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Gratisbeilagen:)llnstrirtes Sonntagsblatt" u.)ll«ftrirte landwirthsehaftliche Beilage".

$r. 148. IieOz Sei 15. Iezember 1896.

Erstes Blatt.

Amtliches.

Bekanntmachung.

Auf Grund der Art. 1 Ziffer 3 und Art. 2 des Reichsgesetzes, betreffend die Abänderung des Gesetzes über die Erwerbs- und Wirthschaftsgenossenschaften vom 1. Mai 1889, sowie den Geschäftsbetrieb der Konsum­anstalten vom 12. August d. JS. (R.-G.-Bl. S. 695) werden die Vorstände der als eingetragene Genossen- schaften konstituirten Konsumvereine mit offenem Laden, sowie der in Art. 2 daselbst näher bezeichneten Konsum- anstalten und Vereinigungen, sofern diese einen offenen Laden haben, hierdurch aufgefordert, mir bis spätestens zum 31. Dezember d. I. die gemäß des § 30a des Ge- nossenschaftSgesetzes zu erlaffende Anweisung an den Waarenverkäufer in Abschrift einzureichen.

Anlangend den Wortlaut dieser Anweisung, so ge­nügt es im Allgemeinen, wenn dieselbe dahin lautet, daß die Waarenverkäufer Waaren nur an solche Personen abgeben dürfen, die ihnen als Mitglieder des Konsum­vereins bezw. als Kausberechtigte der Konsumanstalt persönlich bekannt sind, oder die sich über ihre Eigen­schaft als Vereinsmitqlieder oder Kausberechtigte oder als Vertreter eines Vereinsmitgliedes oder eines Kauf- berechtigten durch Beibringung einer näher zu bezeich­nenden Legitimation ausweisen.

Einkausskarten, Erkennungsmarken und Einkaufs­bücher werden in der Regel als ausreichende Legitimation zu erachten fein, sofern sie von dem Vorstände des Konsumvereins oder der Konsumanstalt auf die Namen der Mitglieder oder Kaufberechtigten ausgestellt sind.

Cassel, den 26. November 1896.

Der NegierungS-Präsident. Haussonville.

Die mit einem kompetenzmäßigen Einkommen von 750,00 Mark neben freier Wohnung und 90 Mark Feuerungsvergütung verbundene 4. Lehrerstelle in Schenk- lengsfeld wird infolge Pensionirung des bisherigen In­habers vom 1. Januar 1897 ab vacant.

Bewerber um dieselbe wollen ihre Gesuche nebst Zeugnissen innerhalb 14 Tagen bei dem Lokalschulin-

Aus Sem Leben Für dns Leben.

Von A. v. L i l i e n c r o n.

(Fortsetzung.)

May sckwieg, tief Athem holend, das Schwierigste kam jetzt, und ihr wurde immer banger zu Muthe, wie sie einen scheuen Blick auf des Vaters ernste, fast strenge Züge warf und die kurze Frage hörte, die ihr rasch zum Ziel half:Bist du mit dem Eberhard unzufrieden ge­wesen?"

Nein, gewiß nicht," beteuerte sie und ihre Wangen begannen zu glühen,Hardy war immer mein bester Freund, er sorgte für mich, er tröstete mich, er wurde nie ungeduldig, wenn ich ihn quälte, und dennoch dennoch, heiraten kann ich ihn nicht! Nein, das kann und will ich nicht!"

Da mar's heraus, und ein Stein fiel dadurch von ihrem Herzen. Was nun kommen sollte, das wollte sie ertragen, es würde einen Sturm geben, aber die Sonne mußte doch siegen, die Sonne ihrer Liebe.

Aus welchem Grunde weigerst du dich, Eberhard zu heiraten, hat er dir keine Liebe gezeigt?" forschte des Vaters eindringliche Stimme.

Er war immer gut zu mir, immer," beharrte sie, aber warum ich ihn nicht heiraten kann, das will ich dir verrathen, mein Väterchen, doch nur ganz leise ins Ohr, damit es gleich in dein Herz hinein gehen kann."

Und auf seinen Schoß flüchtend, die Arme um seinen Hals geschlungen, flüsterte sie ihm das Geheimnis ihrer Liebe zu.

spektor Herrn Pfarrer Barchfeld in Schenklengsfeld, welcher zugleich Kreisschulinspektor ist, oder dem unter­zeichneten Landrathe einreichen.

