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Hr. 8. Iienftlig üt« 18. Iomm M.
Amtlicher Theil.
Zur Vornahme der Prüfung für den einjährig-freiwilligen Militairdienst ist als Anfangstermin für die Frühjahrs-Prüfung 1897 d e r 2 2. März 1897 festgesetzt worden.
Diejenigen jungen Leute, welche sich dieser Prüfung unterziehen wollen, haben ihr Gesuch vor dem 1 sten Februar 1897 bei der unterzeichneten Kommission einzu- reichen und in demselben anzugeben, in welchen zwei fremden Sprachen sie geprüft sein wollen.
Dem Gesuche sind beizufügen:
1) ein standesamtlicher Geburtsschein;
2) eine Erklärung des Vaters oder Vormundes über die Bereitwilligkeit, den Freiwilligen während einer einjährigen aktiven Dienstzeit zu bekleiden, nnszurüsten, sowie die Kosten für Wohnung und Unterhalt zu übernehmen. Die Fähigkeit hierzu ist obrigkeitlich zu bescheinigen;
3) ein UnbefcholtenheitS-Zeugniß, welches für Zöglinge von höheren Schulen (Gymnasien, Realgymnasien, Ober-Realschulen, Progymnasien, Realschulen, Realprogymnasien, höheren Bürgerschulen und den übrigen militairberechtigten Lehranstalten) durch den Direktor der Lehranstalt, für alle übrigen jungen Leute durch die Polizei-Obrigkeit, oder ihre Vorgesetzte Dienstbehörde auSzustellen ist.
4) ein vom Prüfling selbst ge- und unterschriebener Lebenslauf.
Sämmtliche Papiere sind in Urschrift einzu- reichen.
Sprechstunden im Regierungsgebäude, erstes Stock, Zimmer Nr. 16, Vormittags 10 bis 12 Uhr.
Cassel am 2. Januar 1897.
Königliche PrüfungS-Kommission für Einjährig-Freiwillige. Der Vorsitzende.
Freiherr von Brackel, Geheimer Regierungsrath.
Hersfeld, den 15. Januar 1897.
Diejenigen Herren OrtSvorstünde des hiesigen Kreises, in deren Gemarkungen sich fiskalisches Grundeigenthum befindet, werden hiermit an die Einreichung der Liquidationen über die für das Jahr 1896/97 zu zahlenden Gemeinde-Umlagen, für jeden Fiskus besonders aufgestellt, mit dem Bemerken erinnert, daß die nach Schluß des
Die letzten Hamburger.
Erzählung aus dem Jahre 1409.
Von M. Petri.
(Fortsetzung)
Als der Abt die Geschwister nicht zu Hause fand, begab er sich in die kleine Burgkapelle und lag in stiller Andacht auf den Stufen des Altars, bis ihm das Getrappel der Pferde und das Geräusch der Stimmen die Rückkehr des jungen Hausherrn verkündete. Da trat er hinaus und winkte mit stummen Gruße die Geschwister zu sich.
LutgardiS flog sofort auf ihn zu und wiederholte schnell die bange Frage: „Hochwürdiger, wo ist mein Vater? Oh, eS ist ihm ein Unglück zugestoßen!"
Der Abt faßte die Hand der Jungfrau lund wandle sich mit ihr zum Eingang des Hauses. Er führte sie in das kleine Thurmgemach und hieß sie niedersitzen: dann wandte er sich zu Heinrich: „Auch uns laß niedersitzen, es ist Schweres, was ich dir zu verkünden habe, mein Freund!"
Heinrich war sehr bleich. Seine Hand lag schwer auf der Kante des Tisches, aber er stand aufrecht und bat mit fester Stimme: „Sprecht, hochwürdiger Abt, ich bin bereit, alles zu hören!"
Der traurige Bericht begann. Es wurde dem Abt unsäglich schwer, dem edlen Geschwisterpaar die Schande - des Vaters zu verkünden. Er berührte kaum den Grund des Streites und hielt sich nur an die Thatsachen. LutgardiS barg das Gesicht in den Händen und schluchzte
Etatsjahres zur Vorlage gelangenden Liquidationen nicht mehr berücksichtigt werden.
