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(GratisbeilagenIllnstrirtes Sonntagsblatt" u.Illrrstrikte lanSwirthschaftliche Beilage".

«r. 11. Liklis,« den A. Immr 1897.

Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt

mit den Gratisbeilagen Milstrirtes Sonntagsblatt"»»» 3Muftiirte landwirthschaftl. Beilage" für die Monate Februar und März werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtlicher Theil.

Berlin, den 20. November 1896.

Im laufenden Jahre sind in der Presse wiederholt Vergiftungen durch Sublimatpastillen zur Sprache ge­bracht worden, dies gibt mir Veranlassung

1) den Aufsichtsbehörden eine besonders strenge Ueber- wachung der Handhabung der über die Abgabe stark wirkender Arzneimittel bestehenden Vorschriften Bekanntmachung vom 22. =^uni 1896, Minist.- Blatt f. d. innere Verw. S. 123, zu empfehlen.

2) Die Herren Aerzte sind außerdem zu ersuchen, Su­blimatpastillen nur in solchen Mengen zu verschreiben, wie sie der einzelne Krankheitsfall voraussichtlich erheischt, und dabei die Umgebung des Kranken auf die Giftigkeit des Mittels und die zur Verhütung von Unglücksfällen erforderlichen Vorsichtsmaßregeln aufmerksam zu machen.

3) Das niedere Heilpersonal, insbesondere Kranken­pfleger und Pflegerinnen, Hebammen, Heildiener, sind namentlich auf die durch den Gebrauch von Sublimatpastillen bedingten Gefahren hinzuweisen und demselben unter Betonung der eigenen Verant­wortlichkeit größte Vorsicht bei Aufbewahrung und Verwendung der Pastillen zur Pflicht zu machen. Ew. Hochgeboren ersuche ich ergebenst, hiernach das Weitere gefälligst zu veranlassen und zugleich dafür Sorge zu tragen, daß

4) alle vom 1. Januar 1897 ab zur Kenntniß der Be­hörden gelangenden Vergiftungen durch Sublimat­pastillen unter Mittheilung der Nebenumstände Ihnen angezeigt werden.

Die letzten Hombnrgvr.

Erzählung aus dem Jahre 1409.

Von M. Petr i. (Fortsetzung.)

Nun wartete LutgardiS in fieberhafter Ungeduld von einem Tage zum andern. Othelrich ritt fast täglich hinunter, bis der Abt ihn auffordern ließ, sich die An­strengung zu ersparen, er werde einen Boten schicken, sobald es nur etwas Bestimmtes mitzutheilen gäbe. Drei Tage lang hatten sie nichts gehört, da litt es LutgardiS nicht länger. Mit großer List ersann sie einen Plan, wie sie unbemerkt den beiden Alten auf einige Stunden entschlüpfen könnte, und es war ihr ge­glückt' Müdigkeit vorschützend, hatte sie sich auf ihr Lager zurückgezogen und war durch eine kleine, niemals benutzte Pforte, zu welcher sie nach langem Suchen einen Schlüssel gefunden hatte, ins Freie geeilt.

In athemloser Hast stürmte sie flüchtigen Fußes vor­wärts, wie ein entsprungener Gefangener, und erreichte nach stark zwei Stunden wirklich die Umgebung des Klosters. Hier machte sie Halt und überlegte, waü^ sie eigentlich wollte.

Nachricht haben, den Bruder sehen! Eins so unmög­lich wie das andere. Sie besann sich auf das Kloster- gesetz, welches keinem Frauenfuß gestattete, die Schwelle zu überschreiten, und sie durfte nicht wagen, dagegen zu handeln.

So stand sie rathlos, als ihr plötzlich Bruder Masko

5) Zum 1. Februar jeden Jahres von 1898 ab, sehe I ich einem Berichte über die zur Mittheilung gelang- I ten Vorkommnisse oder einer Vakatanzeige entgegen. Ministeriun der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal- Angelegenheiten. Im Austrage gez. B a r t s ch.

