Getreuen durch die Glieder, und ohne Besinnen stand er am Schlage. Die Gäule mochten sich ausruhen, es waren ja die alten, die nahmen es nicht übel, wenn sie mit gesenkten Köpfen dastehen und sich behaglich die Sonne auf den Rücken scheinen lassen durften.

Also grüßen läßt mich der Junker," wiederholte er, und in den alten Augen schimmerte es feucht, weil da über seines Herrn Antlitz ein so warmes Leuchten ging, als er erzählte:Ich habe unseren Eberhard auf dem Felde besucht, wie er Hafer einfahren ließ!"

Christian vergaß in seiner Freude den Respekt, als er triumphierend ausrief:Sehen es der Herr Baron, ich hab's immer gesagt, in unserem Junker steckt's, es steckt ganz gewiß, es kann nur nicht gleich heraus! Na, und nu kriegen wir ihn wohl auch bald her, und dann können wir" . . .

Immer Geduld, so weit ist's noch nicht," schnitt ihm der Freiherr das Wort ab und klopfte ihn auf die Schultern.Aber so übel war's noch nicht, daß du mich auf den Gedanken gebracht hast, einmal selbst nach dem Rechten zu sehen. Habe da so allerhand entdeckt, was mir nicht die Laune verdorben hat, darum wollen wir uns heute Abend auch etwas zu gute thun und pürschen fahren auf den kapitalen Bock am Farren- leich." ---

nung genommen hat, gedachte heute Vormittag um 11 Uhr der feierlichen Enthüllung des Kaiser Wilhelm- Denkmals in Kiel und von 12 Uhr Mittags ab der Vereidigung der Marinerekruten daselbst beizuwohnen. Die Rückkehr der Majestäten dürfte voraussichtlich im Laufe des morgigen Abends erfolgen.

Ihre Majestät die Kaiserin ist heute früh 10 Uhr, von Plön kommend, in Kiel eingetroffen. Aller- Höchstdieselbe wurde am Bahnhöfe von Sr. königlichen Hoheit dem Prinzen Heinrich empfangen und zum Schlöffe geleitet. In der Stadt herrscht festliche Stim­mung; die Straßen und der Denkmalsplatz sind prächtig geschmückt.

Die Fortschritte in der Genesung des G r o ß - Herzogs von Baden sind, von geringen Schwan­kungen abgesehen, befriedigend, doch ist immer noch viel Schonung erforderlich.

Verschiedene Zeitungen berichten von einer Mission des Oberst Lieb ert im Auftrage des Kaisers nach China; andere Organe dagegen bezeichnen den Obersten Liebert als Nachfolger des Gouverneurs von Wißmann in Ostafrika. Wie wir vernehmen, ist über die Ver­wendung des genannten Offiziers noch nichts definitives entschieden, insbesondere sind die Angaben einiger Blätter über die ihm in China angeblich zugedachten Aufgaben nur Kombinationen.

Hauptmann Morgen, der sich seiner Zeit i als Expeditionsführer in Kamerun ausgezeichnet hatte, wegen seiner Verheirathung aber nicht wieder in den Kolonialdienst gegangen war, hat einen halbjährigen Urlaub genommen, um Studien in Egyplen, insbesondere bei den Operationen der englisch-egyptischen Armee gegen die Mahdisten zu machen. Hauptmann Morgen geht ohne amtlichen Auftrag nach Egypten, feine Reise ist lediglich privater Natur, woraus schon folgt, daß die Behauptung einiger Blätter über eine Anfrage der deut­schen Regierung bei der englischen auf Irrthum beruht.

In einem bemerkenswerthen Leitartikel derNordd. Allg. Ztg." über den Offizierstand des deutschen Heeres heißt es zum Schluß:Als aus den Siegen des deutschen Volkes in Waffen die lange vergeblich er­sehnte und erstrebte Einheit der Nation hervorging, da gab es in ganz Europa nur eine Stimme der Be­wunderung für die Organisation und den Geist dieses Heeres, als deffen charakteristischer Vorzug eben die Aus­bildung und Stellung des Offiziers gepriesen wurde.

An dem Tage, als der alte Freiherr so unerwartet in Hollselde erschienen war, blieb Eberhard länger noch als sonst auf dem Felde, schenkte aber dafür ungeschmälert am Abend den Damen seine Gegenwart.

Charlotte hatte ihren Platz auf der Veranda neben Tante Lina, die aus dem großen Stopfkorbe neben sich Stück auf Stück herauszog, das einer hülfreichen Hand bedurfte, und mit Freude die Unterstützung des jungen Mädchens dabei annahm.

Eberhard hatte sich scheinbar in ein Buch vertieft, aber dazwischen lauschte er auf May, die im Garten­zimmer am Flügel saß und ein Lied nach dem anderen mit ihrer melodischen Stimme sang.

Fräulein von Santen," hob Eberhard plötzlich an, indem er sein Buch zuklappte,darf ich Sie um ihr Urtheil bitten über eine Sache, die mich eben beschäftigte ?" Es handelt sich hier um einen armen Kerl, der mit seinem Herzen in Zwiespalt gerathen ist, seine Gefühle ziehen ihn auf die eine Seite, und auf der anderen Seite steht ein vielleicht übertriebenes Ehrgefühl, ein ritterliches Empfinden für ein schutzloses Wesen und ein starres Festhalten an einem Versprechen."

Warum liest du solche Sachen, das macht einen ja selbst verwirrt," bemerkte Tante Lina vorwurfsvoll,man müßte in den Büchern gar nicht solche Sachen schreiben, das Lesen soll doch ein Vergnügen sein."

Er hörte kaum die Bemerkung, sein Blick hing an Lotte, die ihre Augen nicht von der Arbeit erhob. Durch den Einwurf des alten Fräuleins gewann sie Zeit sich einigermassen zu fassen,ich meine, man darf sich nicht