A. 133. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Hersfeld, den 15. Januar 1897.
Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche noch mit Erledigung der Verfügung vom 5. Juli 1882 Nr. 8773, Kreisblatt Nr. 53, die Führung des Verzeichnisses über die Pflichtfeuerwehr betreffend, im Rückstände sind, werden mit Frist bis zum 24. b. M t S bei M e i d u n g von 3 Mark Strafe hieran erinnert.
I. 258. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Nichtamtlicher Theil.
Ein Rechenexempel.
Die Sozialdemokraten verweisen bei ihren Versuchen, die Unzufriedenheit zu schüren und hierdurch für ihre Ideen Anhang zu gewinnen, mit Vorliebe auf einzelne reiche Leute, indem sie es so darstellen, als ob die Verhältnisse der Unbemittelten bedeutend gebessert werden könnten, wenn man das gesammte Einkommen der Reichen und Armen gleichmäßig unter alle vertheilte. Die Unrichtigkeit dieser Behauptung ist schon wiederholt festgestellt worden. Auch durch die Zahlen, welche der preußische Finanzminister dem Landtage über die Veranlagung der Einkommen- und der Vermögenssteuer zugestelll hat, wird schlagend nachgewiesen, daß die Sozialdemokratie den Leuten mit ihrer obigen Behauptung blauen Dunst Vormacht.
Aus den amtlichen Angaben geht zunächst hervor, daß mehr als d r e i Viertel der Haushaltungsvorstände und sonstigen, bei entsprechendem Einkommen als Steuerzahler heranzuziehenden Personen von der Einkommensteuer im Jahre 1897/98 befreit sind, weil ihr Ein- krmmen geringer ist als 900 Mark jährlich. Das sind mehr als 8,6 Millionen. Ihnen gegenüber stehen die 2,65 Millionen Steuerzahler, die nicht weniger als 127 Millionen Mark Steuern bezahlen müssen. Das gesammte Einkommen derselben belauft sich auf 6086. Mill. Mark.
leise. Sie achtete nicht auf die Nebensachen des Berichtes, sie hörte und begriff nur das Eine, daß ihr Vater todt fei und niemals zu ihr zurückkehren werde.
Heinrich blickte tiefer, und die Nöthe der Scham, die brennend fein Gesicht überzog, und der Zornesblitz der Augen zeigten dem Abt, wie tief die Kunde ihn traf.
Der Abt hielt inne und blickte auf die Jungfrau. Tiefes Mitleid erfaßte fein Herz. Wie bald würden diese Thränen sich trocknen lassen, wie bald würde sich das frische Leben über den Verlust eines Vaters trösten, der ihrem Herzen so wenig nahe gestanden hatte. Aber er war noch nicht zu Ende, das Schwerste mußte noch gesagt werden, er mußte das Herz der Jungfrau aufs tiefste verwunden und ihr zeigen, wie die Hand des Geliebten das Haupt des Bruders bedrohte.
Er erhob sich und schritt erregt auf und ab. Wie war es so schwer, das rechte Wort zu finden, den Schlag abzuschmächen, den erführen muß; aber die Zeit drängte, der Abend sank immer dunkler herab, und ein Entschluß mußte gefaßt werden.
So begann er denn von neuem und erzählte v on den letzten Stunden des sterbenden Grafen von Eberstein und seiner wilden Forderungen und schloß mit den Worten : „Und so mußte Graf Hermann seinem sterbenden Vater geloben, ben Tod seines Freundes an dir, Heinrich, zu rächen!"