An den Königlichen Regierungs-Präsidenten Wirklichen Geheimen Ober-Regierungsrath, Herrn Grafen C l a i- ron b Haussonville Hochwohlgeboren in Cassel. M. Nr. 11797.

*

Cassel, den 31. Dezember 1896.

Abschrift mit dem Auftrage, die Nachgeordneten Auf­sichtsbehörden, Krankenhäuser rc. in geeigneter Weise hiervon in Kenntniß zu setzen. Ueber jede versuchte oder erfolgte Vergiftung ist mir Anzeige zu erstatten auf Grund eingehend und sorgfältig angestellter Erkun­digungen rc.

Der Regierungs-Präsident. gez. Haussonville. An den Herrn Polizei-Präsidenten hier und die Herren Landräthe des Regierungsbezirks. A. II. 11158.

* *

Hersfeld, den 21. Januar 1897.

Vorstehendes wird den Herren Ortsvorständen des Kreises mit der Auflage mitgetheilt, über jede versuchte oder erfolgte Vergiftung "darch SublimatpastiUen mir entsprechenden Bericht zu erstatten.

L. 291. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Ziegenhain, den 21. Januar 1897.

Unter dem Rindviehbestande des Ackermannes Hans Heinrich Dödenbier zu Wincherode bei Nausis ist die Maul- und Klauenseuche auSgebrochen und daher für den Hof Wincherode und dessen Feldmark GemarkungSsperre angeordnet worden.

I. V.: B r u n n e r.

An den Herrn Landrath in Hersfelb.

* * * Hersfeld, den 23. Januar 1897.

Wird veröffentlicht.

I. 478. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 22. Januar 1897.

Die Herren Ortsvorstände zu Allendorf, Allmershau- sen, Ausbach, Eitra, Frielingen, Gershausen, HeeneS,

wie ein Retter in der Noth erschien, und freudig eilte sie zu ihm hin.

Masko, du bist zurück? Wie geht es Heinrich? Wo ist Hermann? Was habt Ihr beschlossen? Sage mir alles, schnell, schnell; o, ich habe so lange gewartet!"

In fliegender Hast stürmten die Fragen auf ihn ein, und er wußte nicht, was er antworten sollte; vergebens rang er nach Ruhe, nach Fassung, und ehe er dahin ge­kommen war, hatte LutgardiS aus seinen kurzen Ant­worten schon alles erfahren, was sie wissen wollte.

Hermann hat sich zu nichts bereit finden lassen," stöhnte sie.Oh, daß ich ihn sprechen könnte, ihn zwingen, freundlich und sanft zu sein, und heute ist die Entscheid­ung, vielleicht schon in der nächsten Stunde!"

Sie schwieg einen Augenblick, dann wandte sie sich mit flehender Bitte zu Masko:Nimm mich mit ins Kloster, Masko, bring mich zu Heinrich, daß ich erfahre, wie das Urtheil ausfällt!"

Entsetzt prallte Masko zurück:Ins Kloster, eine Frau! Bedenke, was du forderst, LutgardiS. Du weißt selbst, daß es unmöglich ist!"

Ich weiß es. Aber besinne dich; wenn du es willst, ist es doch vielleicht möglich. Ganz heimlich will ich mich einschleichen, keiner soll mich sehen. Nur laß mich nicht ganz allein im finstern Walde mit meiner Angst!"

Da sah er es vor sich, das bleiche, flehende Gesicht, das ihm so oft im Traume vorgeschwebt, und die krampf­haft verschlungenen Hände erhoben sich gegen ihn. Er war ein Mönch, und noch niemals hatte er gefühlt, daß

Heringen, Hilmes, Kerspenhausen, Kleinensee, Malkomcs, Meckbach, Mengshausen, Niederjossa, Philippsthal, Necke- rode, Schenksolz, Tann und Unterhaun werden hierdurch an die Erledigung meiner Verfügung vom 23. Dezem­ber 1896 I. 6802 (Kreisblatt Nr. 6 von 1897) betref­fend die Einreichung der Empfangsbescheinigungen über die den Gast- und Schankwirthen zugestellten Bescheide bezüglich der Verabreichung von geistigen Getränken an die Gewohnheitssöffer rc. m i t Frist bis z u m 3 0. d. M t s. erinnert.