Hersfeld, den 12. Dezember 1896.

Namens des Königlichen Schulvorstandes: Freiherr von Schleinitz,

Landrath, Geheimer Regierungs-Rath.

I. I. Nr. 6640.________________________________________

Gefunden: ein Wagenkissen. Meldung des Eigen- thümers bei dem Ortsvorstand zu Wehrshausen.

Gefunden: ein Gürtel. Meldung des EigenthümerS bei dem Ortsvorstand zu Kirchheim.

Unter dem sämmtlichen Schafviehbestande der hiesigen Gemeinde ist die Räude ausgebrochen und deshalb Ge- markungssperre angeordnet worden.

Lautenhausen, den 11. Dezember 1896.

Der Bürgermeister Malkmes.

Politische Rachrichleu.

Berlin, 12. Dezember.

Heute Vormittag hörte Se. Majestät der Kaiser den Vortrag des Chess des Generalstabes, Grafen von Schlieffen, und arbeitete anschließend daran längere Zeit mit dem stellvertretenden Chef des Militärkabinets, Obersten von Villaume. Mittags wollte der Kaiser mit dem fahrplanmäßigen Zuge um 12 Uhr 25 Min. nach dem Neuen Palais zurückkehren. Abends findet dort eine größere musikalische Unterhaltung statt, zu der etwa 340 Einladungen ergangen sind.

Die Verhandlungen zwischen den deutschen und den russischen Kommissaren in Berlin zur Beseitigung der MeinungSverschiedenheitenüber einzelne Bestimmungen des Handelsvertrags dürften in dieser Woche abgeschlossen werden. Es ist verfrüht, schon jetzt über das Resultat zuverlässige Mittheilungen zu machen. Allerdings soll Aussicht vorhanden sein, daß ein befrie­digendes Ergebniß erzielt wird.

Der Kaiser hat für den Bau einer evangelischen Kirche in Langsuhr 20 000 Mk. gespendet.

Der Reichstag hat am Freitage die umfassende Resolution zum Bürgerlichen Gesetzbuch, die für eine Anzahl von RechtSgegenständen die einheitliche reichs-

Nun Gott sei Dank," kam es wie ein Seuszer der Erleicherung aus seiner Brust.Noch nicht zwei Stunden bin ich zurück und habe schon zwei Beichten anhören müssen, denn Eberhard hat mir ähnliche Dinge von sich selbst anvertraut. Wie ich aber nun innerlich in Hellem Zorn gegen den Jungen und in rührendem Mitgefühl für meinen verschmähten Liebling ergründen will, wie tief bei meiner Kleinen die Liebe zu dem Fahnenflüchtigen saß, da überrascht sie mich mit diesem unerwarteten Ge­ständnis!"

O Hardy, Hardy, nun ist alles gut," jubelte May warum haben wir uns nur so unnütz gequält!" Und den Kopf an des Vaters Brust geschmiegt, schilderte sie ihm den Geliebten, wie er in ihrem Herzen lebte, und berichtete ihm stolz, daß der Onkel von ihm behauptete, einen zweiten Mann wie den Rittmeister könne man auf der Welt mit der Laterne suchen,"Väterchen, den giebt es auch nicht," fügte sie strahlend hinzu.

Ja, ja," lächelte der beruhigte Vater,da dachten wir Alten es gut für euch zu machen, ebneten euch die Wege, und wollten über das Paar unseren Segen sprechen, derweilen sucht ein jeder von euch sich seinen eigenen Gefährten aus, und man meinte doch so sicher, just ihr beide müßtet zusammen passen. Es ist und bleibt eben doch ein kurioses Ding um die Liebe!"

May hatte aber nicht nur von dem Geliebten zu berichten, sondern sie schilderte auch mit HerzenSwärme diejenige, die ihr Mutter geworden, und drängte dann den Vater, mit ihr zu der so innig verehrten Frau zu

gesetzliche Regelung verlangt, nach langer Erörterung mit großer Mehrheit angenommen. Abgelehnt wurde ein Antrag der Sozialdemokraten, die ländlichen Arbeiter und das Gesinde den Gewerbegerichten zu unterstellen, angenommen dagegen eine Resolution des Centrumsab- geordneten Bachem, welche die Vorlesungen über das Bürgerliche Gesetzbuch in den Mittelpunkt der Univer- sitäts-Vorlesungen über Privatrecht zu rücken bezweckt. Am Sonnabend wurde die erste Lesung der Dampfer- subventionsvorlage fortgesetzt.