Lutgardis Thränen waren längst versiegt. Sie starrte im höchsten Entsetzen auf den Abt und brach bei den letzten Worten lautlos zusammen. Heinrich nahm die Leblose in seine Arme und legte sie auf die Bank, welche
Nimmt man an, daß die von der Einkommensteuer befreiten 8,6 Mill. durchschnittlich 900 Mk. Einkommen haben, so ergiebt dies für sie zusammen 7740 Mill. 900 Mk. ist zwar als Durchschnitt etwas hoch gegriffen, denn viele haben zweifellos ein weit geringeres Einkommen; aber andere wieder werden, trotz ihrer Ein- schätznng thatsächlich ein höheres Einkommen haben; sind doch unter ihnen mehr als 232 000 zur ErgänzungS- steuer herangezogen, weil sie über 6000 Mark Vermögen haben.
, Wie dem auch sei, das gesammte Einkommen der Bevölkerung würde trotz des zu hoch angesetzten Durchschnittseinkommens von 900 Mk. für die von der Einkommensteuer Befreiten nur 6086 Mill. + 7740 Mill. — 13 826 Mill. Mk. betragen. Auf jeden der 11,2 Mill. — die Zahl der Besitzer von Einkommen unter und über 900 Mk. — würden 'omit im Durchschnitt 1234 Mark Einkommen entfallen, wenn nach dem Rezepte der Sozialdemokraten verfahren würde. Im sozialistischen Staate würden sich also alle gut gelohnten gelernten Arbeiter nicht besser, sondern schlechter stehen, als unter den heutigen Produktionsverhältnissen.
Nun behauptet freilich die Sozialdemokratie, daß sie imstande sein werde, durch ihre vorzügliche ZukunftsOrganisation der gesLun:.»en Produktion und Konsumtion mit demselben Aufwand von Kapital und Arbeit eine weit größere Menge von Produkten zu erzielen und infolge dessen höhere Löhne zu bewilligen. Diese Behaup- tnng wird beweislos hingestellt und beruht auf Trugschlüssen. Denn gerade umgekehrt muß die Arbeit und der Betrieb weniger produktiv werden in dem Maße, wie das eigene Interesse der Einzelnen an der Produktivität verschwindet und dieses Interesse durch allgemeine Schablonen und Kontrollen ersetzt werden soll.
Politische Nachrichten.
Inland.
Berlin, 16. Januar.
Se. Majestät der Kaiser unternahm heute Vormittag den gewohnten Spaziergang durch den Thiergarten und empfing später den Präses der General- Ordenskommission Generallieutenant Prinzen zu Salm- Horstmar, und daran anschließend den Chef des Generalstabes, Grafen v. Schliessen, zum Vorlrage.
sich rings an den Wänden hinzog. Er bemühte sich rastlos um die geliebte Schwester und schien an die eigene Gefahr nicht zu denken. Er küßte sie, rief ihren Namen und flüsterte beruhigende Worte, bis sie endlich mit einem tiefen Seufzer die Augen wieder öffnete.
Dann führte er sie hinaus zu ihrem Lager und ließ sie in der Obhut Jrmgards, der Frau des Othelrich. Die Alte hatte sich durch die Wärme der Sommersonne wieder erholt, die schmerzenden Glieder versagten nicht mehr so ganz den Dienst, und sie konnte an ihrem Stock langsam einhergehen. Von ihrem Manne hatte sie das Schreckliche erfahren und sich sogleich auf den Weg gemacht, um zu sehen, ob ihr Liebling, ihr Herzenskind, nicht ihre Hilfe gebrauche. Sie bemühte sich mit Wort und That um die Leidende, und Heinrich eilte zum väterlichen Freunde zurück.
Der empfing ihn mit der eiligen Frage: „Was gedenkst du nun zu thun?"
Heinrich stutzte. „Daran habe ich noch gar nicht gedacht. Was bleibt mir übrig, als abzuwarten, welche Sühne von mir gefordert wird?"
„Abzuwarten!" unterbrach ihn ungeduldig der Abt. „Bedenkst du, wessen wir uns von dem heftigen, jähzornigen Sinn des Grafen Hermann zu versehen haben? Er kann in blinder Wuth mit einem Schlage seine Rache nehmen, dann ist es mit dem Glück deiner Schwester, mit deinem ganzen Geschlechte plötzlich zu Ende! Das bedenke!"
„Ja, Ihr habt recht; aber wie kann ich mich dagegen schützen?"