I. 6802. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Nichtamtlicher Theil.

Frankreich und der Orient.

Schon seit längerer Zeit giebt sich in der französt- schen Preffe eine gewisse Unzufriedenheit mit der Stel­lung kund, die Frankreich im Orient einnimmt. Man hatte von demBündnisse" mit Rußland mehr Vortheile im Orient erwartet, als sich bisher in Wirklichkeit ge­zeigt haben, vBer tx ist vielleicht richtiger zu sagen, daß mit dem Selbstgefühl, das sich mit den vom Zaren der französischen Republik erwiesenen Ehren eingestellt hat, auch die Ansprüche auf Berücksichtigung der französischen Interessen im Orient gewachsen sind.

Dem Zaren wird in einzelnen Blättern ziemlich offen vorgehalten, daß er sein in Paris gegebenes Wort bis jetzt nicht eingelöst habe. Kaiser Nikolaus soll nämlich in den Unterredungen mit Hanotaux dem Plane, einen russischen Delegierten für die türkische Schuldenverwal- tung zu bestelle», zugestimmt und später dem Wider­sprüche des Botschafters v. Nelidow und des Finanz­ministers Witte Gehör geschenkt haben. Das finanzielle Interesse Frankreichs in der Türkei ist ja zweifellos sehr groß, und den zahlreichen französischen Gläubigern der Türkei könnte nichts erwünschter sein, als wenn Rußland, statt die Zustände in der Türkei versumpfen zu lassen, seinen starken Arm zu einer geordneten finanziellen Melioration gebrauchen wollte. Daß dies bis jetzt nicht geschehen ist, hat französische Blätter bis zu Ausdrücken der Unehrerbietigkeit gegen den hohenAlliierten" ver­drossen.

Aber außer den finanziellen giebt es noch starke

er Ketten trug, die ihn von der Welt schieden. Aber er war auch ein Mensch mit einem treuen, mitleidigen Herzen, und als er die großen, angsterfüllten Augen sah, die bittend an seinen Lippen hingen, da fühlte er sein Herz schneller schlagen mit dem brennenden Wunsche, der lieblichen Jungfrau helfen zu können und ihre Bitte zu erfüllen. Er trat ihr näher und ergriff ihre Hände. Ich darf es nicht, LutgardiS; o, wenn ich es könnte, wie gern wollt ich dir helfen!"

So muß ich hier liegen bleiben unter den Bäumen des Waldes im nassen Moos, denn ich weiche nicht, bis ich erfahren habe, wie es ausgefallen ist. Begreifst du nicht, Masko, daß ich die Angst um meinen Bruder, um meinen Geliebten nicht länger allein ertragen kann!"

Sie wandte sich von ihm und ging vor ihm auf und ab, in stummer Verzweiflung die Hände ringend.

Plötzlich wandte sie sich wieder zu ihm und klammerte sich an feinen Arm:Und wenn du mich nicht zu Heinrich bringen kannst, so verbirg mich heimlich an einem Orte, wo ich ihn sehen kann, wenn er zum Abt geführt wird, und wo ich endlich einmal wieder seine Stimme hören kann. Masko, bei der dankbaren Liebe, welche du meiner Mutter widmest, flehe ich dich an: hilf mir!"

Dunkle Gluth schoß in sein bleiches Gesicht, und er wischte sich den Angstschweiß von der Stirne. Er löste die Hände von seinem Arm und schob sie sanft von sich, dann sprach er leise und scheu:Ich will es versuchen. Warte hier, bis ich dich hole!" Und eilig ging er zum Kloster zurück.