Dem Reichstag ist die Nachweisung über die Rech­nungsergebnisse der B e r u f S g e n o s s e n - s ch a f t e n für das Jahr 1895 zugegangen.

Unter der UeberschriftHamburg" veröffentlicht der Matin" einen bemerkenswerthen Artikel über den NiedergangFrankreichsaufwirthschaft- lichem Gebiete, auf dem der Industrie und des Handels. Frankreich thue nichts, während Deutschland Kanäle baue und plane und dieSchranken des Orients zum Sinken bringen, eben jenes Orients, wo sein Handel den unsrigen entfernt hat." Und an anderer Stelle, heißt es:Die Deutschen, die Belger und die Holländer, vor allen die Deutschen, gewinnen, was wir verlieren und was England nicht, mehr gewinnt. Der deutsche Reichthum führt zur allmählichen Auslöschung des französischen und zur "Verlangsamung der Fortschritte des englischen." Diese Entwicklung der deutschen wirth- schaftlichen Zustände schreibt der Verfasser in erster Linie der Initiative des Staates zu. Wie Genua den Handel des sinkenden Marseille an sich reiße, so Hamburg den Englands:Und sofort haben die Eng­länder, welche die deutsche Ausbreitung zu erschrecken anfängt, in die Tasche gegriffen, um den AuSständischen Geldmittel zu schicken."

Gegen dieBank- und H a n d e l s z e i t u n g", die seinerzeit behauptet hatte, Fürst Bismarck sei zu den Enthüllungen in denHamburger Nachrichten" veran­laßt worden, weil hohe Stellen den Zaren von dem ge­planten Besuch in FriedrichSruh abgerathen hätten, ist wegen dieser Nachricht das Ermittelungsverfahren ein­geleitet worden. Wie das Blatt mittheilt, hat der Chef­redakteur als Verfasser des Artikels sich selbst bekannt und unter dem Eide versichert, daß weder der Staats- fekretär von Marschall noch das Auswärtige Amt direkt oder indirekt in irgend welchem Zusammenhänge mit dem Artikel stehen.

eilen, um ihr zu danken für alles, was sie feinem Kinde gewesen.

Gleich, May, gleich, das soll von Herzen geschehen," versicherte er,nur magst du einstweilen voran fahren, ich habe noch einen wichtigen GeschäftSweg, der aber schnell erledigt ist, eine Viertelstunde später bin ich dann bei euch."

So fuhr denn May vorläufig allein in ihr Pensionat zurück und, erfüllt von den Eindrücken der letzten Stunde, eilte sie geflügelten Schrittes hinauf in das Zimmer der alten Dame. Heute dachte sie nicht daran, erst anzu- klopfen, sondern öffnete nur stürmisch die Thür.

Der Vater ist da," rief sie hinein,gleich kommt er zu Ihnen" . . .

Doch das Wort verstarb auf ihren Lippen, als sie über die Schwelle trat und die Thür hinter ihr ins Schloß fiel. Auf dem Stuhl am Fenster saß nicht, wie sie erwartet hatte, die alte Dame, sondern dort hatte sich eine geliebte Gestalt erhoben, die ihr rasch entgegen kam Träumte sie nur und führte ihr lebhaftes Ge­denken ihr den theueren Mann wie greifbar vor Augen 2

Ihre Hand strich bebend über die Stirn, ja, es war Wirklichkeit, wonnige Wirklichkeit! Er, dem ihr Herz entgegen schlug, stand ihr gegenüber und schaute sie an mit einem Blick, der mehr sagte als alle Worte der Welt.

Zitternd, keiner Silbe fähig, suchte sie an dem nahen Stuhl einen Halt, aber da fühlte sie schon ihre beiden Hände ergriffen, empfand, daß sie von ihm gestützt wurde, und hört seine bewegte Stimme:3fr bin auch hier,