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K 151.
IieHas Den 22. Iezeniber
1886.
DemmniK-KiMU
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die Expedition.
Amtliches.
Fulda, den 17. Dezember 1896.
Die • in Niesig diesseitigen Kreises ausgebrochene Maul- und Klauenseuche ist erloschen, und sind die angeordneten Schutzmaßregeln aufgehoben worden.
> Der Königliche Landrath.
An das Königl. Landrathsamt zu Hersfeld. J.I Nr. 15491. ♦ * * Hersfeld, den 19. Dezember 1896.
Wird veröffentlicht.
L 6785. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Negierungs-Rath.
(Nachdruck verboten.)
Die Heberrafd?ung.
Eine AuktionSgeschichte.
„Bist Du fertig theuere Julie?"
Der Herr Dr. jur. Fritz Möllner, seit kurzem wohl- bestalter Assessor am Königlichen Gerichtsamt in der Kreishauptstadt H., klopfte bei diesen Worten schüchtern an ein Zimmer in der eleganten Wohnung der Frau verwittweten Steuerrath Vollbrecht.
„Gleich, lieber Fritz," antwortete eine frische Mädchenstimme im Innern des Zimmers, „Mama steckt mir noch etwas am Kleide zurecht. Du kannst jedoch immerhin eintreten."
Der Affeffor verfügte sich aus die erhaltene gnädige Erlaubniß hin in das Zimmer und begrüßte die hier anwesenden beiden Damen, die Frau Steuerrath Vollbrecht, eine wohlkonservirte Fünfzigerin, und deren Tochter Julie, eine rosige Blondine, die Verlobte Fritz Möllners. Mama nestelte noch ein bischen an dem Kleide Juliens herum, reichte derselben dann den hellseidenen Sonnenschirm und sagte nun, einen Blick voll mütter. lichen Stolzes auf die blühende Erscheinung der Tochter werfend:
„Jetzt könnt Ihr gehen und Euch die Raritäten des alten Benshausen ansehen, es wird aber ein nettes Gedränge in den kleinen Zimmern entstehen, die halbe
Rotenburg, den 14. Dezember 1896.
Nachdem die in Obersuhl und NichelSdorf ausge- brochene Maul- und Klauenseuche erloschen ist, habe ich die über die Ortschaften bezw. Gutsbezirke Bellers, Blankenbach, Bofferode, Hönebach, Liebenz, Obersuhl, Räßdorf, Richelsdorf, Süß, Wildeck und Wölfterode verhängte Sperre aufgehoben.
Der Königliche Landrath v. Trott.
An das Königl. Landrathsamt zu Hersfeld. J.-Nr. 10062.
*
* *
Hersfcld, der 18. Dezember 1896.
Wird veröffentlicht.
I. 6769. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz,
Geheimer Negierungs-Rath.
Dem Königlichen Landrathamt in Hersfeld theile ich ergebenst mit, daß in Folge der weiteren Ausbreitung der Maul- und Klauenseuche in Auenheim die Feldmarksperre verfügt worden ist.
Eisenach, den 16. Dezember 1896.
Der Großherzogliche Direktor des III. Verwaltungsbezirks.
Dr. Vermehren, i. V.
An das Königliche Landrathsamt zu Hersfeld. B. III. 5087.
♦ *
*
Hersfelv, den 18. Dezember 1896.
Wird veröffentlicht.
I. 6770. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz,
Geheimer Regierungs-Rath.
Nichtamtliches.
Ist Aiifgiitcil des ReichstWes.
Die Reichstagsmitglieder haben in die Weihnachtsferien schwerlich das Bewußtsein mitnehmen können, daß sie in der Zeit seit dem 10. November irgend eine bedeutende positive gesetzgeberische Arbeit geleistet haben. Der diesmalige frühe Wiederbeginn der Sitzungen hat nach dieser Richtung durchaus nicht fördernd gewirkt. Die I u st i z n 0 v e l l e, um deretwillen hauptsächlich der Reichstag so früh einberufen war, ist gescheitert. Die Hauptarbeit wird im Reichstage erst nach den Weih- nachlsferien beginnen.
Von größeren Entwürfen liegt dem Reichstage zunächst die Novelle zu den Ü n f a l l v e r s i ch e r - ungSgesetzen vor. Sie ist, den „Berl. Pol.
Stadt wollte sich ja den Kunstnachlaß des Sonderlings ansehen!"
„Jedenfalls werden wir nicht allzu lange bei der Besichtigung verweilen," entgegnete der Affeffor, „Sie missen Mama, daß ich heute einen Amtstermin in Reppen- berg abzuhalten habe, so daß ich genöthigt bin, spätestens mit dem Zwei-Uhr-Zuge zu fahren. Ich bin übrigens doch ein wenig neugierig, was die Sammlungen Alles enthalten mögen, die Benshausen bei Lebzeiten so eifersüchtig gegen jeden fremden Blick gehütet hat. Doch, bitte Julie, komm" — Fritz Möllner reichte seiner Verlobten den Arm — „Mama hat recht, es könnte ein größeres Gedränge in der Benshauser'schen Villa entstehen, welche Unannehmlichkeit wir vielleicht vermeiden, wenn wir sofort hingehen, jetzt werden wohl noch nicht so viele Besucher anwesend sein."
Das stattliche junge Paar empfahl sich der Frau Steuerrath und schlug den Weg nach der Villa des verstorbenen Sonderlings ein. Dies war der alte Herr in der That gewesen; vor längeren Jahren schon hatte er, aus einer fernen Gegend kommend, sein Heim in der durch ihre herrliche Lage weitbekannten Kreishauptstadt H. aufgeschlagen, wo der Rentner Benshausen eine kleine Villa miethete. Hier hatte er die ganzen Jahre über in Gesellschaft einer mürrischen Haushälterin und eines älteren Dieners gehaust, es konsequent vermeidend, irgendwie gesellige Beziehungen in der Stadt anzuknüpfen.
Nachr." zufolge, so reich an neuen Einzelheiten, daß tüchtige Arbeit dazu gehören wird, sie rechtzeitig zu stande zu bringen. Daß neben ihr in der laufenden Tagung noch ein anderer auf die staatliche Arbeiterversicherung, bezüglicher Entwurf, die Novelle für Jnvaliditäts- und Altersversicherung, die gegenwärtig einer eingehenden Beeathung in den Bundesraths-Ausschüffen unterzogen wird, dem Reichstage unterbreitet werden wird, ist nicht wahrscheinlich, immerhin aber möglich. Hauptsächlich wird nach den Weihnachtsferien die neue Militär- Strafprozeß-Ordnungdie Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen. Sie dürfte noch recht lebhafte Erörterungen herbeiführen. Daneben wird auch ein Entwurf über die Handwerks-Organisation berathen werden. Da der Reichstag den Entwurf über die Errichtung von Handwerkskammern, wie er ihm im ersten Abschnitt der laufenden Tagung unterbreitet war, einer Weiterberath- ung nicht unterzogen hat, wird der Bundesrath sich in irgend einer positiven Form über den von preußischer Seite gestellten Antrag auf Annahme eines Organisations- entwurfs schlüffig machen muffen. Es ist zwar nocy nicht völlig festgestellt, auf welcher Grundlage dies erfolgen wird, daß es aber erfolgen wird, darf als sicher angenommen werden.
Von den gr"ßsr Vorlagen, bie mit dem Bürgerlichen Gesetzbuche zugleich in Kraft treten sollen, istdasSub- H a st a t i 0 n s g e s e tz dem Reichstage bereits zugegangen und von diesem einer Commission zur Berathung über- wiesen. Als ziemlich sicher ist anzusehen, daß das neue Handelsgesetzbuch noch der Volksvertretung unterbreitet werden soll. Auch die zweite und dritte Etats- l e s u n g fallen noch in die ersten Monate des neuen Jahres, so daß den .Reichstag nach den Weihnachtsferien eine Fülle von Berathungsstoff erwartet.
Nachrichtcu.
Inland.
Berlin, 19. Dezember.
Se. Majestät der Kaiser nahm heute Vormittag von 9 Uhr ab den Vortrag des Chefs des Generalstabes, Generaladjutanten, Generals der Kavallerie, Grafen von Schliessen entgegen und arbeitete daran anschließend längere Zeit mit dem stellvertretenden Chef des Militär- kabinets, Obersten von Villaume.
Das Abgeordnetenhaus berieth die Handelskammernovelle in erster Lesung, überwies sie an eine 2ler-Kommission zur Vorberathung und vertagte sich
In jedem Jahre unternahm er aber wiederholt größere Reisen, von denen er regelmäßig mit einer ganzen Anzahl Kisten zurückkehrte, die nach den Andeutungen des alten Dieners allerhand Kunstgegenstände aus den verschiedensten Ländern enthielten. Der größte Theil der von Benshausen bewohnten Villa sollte allgemeiner Annahme nach mit Sammlungen von Bildern, Vasen, Statuen u. s. w. ungefüllt sein, die aber außer den drei Hausbewohnern niemand anders je gesehen hatte, da Benshausen den Zutritt zu seinen Schätzen ausnahmslos nicht gestattete. Nun war aber der alte Herr plötzlich einem Herzschlage erlegen, und auf Antrag seiner Erben, entfernter Verwandten des unvermählt gebliebenen Einsiedlers, sollten seine Kunstschätze behufs Regulirung der gesammten Erbansprüche unter den Hammer kommen. Die Benshausen schen L-ammlungen standen heute Jedermann zur beliebigen Besichtigung offen, die. beiden nächsten Tage sollten sie zur Auktion gelangen. Dr. Fritz Möllner hatte seiner Verlobten den Vorschlag gemacht, gemeinsam die Kunitschätze des alten Sonderlings in Augenschein zu nehmen, wobei der Affeffor den Hintergedanken hegte, vlelleicht einen 00er den andern Gegenstand unter den zur öffentlichen Versteigerung gestellten Gegenständen ausfindlg zu machen, der sich als Geschenk für Julie eignen könnte.
Einen ähnlichen Plan verfolgte aber auch Julie, als sie lebhaft ihre Zustimmung zu dem Besuche der Bens-